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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Fir
Familienheim, in dem er meist in stil-
ler Zurückgezogenheit den Rest seines
Lebens verbrachte. Nur 1863 wurde
dieses traute Stilleben durch die pol-
nische Revolution für anderthalb
Jahre unterbrochen, da F. mit seiner
Familie vor den Jnsurgentenbanden
auf das Gut seines Vaters in Kur-
land flüchten mußte. Jn demselben
Jahre beteiligte er sich auch für kurze
Zeit als Bevollmächtigter zur soge-
nannten "Brüderlichen Konferenz"
an dem politischen Leben seines Hei-
matlandes, zog sich dann aber gänz-
lich von demselben zurück, um nun-
mehr an eine längst geplante Samm-
lung siener Gedichte zu gehen. Jm
Jahre 1869 machte er eine Reise ins
Ausland, besuchte Wien und Ungarn,
das ihn besonders fesselte, kehrte aber
krank heim und konnte sich auch von
seinen Leiden nicht wieder erholen.
Er starb zu Nigranden am 20. Febr.
(4. März n. St.) 1871.

S:

Zwei Dra-
men (Masaniello. - Eine Bildhauer-
Werkstatt in Florenz), 1857. - Ge-
dichte, 1864. - Poetischer Nachlaß, 1871.
- Gedichte, in Auswahl hrsg. von F.
Loofs u. J. C. Schwartz, 1904. - Dich-
tungen; ausgewählt und hrsg. von
Jeannot Emil Freiherrn von Grott-
huß, 1904.

Firle, Luise,

siehe Luise Bern-
hardi!

Firmenich-Richartz, Johann
Matthias,

wurde am 5. Juli 1808 in
Köln geboren und entstammte einer
der ältesten, seit dem 14. Jahrhundert
dort ansässig gewesenen bürgerlichen
Familien. Er besuchte das Karmeliter-
Gymnasium daselbst und zeigte schon
früh ein ungewöhnliches Sprach-
talent und eine besondere Neigung zu
allem Volkstümlichen. Nach Voll-
endung seiner akademischen Studien,
die er in Bonn und München machte
und durch Promotion zum Dr. phil.
abschloß, begab er sich Studien halber
auf Reisen, die ihn durch Deutschland
und nach Frankreich führten, weilte
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dann zwei Jahre (1832-34) in Rom,
wo er mit Thorwaldsen, Horace Ver-
net, Koch, Reinhart und Cornelius
bekannt wurde und besonders die
Dialekte der romanischen Sprachen
studierte. Von Rom begab er sich nach
Wien, wo eine feste Freundschaft mit
Anastasius Grün (Graf Auersperg)
geknüpft ward. Da aber der Auers-
pergsche Kreis der Regierung unbe-
quem wurde, so erfolgte schließlich F.'s
Ausweisung. Dieser kehrte nun an
den Rhein zurück, wo er erst in Köln,
dann in Düsseldorf lebte u. sich vor-
zugsweise mit Sammlung von deut-
schen Dichtungen, Sagen etc. in den
verschiedensten Mundarten beschäf-
tigte. Jm Jahre 1839 siedelte er nach
Berlin über, und hier veröffentlichte
er seine bekannten Sammlungen von
Volksgesängen etc., wofür er 1860 zum
Professor ernannt wurde. Von sei-
nem Onkel, dem 1861 in Köln ver-
storbenen Millionär Richartz, dem Er-
bauer des Kölner Museums, zum
Universalerben eingesetzt, hatte er
seitdem, einer Testamentsbestimmung
zufolge, dort seinen Wohnsitz. Auch
fügte er, mit königlicher Erlaubnis,
seinem Namen denjenigen des Erb-
lassers hinzu. Jm Jahre 1868 entzog
eine schwere Krankheit ihn seiner wis-
senschaftlichen Tätigkeit u. dem öffent-
lichen Leben. Ein schweres Gemüts-
leiden hielt seinen reichen Geist volle
21 Jahre umnachtet. Am 10. Mai
1889 erlöste ihn in Potsdam der Tod.
Jn Poppelsdorf bei Bonn wurde er
am 15. Mai zur letzten Ruhe bestattet.

S:

Klothilde Montalvi (Tr.), 1840.
- Neugriechische Volksgesänge (Ur-
text und Übersetzung); II, 1840-67. -
Germaniens Völkerstimmen (Samm-
lung der deutschen Mundarten in Dn.,
Sg., M., Lr. etc.); III, 1843-66; Nach-
trag, 1867.

*Fischbach, Peter Joseph,

* am
14. März 1808 zu Düren in der Rhein-
provinz, besuchte das Gymnasium sei-
ner Vaterstadt und bezog 1825 die

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Fir
Familienheim, in dem er meiſt in ſtil-
ler Zurückgezogenheit den Reſt ſeines
Lebens verbrachte. Nur 1863 wurde
dieſes traute Stilleben durch die pol-
niſche Revolution für anderthalb
Jahre unterbrochen, da F. mit ſeiner
Familie vor den Jnſurgentenbanden
auf das Gut ſeines Vaters in Kur-
land flüchten mußte. Jn demſelben
Jahre beteiligte er ſich auch für kurze
Zeit als Bevollmächtigter zur ſoge-
nannten „Brüderlichen Konferenz“
an dem politiſchen Leben ſeines Hei-
matlandes, zog ſich dann aber gänz-
lich von demſelben zurück, um nun-
mehr an eine längſt geplante Samm-
lung ſiener Gedichte zu gehen. Jm
Jahre 1869 machte er eine Reiſe ins
Ausland, beſuchte Wien und Ungarn,
das ihn beſonders feſſelte, kehrte aber
krank heim und konnte ſich auch von
ſeinen Leiden nicht wieder erholen.
Er ſtarb zu Nigranden am 20. Febr.
(4. März n. St.) 1871.

S:

Zwei Dra-
men (Maſaniello. – Eine Bildhauer-
Werkſtatt in Florenz), 1857. – Ge-
dichte, 1864. – Poetiſcher Nachlaß, 1871.
– Gedichte, in Auswahl hrsg. von F.
Loofs u. J. C. Schwartz, 1904. – Dich-
tungen; ausgewählt und hrsg. von
Jeannot Emil Freiherrn von Grott-
huß, 1904.

Firle, Luiſe,

ſiehe Luiſe Bern-
hardi!

Firmenich-Richartz, Johann
Matthias,

wurde am 5. Juli 1808 in
Köln geboren und entſtammte einer
der älteſten, ſeit dem 14. Jahrhundert
dort anſäſſig geweſenen bürgerlichen
Familien. Er beſuchte das Karmeliter-
Gymnaſium daſelbſt und zeigte ſchon
früh ein ungewöhnliches Sprach-
talent und eine beſondere Neigung zu
allem Volkstümlichen. Nach Voll-
endung ſeiner akademiſchen Studien,
die er in Bonn und München machte
und durch Promotion zum Dr. phil.
abſchloß, begab er ſich Studien halber
auf Reiſen, die ihn durch Deutſchland
und nach Frankreich führten, weilte
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dann zwei Jahre (1832–34) in Rom,
wo er mit Thorwaldſen, Horace Ver-
net, Koch, Reinhart und Cornelius
bekannt wurde und beſonders die
Dialekte der romaniſchen Sprachen
ſtudierte. Von Rom begab er ſich nach
Wien, wo eine feſte Freundſchaft mit
Anaſtaſius Grün (Graf Auersperg)
geknüpft ward. Da aber der Auers-
pergſche Kreis der Regierung unbe-
quem wurde, ſo erfolgte ſchließlich F.’s
Ausweiſung. Dieſer kehrte nun an
den Rhein zurück, wo er erſt in Köln,
dann in Düſſeldorf lebte u. ſich vor-
zugsweiſe mit Sammlung von deut-
ſchen Dichtungen, Sagen ꝛc. in den
verſchiedenſten Mundarten beſchäf-
tigte. Jm Jahre 1839 ſiedelte er nach
Berlin über, und hier veröffentlichte
er ſeine bekannten Sammlungen von
Volksgeſängen ꝛc., wofür er 1860 zum
Profeſſor ernannt wurde. Von ſei-
nem Onkel, dem 1861 in Köln ver-
ſtorbenen Millionär Richartz, dem Er-
bauer des Kölner Muſeums, zum
Univerſalerben eingeſetzt, hatte er
ſeitdem, einer Teſtamentsbeſtimmung
zufolge, dort ſeinen Wohnſitz. Auch
fügte er, mit königlicher Erlaubnis,
ſeinem Namen denjenigen des Erb-
laſſers hinzu. Jm Jahre 1868 entzog
eine ſchwere Krankheit ihn ſeiner wiſ-
ſenſchaftlichen Tätigkeit u. dem öffent-
lichen Leben. Ein ſchweres Gemüts-
leiden hielt ſeinen reichen Geiſt volle
21 Jahre umnachtet. Am 10. Mai
1889 erlöſte ihn in Potsdam der Tod.
Jn Poppelsdorf bei Bonn wurde er
am 15. Mai zur letzten Ruhe beſtattet.

S:

Klothilde Montalvi (Tr.), 1840.
– Neugriechiſche Volksgeſänge (Ur-
text und Überſetzung); II, 1840–67. –
Germaniens Völkerſtimmen (Samm-
lung der deutſchen Mundarten in Dn.,
Sg., M., Lr. ꝛc.); III, 1843–66; Nach-
trag, 1867.

*Fiſchbach, Peter Joſeph,

* am
14. März 1808 zu Düren in der Rhein-
provinz, beſuchte das Gymnaſium ſei-
ner Vaterſtadt und bezog 1825 die

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[212/0216] Fir Fiſ Familienheim, in dem er meiſt in ſtil- ler Zurückgezogenheit den Reſt ſeines Lebens verbrachte. Nur 1863 wurde dieſes traute Stilleben durch die pol- niſche Revolution für anderthalb Jahre unterbrochen, da F. mit ſeiner Familie vor den Jnſurgentenbanden auf das Gut ſeines Vaters in Kur- land flüchten mußte. Jn demſelben Jahre beteiligte er ſich auch für kurze Zeit als Bevollmächtigter zur ſoge- nannten „Brüderlichen Konferenz“ an dem politiſchen Leben ſeines Hei- matlandes, zog ſich dann aber gänz- lich von demſelben zurück, um nun- mehr an eine längſt geplante Samm- lung ſiener Gedichte zu gehen. Jm Jahre 1869 machte er eine Reiſe ins Ausland, beſuchte Wien und Ungarn, das ihn beſonders feſſelte, kehrte aber krank heim und konnte ſich auch von ſeinen Leiden nicht wieder erholen. Er ſtarb zu Nigranden am 20. Febr. (4. März n. St.) 1871. S: Zwei Dra- men (Maſaniello. – Eine Bildhauer- Werkſtatt in Florenz), 1857. – Ge- dichte, 1864. – Poetiſcher Nachlaß, 1871. – Gedichte, in Auswahl hrsg. von F. Loofs u. J. C. Schwartz, 1904. – Dich- tungen; ausgewählt und hrsg. von Jeannot Emil Freiherrn von Grott- huß, 1904. Firle, Luiſe, ſiehe Luiſe Bern- hardi! Firmenich-Richartz, Johann Matthias, wurde am 5. Juli 1808 in Köln geboren und entſtammte einer der älteſten, ſeit dem 14. Jahrhundert dort anſäſſig geweſenen bürgerlichen Familien. Er beſuchte das Karmeliter- Gymnaſium daſelbſt und zeigte ſchon früh ein ungewöhnliches Sprach- talent und eine beſondere Neigung zu allem Volkstümlichen. Nach Voll- endung ſeiner akademiſchen Studien, die er in Bonn und München machte und durch Promotion zum Dr. phil. abſchloß, begab er ſich Studien halber auf Reiſen, die ihn durch Deutſchland und nach Frankreich führten, weilte dann zwei Jahre (1832–34) in Rom, wo er mit Thorwaldſen, Horace Ver- net, Koch, Reinhart und Cornelius bekannt wurde und beſonders die Dialekte der romaniſchen Sprachen ſtudierte. Von Rom begab er ſich nach Wien, wo eine feſte Freundſchaft mit Anaſtaſius Grün (Graf Auersperg) geknüpft ward. Da aber der Auers- pergſche Kreis der Regierung unbe- quem wurde, ſo erfolgte ſchließlich F.’s Ausweiſung. Dieſer kehrte nun an den Rhein zurück, wo er erſt in Köln, dann in Düſſeldorf lebte u. ſich vor- zugsweiſe mit Sammlung von deut- ſchen Dichtungen, Sagen ꝛc. in den verſchiedenſten Mundarten beſchäf- tigte. Jm Jahre 1839 ſiedelte er nach Berlin über, und hier veröffentlichte er ſeine bekannten Sammlungen von Volksgeſängen ꝛc., wofür er 1860 zum Profeſſor ernannt wurde. Von ſei- nem Onkel, dem 1861 in Köln ver- ſtorbenen Millionär Richartz, dem Er- bauer des Kölner Muſeums, zum Univerſalerben eingeſetzt, hatte er ſeitdem, einer Teſtamentsbeſtimmung zufolge, dort ſeinen Wohnſitz. Auch fügte er, mit königlicher Erlaubnis, ſeinem Namen denjenigen des Erb- laſſers hinzu. Jm Jahre 1868 entzog eine ſchwere Krankheit ihn ſeiner wiſ- ſenſchaftlichen Tätigkeit u. dem öffent- lichen Leben. Ein ſchweres Gemüts- leiden hielt ſeinen reichen Geiſt volle 21 Jahre umnachtet. Am 10. Mai 1889 erlöſte ihn in Potsdam der Tod. Jn Poppelsdorf bei Bonn wurde er am 15. Mai zur letzten Ruhe beſtattet. S: Klothilde Montalvi (Tr.), 1840. – Neugriechiſche Volksgeſänge (Ur- text und Überſetzung); II, 1840–67. – Germaniens Völkerſtimmen (Samm- lung der deutſchen Mundarten in Dn., Sg., M., Lr. ꝛc.); III, 1843–66; Nach- trag, 1867. *Fiſchbach, Peter Joſeph, * am 14. März 1808 zu Düren in der Rhein- provinz, beſuchte das Gymnaſium ſei- ner Vaterſtadt und bezog 1825 die *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 212. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon02_1913/216>, abgerufen am 23.02.2019.