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Buchner, Johann Siegmund: Theoria Et Praxis Artilleriæ. Bd. 1. Nürnberg, 1682.

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Solchen hohen Ausschuß nun zu benehmen/ muß ein solch lang Gesicht-Kegelein
auf das Mittel der fördern Friesen gesetzet werden/ damit man von dem Hinter-
mittel über dieses Kegelein juste in den hohen Schuß sehen könne. Nach diesem
das Stücke hinten mit dem Hebebaum erhoben/ die Richtkeile untergesteckt/
und selbiges just wieder in das Schwartze der Scheiben gerichtet/ so ist das
Stücke eben um so viel vorn erniedriget/ als es zuvor hoch angetroffen; darnach
hat man wiederum einen guten Schuß (als wäre die Seele in der Mitten des
Stücks) zu gewarten.

4. So aber das Stücke nach erster Stellung und Richtung zu kurtz geschos-
sen/ und dergleichen kurtze Schüsse es etliche mal behalten/ kan solches wiederum/
wie erst/ in die Scheibe gerichtet/ und das Kegelein vorn auf dem Kopffe des
Stücks so sehr verkürtzet werden/ biß über selbiges vom hintern Mittel in den
vorher angetroffenen Schuß zu sehen. Woferne aber der tieffe Schuß durch den
verkürtzten Kegel nicht zu erreichen/ muß auf das hintere Mittel so viel aufge-
setzet werden/ biß recht in den niedrigen Schuß zu sehen ist: Nach mals wiede-
rum in das Schwartze der Scheibe gerichtet/ so ist das Stücke um so viel erhö-
het/ als es vorhin zu tieff geschossen/ daraus abzunehmen/ daß ein guter Schuß/
wenn bey allen Fleiß angewendet worden/ erfolgen muß.

NOTA.

Bey dergleichen Stücken/ die Ausschüsse haben/ können ihre Mittel auf je-
des Stücke mit einer kleinen Feyle gezeichnet/ und wie jedes geschossen/ aufge-
schrieben und in der Zeughaus-Schreib-Stuben beybehalten werden/ welches
denen Büchsenmeistern/ wenn solche Stücke gegen den Feind gebrauchet wer-
den sollen/ zur guten Nachricht dienet/ dem Landes-Fürsten und Herrn aber zu
grossen Nutzen (indem Pulver und Kugeln nicht so vergebens verschossen wür-
den) gereichen würde. Oben bemeldte Manier/ die Seiten-Schüsse betref-
fende/ ist zu verstehen/ wenn die beyden Mittel nur mit dem Quadranten oder
Triangel gesucht worden; denn so man (in der Canal oder Seele) ungerade
Stücken/ deren Ausschusse/ wie gemeine Büchsenmeister nur gemeiniglich zu
thun pflegen) nach Gutdüncken Seitenwerts zugeben/ bey vorigen Mitteln
verbleiben/ und sich darnach verbessern wolte/ würden viel Stunden Zeit/ in
solchen ungewissen Dingen/ und ehe man auf eine gewisse Richtung käme/ ver-
lohren gehen/ auch Pulver und Kugeln mit geringen Vortheil/ ja wol gar ver-
gebens/ verschossen werden.

Wenn man aber nach obiger meiner Manier/ durch dem verkehrten Winckel-
hacken procediret/ so wird dem Stücke der Seiten-Ausschuß ohne diß benom-
men/ sollte es aber über verhoffen kommen/ daß dennoch der Schuß einige Sei-
ten antreffe/ würde es doch wenig seyn; solchen Schüssen kan wol mit einem
guten Augen-Maaß (nicht aber bey Richtung der Quadranten oder Triangul/
die nur eine gerade Linea über das Metall/ weniger aber die Seele gerade durch-
schneidend anzeigen) geholffen werden.

Wie man ein Stücke vergleichen/ und den Kernschuß
dadurch richten kan.

Die Vergleichung geschiehet auf zweyerley Weise/ Als 1. mit dem Da-
ster/ oder krummen Stangen-Cirkel/ 2. mit der Chorda oder Schnure.

Mit dem Daster/ misset man das Stücke hintern Zündloche über den höch-
sten Boden-Friesen/ dessen Stärcke verzeichnet man auf ein planum oder Ebene;
solches gethan/ misset man auch über den höchsten Kopff-Friesen selbige Dicke/
diese beyde Dicken hält man gegen einander/ was übrig bleibet/ wird in 2. gleiche
Theile getheilet/ und nach dem einem Theile/ ein in selbiger Grösse von Holtz ge-
drechsletes Kegelein (deren man in einer kleinen Büchse von 1. biß 24 (° bey Han-

den ha-



Solchen hohen Ausſchuß nun zu benehmen/ muß ein ſolch lang Geſicht-Kegelein
auf das Mittel der foͤrdern Frieſen geſetzet werden/ damit man von dem Hinter-
mittel uͤber dieſes Kegelein juſte in den hohen Schuß ſehen koͤnne. Nach dieſem
das Stuͤcke hinten mit dem Hebebaum erhoben/ die Richtkeile untergeſteckt/
und ſelbiges juſt wieder in das Schwartze der Scheiben gerichtet/ ſo iſt das
Stuͤcke eben um ſo viel vorn erniedriget/ als es zuvor hoch angetroffen; darnach
hat man wiederum einen guten Schuß (als waͤre die Seele in der Mitten des
Stuͤcks) zu gewarten.

4. So aber das Stuͤcke nach erſter Stellung und Richtung zu kurtz geſchoſ-
ſen/ und dergleichen kurtze Schuͤſſe es etliche mal behalten/ kan ſolches wiederum/
wie erſt/ in die Scheibe gerichtet/ und das Kegelein vorn auf dem Kopffe des
Stuͤcks ſo ſehr verkuͤrtzet werden/ biß uͤber ſelbiges vom hintern Mittel in den
vorher angetroffenen Schuß zu ſehen. Woferne aber der tieffe Schuß durch den
verkuͤrtzten Kegel nicht zu erreichen/ muß auf das hintere Mittel ſo viel aufge-
ſetzet werden/ biß recht in den niedrigen Schuß zu ſehen iſt: Nach mals wiede-
rum in das Schwartze der Scheibe gerichtet/ ſo iſt das Stuͤcke um ſo viel erhoͤ-
het/ als es vorhin zu tieff geſchoſſen/ daraus abzunehmen/ daß ein guter Schuß/
wenn bey allen Fleiß angewendet worden/ erfolgen muß.

NOTA.

Bey dergleichen Stuͤcken/ die Ausſchuͤſſe haben/ koͤnnen ihre Mittel auf je-
des Stuͤcke mit einer kleinen Feyle gezeichnet/ und wie jedes geſchoſſen/ aufge-
ſchrieben und in der Zeughaus-Schreib-Stuben beybehalten werden/ welches
denen Buͤchſenmeiſtern/ wenn ſolche Stuͤcke gegen den Feind gebrauchet wer-
den ſollen/ zur guten Nachricht dienet/ dem Landes-Fuͤrſten und Herꝛn aber zu
groſſen Nutzen (indem Pulver und Kugeln nicht ſo vergebens verſchoſſen wuͤr-
den) gereichen wuͤrde. Oben bemeldte Manier/ die Seiten-Schuͤſſe betref-
fende/ iſt zu verſtehen/ wenn die beyden Mittel nur mit dem Quadranten oder
Triangel geſucht worden; denn ſo man (in der Canal oder Seele) ungerade
Stuͤcken/ deren Ausſchuſſe/ wie gemeine Buͤchſenmeiſter nur gemeiniglich zu
thun pflegen) nach Gutduͤncken Seitenwerts zugeben/ bey vorigen Mitteln
verbleiben/ und ſich darnach verbeſſern wolte/ wuͤrden viel Stunden Zeit/ in
ſolchen ungewiſſen Dingen/ und ehe man auf eine gewiſſe Richtung kaͤme/ ver-
lohren gehen/ auch Pulver und Kugeln mit geringen Vortheil/ ja wol gar ver-
gebens/ verſchoſſen werden.

Wenn man aber nach obiger meiner Manier/ durch dem verkehrten Winckel-
hacken procediret/ ſo wird dem Stuͤcke der Seiten-Ausſchuß ohne diß benom-
men/ ſollte es aber uͤber verhoffen kommen/ daß dennoch der Schuß einige Sei-
ten antreffe/ wuͤrde es doch wenig ſeyn; ſolchen Schuͤſſen kan wol mit einem
guten Augen-Maaß (nicht aber bey Richtung der Quadranten oder Triangul/
die nur eine gerade Linea uͤber das Metall/ weniger aber die Seele gerade durch-
ſchneidend anzeigen) geholffen werden.

Wie man ein Stuͤcke vergleichen/ und den Kernſchuß
dadurch richten kan.

Die Vergleichung geſchiehet auf zweyerley Weiſe/ Als 1. mit dem Da-
ſter/ oder krummen Stangen-Cirkel/ 2. mit der Chorda oder Schnure.

Mit dem Daſter/ miſſet man das Stuͤcke hintern Zuͤndloche uͤber den hoͤch-
ſten Boden-Frieſen/ deſſen Staͤrcke verzeichnet man auf ein planum oder Ebene;
ſolches gethan/ miſſet man auch uͤber den hoͤchſten Kopff-Frieſen ſelbige Dicke/
dieſe beyde Dicken haͤlt man gegen einander/ was uͤbrig bleibet/ wird in 2. gleiche
Theile getheilet/ und nach dem einem Theile/ ein in ſelbiger Groͤſſe von Holtz ge-
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[44/0060] Solchen hohen Ausſchuß nun zu benehmen/ muß ein ſolch lang Geſicht-Kegelein auf das Mittel der foͤrdern Frieſen geſetzet werden/ damit man von dem Hinter- mittel uͤber dieſes Kegelein juſte in den hohen Schuß ſehen koͤnne. Nach dieſem das Stuͤcke hinten mit dem Hebebaum erhoben/ die Richtkeile untergeſteckt/ und ſelbiges juſt wieder in das Schwartze der Scheiben gerichtet/ ſo iſt das Stuͤcke eben um ſo viel vorn erniedriget/ als es zuvor hoch angetroffen; darnach hat man wiederum einen guten Schuß (als waͤre die Seele in der Mitten des Stuͤcks) zu gewarten. 4. So aber das Stuͤcke nach erſter Stellung und Richtung zu kurtz geſchoſ- ſen/ und dergleichen kurtze Schuͤſſe es etliche mal behalten/ kan ſolches wiederum/ wie erſt/ in die Scheibe gerichtet/ und das Kegelein vorn auf dem Kopffe des Stuͤcks ſo ſehr verkuͤrtzet werden/ biß uͤber ſelbiges vom hintern Mittel in den vorher angetroffenen Schuß zu ſehen. Woferne aber der tieffe Schuß durch den verkuͤrtzten Kegel nicht zu erreichen/ muß auf das hintere Mittel ſo viel aufge- ſetzet werden/ biß recht in den niedrigen Schuß zu ſehen iſt: Nach mals wiede- rum in das Schwartze der Scheibe gerichtet/ ſo iſt das Stuͤcke um ſo viel erhoͤ- het/ als es vorhin zu tieff geſchoſſen/ daraus abzunehmen/ daß ein guter Schuß/ wenn bey allen Fleiß angewendet worden/ erfolgen muß. NOTA. Bey dergleichen Stuͤcken/ die Ausſchuͤſſe haben/ koͤnnen ihre Mittel auf je- des Stuͤcke mit einer kleinen Feyle gezeichnet/ und wie jedes geſchoſſen/ aufge- ſchrieben und in der Zeughaus-Schreib-Stuben beybehalten werden/ welches denen Buͤchſenmeiſtern/ wenn ſolche Stuͤcke gegen den Feind gebrauchet wer- den ſollen/ zur guten Nachricht dienet/ dem Landes-Fuͤrſten und Herꝛn aber zu groſſen Nutzen (indem Pulver und Kugeln nicht ſo vergebens verſchoſſen wuͤr- den) gereichen wuͤrde. Oben bemeldte Manier/ die Seiten-Schuͤſſe betref- fende/ iſt zu verſtehen/ wenn die beyden Mittel nur mit dem Quadranten oder Triangel geſucht worden; denn ſo man (in der Canal oder Seele) ungerade Stuͤcken/ deren Ausſchuſſe/ wie gemeine Buͤchſenmeiſter nur gemeiniglich zu thun pflegen) nach Gutduͤncken Seitenwerts zugeben/ bey vorigen Mitteln verbleiben/ und ſich darnach verbeſſern wolte/ wuͤrden viel Stunden Zeit/ in ſolchen ungewiſſen Dingen/ und ehe man auf eine gewiſſe Richtung kaͤme/ ver- lohren gehen/ auch Pulver und Kugeln mit geringen Vortheil/ ja wol gar ver- gebens/ verſchoſſen werden. Wenn man aber nach obiger meiner Manier/ durch dem verkehrten Winckel- hacken procediret/ ſo wird dem Stuͤcke der Seiten-Ausſchuß ohne diß benom- men/ ſollte es aber uͤber verhoffen kommen/ daß dennoch der Schuß einige Sei- ten antreffe/ wuͤrde es doch wenig ſeyn; ſolchen Schuͤſſen kan wol mit einem guten Augen-Maaß (nicht aber bey Richtung der Quadranten oder Triangul/ die nur eine gerade Linea uͤber das Metall/ weniger aber die Seele gerade durch- ſchneidend anzeigen) geholffen werden. Wie man ein Stuͤcke vergleichen/ und den Kernſchuß dadurch richten kan. Die Vergleichung geſchiehet auf zweyerley Weiſe/ Als 1. mit dem Da- ſter/ oder krummen Stangen-Cirkel/ 2. mit der Chorda oder Schnure. Mit dem Daſter/ miſſet man das Stuͤcke hintern Zuͤndloche uͤber den hoͤch- ſten Boden-Frieſen/ deſſen Staͤrcke verzeichnet man auf ein planum oder Ebene; ſolches gethan/ miſſet man auch uͤber den hoͤchſten Kopff-Frieſen ſelbige Dicke/ dieſe beyde Dicken haͤlt man gegen einander/ was uͤbrig bleibet/ wird in 2. gleiche Theile getheilet/ und nach dem einem Theile/ ein in ſelbiger Groͤſſe von Holtz ge- drechsletes Kegelein (deren man in einer kleinen Buͤchſe von 1. biß 24 (° bey Han- den ha-

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Zitationshilfe: Buchner, Johann Siegmund: Theoria Et Praxis Artilleriæ. Bd. 1. Nürnberg, 1682, S. 44. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/buchner_theoria01_1682/60>, abgerufen am 19.11.2019.