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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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riges Doktorjubiläum. Bald darauf
schied er von Leipzig und zog nach
Heidelberg, und in dem benachbarten
Bade Neuenheim ist er am 29. Dezbr.
1885 gestorben.

S:

Die deutsche
Dichtkunst (Satir.-kom. Lehrgedicht),
1837. - Graf Platen als Mensch und
Dichter, 1838. - Der Prinzenraub
(Schsp.), 1839. - Geschichten aus alter
und neuer Zeit, den besten Quellen
nacherzählt; III, 1851 (Jnhalt: Die
Pariser Bluthochzeit. - Die Buße
Kaiser Heinrichs IV. - Die Zerstörung
Jerusalems). - Gedichte, 1847. 3. A.
u. d. T.: Aus Deutschlands größter
Zeit, 1813-76 (Ge.), 1876. - Gesam-
melte Schriften, 1. Bd.: Lieder und
Oden, 1854. - Der neuhochdeutsche
Parnaß, 1740-1860 (Literaturge-
schichtliche Anthologie), 1861. - Der
Künstler (N.), 1862. - Die Weisen
des Morgenlandes (En., M., Fabeln
usw.), 1862. - Dem neuen Kaiser
(Hymnus), 1871. - Vorschule zum
Homer, 1863. - Euripides' Werke,
deutsch; IX, 1834 ff. - Sophokles'
Werke, deutsch; VII, 1835-43. - Lu-
kianos' Werke, verdeutscht, 1. Bd.,
1836. - Äschylos' Werke, deutsch,
1.-7. Bdchn., 1844-45. - Pindars
Oden (Auswahl), 1840 ff. - Homers
Werke, verdeutscht in Prosa; III,
1854-56. - Aristophanes' Lustspiele,
deutsch, 1856. Gab heraus: Poeti-
scher und literarischer Nachlaß des
Grafen August von Platen; II, 1852.
- Briefwechsel mit dem Grafen August
von Platen, 1836.

*Minckwitz, Hans von,

Sohn des
Vorigen, wurde am 11. April 1843
in Leipzig geboren, erhielt seine Schul-
bildung auf dem "Modernen Gesamt-
gymnasium" daselbst u. widmete sich
seit seinem 15. Jahre dem kaufmän-
nischen Berufe. Er trat in eine Leip-
ziger Großhandlung ein und verblieb
9 Jahre in derselben. Daneben stu-
dierte er unter Prof. Roscher Volks-
wirtschaftslehre und beschäftigte sich
viel mit dem Studium der Literatur.
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Seit seinem 11. Jahre dem Schach-
spiel huldigend, brachte er es in die-
ser Kunst nach Theorie und Praxis
bald zur Meisterschaft, so daß er aus
vielen Meisterturnieren als Sieger
hervorging u. von zahlreichen Schach-
vereinen zum Ehrenmitgliede ernannt
wurde. Auch veröffentlichte er eine
Reihe von Schriften über das Schach-
spiel und redigierte von 1865-76 und
von 1879 bis Ende 1886 die in Leip-
zig erscheinende "Deutsche Schach-
Zeitung" und die Schachspalten der
bedeutendsten deutschen Blätter. Jn-
zwischen war M. 1872 als Oberbuch-
halter in eine Leipziger Bankgesell-
schaft eingetreten und rasch zum
Prokuristen emporgestiegen. 1876
übernahm er die selbständige Leitung
ausgedehnter Kohlenwerke in Schle-
sien; da sich indes diese Tätigkeit
nicht gut mit seiner Redaktion und
Schriftstellerei vereinbaren ließ, so
kehrte er schließlich nach Leipzig zurück,
begründete hier 1878 ein eigenes Ge-
schäft und war darin bis 1882 tätig.
Von nun ab widmete er sich aus-
schließlich dem schriftstellerischen Be-
rufe. 1889 verlegte M. seinen Wohn-
sitz nach Belgern an der Elbe, wo er
ein Grundstück besaß. Um diese Zeit
schon zeigten sich bei ihm Spuren von
Geistesgestörtheit, deren Symptome
sich meistens in Größenwahn äußer-
ten, so daß er seinem Namen z. B.
noch andere Adelsprädikate hinzu-
fügte, wie "Reichsgraf von Minck-
witzburg, Fürst Jnkwi". Jm Jahre
1893 beschäftigten sich die öffentlichen
Blätter viel mit ihm, da gewisse Vor-
kommnisse während der Anwesenheit
des deutschen Kaisers in Wien seine
Überführung in eine Heilanstalt nötig
gemacht hatten. Jn einem Anfalle
von Wahnsinn machte er denn auch
schließlich seinem Leben selbst ein
Ende, indem er sich am 20. Mai 1901
in Biebrich von der elektrischen Bahn
überfahren ließ.

S:

Deutschlands
Traum, Kampf und Sieg (Gehar-

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Min
riges Doktorjubiläum. Bald darauf
ſchied er von Leipzig und zog nach
Heidelberg, und in dem benachbarten
Bade Neuenheim iſt er am 29. Dezbr.
1885 geſtorben.

S:

Die deutſche
Dichtkunſt (Satir.-kom. Lehrgedicht),
1837. ‒ Graf Platen als Menſch und
Dichter, 1838. ‒ Der Prinzenraub
(Schſp.), 1839. ‒ Geſchichten aus alter
und neuer Zeit, den beſten Quellen
nacherzählt; III, 1851 (Jnhalt: Die
Pariſer Bluthochzeit. ‒ Die Buße
Kaiſer Heinrichs IV. ‒ Die Zerſtörung
Jeruſalems). ‒ Gedichte, 1847. 3. A.
u. d. T.: Aus Deutſchlands größter
Zeit, 1813‒76 (Ge.), 1876. ‒ Geſam-
melte Schriften, 1. Bd.: Lieder und
Oden, 1854. ‒ Der neuhochdeutſche
Parnaß, 1740‒1860 (Literaturge-
ſchichtliche Anthologie), 1861. ‒ Der
Künſtler (N.), 1862. ‒ Die Weiſen
des Morgenlandes (En., M., Fabeln
uſw.), 1862. ‒ Dem neuen Kaiſer
(Hymnus), 1871. ‒ Vorſchule zum
Homer, 1863. ‒ Euripides’ Werke,
deutſch; IX, 1834 ff. ‒ Sophokles’
Werke, deutſch; VII, 1835‒43. ‒ Lu-
kianos’ Werke, verdeutſcht, 1. Bd.,
1836. ‒ Äſchylos’ Werke, deutſch,
1.‒7. Bdchn., 1844‒45. ‒ Pindars
Oden (Auswahl), 1840 ff. ‒ Homers
Werke, verdeutſcht in Proſa; III,
1854‒56. ‒ Ariſtophanes’ Luſtſpiele,
deutſch, 1856. Gab heraus: Poeti-
ſcher und literariſcher Nachlaß des
Grafen Auguſt von Platen; II, 1852.
‒ Briefwechſel mit dem Grafen Auguſt
von Platen, 1836.

*Minckwitz, Hans von,

Sohn des
Vorigen, wurde am 11. April 1843
in Leipzig geboren, erhielt ſeine Schul-
bildung auf dem „Modernen Geſamt-
gymnaſium‟ daſelbſt u. widmete ſich
ſeit ſeinem 15. Jahre dem kaufmän-
niſchen Berufe. Er trat in eine Leip-
ziger Großhandlung ein und verblieb
9 Jahre in derſelben. Daneben ſtu-
dierte er unter Prof. Roſcher Volks-
wirtſchaftslehre und beſchäftigte ſich
viel mit dem Studium der Literatur.
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Min
Seit ſeinem 11. Jahre dem Schach-
ſpiel huldigend, brachte er es in die-
ſer Kunſt nach Theorie und Praxis
bald zur Meiſterſchaft, ſo daß er aus
vielen Meiſterturnieren als Sieger
hervorging u. von zahlreichen Schach-
vereinen zum Ehrenmitgliede ernannt
wurde. Auch veröffentlichte er eine
Reihe von Schriften über das Schach-
ſpiel und redigierte von 1865‒76 und
von 1879 bis Ende 1886 die in Leip-
zig erſcheinende „Deutſche Schach-
Zeitung‟ und die Schachſpalten der
bedeutendſten deutſchen Blätter. Jn-
zwiſchen war M. 1872 als Oberbuch-
halter in eine Leipziger Bankgeſell-
ſchaft eingetreten und raſch zum
Prokuriſten emporgeſtiegen. 1876
übernahm er die ſelbſtändige Leitung
ausgedehnter Kohlenwerke in Schle-
ſien; da ſich indes dieſe Tätigkeit
nicht gut mit ſeiner Redaktion und
Schriftſtellerei vereinbaren ließ, ſo
kehrte er ſchließlich nach Leipzig zurück,
begründete hier 1878 ein eigenes Ge-
ſchäft und war darin bis 1882 tätig.
Von nun ab widmete er ſich aus-
ſchließlich dem ſchriftſtelleriſchen Be-
rufe. 1889 verlegte M. ſeinen Wohn-
ſitz nach Belgern an der Elbe, wo er
ein Grundſtück beſaß. Um dieſe Zeit
ſchon zeigten ſich bei ihm Spuren von
Geiſtesgeſtörtheit, deren Symptome
ſich meiſtens in Größenwahn äußer-
ten, ſo daß er ſeinem Namen z. B.
noch andere Adelsprädikate hinzu-
fügte, wie „Reichsgraf von Minck-
witzburg, Fürſt Jnkwi‟. Jm Jahre
1893 beſchäftigten ſich die öffentlichen
Blätter viel mit ihm, da gewiſſe Vor-
kommniſſe während der Anweſenheit
des deutſchen Kaiſers in Wien ſeine
Überführung in eine Heilanſtalt nötig
gemacht hatten. Jn einem Anfalle
von Wahnſinn machte er denn auch
ſchließlich ſeinem Leben ſelbſt ein
Ende, indem er ſich am 20. Mai 1901
in Biebrich von der elektriſchen Bahn
überfahren ließ.

S:

Deutſchlands
Traum, Kampf und Sieg (Gehar-

*
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[478/0482] Min Min riges Doktorjubiläum. Bald darauf ſchied er von Leipzig und zog nach Heidelberg, und in dem benachbarten Bade Neuenheim iſt er am 29. Dezbr. 1885 geſtorben. S: Die deutſche Dichtkunſt (Satir.-kom. Lehrgedicht), 1837. ‒ Graf Platen als Menſch und Dichter, 1838. ‒ Der Prinzenraub (Schſp.), 1839. ‒ Geſchichten aus alter und neuer Zeit, den beſten Quellen nacherzählt; III, 1851 (Jnhalt: Die Pariſer Bluthochzeit. ‒ Die Buße Kaiſer Heinrichs IV. ‒ Die Zerſtörung Jeruſalems). ‒ Gedichte, 1847. 3. A. u. d. T.: Aus Deutſchlands größter Zeit, 1813‒76 (Ge.), 1876. ‒ Geſam- melte Schriften, 1. Bd.: Lieder und Oden, 1854. ‒ Der neuhochdeutſche Parnaß, 1740‒1860 (Literaturge- ſchichtliche Anthologie), 1861. ‒ Der Künſtler (N.), 1862. ‒ Die Weiſen des Morgenlandes (En., M., Fabeln uſw.), 1862. ‒ Dem neuen Kaiſer (Hymnus), 1871. ‒ Vorſchule zum Homer, 1863. ‒ Euripides’ Werke, deutſch; IX, 1834 ff. ‒ Sophokles’ Werke, deutſch; VII, 1835‒43. ‒ Lu- kianos’ Werke, verdeutſcht, 1. Bd., 1836. ‒ Äſchylos’ Werke, deutſch, 1.‒7. Bdchn., 1844‒45. ‒ Pindars Oden (Auswahl), 1840 ff. ‒ Homers Werke, verdeutſcht in Proſa; III, 1854‒56. ‒ Ariſtophanes’ Luſtſpiele, deutſch, 1856. Gab heraus: Poeti- ſcher und literariſcher Nachlaß des Grafen Auguſt von Platen; II, 1852. ‒ Briefwechſel mit dem Grafen Auguſt von Platen, 1836. *Minckwitz, Hans von, Sohn des Vorigen, wurde am 11. April 1843 in Leipzig geboren, erhielt ſeine Schul- bildung auf dem „Modernen Geſamt- gymnaſium‟ daſelbſt u. widmete ſich ſeit ſeinem 15. Jahre dem kaufmän- niſchen Berufe. Er trat in eine Leip- ziger Großhandlung ein und verblieb 9 Jahre in derſelben. Daneben ſtu- dierte er unter Prof. Roſcher Volks- wirtſchaftslehre und beſchäftigte ſich viel mit dem Studium der Literatur. Seit ſeinem 11. Jahre dem Schach- ſpiel huldigend, brachte er es in die- ſer Kunſt nach Theorie und Praxis bald zur Meiſterſchaft, ſo daß er aus vielen Meiſterturnieren als Sieger hervorging u. von zahlreichen Schach- vereinen zum Ehrenmitgliede ernannt wurde. Auch veröffentlichte er eine Reihe von Schriften über das Schach- ſpiel und redigierte von 1865‒76 und von 1879 bis Ende 1886 die in Leip- zig erſcheinende „Deutſche Schach- Zeitung‟ und die Schachſpalten der bedeutendſten deutſchen Blätter. Jn- zwiſchen war M. 1872 als Oberbuch- halter in eine Leipziger Bankgeſell- ſchaft eingetreten und raſch zum Prokuriſten emporgeſtiegen. 1876 übernahm er die ſelbſtändige Leitung ausgedehnter Kohlenwerke in Schle- ſien; da ſich indes dieſe Tätigkeit nicht gut mit ſeiner Redaktion und Schriftſtellerei vereinbaren ließ, ſo kehrte er ſchließlich nach Leipzig zurück, begründete hier 1878 ein eigenes Ge- ſchäft und war darin bis 1882 tätig. Von nun ab widmete er ſich aus- ſchließlich dem ſchriftſtelleriſchen Be- rufe. 1889 verlegte M. ſeinen Wohn- ſitz nach Belgern an der Elbe, wo er ein Grundſtück beſaß. Um dieſe Zeit ſchon zeigten ſich bei ihm Spuren von Geiſtesgeſtörtheit, deren Symptome ſich meiſtens in Größenwahn äußer- ten, ſo daß er ſeinem Namen z. B. noch andere Adelsprädikate hinzu- fügte, wie „Reichsgraf von Minck- witzburg, Fürſt Jnkwi‟. Jm Jahre 1893 beſchäftigten ſich die öffentlichen Blätter viel mit ihm, da gewiſſe Vor- kommniſſe während der Anweſenheit des deutſchen Kaiſers in Wien ſeine Überführung in eine Heilanſtalt nötig gemacht hatten. Jn einem Anfalle von Wahnſinn machte er denn auch ſchließlich ſeinem Leben ſelbſt ein Ende, indem er ſich am 20. Mai 1901 in Biebrich von der elektriſchen Bahn überfahren ließ. S: Deutſchlands Traum, Kampf und Sieg (Gehar- *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 4. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 478. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon04_1913/482>, abgerufen am 20.03.2019.