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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Dor
dentlicher Lehrer an der höheren
Landwirtschaftschule zu Herford, an
der er, nachdem er 1889 auch die Rek-
toratsprüfung abgelegt, noch jetzt
tätig ist.

S:

Ernstes und Heiteres
(Ge.), 1894. - Bunte Blätter (Ge.),
1902. 2. A. 1907.

Dora-Lotti,

Pseud. für Dora-
Lotti Kretschmer;
s. d.!

Dorer(-Egloff), Jgnaz Ed-
ward,

geb. am 7. Nov. 1807 zu Ba-
den im Kanton Aargau als der Sohn
des (späteren) Landammanns Fidel
D., entstammte einer angesehenen
katholischen Familie. Er hätte sich
aus innerem Triebe gern der Kunst
gewidmet; doch zwangen ihn seine
leidenden Augen, davon abzustehen,
worauf er sich dem Studium der
Rechtswissenschaft zuwandte. Bereits
1830 griff er in das politische Leben
seines Heimatkantons ein und wurde
mit die Veranlassung zur Umwand-
lung der alten aristokratischen Verfas-
sung in eine demokratische. 1832 trat
er in die gesetzgebende Behörde, den
aargauischen Großen Rat, wurde von
diesem zum Tagsatzungsgesandten er-
nannt und bald darauf als eidge-
nössischer Kommissar in den Kanton
Basel geschickt, um hier für die Tren-
nung der beiden Kantone Basel-Stadt
und Basel-Land zu wirken. Später
vertrat er den Kanton Aargau auf
den beiden Konferenzen in Baden
(1834) und Luzern (1835), welche ge-
eignete Mittel gegen die Übergriffe
des Ultramontanismus auffinden
sollten. Da er sich bei allen diesen Ge-
schäften als ein gewandter u. zugleich
rechtlicher Mann bewährt hatte, so
wurde er zum Mitglied und Präsi-
denten des Bezirksgerichts in Baden
(1834-37), des dortigen Bezirksschul-
rats und des kantonalen katholischen
Kirchenrats ernannt. Vom Beginne
des Jahres 1838 an gehörte er gleich-
zeitig der vollziehenden Landesbe-
hörde, dem Kleinen Rate an, als des-
sen Vorsitzender (Landammann) er
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Dor
gleich im ersten Jahre amtete, um
dann in den Jahren 1839 und 1840
als Ehrengesandter seines Heimat-
kantons auf der eidgenössischen Tag-
satzung zu erscheinen. Als im Jahre
1841 die Aufhebung der Klöster im
Kanton Aargau, eine Maßregel, die
D. als aufgeklärter Katholik billigte,
doch zu großen Verfassungswirren
führte, erbat D. seine Entlassung als
Mitglied des Großen und Kleinen
Rats, die ihm auch im Novbr. 1842
zuteil wurde. Er widmete sich nun
in ungebundener, freier Stellung in
seiner Vaterstadt ganz den Wissen-
schaften und der Poesie u. starb dort
am 27. März 1864, nachdem er in den
letzten Jahren seines Lebens an gro-
ßer Augenschwäche gelitten hatte.

S:


Blätter und Blüten. 1. und 2. Lese,
1852. - Elegien u. Oden von Johan-
nes Secundus; übers.; 4 Hefte, 1854.
- Kleine Schriften, 1. (einziger) Band
(Gedichte), 1858. - Volkslieder aus
Jtalien, nebst einer Ballade zu Sha-
kespeares Romeo und Julie, 1860.
J. M. R. Lenz und seine Schriften
(Nachträge zur Tieckschen Ausgabe),
1857. - Zur Literatur des Volkslie-
des, 1860. - Die Scheyrentochter od.:
Deutsche Frauenwürde (Ge.), 1862.
- Maria, die Königin von Neapel
(Ge.), 1862. - West-Östliches; 2 Hefte,
o. J. - Gesammelte Schriften, 1. (ein-
ziger) Band (Gedichte), 1863. - Das
Büchlein von Elise (Ge.), 1864. - Ge-
dichte, 1868.

*Dorer, Edmund,

Sohn des Vori-
gen, geb. zu Baden (Kt. Aargau) am
15. Juni 1831, erhielt unter des Va-
ters Leitung eine sorgfältige Erzieh-
ung und Bildung, besuchte erst die
Schulen der Vaterstadt, später das
Gymnasium in München u. studierte
daselbst und in Leipzig Philologie u.
Philosophie. Eine sich bald danach
einstellende Kränklichkeit nötigte ihn,
in erster Linie an sein leibliches Wohl
zu denken. Er besuchte wiederholt
den Süden, weilte 1861 in Spanien,

*


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Dor
dentlicher Lehrer an der höheren
Landwirtſchaftſchule zu Herford, an
der er, nachdem er 1889 auch die Rek-
toratsprüfung abgelegt, noch jetzt
tätig iſt.

S:

Ernſtes und Heiteres
(Ge.), 1894. – Bunte Blätter (Ge.),
1902. 2. A. 1907.

Dora-Lotti,

Pſeud. für Dora-
Lotti Kretſchmer;
ſ. d.!

Dorer(-Egloff), Jgnaz Ed-
ward,

geb. am 7. Nov. 1807 zu Ba-
den im Kanton Aargau als der Sohn
des (ſpäteren) Landammanns Fidel
D., entſtammte einer angeſehenen
katholiſchen Familie. Er hätte ſich
aus innerem Triebe gern der Kunſt
gewidmet; doch zwangen ihn ſeine
leidenden Augen, davon abzuſtehen,
worauf er ſich dem Studium der
Rechtswiſſenſchaft zuwandte. Bereits
1830 griff er in das politiſche Leben
ſeines Heimatkantons ein und wurde
mit die Veranlaſſung zur Umwand-
lung der alten ariſtokratiſchen Verfaſ-
ſung in eine demokratiſche. 1832 trat
er in die geſetzgebende Behörde, den
aargauiſchen Großen Rat, wurde von
dieſem zum Tagſatzungsgeſandten er-
nannt und bald darauf als eidge-
nöſſiſcher Kommiſſar in den Kanton
Baſel geſchickt, um hier für die Tren-
nung der beiden Kantone Baſel-Stadt
und Baſel-Land zu wirken. Später
vertrat er den Kanton Aargau auf
den beiden Konferenzen in Baden
(1834) und Luzern (1835), welche ge-
eignete Mittel gegen die Übergriffe
des Ultramontanismus auffinden
ſollten. Da er ſich bei allen dieſen Ge-
ſchäften als ein gewandter u. zugleich
rechtlicher Mann bewährt hatte, ſo
wurde er zum Mitglied und Präſi-
denten des Bezirksgerichts in Baden
(1834–37), des dortigen Bezirksſchul-
rats und des kantonalen katholiſchen
Kirchenrats ernannt. Vom Beginne
des Jahres 1838 an gehörte er gleich-
zeitig der vollziehenden Landesbe-
hörde, dem Kleinen Rate an, als deſ-
ſen Vorſitzender (Landammann) er
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Dor
gleich im erſten Jahre amtete, um
dann in den Jahren 1839 und 1840
als Ehrengeſandter ſeines Heimat-
kantons auf der eidgenöſſiſchen Tag-
ſatzung zu erſcheinen. Als im Jahre
1841 die Aufhebung der Klöſter im
Kanton Aargau, eine Maßregel, die
D. als aufgeklärter Katholik billigte,
doch zu großen Verfaſſungswirren
führte, erbat D. ſeine Entlaſſung als
Mitglied des Großen und Kleinen
Rats, die ihm auch im Novbr. 1842
zuteil wurde. Er widmete ſich nun
in ungebundener, freier Stellung in
ſeiner Vaterſtadt ganz den Wiſſen-
ſchaften und der Poeſie u. ſtarb dort
am 27. März 1864, nachdem er in den
letzten Jahren ſeines Lebens an gro-
ßer Augenſchwäche gelitten hatte.

S:


Blätter und Blüten. 1. und 2. Leſe,
1852. – Elegien u. Oden von Johan-
nes Secundus; überſ.; 4 Hefte, 1854.
– Kleine Schriften, 1. (einziger) Band
(Gedichte), 1858. – Volkslieder aus
Jtalien, nebſt einer Ballade zu Sha-
keſpeares Romeo und Julie, 1860.
J. M. R. Lenz und ſeine Schriften
(Nachträge zur Tieckſchen Ausgabe),
1857. – Zur Literatur des Volkslie-
des, 1860. – Die Scheyrentochter od.:
Deutſche Frauenwürde (Ge.), 1862.
– Maria, die Königin von Neapel
(Ge.), 1862. – Weſt-Öſtliches; 2 Hefte,
o. J. – Geſammelte Schriften, 1. (ein-
ziger) Band (Gedichte), 1863. – Das
Büchlein von Eliſe (Ge.), 1864. – Ge-
dichte, 1868.

*Dorer, Edmund,

Sohn des Vori-
gen, geb. zu Baden (Kt. Aargau) am
15. Juni 1831, erhielt unter des Va-
ters Leitung eine ſorgfältige Erzieh-
ung und Bildung, beſuchte erſt die
Schulen der Vaterſtadt, ſpäter das
Gymnaſium in München u. ſtudierte
daſelbſt und in Leipzig Philologie u.
Philoſophie. Eine ſich bald danach
einſtellende Kränklichkeit nötigte ihn,
in erſter Linie an ſein leibliches Wohl
zu denken. Er beſuchte wiederholt
den Süden, weilte 1861 in Spanien,

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[47/0051] Dor Dor dentlicher Lehrer an der höheren Landwirtſchaftſchule zu Herford, an der er, nachdem er 1889 auch die Rek- toratsprüfung abgelegt, noch jetzt tätig iſt. S: Ernſtes und Heiteres (Ge.), 1894. – Bunte Blätter (Ge.), 1902. 2. A. 1907. Dora-Lotti, Pſeud. für Dora- Lotti Kretſchmer; ſ. d.! Dorer(-Egloff), Jgnaz Ed- ward, geb. am 7. Nov. 1807 zu Ba- den im Kanton Aargau als der Sohn des (ſpäteren) Landammanns Fidel D., entſtammte einer angeſehenen katholiſchen Familie. Er hätte ſich aus innerem Triebe gern der Kunſt gewidmet; doch zwangen ihn ſeine leidenden Augen, davon abzuſtehen, worauf er ſich dem Studium der Rechtswiſſenſchaft zuwandte. Bereits 1830 griff er in das politiſche Leben ſeines Heimatkantons ein und wurde mit die Veranlaſſung zur Umwand- lung der alten ariſtokratiſchen Verfaſ- ſung in eine demokratiſche. 1832 trat er in die geſetzgebende Behörde, den aargauiſchen Großen Rat, wurde von dieſem zum Tagſatzungsgeſandten er- nannt und bald darauf als eidge- nöſſiſcher Kommiſſar in den Kanton Baſel geſchickt, um hier für die Tren- nung der beiden Kantone Baſel-Stadt und Baſel-Land zu wirken. Später vertrat er den Kanton Aargau auf den beiden Konferenzen in Baden (1834) und Luzern (1835), welche ge- eignete Mittel gegen die Übergriffe des Ultramontanismus auffinden ſollten. Da er ſich bei allen dieſen Ge- ſchäften als ein gewandter u. zugleich rechtlicher Mann bewährt hatte, ſo wurde er zum Mitglied und Präſi- denten des Bezirksgerichts in Baden (1834–37), des dortigen Bezirksſchul- rats und des kantonalen katholiſchen Kirchenrats ernannt. Vom Beginne des Jahres 1838 an gehörte er gleich- zeitig der vollziehenden Landesbe- hörde, dem Kleinen Rate an, als deſ- ſen Vorſitzender (Landammann) er gleich im erſten Jahre amtete, um dann in den Jahren 1839 und 1840 als Ehrengeſandter ſeines Heimat- kantons auf der eidgenöſſiſchen Tag- ſatzung zu erſcheinen. Als im Jahre 1841 die Aufhebung der Klöſter im Kanton Aargau, eine Maßregel, die D. als aufgeklärter Katholik billigte, doch zu großen Verfaſſungswirren führte, erbat D. ſeine Entlaſſung als Mitglied des Großen und Kleinen Rats, die ihm auch im Novbr. 1842 zuteil wurde. Er widmete ſich nun in ungebundener, freier Stellung in ſeiner Vaterſtadt ganz den Wiſſen- ſchaften und der Poeſie u. ſtarb dort am 27. März 1864, nachdem er in den letzten Jahren ſeines Lebens an gro- ßer Augenſchwäche gelitten hatte. S: Blätter und Blüten. 1. und 2. Leſe, 1852. – Elegien u. Oden von Johan- nes Secundus; überſ.; 4 Hefte, 1854. – Kleine Schriften, 1. (einziger) Band (Gedichte), 1858. – Volkslieder aus Jtalien, nebſt einer Ballade zu Sha- keſpeares Romeo und Julie, 1860. J. M. R. Lenz und ſeine Schriften (Nachträge zur Tieckſchen Ausgabe), 1857. – Zur Literatur des Volkslie- des, 1860. – Die Scheyrentochter od.: Deutſche Frauenwürde (Ge.), 1862. – Maria, die Königin von Neapel (Ge.), 1862. – Weſt-Öſtliches; 2 Hefte, o. J. – Geſammelte Schriften, 1. (ein- ziger) Band (Gedichte), 1863. – Das Büchlein von Eliſe (Ge.), 1864. – Ge- dichte, 1868. *Dorer, Edmund, Sohn des Vori- gen, geb. zu Baden (Kt. Aargau) am 15. Juni 1831, erhielt unter des Va- ters Leitung eine ſorgfältige Erzieh- ung und Bildung, beſuchte erſt die Schulen der Vaterſtadt, ſpäter das Gymnaſium in München u. ſtudierte daſelbſt und in Leipzig Philologie u. Philoſophie. Eine ſich bald danach einſtellende Kränklichkeit nötigte ihn, in erſter Linie an ſein leibliches Wohl zu denken. Er beſuchte wiederholt den Süden, weilte 1861 in Spanien, *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 47. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon02_1913/51>, abgerufen am 23.03.2019.