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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 1. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Okibr. 1816 zu Bergen auf der Jnsel
Rügen als der Sohn eines Lehrers
geboren und von diesem zum Theo-
logen bestimmt. Nachdem er 5 Jahre
lang das Gymnasium zu Stralsund
besucht hatte, änderte er selbst seinen
Lebensplan, indem er sich der Künst-
lerlaufbahn, speziell dem Studium
der Musik zu widmen beschloß, und
ging deshalb nach Berlin, wo er am
Jnstitut für Kirchenmusik und an der
Akademie der Künste seine Studien
begann und daneben an der Univer-
sität Kollegien über Philosophie, Ge-
schichte und Ästhetik hörte. Äußere
Verhältnisse zwangen ihn bald, seine
Existenz durch Unterricht in der Mu-
sik und Herausgabe von Kompositio-
nen zu sichern; allein Überanstren-
gung schwächte ihm Brust und Hals
in dem Grade, daß er, 26 Jahre alt,
eine neue Karriere einschlagen mußte.
Höhere Staatsbeamte, denen seine
Begabung nicht unbekannt geblieben
war, leiteten den Übertritt in die
Beamtenlaufbahn ein, und D. erhielt
1843 eine Stellung im Preßbureau
des Oberpräsidiums zu Potsdam,
bildete sich daneben auch in den übri-
gen Verwaltungsfächern bei der Re-
gierung aus. Ein Jahr blieb er dort,
während welcher Zeit auch einige sei-
ner größeren Kompositionen in ge-
schlossenen Kreisen zur Aufführung
gelangten. Dann wurde er auf
Wunsch des Königs dem Dichter Lud-
wig Tieck als Helfer bei seinem Schrift-
wechsel und seinen damaligen Arbei-
ten zur Aufführung der griechischen
Dramen zugewiesen. Tieck u. Hum-
boldt vermittelten dann Dammas'
Anstellung im königlichen Hofmar-
schallamt. Nach einem Jahre kam er
als Geh. expedierender Sekretär ins
Finanzministerium, ward später Rech-
nungsrat und zu verschiedenen amt-
lichen Kommissionen verwandt, wie
z. B. 1862 zur Jndustrieausstellung
in London, u. 1865 als zweiter Direk-
tor bei der königl. General-Lotterie-
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Dam
Direktion angestellt. Seit 1875 erster
Direktor derselben, starb er am 24.
Mai 1885.

S:

James der Zweite u.
sein Fall (Hist. R.); III, 1859. - Die
Schulgefährten (Bilder aus d. bösen
Welt); II, 1865. - Faust (Tragikom.
Fastnachtsposse), 1865. - Künstler-
leben und Alltagsleben (R.); III,
1868.

Dämon, Angelo,

Pseudon. für
Eduard Daelen; s. d.!

*Damrosch, Joseph H.,

wurde am
22. Juli 1841 in Posen als Sohn
eines Kaufmanns und Gastwirts ge-
boren, der an den politischen Kämp-
fen der vierziger Jahre tätigen An-
teil nahm und sich besonders eifrig
an den damals erfolgreichen Bestre-
bungen des Deutschtums gegenüber
dem aufständischen und anspruchs-
vollen Polonismus beteiligte. Der
Vater ließ seinen Kindern eine gute
Erziehung u. Bildung zuteil werden,
und so besuchte auch Joseph das
Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in
Posen, um sich hier auf das Univer-
sitätsstudium vorzubereiten. Der
Plan scheiterte an dem frühen Tode
des Vaters, der seine Familie mittel-
los zurückließ, und so kam der Sohn
nach Absolvierung der Sekunda nach
Berlin, wo ein älterer Bruder weilte,
u. trat hier 1858 als Lehrling in ein
kaufmännisches Geschäft ein. Jn die-
sem Berufe ist er seitdem in den ver-
schiedensten Zweigen tätig gewesen;
er arbeitete im Kleinhandel, im Groß-
geschäft, in Fabriken und ist seit 1881
Vertreter von Fabriken mit ständi-
gem Wohnsitz in Berlin. Für Mutter
und Schwestern zu sorgen, die 1860
auch nach Berlin übersiedelten, ist
seine Lebensaufgabe geworden, der
er sich gern und freudig unterzogen
hat.

S:

Marterhauptens Gottfried
(Ein Leier-Concertino in 5 Sätzen.
Ge.), 1897. - Kleineleut-Geschichten
eines Berliner Junggesellen, 1902. -
Der Kupferdreier, oder: Treue um
Treue (Unmodernes Dr.), 1905.

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Dam
Okibr. 1816 zu Bergen auf der Jnſel
Rügen als der Sohn eines Lehrers
geboren und von dieſem zum Theo-
logen beſtimmt. Nachdem er 5 Jahre
lang das Gymnaſium zu Stralſund
beſucht hatte, änderte er ſelbſt ſeinen
Lebensplan, indem er ſich der Künſt-
lerlaufbahn, ſpeziell dem Studium
der Muſik zu widmen beſchloß, und
ging deshalb nach Berlin, wo er am
Jnſtitut für Kirchenmuſik und an der
Akademie der Künſte ſeine Studien
begann und daneben an der Univer-
ſität Kollegien über Philoſophie, Ge-
ſchichte und Äſthetik hörte. Äußere
Verhältniſſe zwangen ihn bald, ſeine
Exiſtenz durch Unterricht in der Mu-
ſik und Herausgabe von Kompoſitio-
nen zu ſichern; allein Überanſtren-
gung ſchwächte ihm Bruſt und Hals
in dem Grade, daß er, 26 Jahre alt,
eine neue Karriere einſchlagen mußte.
Höhere Staatsbeamte, denen ſeine
Begabung nicht unbekannt geblieben
war, leiteten den Übertritt in die
Beamtenlaufbahn ein, und D. erhielt
1843 eine Stellung im Preßbureau
des Oberpräſidiums zu Potsdam,
bildete ſich daneben auch in den übri-
gen Verwaltungsfächern bei der Re-
gierung aus. Ein Jahr blieb er dort,
während welcher Zeit auch einige ſei-
ner größeren Kompoſitionen in ge-
ſchloſſenen Kreiſen zur Aufführung
gelangten. Dann wurde er auf
Wunſch des Königs dem Dichter Lud-
wig Tieck als Helfer bei ſeinem Schrift-
wechſel und ſeinen damaligen Arbei-
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Dramen zugewieſen. Tieck u. Hum-
boldt vermittelten dann Dammas’
Anſtellung im königlichen Hofmar-
ſchallamt. Nach einem Jahre kam er
als Geh. expedierender Sekretär ins
Finanzminiſterium, ward ſpäter Rech-
nungsrat und zu verſchiedenen amt-
lichen Kommiſſionen verwandt, wie
z. B. 1862 zur Jnduſtrieausſtellung
in London, u. 1865 als zweiter Direk-
tor bei der königl. General-Lotterie-
[Spaltenumbruch]
Dam
Direktion angeſtellt. Seit 1875 erſter
Direktor derſelben, ſtarb er am 24.
Mai 1885.

S:

James der Zweite u.
ſein Fall (Hiſt. R.); III, 1859. – Die
Schulgefährten (Bilder aus d. böſen
Welt); II, 1865. – Fauſt (Tragikom.
Faſtnachtspoſſe), 1865. – Künſtler-
leben und Alltagsleben (R.); III,
1868.

Dämon, Angelo,

Pſeudon. für
Eduard Daelen; ſ. d.!

*Damroſch, Joſeph H.,

wurde am
22. Juli 1841 in Poſen als Sohn
eines Kaufmanns und Gaſtwirts ge-
boren, der an den politiſchen Kämp-
fen der vierziger Jahre tätigen An-
teil nahm und ſich beſonders eifrig
an den damals erfolgreichen Beſtre-
bungen des Deutſchtums gegenüber
dem aufſtändiſchen und anſpruchs-
vollen Polonismus beteiligte. Der
Vater ließ ſeinen Kindern eine gute
Erziehung u. Bildung zuteil werden,
und ſo beſuchte auch Joſeph das
Friedrich-Wilhelms-Gymnaſium in
Poſen, um ſich hier auf das Univer-
ſitätsſtudium vorzubereiten. Der
Plan ſcheiterte an dem frühen Tode
des Vaters, der ſeine Familie mittel-
los zurückließ, und ſo kam der Sohn
nach Abſolvierung der Sekunda nach
Berlin, wo ein älterer Bruder weilte,
u. trat hier 1858 als Lehrling in ein
kaufmänniſches Geſchäft ein. Jn die-
ſem Berufe iſt er ſeitdem in den ver-
ſchiedenſten Zweigen tätig geweſen;
er arbeitete im Kleinhandel, im Groß-
geſchäft, in Fabriken und iſt ſeit 1881
Vertreter von Fabriken mit ſtändi-
gem Wohnſitz in Berlin. Für Mutter
und Schweſtern zu ſorgen, die 1860
auch nach Berlin überſiedelten, iſt
ſeine Lebensaufgabe geworden, der
er ſich gern und freudig unterzogen
hat.

S:

Marterhauptens Gottfried
(Ein Leier-Concertino in 5 Sätzen.
Ge.), 1897. – Kleineleut-Geſchichten
eines Berliner Junggeſellen, 1902. –
Der Kupferdreier, oder: Treue um
Treue (Unmodernes Dr.), 1905.

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[460/0464] Dam Dam Okibr. 1816 zu Bergen auf der Jnſel Rügen als der Sohn eines Lehrers geboren und von dieſem zum Theo- logen beſtimmt. Nachdem er 5 Jahre lang das Gymnaſium zu Stralſund beſucht hatte, änderte er ſelbſt ſeinen Lebensplan, indem er ſich der Künſt- lerlaufbahn, ſpeziell dem Studium der Muſik zu widmen beſchloß, und ging deshalb nach Berlin, wo er am Jnſtitut für Kirchenmuſik und an der Akademie der Künſte ſeine Studien begann und daneben an der Univer- ſität Kollegien über Philoſophie, Ge- ſchichte und Äſthetik hörte. Äußere Verhältniſſe zwangen ihn bald, ſeine Exiſtenz durch Unterricht in der Mu- ſik und Herausgabe von Kompoſitio- nen zu ſichern; allein Überanſtren- gung ſchwächte ihm Bruſt und Hals in dem Grade, daß er, 26 Jahre alt, eine neue Karriere einſchlagen mußte. Höhere Staatsbeamte, denen ſeine Begabung nicht unbekannt geblieben war, leiteten den Übertritt in die Beamtenlaufbahn ein, und D. erhielt 1843 eine Stellung im Preßbureau des Oberpräſidiums zu Potsdam, bildete ſich daneben auch in den übri- gen Verwaltungsfächern bei der Re- gierung aus. Ein Jahr blieb er dort, während welcher Zeit auch einige ſei- ner größeren Kompoſitionen in ge- ſchloſſenen Kreiſen zur Aufführung gelangten. Dann wurde er auf Wunſch des Königs dem Dichter Lud- wig Tieck als Helfer bei ſeinem Schrift- wechſel und ſeinen damaligen Arbei- ten zur Aufführung der griechiſchen Dramen zugewieſen. Tieck u. Hum- boldt vermittelten dann Dammas’ Anſtellung im königlichen Hofmar- ſchallamt. Nach einem Jahre kam er als Geh. expedierender Sekretär ins Finanzminiſterium, ward ſpäter Rech- nungsrat und zu verſchiedenen amt- lichen Kommiſſionen verwandt, wie z. B. 1862 zur Jnduſtrieausſtellung in London, u. 1865 als zweiter Direk- tor bei der königl. General-Lotterie- Direktion angeſtellt. Seit 1875 erſter Direktor derſelben, ſtarb er am 24. Mai 1885. S: James der Zweite u. ſein Fall (Hiſt. R.); III, 1859. – Die Schulgefährten (Bilder aus d. böſen Welt); II, 1865. – Fauſt (Tragikom. Faſtnachtspoſſe), 1865. – Künſtler- leben und Alltagsleben (R.); III, 1868. Dämon, Angelo, Pſeudon. für Eduard Daelen; ſ. d.! *Damroſch, Joſeph H., wurde am 22. Juli 1841 in Poſen als Sohn eines Kaufmanns und Gaſtwirts ge- boren, der an den politiſchen Kämp- fen der vierziger Jahre tätigen An- teil nahm und ſich beſonders eifrig an den damals erfolgreichen Beſtre- bungen des Deutſchtums gegenüber dem aufſtändiſchen und anſpruchs- vollen Polonismus beteiligte. Der Vater ließ ſeinen Kindern eine gute Erziehung u. Bildung zuteil werden, und ſo beſuchte auch Joſeph das Friedrich-Wilhelms-Gymnaſium in Poſen, um ſich hier auf das Univer- ſitätsſtudium vorzubereiten. Der Plan ſcheiterte an dem frühen Tode des Vaters, der ſeine Familie mittel- los zurückließ, und ſo kam der Sohn nach Abſolvierung der Sekunda nach Berlin, wo ein älterer Bruder weilte, u. trat hier 1858 als Lehrling in ein kaufmänniſches Geſchäft ein. Jn die- ſem Berufe iſt er ſeitdem in den ver- ſchiedenſten Zweigen tätig geweſen; er arbeitete im Kleinhandel, im Groß- geſchäft, in Fabriken und iſt ſeit 1881 Vertreter von Fabriken mit ſtändi- gem Wohnſitz in Berlin. Für Mutter und Schweſtern zu ſorgen, die 1860 auch nach Berlin überſiedelten, iſt ſeine Lebensaufgabe geworden, der er ſich gern und freudig unterzogen hat. S: Marterhauptens Gottfried (Ein Leier-Concertino in 5 Sätzen. Ge.), 1897. – Kleineleut-Geſchichten eines Berliner Junggeſellen, 1902. – Der Kupferdreier, oder: Treue um Treue (Unmodernes Dr.), 1905. *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 1. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 460. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon01_1913/464>, abgerufen am 20.03.2019.