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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Ker
zu sammeln und die praktische Seel-
sorge zu fördern. Sie bestand bis
1865. Jm Jahre 1867 wurde K. zum
Ehrenkanonikus des Domkapitels in
St. Pölten, 1871 zum Stadtpfarrer
in Tulln a. d. Donau und 1880 zum
Propst und Stadtpfarrer in seiner
Vaterstadt Krems ernannt, wo es ihm
vergönnt war, am 19. April 1906 sein
diamantenes Amtsjubiläum unter
den ehrendsten Sympathiebezeugun-
gen zu begehen. Während seiner Fe-
rien unternahm K. gern größere Rei-
sen; so besuchte und bereiste er 1848
Deutschland, Belgien u. die Schweiz,
1849 Polen, 1853 den Orient, 1858
Frankreich und England, 1860 und
1862 Jtalien u. 1869 Skandinavien.

S:

Coloman von Hauseck (N. a. der
Zeit der Kreuzzüge), 1859. 3. A. 1910.
- Elegius (Lebensbilder), 1860. -
Der Jäger von Dürnstein (E.), 1864.
4. A. 1905. - Liebfrauenbilder, 1870.
- Reisebilder a. Skandinavien, 1870.
- Pilgerbriefe aus d. heiligen Lande,
1854. - Ein Pilgerleben (Memoiren),
1896. 2. A. 1897. - Kaleidoskop (Er-
innergn. eines Achtzigjährigen), 1906.

*Kerstan, Karl L. F.,

wurde am
22. Oktober 1847 in Prag geboren.
Sein Vater, einer alten Dresdener
Familie entstammend, war 1812 vor
der Napoleonschen Konskription nach
Österreich entflohen und österreichi-
scher Staatsbürger und Kaufmann
geworden. Er starb schon 1849. Der
Sohn, erst von Hofmeistern unter-
richtet, kam später in das Stoysche
Erziehungsinstitut nach Jena, absol-
vierte darauf die Prager Handels-
akademie u. trat dann als Volontär
in ein Bankinstitut ein. Großjährig
geworden und im Besitze des väter-
lichen Vermögens, verließ er bald die
kaufmännische Laufbahn u. lebte teils
seiner weiteren Ausbildung, teils auf
Reisen nach Jtalien, Spanien, Kon-
stantinopel und Griechenland. Die
Beschäftigung mit den Werken Scho-
penhauers führte ihn seit 1872 einer-
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Kes
seits zum Studium der alten Spra-
chen -- von den neueren beherrschte
er bereits sieben -- und zum Be-
such der medizinischen Vorlesungen
durch sieben Semester, anderseits zur
Auffrischung seiner lange vernach-
lässigten Zeichenfertigkeit. Er übte
dieselbe 1877-78 in der Schweiz, dann
in Wien, wurde 1880 Schüler des
Professors Wurzinger und trat schon
1882 mit seinem großen historischen
Gemälde "Kaiser Maximilians von
Mexiko letzter Gang zu Queretaro"
an die Öffentlichkeit. Die Erbauung
seines Familienhauses in Mödling bei
Wien (1884) u. daran sich schließende
Prozesse führten ihn zum Studium
der Rechtspflege und für einige Zeit
zum -- Antisemitismus, dessen Ten-
denzen sich auch in seinem Roman
widerspiegeln. Seit Jahren lebt er
in stiller Zurückgezogenheit seinen
Studien in Mödling.

S:

Sapere
aude!
(Wage es, weise zu sein!) R.;
III, 1890.

*Kessel, Karl von,

gehört einem
der ältesten Adelsgeschlechter Preu-
ßens an und wurde am 24. Dezember
1807 auf dem väterlichen Gute Groß-
Neudorf bei Brieg in Schlesien ge-
boren. Seinen ersten Unterricht er-
hielt er durch Hauslehrer. Später
besuchte er das Gymnasium zu Brieg
u. kam dann in das Kadettenkorps,
aus welchem er als Offizier in die
Armee eintrat. Aber schon nach eini-
gen Jahren forderte er seine Ent-
lassung und nahm eine Zivilstellung
an, die er indes 1848 gleichfalls auf-
gab, weil ihm die Stellung eines
Subalternbeamten nicht zusagte.
Nach dem er sich längere Zeit in Bel-
gien u. Frankreich aufgehalten, kehrte
er nach Deutschland zurück und über-
nahm in dem bewegten Jahre 1849
zuerst die Redaktion der "Trierschen
Zeitung", dann die der "Rhein- und
Ruhrzeitung" u. schließlich die Mit-
redaktion des "Westfälisch. Merkur".
Jm Jahre 1851 siedelte er nach Ber-

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Ker
zu ſammeln und die praktiſche Seel-
ſorge zu fördern. Sie beſtand bis
1865. Jm Jahre 1867 wurde K. zum
Ehrenkanonikus des Domkapitels in
St. Pölten, 1871 zum Stadtpfarrer
in Tulln a. d. Donau und 1880 zum
Propſt und Stadtpfarrer in ſeiner
Vaterſtadt Krems ernannt, wo es ihm
vergönnt war, am 19. April 1906 ſein
diamantenes Amtsjubiläum unter
den ehrendſten Sympathiebezeugun-
gen zu begehen. Während ſeiner Fe-
rien unternahm K. gern größere Rei-
ſen; ſo beſuchte und bereiſte er 1848
Deutſchland, Belgien u. die Schweiz,
1849 Polen, 1853 den Orient, 1858
Frankreich und England, 1860 und
1862 Jtalien u. 1869 Skandinavien.

S:

Coloman von Hauseck (N. a. der
Zeit der Kreuzzüge), 1859. 3. A. 1910.
– Elegius (Lebensbilder), 1860. –
Der Jäger von Dürnſtein (E.), 1864.
4. A. 1905. – Liebfrauenbilder, 1870.
– Reiſebilder a. Skandinavien, 1870.
– Pilgerbriefe aus d. heiligen Lande,
1854. – Ein Pilgerleben (Memoiren),
1896. 2. A. 1897. – Kaleidoſkop (Er-
innergn. eines Achtzigjährigen), 1906.

*Kerſtan, Karl L. F.,

wurde am
22. Oktober 1847 in Prag geboren.
Sein Vater, einer alten Dresdener
Familie entſtammend, war 1812 vor
der Napoleonſchen Konſkription nach
Öſterreich entflohen und öſterreichi-
ſcher Staatsbürger und Kaufmann
geworden. Er ſtarb ſchon 1849. Der
Sohn, erſt von Hofmeiſtern unter-
richtet, kam ſpäter in das Stoyſche
Erziehungsinſtitut nach Jena, abſol-
vierte darauf die Prager Handels-
akademie u. trat dann als Volontär
in ein Bankinſtitut ein. Großjährig
geworden und im Beſitze des väter-
lichen Vermögens, verließ er bald die
kaufmänniſche Laufbahn u. lebte teils
ſeiner weiteren Ausbildung, teils auf
Reiſen nach Jtalien, Spanien, Kon-
ſtantinopel und Griechenland. Die
Beſchäftigung mit den Werken Scho-
penhauers führte ihn ſeit 1872 einer-
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Keſ
ſeits zum Studium der alten Spra-
chen — von den neueren beherrſchte
er bereits ſieben — und zum Be-
ſuch der mediziniſchen Vorleſungen
durch ſieben Semeſter, anderſeits zur
Auffriſchung ſeiner lange vernach-
läſſigten Zeichenfertigkeit. Er übte
dieſelbe 1877–78 in der Schweiz, dann
in Wien, wurde 1880 Schüler des
Profeſſors Wurzinger und trat ſchon
1882 mit ſeinem großen hiſtoriſchen
Gemälde „Kaiſer Maximilians von
Mexiko letzter Gang zu Queretaro“
an die Öffentlichkeit. Die Erbauung
ſeines Familienhauſes in Mödling bei
Wien (1884) u. daran ſich ſchließende
Prozeſſe führten ihn zum Studium
der Rechtspflege und für einige Zeit
zum — Antiſemitismus, deſſen Ten-
denzen ſich auch in ſeinem Roman
widerſpiegeln. Seit Jahren lebt er
in ſtiller Zurückgezogenheit ſeinen
Studien in Mödling.

S:

Sapere
aude!
(Wage es, weiſe zu ſein!) R.;
III, 1890.

*Keſſel, Karl von,

gehört einem
der älteſten Adelsgeſchlechter Preu-
ßens an und wurde am 24. Dezember
1807 auf dem väterlichen Gute Groß-
Neudorf bei Brieg in Schleſien ge-
boren. Seinen erſten Unterricht er-
hielt er durch Hauslehrer. Später
beſuchte er das Gymnaſium zu Brieg
u. kam dann in das Kadettenkorps,
aus welchem er als Offizier in die
Armee eintrat. Aber ſchon nach eini-
gen Jahren forderte er ſeine Ent-
laſſung und nahm eine Zivilſtellung
an, die er indes 1848 gleichfalls auf-
gab, weil ihm die Stellung eines
Subalternbeamten nicht zuſagte.
Nach dem er ſich längere Zeit in Bel-
gien u. Frankreich aufgehalten, kehrte
er nach Deutſchland zurück und über-
nahm in dem bewegten Jahre 1849
zuerſt die Redaktion der „Trierſchen
Zeitung“, dann die der „Rhein- und
Ruhrzeitung“ u. ſchließlich die Mit-
redaktion des „Weſtfäliſch. Merkur“.
Jm Jahre 1851 ſiedelte er nach Ber-

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[448/0452] Ker Keſ zu ſammeln und die praktiſche Seel- ſorge zu fördern. Sie beſtand bis 1865. Jm Jahre 1867 wurde K. zum Ehrenkanonikus des Domkapitels in St. Pölten, 1871 zum Stadtpfarrer in Tulln a. d. Donau und 1880 zum Propſt und Stadtpfarrer in ſeiner Vaterſtadt Krems ernannt, wo es ihm vergönnt war, am 19. April 1906 ſein diamantenes Amtsjubiläum unter den ehrendſten Sympathiebezeugun- gen zu begehen. Während ſeiner Fe- rien unternahm K. gern größere Rei- ſen; ſo beſuchte und bereiſte er 1848 Deutſchland, Belgien u. die Schweiz, 1849 Polen, 1853 den Orient, 1858 Frankreich und England, 1860 und 1862 Jtalien u. 1869 Skandinavien. S: Coloman von Hauseck (N. a. der Zeit der Kreuzzüge), 1859. 3. A. 1910. – Elegius (Lebensbilder), 1860. – Der Jäger von Dürnſtein (E.), 1864. 4. A. 1905. – Liebfrauenbilder, 1870. – Reiſebilder a. Skandinavien, 1870. – Pilgerbriefe aus d. heiligen Lande, 1854. – Ein Pilgerleben (Memoiren), 1896. 2. A. 1897. – Kaleidoſkop (Er- innergn. eines Achtzigjährigen), 1906. *Kerſtan, Karl L. F., wurde am 22. Oktober 1847 in Prag geboren. Sein Vater, einer alten Dresdener Familie entſtammend, war 1812 vor der Napoleonſchen Konſkription nach Öſterreich entflohen und öſterreichi- ſcher Staatsbürger und Kaufmann geworden. Er ſtarb ſchon 1849. Der Sohn, erſt von Hofmeiſtern unter- richtet, kam ſpäter in das Stoyſche Erziehungsinſtitut nach Jena, abſol- vierte darauf die Prager Handels- akademie u. trat dann als Volontär in ein Bankinſtitut ein. Großjährig geworden und im Beſitze des väter- lichen Vermögens, verließ er bald die kaufmänniſche Laufbahn u. lebte teils ſeiner weiteren Ausbildung, teils auf Reiſen nach Jtalien, Spanien, Kon- ſtantinopel und Griechenland. Die Beſchäftigung mit den Werken Scho- penhauers führte ihn ſeit 1872 einer- ſeits zum Studium der alten Spra- chen — von den neueren beherrſchte er bereits ſieben — und zum Be- ſuch der mediziniſchen Vorleſungen durch ſieben Semeſter, anderſeits zur Auffriſchung ſeiner lange vernach- läſſigten Zeichenfertigkeit. Er übte dieſelbe 1877–78 in der Schweiz, dann in Wien, wurde 1880 Schüler des Profeſſors Wurzinger und trat ſchon 1882 mit ſeinem großen hiſtoriſchen Gemälde „Kaiſer Maximilians von Mexiko letzter Gang zu Queretaro“ an die Öffentlichkeit. Die Erbauung ſeines Familienhauſes in Mödling bei Wien (1884) u. daran ſich ſchließende Prozeſſe führten ihn zum Studium der Rechtspflege und für einige Zeit zum — Antiſemitismus, deſſen Ten- denzen ſich auch in ſeinem Roman widerſpiegeln. Seit Jahren lebt er in ſtiller Zurückgezogenheit ſeinen Studien in Mödling. S: Sapere aude! (Wage es, weiſe zu ſein!) R.; III, 1890. *Keſſel, Karl von, gehört einem der älteſten Adelsgeſchlechter Preu- ßens an und wurde am 24. Dezember 1807 auf dem väterlichen Gute Groß- Neudorf bei Brieg in Schleſien ge- boren. Seinen erſten Unterricht er- hielt er durch Hauslehrer. Später beſuchte er das Gymnaſium zu Brieg u. kam dann in das Kadettenkorps, aus welchem er als Offizier in die Armee eintrat. Aber ſchon nach eini- gen Jahren forderte er ſeine Ent- laſſung und nahm eine Zivilſtellung an, die er indes 1848 gleichfalls auf- gab, weil ihm die Stellung eines Subalternbeamten nicht zuſagte. Nach dem er ſich längere Zeit in Bel- gien u. Frankreich aufgehalten, kehrte er nach Deutſchland zurück und über- nahm in dem bewegten Jahre 1849 zuerſt die Redaktion der „Trierſchen Zeitung“, dann die der „Rhein- und Ruhrzeitung“ u. ſchließlich die Mit- redaktion des „Weſtfäliſch. Merkur“. Jm Jahre 1851 ſiedelte er nach Ber- *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 448. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon03_1913/452>, abgerufen am 20.03.2019.