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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Mer
erfolgter Promotion zum Dr. phil.
wurde er Lehrer der französischen
Sprache an der Staats-Oberreal-
schule in Marburg u. 1878 Professor
an einer gleichen Anstalt im II. Be-
zirk Wiens und an der dortigen k. k.
Theresianischen Akademie. Noch in
demselben Jahre wurde er während
des Okkupationskrieges als Reserve-
offizier zu Militärdiensten eingezogen,
die bis 1879 dauerten. Jm Jahre
1883 sandte ihn der Unterrichtsmini-
ster zum Zwecke wissenschaftlicher Ar-
beiten nach Frankreich, u. M. wurde
in der Folge (1884) zum Mitglied der
Societe de Linguistique an der Sor-
bonne in Paris und (1910) zum Offi-
cier de l'Instruction publique
er-
nannt. Nach 31 jähriger lehramt-
licher Tätigkeit trat M. 1906 in den
Ruhestand und wirkt jetzt als Dozent
an der Wiener Handels-Akademie.

S:

Eine Erzpessimistin, 1882. - Ma-
dame Ackermann (Literarhist. Studie),
1882. - Reckenspäße (Heiteres Epos),
1896. - Ferienblüten (Ge.), 1902. -
Der psychologische Augenblick (Schw.),
1904.

Merwin, Alexey,

Pseudon. für
Gotthard Christeinicke; s. d.!

*Merx, Eulalia Therese,

wurde
(nach ihres Vaters eigenhändiger
Eintragung in das Kirchenbuch) am
7. Novbr. 1811 (nicht 1815) zu Grö-
ningen im ehemaligen Fürstentum
Halberstadt als eine Tochter des Kon-
sistorialrats und Superintendenten
Joh. Gottfr. Hoche geboren. Als
ein ungewöhnlich ernstes und ver-
schlosseues Kind wuchs sie unter der
Leitung ihres Vaters auf. Bei ent-
schiedener Begabung für Musik war
es ihr sehnlichster Wunsch, eine Vir-
tuosin zu werden, doch entschied sich
der Vater dagegen, da er dem jungen
Mädchen eine außerhalb der Sphäre
des häuslichen Kreises liegende unge-
wisse Laufbahn nicht eröffnen wollte.
Das Bibliothekzimmer des Vaters
war Eulaliens liebster Aufenthalt.
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Mer
Dort las sie Bretschneiders, Röhrs
und Ammons Schriften und nahm
schon im Alter von 15 Jahren leb-
haften Anteil an den Fehden der
Heerführer der sogenannten Ratio-
nalisten und Orthodoxen, sich dabei
parteiisch auf die Seite der ersteren
stellend. Jndes vollzog sich bei ihr
sehr bald der merkwürdige Seelen-
prozeß, daß sie aus einer Rationalistin
eine Verehrerin des Pietismus wur-
de. Sie hat diesen Prozeß später in
ihrem Roman "Ein Seelengemälde"
eingehend geschildert. Bei einem Be-
suche mit ihren Eltern in Magdeburg
lernte Eulalila einen jungen Theo-
logen, namens Merx kennen, der
unter Harnisch einige Jahre am Se-
minar in Weißenfels gearbeitet hatte
und im Begriff stand, die Rektorstelle
in Bleicherode anzunehmen. Auf den
Wunsch ihrer Eltern verlobte sich
Eulalia mit ihm und reichte ihm nach
des Vaters Tode, im Jahre 1837,
ihre Hand. Schon nach sechs Jahren
(1843) wurde sie Witwe. Sie lebte
als solche zunächst in der Heimat bei
einer unverheirateten Schwester und
zog später mit derselben nach Hal-
berstadt, wo ihr Sohn das Gymna-
sium besuchte. Eulaliens ferneres
Leben war zwischen schriftstellerischer
Tätigkeit und längeren Besuchsreisen
zu Verwandten in der Lausitz u. der
Mark geteilt. Später verließ sie Hal-
berstadt und ging nach Neiße, wo sie
im Hause ihres verwitweten Bruders
sechs Jahre lang Mutterstelle bei
dessen Kindern vertrat, und siedelte
dann mit der Familie nach Thüringen
über. Jnzwischen hatte ihr Sohn seine
Studien der orientalischen Sprachen
und der Theologie absolviert und sich
in Jena habilitiert. Zu ihm zog nun
E. M. (1865), um hinfort mit ihm
vereint zu leben, folgte ihm 1869 nach
Tübingen, wo er Universitätsprofes-
sor wurde, 1874 nach Gießen und im
Herbste 1875 nach Heidelberg. Hier
starb sie, bis in ihr hohes Alter

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Mer
erfolgter Promotion zum Dr. phil.
wurde er Lehrer der franzöſiſchen
Sprache an der Staats-Oberreal-
ſchule in Marburg u. 1878 Profeſſor
an einer gleichen Anſtalt im II. Be-
zirk Wiens und an der dortigen k. k.
Thereſianiſchen Akademie. Noch in
demſelben Jahre wurde er während
des Okkupationskrieges als Reſerve-
offizier zu Militärdienſten eingezogen,
die bis 1879 dauerten. Jm Jahre
1883 ſandte ihn der Unterrichtsmini-
ſter zum Zwecke wiſſenſchaftlicher Ar-
beiten nach Frankreich, u. M. wurde
in der Folge (1884) zum Mitglied der
Société de Linguistique an der Sor-
bonne in Paris und (1910) zum Offi-
cier de l’Instruction publique
er-
nannt. Nach 31 jähriger lehramt-
licher Tätigkeit trat M. 1906 in den
Ruheſtand und wirkt jetzt als Dozent
an der Wiener Handels-Akademie.

S:

Eine Erzpeſſimiſtin, 1882. ‒ Ma-
dame Ackermann (Literarhiſt. Studie),
1882. ‒ Reckenſpäße (Heiteres Epos),
1896. ‒ Ferienblüten (Ge.), 1902. ‒
Der pſychologiſche Augenblick (Schw.),
1904.

Merwin, Alexey,

Pſeudon. für
Gotthard Chriſteinicke; ſ. d.!

*Merx, Eulalia Thereſe,

wurde
(nach ihres Vaters eigenhändiger
Eintragung in das Kirchenbuch) am
7. Novbr. 1811 (nicht 1815) zu Grö-
ningen im ehemaligen Fürſtentum
Halberſtadt als eine Tochter des Kon-
ſiſtorialrats und Superintendenten
Joh. Gottfr. Hoche geboren. Als
ein ungewöhnlich ernſtes und ver-
ſchloſſeues Kind wuchs ſie unter der
Leitung ihres Vaters auf. Bei ent-
ſchiedener Begabung für Muſik war
es ihr ſehnlichſter Wunſch, eine Vir-
tuoſin zu werden, doch entſchied ſich
der Vater dagegen, da er dem jungen
Mädchen eine außerhalb der Sphäre
des häuslichen Kreiſes liegende unge-
wiſſe Laufbahn nicht eröffnen wollte.
Das Bibliothekzimmer des Vaters
war Eulaliens liebſter Aufenthalt.
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Mer
Dort las ſie Bretſchneiders, Röhrs
und Ammons Schriften und nahm
ſchon im Alter von 15 Jahren leb-
haften Anteil an den Fehden der
Heerführer der ſogenannten Ratio-
naliſten und Orthodoxen, ſich dabei
parteiiſch auf die Seite der erſteren
ſtellend. Jndes vollzog ſich bei ihr
ſehr bald der merkwürdige Seelen-
prozeß, daß ſie aus einer Rationaliſtin
eine Verehrerin des Pietismus wur-
de. Sie hat dieſen Prozeß ſpäter in
ihrem Roman „Ein Seelengemälde‟
eingehend geſchildert. Bei einem Be-
ſuche mit ihren Eltern in Magdeburg
lernte Eulalila einen jungen Theo-
logen, namens Merx kennen, der
unter Harniſch einige Jahre am Se-
minar in Weißenfels gearbeitet hatte
und im Begriff ſtand, die Rektorſtelle
in Bleicherode anzunehmen. Auf den
Wunſch ihrer Eltern verlobte ſich
Eulalia mit ihm und reichte ihm nach
des Vaters Tode, im Jahre 1837,
ihre Hand. Schon nach ſechs Jahren
(1843) wurde ſie Witwe. Sie lebte
als ſolche zunächſt in der Heimat bei
einer unverheirateten Schweſter und
zog ſpäter mit derſelben nach Hal-
berſtadt, wo ihr Sohn das Gymna-
ſium beſuchte. Eulaliens ferneres
Leben war zwiſchen ſchriftſtelleriſcher
Tätigkeit und längeren Beſuchsreiſen
zu Verwandten in der Lauſitz u. der
Mark geteilt. Später verließ ſie Hal-
berſtadt und ging nach Neiße, wo ſie
im Hauſe ihres verwitweten Bruders
ſechs Jahre lang Mutterſtelle bei
deſſen Kindern vertrat, und ſiedelte
dann mit der Familie nach Thüringen
über. Jnzwiſchen hatte ihr Sohn ſeine
Studien der orientaliſchen Sprachen
und der Theologie abſolviert und ſich
in Jena habilitiert. Zu ihm zog nun
E. M. (1865), um hinfort mit ihm
vereint zu leben, folgte ihm 1869 nach
Tübingen, wo er Univerſitätsprofeſ-
ſor wurde, 1874 nach Gießen und im
Herbſte 1875 nach Heidelberg. Hier
ſtarb ſie, bis in ihr hohes Alter

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[436/0440] Mer Mer erfolgter Promotion zum Dr. phil. wurde er Lehrer der franzöſiſchen Sprache an der Staats-Oberreal- ſchule in Marburg u. 1878 Profeſſor an einer gleichen Anſtalt im II. Be- zirk Wiens und an der dortigen k. k. Thereſianiſchen Akademie. Noch in demſelben Jahre wurde er während des Okkupationskrieges als Reſerve- offizier zu Militärdienſten eingezogen, die bis 1879 dauerten. Jm Jahre 1883 ſandte ihn der Unterrichtsmini- ſter zum Zwecke wiſſenſchaftlicher Ar- beiten nach Frankreich, u. M. wurde in der Folge (1884) zum Mitglied der Société de Linguistique an der Sor- bonne in Paris und (1910) zum Offi- cier de l’Instruction publique er- nannt. Nach 31 jähriger lehramt- licher Tätigkeit trat M. 1906 in den Ruheſtand und wirkt jetzt als Dozent an der Wiener Handels-Akademie. S: Eine Erzpeſſimiſtin, 1882. ‒ Ma- dame Ackermann (Literarhiſt. Studie), 1882. ‒ Reckenſpäße (Heiteres Epos), 1896. ‒ Ferienblüten (Ge.), 1902. ‒ Der pſychologiſche Augenblick (Schw.), 1904. Merwin, Alexey, Pſeudon. für Gotthard Chriſteinicke; ſ. d.! *Merx, Eulalia Thereſe, wurde (nach ihres Vaters eigenhändiger Eintragung in das Kirchenbuch) am 7. Novbr. 1811 (nicht 1815) zu Grö- ningen im ehemaligen Fürſtentum Halberſtadt als eine Tochter des Kon- ſiſtorialrats und Superintendenten Joh. Gottfr. Hoche geboren. Als ein ungewöhnlich ernſtes und ver- ſchloſſeues Kind wuchs ſie unter der Leitung ihres Vaters auf. Bei ent- ſchiedener Begabung für Muſik war es ihr ſehnlichſter Wunſch, eine Vir- tuoſin zu werden, doch entſchied ſich der Vater dagegen, da er dem jungen Mädchen eine außerhalb der Sphäre des häuslichen Kreiſes liegende unge- wiſſe Laufbahn nicht eröffnen wollte. Das Bibliothekzimmer des Vaters war Eulaliens liebſter Aufenthalt. Dort las ſie Bretſchneiders, Röhrs und Ammons Schriften und nahm ſchon im Alter von 15 Jahren leb- haften Anteil an den Fehden der Heerführer der ſogenannten Ratio- naliſten und Orthodoxen, ſich dabei parteiiſch auf die Seite der erſteren ſtellend. Jndes vollzog ſich bei ihr ſehr bald der merkwürdige Seelen- prozeß, daß ſie aus einer Rationaliſtin eine Verehrerin des Pietismus wur- de. Sie hat dieſen Prozeß ſpäter in ihrem Roman „Ein Seelengemälde‟ eingehend geſchildert. Bei einem Be- ſuche mit ihren Eltern in Magdeburg lernte Eulalila einen jungen Theo- logen, namens Merx kennen, der unter Harniſch einige Jahre am Se- minar in Weißenfels gearbeitet hatte und im Begriff ſtand, die Rektorſtelle in Bleicherode anzunehmen. Auf den Wunſch ihrer Eltern verlobte ſich Eulalia mit ihm und reichte ihm nach des Vaters Tode, im Jahre 1837, ihre Hand. Schon nach ſechs Jahren (1843) wurde ſie Witwe. Sie lebte als ſolche zunächſt in der Heimat bei einer unverheirateten Schweſter und zog ſpäter mit derſelben nach Hal- berſtadt, wo ihr Sohn das Gymna- ſium beſuchte. Eulaliens ferneres Leben war zwiſchen ſchriftſtelleriſcher Tätigkeit und längeren Beſuchsreiſen zu Verwandten in der Lauſitz u. der Mark geteilt. Später verließ ſie Hal- berſtadt und ging nach Neiße, wo ſie im Hauſe ihres verwitweten Bruders ſechs Jahre lang Mutterſtelle bei deſſen Kindern vertrat, und ſiedelte dann mit der Familie nach Thüringen über. Jnzwiſchen hatte ihr Sohn ſeine Studien der orientaliſchen Sprachen und der Theologie abſolviert und ſich in Jena habilitiert. Zu ihm zog nun E. M. (1865), um hinfort mit ihm vereint zu leben, folgte ihm 1869 nach Tübingen, wo er Univerſitätsprofeſ- ſor wurde, 1874 nach Gießen und im Herbſte 1875 nach Heidelberg. Hier ſtarb ſie, bis in ihr hohes Alter *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 436. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon04_1913/440>, abgerufen am 20.03.2019.