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Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 8. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

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Zel
ließ sich in Stuttgart als Rechts-
anwalt nieder. Neben seiner Praxis
beteiligte er sich vielfach am öffent-
lichen Leben, wurde zum Obmann
des Bürgerausschusses, in den Ge-
meinderat und in die evangelische
Landessynode gewählt. Seit 1880
hatte er sich von seiner Praxis und
der politischen Tätigkeit zurückgezogen
und widmete sich nun literarischen
Studien. Er starb in Stuttgart am
7. Septbr. 1903.

S:

Geistliche Lieder,
1882. - Geistliche Lieder zu den Evan-
gelien. 1. Kirchenjahr, 1891. - Vier
Märchen in Versen, 1900.

*Zeller, Heinrich,

wurde am 7.
Juni 1856 zu Voitswinkel, Bezirk
Laufen, in Bayern geboren und kam
bald darauf mit seinen Eltern nach
Traunstein, wo er unter ärmlichen
Verhältnissen aufwuchs. Nach seiner
Konfirmation besuchte er die Präpa-
randenanstalt zu Rosenheim, war
1873-75 Zögling des Lehrerseminars
zu Freising, wurde 1876 Hilfslehrer
in Vohburg an der Donau, im Herbst
1877 in Landsberg am Lech und hier
1880 definitiv angestellt. Jm Jahre
1887 wurde die Generalintendanz
des Münchener Hoftheaters auf Zel-
lers schöne Tenorstimme aufmerksam
gemacht; sie erwirkte Z. einen Urlaub
und ließ ihm durch Hofkapellmeister
Strauß und die Kammersänger Fedor
von Milde und Benno Stolpenberg
musikalischen Unterricht zuteil wer-
den, während Frau Franziska Ritter,
eine Nichte Richard Wagners, seine
dramatische Ausbildung übernahm.
Da indessen in München selbst zu jener
Zeit kein entsprechender Platz für Z.
frei war, so verpflichtete ihn der
Generalintendant von Bronsart, der
den jungen Sänger gehört hatte, an
das Hoftheater in Weimar, wo Z.
am 20. Novbr. 1888, ohne daß er vor-
her einen regelrechten Bühnenversuch
gewagt hätte, als "Lohengrin" zum
erstenmal auftrat. Am 15. Septbr.
1889 trat er nach vollendeter musi-
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Zel
kalischer Ausbildung sein Engage-
ment in Weimar an und wurde am
2. Juli 1897 zum großherzoglichen
Kammersänger ernannt.

S:

Grüaß
Gott! (Ge. in altbayr. Mdt.), 1884.
2. A. 1905. - Aus'n Leb'n (Ge. in
oberbayr. Mdt.), 1887. - Frisch auf!
(Ge. in oberbayr. Mdt.), 1903.

*Zeller, Luise,

bekannt unter ihrem
Mädchennamen Luise Pichler,
wurde am 16. Jan. 1823 zu Wangen,
Oberamts Göppingen in Württem-
berg geboren. Jhr Vater, der be-
gabte Geistliche u. Kanzelredner P.,
der zuletzt Pfarrer in Mössingen bei
Tübingen war, erteilte ihr mit den
jüngeren Brüdern gemeinschaftlich
Unterricht und führte sie sogar ins
Lateinische ein. Die Mutter, die eine
zahlreiche Familie zu versorgen hatte,
fand in der Tochter bald eine ge-
schickte und willige Gehilfin für ihre
Wirtschaft und die Pflege der kleine-
ren Kinder, und in dem Verkehr mit
den letzteren legte Luise die ersten
Proben ihres Erzählertalentes ab.
Jn der Stille der Sonntage gab es
für die heranwachsende Jungfrau
keine größere Freude, als die Biblio-
thek ihres Vaters auszunutzen; am
meisten fühlte sie sich angezogen von
Walter Scotts Romanen, die sie denn
auch immer wieder las und in sich
aufnahm. Den äußeren Anlaß zu
ihrem Auftreten als Schriftstellerin
bot die Krankheit ihres Vaters. Die
Kosten derselben weniger fühlbar zu
machen, glaubte sie nichts Besseres
tun zu können, als ihre geistige Be-
gabung in Erzählungen zum Aus-
druck zu bringen. Jhre Absicht hatte
den gehofften Erfolg, und gleich ihre
erste Erzählung, die sie am Kranken-
bett des Vaters schrieb und dann,
ohne daß dieser eine Ahnung davon
hatte, an den Verlagsbuchhändler
Steinkopf in Stuttgart sandte, brachte
ihr ein ihre bescheidenen Ansprüche
weit übersteigendes Honorar. Ein-
mal in der literarischen Laufbahn

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Zel
ließ ſich in Stuttgart als Rechts-
anwalt nieder. Neben ſeiner Praxis
beteiligte er ſich vielfach am öffent-
lichen Leben, wurde zum Obmann
des Bürgerausſchuſſes, in den Ge-
meinderat und in die evangeliſche
Landesſynode gewählt. Seit 1880
hatte er ſich von ſeiner Praxis und
der politiſchen Tätigkeit zurückgezogen
und widmete ſich nun literariſchen
Studien. Er ſtarb in Stuttgart am
7. Septbr. 1903.

S:

Geiſtliche Lieder,
1882. – Geiſtliche Lieder zu den Evan-
gelien. 1. Kirchenjahr, 1891. – Vier
Märchen in Verſen, 1900.

*Zeller, Heinrich,

wurde am 7.
Juni 1856 zu Voitswinkel, Bezirk
Laufen, in Bayern geboren und kam
bald darauf mit ſeinen Eltern nach
Traunſtein, wo er unter ärmlichen
Verhältniſſen aufwuchs. Nach ſeiner
Konfirmation beſuchte er die Präpa-
randenanſtalt zu Roſenheim, war
1873–75 Zögling des Lehrerſeminars
zu Freiſing, wurde 1876 Hilfslehrer
in Vohburg an der Donau, im Herbſt
1877 in Landsberg am Lech und hier
1880 definitiv angeſtellt. Jm Jahre
1887 wurde die Generalintendanz
des Münchener Hoftheaters auf Zel-
lers ſchöne Tenorſtimme aufmerkſam
gemacht; ſie erwirkte Z. einen Urlaub
und ließ ihm durch Hofkapellmeiſter
Strauß und die Kammerſänger Fedor
von Milde und Benno Stolpenberg
muſikaliſchen Unterricht zuteil wer-
den, während Frau Franziska Ritter,
eine Nichte Richard Wagners, ſeine
dramatiſche Ausbildung übernahm.
Da indeſſen in München ſelbſt zu jener
Zeit kein entſprechender Platz für Z.
frei war, ſo verpflichtete ihn der
Generalintendant von Bronſart, der
den jungen Sänger gehört hatte, an
das Hoftheater in Weimar, wo Z.
am 20. Novbr. 1888, ohne daß er vor-
her einen regelrechten Bühnenverſuch
gewagt hätte, als „Lohengrin“ zum
erſtenmal auftrat. Am 15. Septbr.
1889 trat er nach vollendeter muſi-
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Zel
kaliſcher Ausbildung ſein Engage-
ment in Weimar an und wurde am
2. Juli 1897 zum großherzoglichen
Kammerſänger ernannt.

S:

Grüaß
Gott! (Ge. in altbayr. Mdt.), 1884.
2. A. 1905. – Aus’n Leb’n (Ge. in
oberbayr. Mdt.), 1887. – Friſch auf!
(Ge. in oberbayr. Mdt.), 1903.

*Zeller, Luiſe,

bekannt unter ihrem
Mädchennamen Luiſe Pichler,
wurde am 16. Jan. 1823 zu Wangen,
Oberamts Göppingen in Württem-
berg geboren. Jhr Vater, der be-
gabte Geiſtliche u. Kanzelredner P.,
der zuletzt Pfarrer in Möſſingen bei
Tübingen war, erteilte ihr mit den
jüngeren Brüdern gemeinſchaftlich
Unterricht und führte ſie ſogar ins
Lateiniſche ein. Die Mutter, die eine
zahlreiche Familie zu verſorgen hatte,
fand in der Tochter bald eine ge-
ſchickte und willige Gehilfin für ihre
Wirtſchaft und die Pflege der kleine-
ren Kinder, und in dem Verkehr mit
den letzteren legte Luiſe die erſten
Proben ihres Erzählertalentes ab.
Jn der Stille der Sonntage gab es
für die heranwachſende Jungfrau
keine größere Freude, als die Biblio-
thek ihres Vaters auszunutzen; am
meiſten fühlte ſie ſich angezogen von
Walter Scotts Romanen, die ſie denn
auch immer wieder las und in ſich
aufnahm. Den äußeren Anlaß zu
ihrem Auftreten als Schriftſtellerin
bot die Krankheit ihres Vaters. Die
Koſten derſelben weniger fühlbar zu
machen, glaubte ſie nichts Beſſeres
tun zu können, als ihre geiſtige Be-
gabung in Erzählungen zum Aus-
druck zu bringen. Jhre Abſicht hatte
den gehofften Erfolg, und gleich ihre
erſte Erzählung, die ſie am Kranken-
bett des Vaters ſchrieb und dann,
ohne daß dieſer eine Ahnung davon
hatte, an den Verlagsbuchhändler
Steinkopf in Stuttgart ſandte, brachte
ihr ein ihre beſcheidenen Anſprüche
weit überſteigendes Honorar. Ein-
mal in der literariſchen Laufbahn

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[81/0085] Zel Zel ließ ſich in Stuttgart als Rechts- anwalt nieder. Neben ſeiner Praxis beteiligte er ſich vielfach am öffent- lichen Leben, wurde zum Obmann des Bürgerausſchuſſes, in den Ge- meinderat und in die evangeliſche Landesſynode gewählt. Seit 1880 hatte er ſich von ſeiner Praxis und der politiſchen Tätigkeit zurückgezogen und widmete ſich nun literariſchen Studien. Er ſtarb in Stuttgart am 7. Septbr. 1903. S: Geiſtliche Lieder, 1882. – Geiſtliche Lieder zu den Evan- gelien. 1. Kirchenjahr, 1891. – Vier Märchen in Verſen, 1900. *Zeller, Heinrich, wurde am 7. Juni 1856 zu Voitswinkel, Bezirk Laufen, in Bayern geboren und kam bald darauf mit ſeinen Eltern nach Traunſtein, wo er unter ärmlichen Verhältniſſen aufwuchs. Nach ſeiner Konfirmation beſuchte er die Präpa- randenanſtalt zu Roſenheim, war 1873–75 Zögling des Lehrerſeminars zu Freiſing, wurde 1876 Hilfslehrer in Vohburg an der Donau, im Herbſt 1877 in Landsberg am Lech und hier 1880 definitiv angeſtellt. Jm Jahre 1887 wurde die Generalintendanz des Münchener Hoftheaters auf Zel- lers ſchöne Tenorſtimme aufmerkſam gemacht; ſie erwirkte Z. einen Urlaub und ließ ihm durch Hofkapellmeiſter Strauß und die Kammerſänger Fedor von Milde und Benno Stolpenberg muſikaliſchen Unterricht zuteil wer- den, während Frau Franziska Ritter, eine Nichte Richard Wagners, ſeine dramatiſche Ausbildung übernahm. Da indeſſen in München ſelbſt zu jener Zeit kein entſprechender Platz für Z. frei war, ſo verpflichtete ihn der Generalintendant von Bronſart, der den jungen Sänger gehört hatte, an das Hoftheater in Weimar, wo Z. am 20. Novbr. 1888, ohne daß er vor- her einen regelrechten Bühnenverſuch gewagt hätte, als „Lohengrin“ zum erſtenmal auftrat. Am 15. Septbr. 1889 trat er nach vollendeter muſi- kaliſcher Ausbildung ſein Engage- ment in Weimar an und wurde am 2. Juli 1897 zum großherzoglichen Kammerſänger ernannt. S: Grüaß Gott! (Ge. in altbayr. Mdt.), 1884. 2. A. 1905. – Aus’n Leb’n (Ge. in oberbayr. Mdt.), 1887. – Friſch auf! (Ge. in oberbayr. Mdt.), 1903. *Zeller, Luiſe, bekannt unter ihrem Mädchennamen Luiſe Pichler, wurde am 16. Jan. 1823 zu Wangen, Oberamts Göppingen in Württem- berg geboren. Jhr Vater, der be- gabte Geiſtliche u. Kanzelredner P., der zuletzt Pfarrer in Möſſingen bei Tübingen war, erteilte ihr mit den jüngeren Brüdern gemeinſchaftlich Unterricht und führte ſie ſogar ins Lateiniſche ein. Die Mutter, die eine zahlreiche Familie zu verſorgen hatte, fand in der Tochter bald eine ge- ſchickte und willige Gehilfin für ihre Wirtſchaft und die Pflege der kleine- ren Kinder, und in dem Verkehr mit den letzteren legte Luiſe die erſten Proben ihres Erzählertalentes ab. Jn der Stille der Sonntage gab es für die heranwachſende Jungfrau keine größere Freude, als die Biblio- thek ihres Vaters auszunutzen; am meiſten fühlte ſie ſich angezogen von Walter Scotts Romanen, die ſie denn auch immer wieder las und in ſich aufnahm. Den äußeren Anlaß zu ihrem Auftreten als Schriftſtellerin bot die Krankheit ihres Vaters. Die Koſten derſelben weniger fühlbar zu machen, glaubte ſie nichts Beſſeres tun zu können, als ihre geiſtige Be- gabung in Erzählungen zum Aus- druck zu bringen. Jhre Abſicht hatte den gehofften Erfolg, und gleich ihre erſte Erzählung, die ſie am Kranken- bett des Vaters ſchrieb und dann, ohne daß dieſer eine Ahnung davon hatte, an den Verlagsbuchhändler Steinkopf in Stuttgart ſandte, brachte ihr ein ihre beſcheidenen Anſprüche weit überſteigendes Honorar. Ein- mal in der literariſchen Laufbahn * 6

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Zitationshilfe: Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 8. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 81. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bruemmer_lexikon08_1913/85>, abgerufen am 24.03.2019.