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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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toristin und verbrachte zehn Jahre
hinter dicken Hauptbüchern. Die Poe-
sie half ihr über manches Unbehag-
liche hinweg, und nachdem ihre Dich-
tungen auf den "Kölner Blumenspie-
len" wiederholt Preise und Anerken-
nung gefunden hatten, wagte sie sich
mit ihren Arbeiten auch an die Öffent-
lichkeit. Seit 1902 lebte sie als glück-
liche Frau und Mutter in Mülheim
am Rhein, bis sie im Mai 1907 mit
ihrer Familie wieder nach Köln über-
siedelte.

S:

Der Assistent (Schw., als
Manuskr. gedruckt, Berlin), 1906. -
Die Rosenkette (Verse), 1906.

Franckel, Adolf,

geb. am 20. Okt.
1825 (n. a. 1823) zu Brünn in Mäh-
ren, besuchte das dortige Gymnasium,
absolvierte daselbst auch den philo-
sophischen Kursus und ging dann nach
Wien, wo er Mathematik, Mechanik
usw. studierte, und sich darauf der
technischen Laufbahn widmete. An
der Bewegung des Jahres 1848 be-
teiligte er sich als Schriftsteller und
als Legionär, mußte deshalb nach
dem Falle Wiens Österreich verlassen
und nach Deutschland flüchten. Jn
Leipzig veröffentlichte er 1849 seine
politischen Gedichte "Wiener Grä-
ber", welche seine persönliche Ver-
folgung veranlaßten; er wendete sich
dann nach Jena und Weimar, pro-
movierte 1851 und lebte seit 1854 in
Dresden, wo er viel mit Gutzkow ver-
kehrte. Hier wurde er Ende 1855 ver-
haftet und nach Wien eskortiert, wo
nach kurzer Haft sein Abschub nach
Brünn angeordnet wurde. Jnfolge
der gelegentlich der Geburt des Kron-
prinzen Rudolf erlassenen Amnestie
wurde auch das Untersuchungsver-
fahren gegen F. eingestellt. Jm Jahre
1866 übernahm er die Direktion des
Stadttheaters in Brünn, die er neun
Jahre führte; von 1876-79 war er
Funktionär (Regisseur und Direktor-
Stellvertreter) an mehreren hervor-
ragenden Bühnen Deutschlands und
wurde dann als Generalsekretär des
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Fra
Wiener Stadttheaters nach Wien be-
rufen. Jm Jahre 1882 übernahm er
als artistischer Direktor abermals die
Leitung des Brünner Stadttheaters,
legte aber 1885 die Direktion nieder,
um sich ausschließlich schriftstelleri-
scher und journalistischer Tätigkeit
zu widmen. Jm Jahre 1887 erfolgte
seine Ernennung zum Sekretär des
Vereins des Deutschen Volkstheaters
in Wien. Hier starb er am 30. (29.)
April 1896.

S:

Wiener Gräber (Ge.),
1849. - Der Tannhäuser (Ep.-lyr.
G.), 1854. - Bei Frau Brunna (Fest-
spiel), 1882.

*Francois, Marie Luise von,


wurde am 27. Juni 1817 zu Herzberg
in Sachsen als die Tochter des Ma-
jors Friedrich v. F. in glänzenden
Verhältnissen geboren, verlor aber
schon im folgenden Jahre ihren Va-
ter durch den Tod. Jhre Mutter zog
als Witwe nach ihrer Heimatstadt
Weißenfels und vermählte sich hier
zum zweitenmal mit dem Gerichtsrat,
späteren Hofrat Herbst. Als ein leb-
haftes Kind vermochte Luise an dem
ziemlich mäßigen Unterricht, den sie
mit einigen Genossinnen privatim er-
hielt, ihren Wissensdurst nicht zu stil-
len, und so suchte sie sich durch eifrige
Lektüre und Selbststudium vieles an-
zueignen, was ihr im Unterricht ver-
sagt blieb. Zur Jungfrau erblüht,
lernte sie im Hause der bekannten
Schriftstellerin Fanni Tarnow, die
1829 für mehrere Jahre in Weißen-
fels ihren Wohnsitz genommen hatte,
einen jungen Offizier kennen, den
Grafen Alfred Görtz, mit dem sie sich
dann auch verlobte. Jndessen wurde
die eheliche Verbindung durch Man-
gel an Vermögen auf Jahre hinaus-
geschoben, da Luise durch ihren leicht-
sinnigen und treulosen Vormund um
das nicht unbeträchtliche Erbe ihres
Vaters gebracht worden war, u. als
sie dann gewahren mußte, daß bedenk-
liche Schatten auf ihren Brautstand
fielen, gab sie dem Verlobten ihr

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Fra
toriſtin und verbrachte zehn Jahre
hinter dicken Hauptbüchern. Die Poe-
ſie half ihr über manches Unbehag-
liche hinweg, und nachdem ihre Dich-
tungen auf den „Kölner Blumenſpie-
len“ wiederholt Preiſe und Anerken-
nung gefunden hatten, wagte ſie ſich
mit ihren Arbeiten auch an die Öffent-
lichkeit. Seit 1902 lebte ſie als glück-
liche Frau und Mutter in Mülheim
am Rhein, bis ſie im Mai 1907 mit
ihrer Familie wieder nach Köln über-
ſiedelte.

S:

Der Aſſiſtent (Schw., als
Manuſkr. gedruckt, Berlin), 1906. –
Die Roſenkette (Verſe), 1906.

Franckel, Adolf,

geb. am 20. Okt.
1825 (n. a. 1823) zu Brünn in Mäh-
ren, beſuchte das dortige Gymnaſium,
abſolvierte daſelbſt auch den philo-
ſophiſchen Kurſus und ging dann nach
Wien, wo er Mathematik, Mechanik
uſw. ſtudierte, und ſich darauf der
techniſchen Laufbahn widmete. An
der Bewegung des Jahres 1848 be-
teiligte er ſich als Schriftſteller und
als Legionär, mußte deshalb nach
dem Falle Wiens Öſterreich verlaſſen
und nach Deutſchland flüchten. Jn
Leipzig veröffentlichte er 1849 ſeine
politiſchen Gedichte „Wiener Grä-
ber“, welche ſeine perſönliche Ver-
folgung veranlaßten; er wendete ſich
dann nach Jena und Weimar, pro-
movierte 1851 und lebte ſeit 1854 in
Dresden, wo er viel mit Gutzkow ver-
kehrte. Hier wurde er Ende 1855 ver-
haftet und nach Wien eskortiert, wo
nach kurzer Haft ſein Abſchub nach
Brünn angeordnet wurde. Jnfolge
der gelegentlich der Geburt des Kron-
prinzen Rudolf erlaſſenen Amneſtie
wurde auch das Unterſuchungsver-
fahren gegen F. eingeſtellt. Jm Jahre
1866 übernahm er die Direktion des
Stadttheaters in Brünn, die er neun
Jahre führte; von 1876–79 war er
Funktionär (Regiſſeur und Direktor-
Stellvertreter) an mehreren hervor-
ragenden Bühnen Deutſchlands und
wurde dann als Generalſekretär des
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Fra
Wiener Stadttheaters nach Wien be-
rufen. Jm Jahre 1882 übernahm er
als artiſtiſcher Direktor abermals die
Leitung des Brünner Stadttheaters,
legte aber 1885 die Direktion nieder,
um ſich ausſchließlich ſchriftſtelleri-
ſcher und journaliſtiſcher Tätigkeit
zu widmen. Jm Jahre 1887 erfolgte
ſeine Ernennung zum Sekretär des
Vereins des Deutſchen Volkstheaters
in Wien. Hier ſtarb er am 30. (29.)
April 1896.

S:

Wiener Gräber (Ge.),
1849. – Der Tannhäuſer (Ep.-lyr.
G.), 1854. – Bei Frau Brunna (Feſt-
ſpiel), 1882.

*François, Marie Luiſe von,


wurde am 27. Juni 1817 zu Herzberg
in Sachſen als die Tochter des Ma-
jors Friedrich v. F. in glänzenden
Verhältniſſen geboren, verlor aber
ſchon im folgenden Jahre ihren Va-
ter durch den Tod. Jhre Mutter zog
als Witwe nach ihrer Heimatſtadt
Weißenfels und vermählte ſich hier
zum zweitenmal mit dem Gerichtsrat,
ſpäteren Hofrat Herbſt. Als ein leb-
haftes Kind vermochte Luiſe an dem
ziemlich mäßigen Unterricht, den ſie
mit einigen Genoſſinnen privatim er-
hielt, ihren Wiſſensdurſt nicht zu ſtil-
len, und ſo ſuchte ſie ſich durch eifrige
Lektüre und Selbſtſtudium vieles an-
zueignen, was ihr im Unterricht ver-
ſagt blieb. Zur Jungfrau erblüht,
lernte ſie im Hauſe der bekannten
Schriftſtellerin Fanni Tarnow, die
1829 für mehrere Jahre in Weißen-
fels ihren Wohnſitz genommen hatte,
einen jungen Offizier kennen, den
Grafen Alfred Görtz, mit dem ſie ſich
dann auch verlobte. Jndeſſen wurde
die eheliche Verbindung durch Man-
gel an Vermögen auf Jahre hinaus-
geſchoben, da Luiſe durch ihren leicht-
ſinnigen und treuloſen Vormund um
das nicht unbeträchtliche Erbe ihres
Vaters gebracht worden war, u. als
ſie dann gewahren mußte, daß bedenk-
liche Schatten auf ihren Brautſtand
fielen, gab ſie dem Verlobten ihr

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[246/0250] Fra Fra toriſtin und verbrachte zehn Jahre hinter dicken Hauptbüchern. Die Poe- ſie half ihr über manches Unbehag- liche hinweg, und nachdem ihre Dich- tungen auf den „Kölner Blumenſpie- len“ wiederholt Preiſe und Anerken- nung gefunden hatten, wagte ſie ſich mit ihren Arbeiten auch an die Öffent- lichkeit. Seit 1902 lebte ſie als glück- liche Frau und Mutter in Mülheim am Rhein, bis ſie im Mai 1907 mit ihrer Familie wieder nach Köln über- ſiedelte. S: Der Aſſiſtent (Schw., als Manuſkr. gedruckt, Berlin), 1906. – Die Roſenkette (Verſe), 1906. Franckel, Adolf, geb. am 20. Okt. 1825 (n. a. 1823) zu Brünn in Mäh- ren, beſuchte das dortige Gymnaſium, abſolvierte daſelbſt auch den philo- ſophiſchen Kurſus und ging dann nach Wien, wo er Mathematik, Mechanik uſw. ſtudierte, und ſich darauf der techniſchen Laufbahn widmete. An der Bewegung des Jahres 1848 be- teiligte er ſich als Schriftſteller und als Legionär, mußte deshalb nach dem Falle Wiens Öſterreich verlaſſen und nach Deutſchland flüchten. Jn Leipzig veröffentlichte er 1849 ſeine politiſchen Gedichte „Wiener Grä- ber“, welche ſeine perſönliche Ver- folgung veranlaßten; er wendete ſich dann nach Jena und Weimar, pro- movierte 1851 und lebte ſeit 1854 in Dresden, wo er viel mit Gutzkow ver- kehrte. Hier wurde er Ende 1855 ver- haftet und nach Wien eskortiert, wo nach kurzer Haft ſein Abſchub nach Brünn angeordnet wurde. Jnfolge der gelegentlich der Geburt des Kron- prinzen Rudolf erlaſſenen Amneſtie wurde auch das Unterſuchungsver- fahren gegen F. eingeſtellt. Jm Jahre 1866 übernahm er die Direktion des Stadttheaters in Brünn, die er neun Jahre führte; von 1876–79 war er Funktionär (Regiſſeur und Direktor- Stellvertreter) an mehreren hervor- ragenden Bühnen Deutſchlands und wurde dann als Generalſekretär des Wiener Stadttheaters nach Wien be- rufen. Jm Jahre 1882 übernahm er als artiſtiſcher Direktor abermals die Leitung des Brünner Stadttheaters, legte aber 1885 die Direktion nieder, um ſich ausſchließlich ſchriftſtelleri- ſcher und journaliſtiſcher Tätigkeit zu widmen. Jm Jahre 1887 erfolgte ſeine Ernennung zum Sekretär des Vereins des Deutſchen Volkstheaters in Wien. Hier ſtarb er am 30. (29.) April 1896. S: Wiener Gräber (Ge.), 1849. – Der Tannhäuſer (Ep.-lyr. G.), 1854. – Bei Frau Brunna (Feſt- ſpiel), 1882. *François, Marie Luiſe von, wurde am 27. Juni 1817 zu Herzberg in Sachſen als die Tochter des Ma- jors Friedrich v. F. in glänzenden Verhältniſſen geboren, verlor aber ſchon im folgenden Jahre ihren Va- ter durch den Tod. Jhre Mutter zog als Witwe nach ihrer Heimatſtadt Weißenfels und vermählte ſich hier zum zweitenmal mit dem Gerichtsrat, ſpäteren Hofrat Herbſt. Als ein leb- haftes Kind vermochte Luiſe an dem ziemlich mäßigen Unterricht, den ſie mit einigen Genoſſinnen privatim er- hielt, ihren Wiſſensdurſt nicht zu ſtil- len, und ſo ſuchte ſie ſich durch eifrige Lektüre und Selbſtſtudium vieles an- zueignen, was ihr im Unterricht ver- ſagt blieb. Zur Jungfrau erblüht, lernte ſie im Hauſe der bekannten Schriftſtellerin Fanni Tarnow, die 1829 für mehrere Jahre in Weißen- fels ihren Wohnſitz genommen hatte, einen jungen Offizier kennen, den Grafen Alfred Görtz, mit dem ſie ſich dann auch verlobte. Jndeſſen wurde die eheliche Verbindung durch Man- gel an Vermögen auf Jahre hinaus- geſchoben, da Luiſe durch ihren leicht- ſinnigen und treuloſen Vormund um das nicht unbeträchtliche Erbe ihres Vaters gebracht worden war, u. als ſie dann gewahren mußte, daß bedenk- liche Schatten auf ihren Brautſtand fielen, gab ſie dem Verlobten ihr *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 246. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon02_1913/250>, abgerufen am 20.02.2019.