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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 7. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Wir
Wirth, M.,

Pseudon. für Andrä
Heinrich Fogowitz; s. d.!

Wirz-Matthey, Maja,

siehe
Maja Matthey!

*Wisbacher, Franz,

geboren am
29. Jan. 1849 zu Ainring bei Reichen-
hall in Oberbayern als der Sohn
eines Zimmermanns, bildete sich auf
dem Seminar zu Freising zum Lehrer
und war von 1866-75 an verschie-
denen Orten Oberbayerns als Hilfs-
lehrer, Schulverweser, Chorregent u.
Organist angestellt, zuletzt als Orga-
nist an der Stadtpfarrkirche in Rei-
chenhall. Jm Herbst 1875 ging er,
durch glänzende Versprechungen ver-
leitet, mit der Fürstin Cantacuzeno
als Erzieher und Hauslehrer nach
Rumänien, wo er Fürchterliches er-
leben und ausstehen mußte, so daß er
schon 1877 unter den größten Ge-
fahren und Enttäuschungen wieder
nach Bayern zurückkehrte. Hier war
er wieder als Lehrer tätig, bis ein
hartnäckiges und schmerzliches körper-
liches Leiden ihn Ende März 1880
zwang, im Elternhause Genesung zu
suchen, wo er auch später, da ihn die
Regierung gleichzeitig ohne Pension
aus dem Lehramt entließ, in großem
Elend von den Unterstützungen edler
Menschen lebte. Am 27. Juli 1912
wurde er auf dem Bahnhofe Ham-
merau bei Reichenhall von einem
Eisenbahnzuge überfahren, was sei-
nen Tod zur Folge hatte.

S:

Ge-
dichte, 1882. 5. Aufl. 1910. - Neue
Gedichte, 1901. - Abendklänge (Ge.),
1911.

*Wisbacher, Fritz,

Vetter des
Vorigen, geb. am 2. Novbr. 1874 als
der Sohn eines evangelischen Geist-
lichen zu Lindau i. B., absolvierte die
deutsche Schule und das humanistische
Gymnasium bei St. Anna in Augs-
burg, widmete sich dann auf der Uni-
versität zu München vier Jahre lang
dem Studium der Philosophie, klas-
sischen Philologie, Botanik, Literatur-
und Musikwissenschaft, National-
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Wis
ökonomie, Finanzwissenschaft, Ge-
schichte, Asthetik u. Theatergeschichte,
absolvierte 1894 das Staatsexamen
für das Lehramt in der Gabelsberger-
schen Stenographie und 1896 ein sol-
ches für das Lehramt in der klassischen
Philologie. Während dieser ganzen
Zeit war er auch als Kritiker, Refe-
rent und Schriftsteller tätig. Jm
Juni 1897 kehrte er nach Augsburg
zurück, siedelte 1898 nach Berlin, 1900
nach Schönsee in Westpr. über, wo er
als Privatlehrer tätig war, ging 1901
als Lehrer an die deutsche Schule in
Buenos Aires (Südamerika), 1902
an die Realschule des Rauhen Hauses
in Hamburg, lebte 1903 in Franken-
hausen am Kyffhäuser, 1904 in Stutt-
gart, 1905 in Augsburg und 1906 in
Unshausen bei Kassel.

S:

Gedichte,
1895. - Placida (Dram. G.), 1895. -
Die tragische Jronie bei Sophokles,
1895. - Frei! (Dr.), 1899.

Wiser, Ritter von und zu
Ehrenhofen,
Johann,

geb. zu Graz
am 4. Novbr. 1818, widmete sich zuerst
als Praktikant dem k. k. Zivildienste,
dann aber wegen mangelnder Aus-
sicht auf eine baldige wirkliche An-
stellung im Jahre 1843 freiwillig dem
Militärstande im steiermärkischen
Regimente Nr. 27, in welchem er zwar
nur als Gemeiner, jedoch mit dem
Vorzuge, mit "Sie" angesprochen zu
werden, angenommen und nach vier
Jahren zum Korporal befördert
wurde. Um diese Zeit schrieb er 125
Soldatenlieder im Volksdialekte,
deren mehrere, von ihm selbst in
Musik gesetzt, von seinen Kameraden
gesungen wurden. Er machte 1848
und 1849 die Feldzüge in Oberitalien
und in Ungarn mit, avancierte wäh-
rend derselben zum Leutnant und
Oberleutnant, und rückte nach der
Übergabe von Komorn mit seiner
Truppe wieder in Graz ein, wo er
dann, in Pension getreten, als Rech-
nungsbeamter bei der Süd-Eisenbahn
Verwendung fand und am 20. Juli

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Wir
Wirth, M.,

Pſeudon. für Andrä
Heinrich Fogowitz; ſ. d.!

Wirz-Matthey, Maja,

ſiehe
Maja Matthey!

*Wisbacher, Franz,

geboren am
29. Jan. 1849 zu Ainring bei Reichen-
hall in Oberbayern als der Sohn
eines Zimmermanns, bildete ſich auf
dem Seminar zu Freiſing zum Lehrer
und war von 1866–75 an verſchie-
denen Orten Oberbayerns als Hilfs-
lehrer, Schulverweſer, Chorregent u.
Organiſt angeſtellt, zuletzt als Orga-
niſt an der Stadtpfarrkirche in Rei-
chenhall. Jm Herbſt 1875 ging er,
durch glänzende Verſprechungen ver-
leitet, mit der Fürſtin Cantacuzeno
als Erzieher und Hauslehrer nach
Rumänien, wo er Fürchterliches er-
leben und ausſtehen mußte, ſo daß er
ſchon 1877 unter den größten Ge-
fahren und Enttäuſchungen wieder
nach Bayern zurückkehrte. Hier war
er wieder als Lehrer tätig, bis ein
hartnäckiges und ſchmerzliches körper-
liches Leiden ihn Ende März 1880
zwang, im Elternhauſe Geneſung zu
ſuchen, wo er auch ſpäter, da ihn die
Regierung gleichzeitig ohne Penſion
aus dem Lehramt entließ, in großem
Elend von den Unterſtützungen edler
Menſchen lebte. Am 27. Juli 1912
wurde er auf dem Bahnhofe Ham-
merau bei Reichenhall von einem
Eiſenbahnzuge überfahren, was ſei-
nen Tod zur Folge hatte.

S:

Ge-
dichte, 1882. 5. Aufl. 1910. – Neue
Gedichte, 1901. – Abendklänge (Ge.),
1911.

*Wisbacher, Fritz,

Vetter des
Vorigen, geb. am 2. Novbr. 1874 als
der Sohn eines evangeliſchen Geiſt-
lichen zu Lindau i. B., abſolvierte die
deutſche Schule und das humaniſtiſche
Gymnaſium bei St. Anna in Augs-
burg, widmete ſich dann auf der Uni-
verſität zu München vier Jahre lang
dem Studium der Philoſophie, klaſ-
ſiſchen Philologie, Botanik, Literatur-
und Muſikwiſſenſchaft, National-
[Spaltenumbruch]

Wiſ
ökonomie, Finanzwiſſenſchaft, Ge-
ſchichte, Áſthetik u. Theatergeſchichte,
abſolvierte 1894 das Staatsexamen
für das Lehramt in der Gabelsberger-
ſchen Stenographie und 1896 ein ſol-
ches für das Lehramt in der klaſſiſchen
Philologie. Während dieſer ganzen
Zeit war er auch als Kritiker, Refe-
rent und Schriftſteller tätig. Jm
Juni 1897 kehrte er nach Augsburg
zurück, ſiedelte 1898 nach Berlin, 1900
nach Schönſee in Weſtpr. über, wo er
als Privatlehrer tätig war, ging 1901
als Lehrer an die deutſche Schule in
Buenos Aires (Südamerika), 1902
an die Realſchule des Rauhen Hauſes
in Hamburg, lebte 1903 in Franken-
hauſen am Kyffhäuſer, 1904 in Stutt-
gart, 1905 in Augsburg und 1906 in
Unshauſen bei Kaſſel.

S:

Gedichte,
1895. – Placida (Dram. G.), 1895. –
Die tragiſche Jronie bei Sophokles,
1895. – Frei! (Dr.), 1899.

Wiſer, Ritter von und zu
Ehrenhofen,
Johann,

geb. zu Graz
am 4. Novbr. 1818, widmete ſich zuerſt
als Praktikant dem k. k. Zivildienſte,
dann aber wegen mangelnder Aus-
ſicht auf eine baldige wirkliche An-
ſtellung im Jahre 1843 freiwillig dem
Militärſtande im ſteiermärkiſchen
Regimente Nr. 27, in welchem er zwar
nur als Gemeiner, jedoch mit dem
Vorzuge, mit „Sie“ angeſprochen zu
werden, angenommen und nach vier
Jahren zum Korporal befördert
wurde. Um dieſe Zeit ſchrieb er 125
Soldatenlieder im Volksdialekte,
deren mehrere, von ihm ſelbſt in
Muſik geſetzt, von ſeinen Kameraden
geſungen wurden. Er machte 1848
und 1849 die Feldzüge in Oberitalien
und in Ungarn mit, avancierte wäh-
rend derſelben zum Leutnant und
Oberleutnant, und rückte nach der
Übergabe von Komorn mit ſeiner
Truppe wieder in Graz ein, wo er
dann, in Penſion getreten, als Rech-
nungsbeamter bei der Süd-Eiſenbahn
Verwendung fand und am 20. Juli

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[479/0483] Wir Wiſ Wirth, M., Pſeudon. für Andrä Heinrich Fogowitz; ſ. d.! Wirz-Matthey, Maja, ſiehe Maja Matthey! *Wisbacher, Franz, geboren am 29. Jan. 1849 zu Ainring bei Reichen- hall in Oberbayern als der Sohn eines Zimmermanns, bildete ſich auf dem Seminar zu Freiſing zum Lehrer und war von 1866–75 an verſchie- denen Orten Oberbayerns als Hilfs- lehrer, Schulverweſer, Chorregent u. Organiſt angeſtellt, zuletzt als Orga- niſt an der Stadtpfarrkirche in Rei- chenhall. Jm Herbſt 1875 ging er, durch glänzende Verſprechungen ver- leitet, mit der Fürſtin Cantacuzeno als Erzieher und Hauslehrer nach Rumänien, wo er Fürchterliches er- leben und ausſtehen mußte, ſo daß er ſchon 1877 unter den größten Ge- fahren und Enttäuſchungen wieder nach Bayern zurückkehrte. Hier war er wieder als Lehrer tätig, bis ein hartnäckiges und ſchmerzliches körper- liches Leiden ihn Ende März 1880 zwang, im Elternhauſe Geneſung zu ſuchen, wo er auch ſpäter, da ihn die Regierung gleichzeitig ohne Penſion aus dem Lehramt entließ, in großem Elend von den Unterſtützungen edler Menſchen lebte. Am 27. Juli 1912 wurde er auf dem Bahnhofe Ham- merau bei Reichenhall von einem Eiſenbahnzuge überfahren, was ſei- nen Tod zur Folge hatte. S: Ge- dichte, 1882. 5. Aufl. 1910. – Neue Gedichte, 1901. – Abendklänge (Ge.), 1911. *Wisbacher, Fritz, Vetter des Vorigen, geb. am 2. Novbr. 1874 als der Sohn eines evangeliſchen Geiſt- lichen zu Lindau i. B., abſolvierte die deutſche Schule und das humaniſtiſche Gymnaſium bei St. Anna in Augs- burg, widmete ſich dann auf der Uni- verſität zu München vier Jahre lang dem Studium der Philoſophie, klaſ- ſiſchen Philologie, Botanik, Literatur- und Muſikwiſſenſchaft, National- ökonomie, Finanzwiſſenſchaft, Ge- ſchichte, Áſthetik u. Theatergeſchichte, abſolvierte 1894 das Staatsexamen für das Lehramt in der Gabelsberger- ſchen Stenographie und 1896 ein ſol- ches für das Lehramt in der klaſſiſchen Philologie. Während dieſer ganzen Zeit war er auch als Kritiker, Refe- rent und Schriftſteller tätig. Jm Juni 1897 kehrte er nach Augsburg zurück, ſiedelte 1898 nach Berlin, 1900 nach Schönſee in Weſtpr. über, wo er als Privatlehrer tätig war, ging 1901 als Lehrer an die deutſche Schule in Buenos Aires (Südamerika), 1902 an die Realſchule des Rauhen Hauſes in Hamburg, lebte 1903 in Franken- hauſen am Kyffhäuſer, 1904 in Stutt- gart, 1905 in Augsburg und 1906 in Unshauſen bei Kaſſel. S: Gedichte, 1895. – Placida (Dram. G.), 1895. – Die tragiſche Jronie bei Sophokles, 1895. – Frei! (Dr.), 1899. Wiſer, Ritter von und zu Ehrenhofen, Johann, geb. zu Graz am 4. Novbr. 1818, widmete ſich zuerſt als Praktikant dem k. k. Zivildienſte, dann aber wegen mangelnder Aus- ſicht auf eine baldige wirkliche An- ſtellung im Jahre 1843 freiwillig dem Militärſtande im ſteiermärkiſchen Regimente Nr. 27, in welchem er zwar nur als Gemeiner, jedoch mit dem Vorzuge, mit „Sie“ angeſprochen zu werden, angenommen und nach vier Jahren zum Korporal befördert wurde. Um dieſe Zeit ſchrieb er 125 Soldatenlieder im Volksdialekte, deren mehrere, von ihm ſelbſt in Muſik geſetzt, von ſeinen Kameraden geſungen wurden. Er machte 1848 und 1849 die Feldzüge in Oberitalien und in Ungarn mit, avancierte wäh- rend derſelben zum Leutnant und Oberleutnant, und rückte nach der Übergabe von Komorn mit ſeiner Truppe wieder in Graz ein, wo er dann, in Penſion getreten, als Rech- nungsbeamter bei der Süd-Eiſenbahn Verwendung fand und am 20. Juli *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 7. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 479. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon07_1913/483>, abgerufen am 19.03.2019.