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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 7. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Sto
Stolle, Rose,

siehe Rose Unter-
weger!

*Stolte, Ferdinand Ludwig,


am 14. Febr. 1809 als Sohn eines
Lehrers zu Wegeleben bei Halberstadt
geboren, besuchte vom zehnten Jahre
an das Gymnasium zu Halberstadt
u. bezog sechs Jahre später das Ka-
rolinum in Braunschweig, wo er sich
auf das Studium der Medizin vor-
bereitete. Doch das große Jnteresse,
welches ihm das Theater einflößte,
ließ ihn der Wissenschaft entsagen u.
sich der Bühne widmen, die er, kaum
19 Jahre alt, in Magdeburg als Ko-
sinsky in Schillers "Räubern" be-
trat. Er wirkte hier ein Jahr als
Volontär neben Emil Devrient und
begab sich alsdann zu Ludwig Tieck
in Dresden, der ihm und Frl. Gloy,
der später so berühmten Frau Ret-
tich, dramatischen Unterricht erteilte.
So ausgerüstet, betrat er 1834 die
Kasseler Bühne, die er 1835 mit der
Nürnberger vertauschte. Hier lernte
er Sabine Heinefetter kennen, die
seine eminente Begabung für das
Opernfach erkannte u. ihn Spohr zur
Ausbildung zuführte. Noch in dem-
selben Jahre finden wir S. in Wien
an der kaiserl. Oper unter Dupont,
der ihn auf drei Jahre engagierte;
von hier ging er an das Theater zu
Stettin, 1841 nach Stuttgart, 1842
nach Karlsruhe u. dann plötzlich als
Jesuitenzögling in ein an der unga-
rischen Grenze gelegenes Kloster.
Aber schon 1844 entfloh er aus dem-
selben nach Lemberg, wo er als Don
Juan zuerst wieder die Bretter be-
trat, und wandte sich alsdann nach
Ratibor. Hier verheiratete er sich
1848 mit Pauline, der Tochter des
Justizrats Weidemann. Noch in dem-
selben Jahre siedelte er nach Dresden
über, wo er in Gemeinschaft mit
Dr. Paul Kadner eine Wasserheilan-
stalt gründete, nebenbei seine Frau,
die ein Engagement an der Hofbühne
gefunden hatte, zur Künstlerin aus-
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bildend; auch war er als Dramaturg
tätig. Jm Jahre 1851 ging er mit
seiner Frau an das deutsche Theater
nach London, 1852 nach Braun-
schweig, 1854 nach Kassel u. trat danach
als Vorleser seines "Faust" auf, den
er unter großem Beifall in Berlin und
andren großen Städten Deutschlands
u. der Schweiz, 1862 auch in Paris
zum Vortrag brachte. Von Hanno-
ver, wo er 1863 einige Monate am
Hofe des Königs Georg V. geweilt
hatte, ging er nach der Schweiz, wo
er 1854 in Basel, 1865 in St. Gallen
und 1866 in Zürich als Theater-
Direktor wirkte. Um seine reforma-
torischen Bestrebungen in betreff der
Bühne mehr zur Geltung zu bringen,
gründete er 1867 in Hamburg eine
Theaterschule, bei deren Leitung er
von seiner zweiten Frau Marie, geb.
Stern -- seine erste Ehe war 1857
gelöst worden -- nach Kräften unter-
stützt wurde. Er starb in Hamburg
am 28. November 1874.

S:

Faust
(Dr. G.); IV, 1858-69 (Jnhalt:
I. Guttenberg. - II. Richard u. Coe-
lesta. - III. Ahasverus. - IV. Faustina).

Stolterfoth, Adelheid von,

wurde
am 11. Septbr. 1800 zu Eisenach ge-
boren. Jhren Vater, Oberleutnant
eines preußischen Husarenregiments,
verlor sie schon 1805 durch den Tod;
ihre Mutter siedelte als Witwe nach
Erlangen über, und hier empfing Adel-
heid ihre Erziehung, zum Teil unter
der Leitung des Realschuldirektors
Dr. Pöhlmann. Seit dem 12. Jahre
war sie Stiftsdame im Fräuleinstift
Birken bei Beireuth. Jm Jahre 1816
zog sie mit ihrer Mutter an den
schönen Rhein, zuerst nach Bingen u.
damit begann die schönste und poesie-
vollste Zeit in dem Leben der Dich-
terin. Die Herrlichkeit der Natur,
das Paradies so vieler wunderbarer
Sagen begeisterte ihre Seele zu Lie-
dern, die sie meist auf dem höchsten
Speicher ihres Wohnhauses auf einer
Schiefertafel niederschrieb. Jm Jahre

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Sto
Stolle, Roſe,

ſiehe Roſe Unter-
weger!

*Stolte, Ferdinand Ludwig,


am 14. Febr. 1809 als Sohn eines
Lehrers zu Wegeleben bei Halberſtadt
geboren, beſuchte vom zehnten Jahre
an das Gymnaſium zu Halberſtadt
u. bezog ſechs Jahre ſpäter das Ka-
rolinum in Braunſchweig, wo er ſich
auf das Studium der Medizin vor-
bereitete. Doch das große Jntereſſe,
welches ihm das Theater einflößte,
ließ ihn der Wiſſenſchaft entſagen u.
ſich der Bühne widmen, die er, kaum
19 Jahre alt, in Magdeburg als Ko-
ſinsky in Schillers „Räubern“ be-
trat. Er wirkte hier ein Jahr als
Volontär neben Emil Devrient und
begab ſich alsdann zu Ludwig Tieck
in Dresden, der ihm und Frl. Gloy,
der ſpäter ſo berühmten Frau Ret-
tich, dramatiſchen Unterricht erteilte.
So ausgerüſtet, betrat er 1834 die
Kaſſeler Bühne, die er 1835 mit der
Nürnberger vertauſchte. Hier lernte
er Sabine Heinefetter kennen, die
ſeine eminente Begabung für das
Opernfach erkannte u. ihn Spohr zur
Ausbildung zuführte. Noch in dem-
ſelben Jahre finden wir S. in Wien
an der kaiſerl. Oper unter Dupont,
der ihn auf drei Jahre engagierte;
von hier ging er an das Theater zu
Stettin, 1841 nach Stuttgart, 1842
nach Karlsruhe u. dann plötzlich als
Jeſuitenzögling in ein an der unga-
riſchen Grenze gelegenes Kloſter.
Aber ſchon 1844 entfloh er aus dem-
ſelben nach Lemberg, wo er als Don
Juan zuerſt wieder die Bretter be-
trat, und wandte ſich alsdann nach
Ratibor. Hier verheiratete er ſich
1848 mit Pauline, der Tochter des
Juſtizrats Weidemann. Noch in dem-
ſelben Jahre ſiedelte er nach Dresden
über, wo er in Gemeinſchaft mit
Dr. Paul Kadner eine Waſſerheilan-
ſtalt gründete, nebenbei ſeine Frau,
die ein Engagement an der Hofbühne
gefunden hatte, zur Künſtlerin aus-
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Sto
bildend; auch war er als Dramaturg
tätig. Jm Jahre 1851 ging er mit
ſeiner Frau an das deutſche Theater
nach London, 1852 nach Braun-
ſchweig, 1854 nach Kaſſel u. trat danach
als Vorleſer ſeines „Fauſt“ auf, den
er unter großem Beifall in Berlin und
andren großen Städten Deutſchlands
u. der Schweiz, 1862 auch in Paris
zum Vortrag brachte. Von Hanno-
ver, wo er 1863 einige Monate am
Hofe des Königs Georg V. geweilt
hatte, ging er nach der Schweiz, wo
er 1854 in Baſel, 1865 in St. Gallen
und 1866 in Zürich als Theater-
Direktor wirkte. Um ſeine reforma-
toriſchen Beſtrebungen in betreff der
Bühne mehr zur Geltung zu bringen,
gründete er 1867 in Hamburg eine
Theaterſchule, bei deren Leitung er
von ſeiner zweiten Frau Marie, geb.
Stern — ſeine erſte Ehe war 1857
gelöſt worden — nach Kräften unter-
ſtützt wurde. Er ſtarb in Hamburg
am 28. November 1874.

S:

Fauſt
(Dr. G.); IV, 1858–69 (Jnhalt:
I. Guttenberg. – II. Richard u. Coe-
leſta. – III. Ahasverus. – IV. Fauſtina).

Stolterfoth, Adelheid von,

wurde
am 11. Septbr. 1800 zu Eiſenach ge-
boren. Jhren Vater, Oberleutnant
eines preußiſchen Huſarenregiments,
verlor ſie ſchon 1805 durch den Tod;
ihre Mutter ſiedelte als Witwe nach
Erlangen über, und hier empfing Adel-
heid ihre Erziehung, zum Teil unter
der Leitung des Realſchuldirektors
Dr. Pöhlmann. Seit dem 12. Jahre
war ſie Stiftsdame im Fräuleinſtift
Birken bei Beireuth. Jm Jahre 1816
zog ſie mit ihrer Mutter an den
ſchönen Rhein, zuerſt nach Bingen u.
damit begann die ſchönſte und poeſie-
vollſte Zeit in dem Leben der Dich-
terin. Die Herrlichkeit der Natur,
das Paradies ſo vieler wunderbarer
Sagen begeiſterte ihre Seele zu Lie-
dern, die ſie meiſt auf dem höchſten
Speicher ihres Wohnhauſes auf einer
Schiefertafel niederſchrieb. Jm Jahre

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[92/0096] Sto Sto Stolle, Roſe, ſiehe Roſe Unter- weger! *Stolte, Ferdinand Ludwig, am 14. Febr. 1809 als Sohn eines Lehrers zu Wegeleben bei Halberſtadt geboren, beſuchte vom zehnten Jahre an das Gymnaſium zu Halberſtadt u. bezog ſechs Jahre ſpäter das Ka- rolinum in Braunſchweig, wo er ſich auf das Studium der Medizin vor- bereitete. Doch das große Jntereſſe, welches ihm das Theater einflößte, ließ ihn der Wiſſenſchaft entſagen u. ſich der Bühne widmen, die er, kaum 19 Jahre alt, in Magdeburg als Ko- ſinsky in Schillers „Räubern“ be- trat. Er wirkte hier ein Jahr als Volontär neben Emil Devrient und begab ſich alsdann zu Ludwig Tieck in Dresden, der ihm und Frl. Gloy, der ſpäter ſo berühmten Frau Ret- tich, dramatiſchen Unterricht erteilte. So ausgerüſtet, betrat er 1834 die Kaſſeler Bühne, die er 1835 mit der Nürnberger vertauſchte. Hier lernte er Sabine Heinefetter kennen, die ſeine eminente Begabung für das Opernfach erkannte u. ihn Spohr zur Ausbildung zuführte. Noch in dem- ſelben Jahre finden wir S. in Wien an der kaiſerl. Oper unter Dupont, der ihn auf drei Jahre engagierte; von hier ging er an das Theater zu Stettin, 1841 nach Stuttgart, 1842 nach Karlsruhe u. dann plötzlich als Jeſuitenzögling in ein an der unga- riſchen Grenze gelegenes Kloſter. Aber ſchon 1844 entfloh er aus dem- ſelben nach Lemberg, wo er als Don Juan zuerſt wieder die Bretter be- trat, und wandte ſich alsdann nach Ratibor. Hier verheiratete er ſich 1848 mit Pauline, der Tochter des Juſtizrats Weidemann. Noch in dem- ſelben Jahre ſiedelte er nach Dresden über, wo er in Gemeinſchaft mit Dr. Paul Kadner eine Waſſerheilan- ſtalt gründete, nebenbei ſeine Frau, die ein Engagement an der Hofbühne gefunden hatte, zur Künſtlerin aus- bildend; auch war er als Dramaturg tätig. Jm Jahre 1851 ging er mit ſeiner Frau an das deutſche Theater nach London, 1852 nach Braun- ſchweig, 1854 nach Kaſſel u. trat danach als Vorleſer ſeines „Fauſt“ auf, den er unter großem Beifall in Berlin und andren großen Städten Deutſchlands u. der Schweiz, 1862 auch in Paris zum Vortrag brachte. Von Hanno- ver, wo er 1863 einige Monate am Hofe des Königs Georg V. geweilt hatte, ging er nach der Schweiz, wo er 1854 in Baſel, 1865 in St. Gallen und 1866 in Zürich als Theater- Direktor wirkte. Um ſeine reforma- toriſchen Beſtrebungen in betreff der Bühne mehr zur Geltung zu bringen, gründete er 1867 in Hamburg eine Theaterſchule, bei deren Leitung er von ſeiner zweiten Frau Marie, geb. Stern — ſeine erſte Ehe war 1857 gelöſt worden — nach Kräften unter- ſtützt wurde. Er ſtarb in Hamburg am 28. November 1874. S: Fauſt (Dr. G.); IV, 1858–69 (Jnhalt: I. Guttenberg. – II. Richard u. Coe- leſta. – III. Ahasverus. – IV. Fauſtina). Stolterfoth, Adelheid von, wurde am 11. Septbr. 1800 zu Eiſenach ge- boren. Jhren Vater, Oberleutnant eines preußiſchen Huſarenregiments, verlor ſie ſchon 1805 durch den Tod; ihre Mutter ſiedelte als Witwe nach Erlangen über, und hier empfing Adel- heid ihre Erziehung, zum Teil unter der Leitung des Realſchuldirektors Dr. Pöhlmann. Seit dem 12. Jahre war ſie Stiftsdame im Fräuleinſtift Birken bei Beireuth. Jm Jahre 1816 zog ſie mit ihrer Mutter an den ſchönen Rhein, zuerſt nach Bingen u. damit begann die ſchönſte und poeſie- vollſte Zeit in dem Leben der Dich- terin. Die Herrlichkeit der Natur, das Paradies ſo vieler wunderbarer Sagen begeiſterte ihre Seele zu Lie- dern, die ſie meiſt auf dem höchſten Speicher ihres Wohnhauſes auf einer Schiefertafel niederſchrieb. Jm Jahre *

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 7. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 92. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon07_1913/96>, abgerufen am 14.11.2018.