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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Kru
bibliothek" (Bibliothek des Berliner
Tonkünstlervereins) und die "Gesell-
schaft zur Erhaltung des Lessing-
Hauses in Berlin" begründet u. das
"Lessing-Museum" ins Leben gerufen,
dessen Vorstand er gleichfalls ist.
Studienreisen haben Kr. 1905 nach
dem Orient und 1909 nach Jtalien
geführt. Er lebt in Groß-Lichterfelde
bei Berlin.

S:

Die Herzlosen (Lsp.),
1889. - Sie ist stumm! (Lsp.), 1894. -
Lortzing (Biogr.), 1899. - Anneken
vom Mönchgut (Lsp.), 1904. - Die
lustige Salome (Parodie), 1905. -
Der Klarinettenmacher (Op.), 1910.
- Otto Nicolai (Biogr.), 1910. - Die
Jungfernstadt (Optte., dtsch. bearb.),
1911.

*Kruse, Heinrich,

geb. am 15. De-
zember 1815 zu Stralsund, wo sein
Vater, Andreas Theodor Kr., der be-
kannte spätere Abgeordnete zum Land-
tage (1849-61), Altermann des Ge-
wandhauses war, und verlebte dort
u. auf dem nahe gelegenen Familien-
gute Andershof am Strande der Ost-
see eine glückliche Jugendzeit. Er er-
hielt seine Schulbildung auf dem
Gymnasium seiner Vaterstadt und
studierte darauf 1833-37 in Bonn u.
Berlin Philologie, Geschichte und
Archäologie. Aus der Bonner Zeit
stammt seine Freundschaft mit Em.
Geibel und E. Curtius. Den Doktor-
hut erwarb sich K. erst später durch
die Abhandlung Vita Arati Sicyonii.
Nach Abschluß seiner Studien weilte
er einige Jahre im Auslande, nament-
lich in Rußland, Schweden, Norwegen
und Dänemark. Dann trat er als
Probekandidat am Gymnasium in
Stralsund ein, ging aber bald darauf,
gestützt auf Bunsens Empfehlung, nach
England, um dort die Erziehung der
beiden ältesten Söhne des Lord Ash-
ley, späteren Earls of Shaftesbury,
zu übernehmen. Dieser Aufenthalt in
England, wo er auch die Bekanntschaft
eines Palmerston u. Gladstone machte,
wurde für sein ganzes späteres Leben
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entscheidend. Heimgekehrt, nahm er
1844 eine Lehrerstelle am Gymnasium
in Minden an, gab dieselbe aber 1847
auf, um sich ganz der Presse zu wid-
men. Er war kurze Zeit in Augsburg
bei der "Allgemeinen Zeitung", dann
bei der "Kölnischen Zeitung", bei der
"Neuen Berliner Zeitung" tätig, ging
darauf als Nachfolger von Gervinus
als verantwortlicher Redakteur der
"Deutschen Zeitung" nach Frankfurt
u. gehörte seit 1849 wieder der "Köl-
nischen Zeitung" an, die er seit 1855
als Chefredakteur leitete, und an der
er auch beteiligt blieb, als er im Sep-
tember 1872 nach Berlin übersiedelte.
Seine Stellung als Chefredakteur
war eine ungemein schwierige, da die
Verfolgungen des lieberalen Blattes
von seiten der reaktionären Verwal-
tungsbehörden kein Ende nahmen.
Erst mit Übernahme der Regentschaft
durch den Prinzen von Preußen ent-
wickelte sich die Zeitung in ruhiger
und steter Weise und gelangte unter
K. s Leitung von Jahr zu Jahr zu
größerer Bedeutung. Jhren Höhe-
punkt erreichte die journalistische Tä-
tigkeit K.s während des Krieges von
1870-71; was K.s Feder damals für
die deutsche Sache gewirkt, hat Bis-
marck in die rühmenden Worte ge-
faßt, "die Kölnische Zeitung sei ein
ganzes Armeekorps wert gewesen".
Am 1. Juli 1884 beschloß K. seine
journalistische Tätigkeit und ließ sich
als Privatmann in Bückeburg nieder,
wo er aus Anlaß seines 80. Geburts-
tages zum Geh. Regierungsrat und
zum Ehrenbürger von Stralsund er-
nannt wurde. Er starb daselbst am
12. Januar 1902 (nicht: 13.). Durch
sein Trauerspiel "Die Gräfin", das
von der Kommission der Schiller-
Stiftung neben Geibels "Sopho-
nisbe" ausgezeichnet wurde, machte
er seinen Namen zuerst allgemein be-
kannt; seine späteren Dramen sind
von der Kritik und der Bühne ebenso
freundlich aufgenommen worden.

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Kru
bibliothek‟ (Bibliothek des Berliner
Tonkünſtlervereins) und die „Geſell-
ſchaft zur Erhaltung des Leſſing-
Hauſes in Berlin‟ begründet u. das
„Leſſing-Muſeum‟ ins Leben gerufen,
deſſen Vorſtand er gleichfalls iſt.
Studienreiſen haben Kr. 1905 nach
dem Orient und 1909 nach Jtalien
geführt. Er lebt in Groß-Lichterfelde
bei Berlin.

S:

Die Herzloſen (Lſp.),
1889. ‒ Sie iſt ſtumm! (Lſp.), 1894. ‒
Lortzing (Biogr.), 1899. ‒ Anneken
vom Mönchgut (Lſp.), 1904. ‒ Die
luſtige Salome (Parodie), 1905. ‒
Der Klarinettenmacher (Op.), 1910.
‒ Otto Nicolai (Biogr.), 1910. ‒ Die
Jungfernſtadt (Optte., dtſch. bearb.),
1911.

*Kruſe, Heinrich,

geb. am 15. De-
zember 1815 zu Stralſund, wo ſein
Vater, Andreas Theodor Kr., der be-
kannte ſpätere Abgeordnete zum Land-
tage (1849‒61), Altermann des Ge-
wandhauſes war, und verlebte dort
u. auf dem nahe gelegenen Familien-
gute Andershof am Strande der Oſt-
ſee eine glückliche Jugendzeit. Er er-
hielt ſeine Schulbildung auf dem
Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt und
ſtudierte darauf 1833‒37 in Bonn u.
Berlin Philologie, Geſchichte und
Archäologie. Aus der Bonner Zeit
ſtammt ſeine Freundſchaft mit Em.
Geibel und E. Curtius. Den Doktor-
hut erwarb ſich K. erſt ſpäter durch
die Abhandlung Vita Arati Sicyonii.
Nach Abſchluß ſeiner Studien weilte
er einige Jahre im Auslande, nament-
lich in Rußland, Schweden, Norwegen
und Dänemark. Dann trat er als
Probekandidat am Gymnaſium in
Stralſund ein, ging aber bald darauf,
geſtützt auf Bunſens Empfehlung, nach
England, um dort die Erziehung der
beiden älteſten Söhne des Lord Aſh-
ley, ſpäteren Earls of Shaftesbury,
zu übernehmen. Dieſer Aufenthalt in
England, wo er auch die Bekanntſchaft
eines Palmerſton u. Gladſtone machte,
wurde für ſein ganzes ſpäteres Leben
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entſcheidend. Heimgekehrt, nahm er
1844 eine Lehrerſtelle am Gymnaſium
in Minden an, gab dieſelbe aber 1847
auf, um ſich ganz der Preſſe zu wid-
men. Er war kurze Zeit in Augsburg
bei der „Allgemeinen Zeitung‟, dann
bei der „Kölniſchen Zeitung‟, bei der
„Neuen Berliner Zeitung‟ tätig, ging
darauf als Nachfolger von Gervinus
als verantwortlicher Redakteur der
„Deutſchen Zeitung‟ nach Frankfurt
u. gehörte ſeit 1849 wieder der „Köl-
niſchen Zeitung‟ an, die er ſeit 1855
als Chefredakteur leitete, und an der
er auch beteiligt blieb, als er im Sep-
tember 1872 nach Berlin überſiedelte.
Seine Stellung als Chefredakteur
war eine ungemein ſchwierige, da die
Verfolgungen des lieberalen Blattes
von ſeiten der reaktionären Verwal-
tungsbehörden kein Ende nahmen.
Erſt mit Übernahme der Regentſchaft
durch den Prinzen von Preußen ent-
wickelte ſich die Zeitung in ruhiger
und ſteter Weiſe und gelangte unter
K. s Leitung von Jahr zu Jahr zu
größerer Bedeutung. Jhren Höhe-
punkt erreichte die journaliſtiſche Tä-
tigkeit K.s während des Krieges von
1870‒71; was K.s Feder damals für
die deutſche Sache gewirkt, hat Bis-
marck in die rühmenden Worte ge-
faßt, „die Kölniſche Zeitung ſei ein
ganzes Armeekorps wert geweſen‟.
Am 1. Juli 1884 beſchloß K. ſeine
journaliſtiſche Tätigkeit und ließ ſich
als Privatmann in Bückeburg nieder,
wo er aus Anlaß ſeines 80. Geburts-
tages zum Geh. Regierungsrat und
zum Ehrenbürger von Stralſund er-
nannt wurde. Er ſtarb daſelbſt am
12. Januar 1902 (nicht: 13.). Durch
ſein Trauerſpiel „Die Gräfin‟, das
von der Kommiſſion der Schiller-
Stiftung neben Geibels „Sopho-
nisbe‟ ausgezeichnet wurde, machte
er ſeinen Namen zuerſt allgemein be-
kannt; ſeine ſpäteren Dramen ſind
von der Kritik und der Bühne ebenſo
freundlich aufgenommen worden.

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 126. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon04_1913/130>, abgerufen am 26.03.2019.