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Buchner, Johann Siegmund: Theoria Et Praxis Artilleriæ. Bd. 2. Nürnberg, 1683.

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8. Wenn die Raqueten lange gebohret gelegen/ welches an meisten ge-
schiehet/ so selbige von weissen Satze geschlagen sind/ und der Salpeter nicht all-
zu gut geleutert gewesen/ schlägt selbiger in die Ausbohrung des Satzes. So
man nun die Raquete anzünden will/ muß das Zündbrändgen (ehe der Salpeter
Feuer empfähet) etwas lange angehalten werden/ welches verursachet/ daß die
Raquete/ und sonderlich (weil in der ausgebohrten Höhlung der ausgeschlagene
Salpeter hernach auf einmal so viel Feuer empfähet) von der vielen Dunst/ sprin-
gen muß. Hieraus ist zu schliessen/ daß/ auf solche Art/ der sonst wol aus gearbei-
tete Satz sich wieder auseinander giebet/ welches ich offt wahrgenommen.
9. Können die besten und in der vorgehenden Proba gut befundene Ra-
queten gesprenget werden/ wenn die Zündbrändgen zu rasch/ und man etwan
(wie theils Feuerwercker in Brauch haben) Feylspäne darunter gebrauchet/ da
dann offt geschiehet/ sonderlich wenn das Brändgen zu hart oder zu nahe ange-/
halten wird/ daß die Flamme von den Brändgen/ oder vielmehr/ ein oder zwey
Feylspän-Funcken hinein schläget oder fähret/ und also die Raquete nicht recht
forn/ sondern tieffer einwarts Feuer fänget/ wodurch eine grosse exhalation o-
der Dunst (welche zu den kleinen Brandloche nicht stracks heraus kan) entstehet
und selbige zersprenget.
10. Geschiehet gleichfalls/ wenn man das Brändgen zu nahe und zu lange
an die Raquete anhält/ damit die Strahle von der Raquete nicht im Moment
heraus kan/ daß also die Raquete gesprenget/ und das Brändgen gantz ausge-
löschet/ und wol gar vom Zünder abgeschlagen wird. Darum wer es entübrigt
seyn kan/ der lasse die Raqueten etwan 2. oder 3. Tage vor der Brennung des
Feuerwercks bohren/ so ist er vielen incommoditäten überhaben/ welche alle-
samt anhero zu setzten nicht allein mühesam/ sondern auch langweilig/ noch
mehr aber dem geneigten Leser verdrüßlich fallen möchten.
NOTA.

Mit den Raqueten/ welche versetzet werden sollen/ lässet es sich nicht so
lange/ biß auf 2. Tage mit dem Bohren warten. Dahero dergleichen Raque-
ten etwan 4. oder 5. Tage vor der Verbrennung gebohret/ und hernach versetzet
werden können/ weil eine Person benennte Zeit wol über 100. Raqueten verse-
tzen kan/ welches dem angehenden Feuerwercker zur Nachricht vermeldet ist.

Zum Andern:
Warum die Raqueten langsam aufsteigen/ grosse Bo-

gen machen/ oder wol gar wieder auf die
Erde fallen.

Die Ursachen/ warum die Raqueten langsam aufsteigen/ seynd leichtlich zu
erörtern.

Es ist jedem Feuerwercker bekandt/ daß ein fauler Satz in einer Raquete
nicht treibet/ ein schwacher Satz treibet die Raquete wol etwas in die Höhe/ a-
ber deswegen fähret solche nicht hoch/ hingegen ein rascher Satz die Raquete
leichtlich zersprenget. Hieraus ist unschwer zu erachten/ daß der Satz also zube-
reitet werden muß/ damit er nicht zu schwach/ noch zu rasch sey/ nach der Haubt-
Regel/ serva mediocritatem, behalte oder gehe die Mittelstrasse/ welchen Ra-
queten-Sätzen (oder auch denen allbereit geschlagenen Raqueten) entweder
durch grössere Böhrer/ oder Nachreumer/ leicht kan geholffen werden/ und sind
nachgesetzte Rationes nicht zu verwerffen:

1. Wenn der Satz zu faul oder träge ist/ bleibet die Raquete gar auf dem Na-
gel sitzen/ und ist selbiger nicht zu helffen/ dahero muß der Satz anders gemacht
oder gestärcket werden.
2. Wann


8. Wenn die Raqueten lange gebohret gelegen/ welches an meiſten ge-
ſchiehet/ ſo ſelbige von weiſſen Satze geſchlagen ſind/ und der Salpeter nicht all-
zu gut geleutert geweſen/ ſchlaͤgt ſelbiger in die Ausbohrung des Satzes. So
man nun die Raquete anzuͤnden will/ muß das Zuͤndbraͤndgen (ehe der Salpeter
Feuer empfaͤhet) etwas lange angehalten werden/ welches verurſachet/ daß die
Raquete/ und ſonderlich (weil in der ausgebohrten Hoͤhlung der ausgeſchlagene
Salpeter hernach auf einmal ſo viel Feuer empfaͤhet) von der vielen Dunſt/ ſprin-
gen muß. Hieraus iſt zu ſchlieſſen/ daß/ auf ſolche Art/ der ſonſt wol aus gearbei-
tete Satz ſich wieder auseinander giebet/ welches ich offt wahrgenommen.
9. Koͤnnen die beſten und in der vorgehenden Proba gut befundene Ra-
queten geſprenget werden/ wenn die Zuͤndbraͤndgen zu raſch/ und man etwan
(wie theils Feuerwercker in Brauch haben) Feylſpaͤne darunter gebrauchet/ da
dann offt geſchiehet/ ſonderlich wenn das Braͤndgen zu hart oder zu nahe ange-/
halten wird/ daß die Flamme von den Braͤndgen/ oder vielmehr/ ein oder zwey
Feylſpaͤn-Funcken hinein ſchlaͤget oder faͤhret/ und alſo die Raquete nicht recht
forn/ ſondern tieffer einwarts Feuer faͤnget/ wodurch eine groſſe exhalation o-
der Dunſt (welche zu den kleinen Brandloche nicht ſtracks heraus kan) entſtehet
und ſelbige zerſprenget.
10. Geſchiehet gleichfalls/ wenn man das Braͤndgen zu nahe und zu lange
an die Raquete anhaͤlt/ damit die Strahle von der Raquete nicht im Moment
heraus kan/ daß alſo die Raquete geſprenget/ und das Braͤndgen gantz ausge-
loͤſchet/ und wol gar vom Zuͤnder abgeſchlagen wird. Darum wer es entuͤbrigt
ſeyn kan/ der laſſe die Raqueten etwan 2. oder 3. Tage vor der Brennung des
Feuerwercks bohren/ ſo iſt er vielen incommoditaͤten uͤberhaben/ welche alle-
ſamt anhero zu ſetzten nicht allein muͤheſam/ ſondern auch langweilig/ noch
mehr aber dem geneigten Leſer verdruͤßlich fallen moͤchten.
NOTA.

Mit den Raqueten/ welche verſetzet werden ſollen/ laͤſſet es ſich nicht ſo
lange/ biß auf 2. Tage mit dem Bohren warten. Dahero dergleichen Raque-
ten etwan 4. oder 5. Tage vor der Verbrennung gebohret/ und hernach verſetzet
werden koͤnnen/ weil eine Perſon benennte Zeit wol uͤber 100. Raqueten verſe-
tzen kan/ welches dem angehenden Feuerwercker zur Nachricht vermeldet iſt.

Zum Andern:
Warum die Raqueten langſam aufſteigen/ groſſe Bo-

gen machen/ oder wol gar wieder auf die
Erde fallen.

Die Urſachen/ warum die Raqueten langſam aufſteigen/ ſeynd leichtlich zu
eroͤrtern.

Es iſt jedem Feuerwercker bekandt/ daß ein fauler Satz in einer Raquete
nicht treibet/ ein ſchwacher Satz treibet die Raquete wol etwas in die Hoͤhe/ a-
ber deswegen faͤhret ſolche nicht hoch/ hingegen ein raſcher Satz die Raquete
leichtlich zerſprenget. Hieraus iſt unſchwer zu erachten/ daß der Satz alſo zube-
reitet werden muß/ damit er nicht zu ſchwach/ noch zu raſch ſey/ nach der Haubt-
Regel/ ſerva mediocritatem, behalte oder gehe die Mittelſtraſſe/ welchen Ra-
queten-Saͤtzen (oder auch denen allbereit geſchlagenen Raqueten) entweder
durch groͤſſere Boͤhrer/ oder Nachreumer/ leicht kan geholffen werden/ und ſind
nachgeſetzte Rationes nicht zu verwerffen:

1. Wenn der Satz zu faul oder traͤge iſt/ bleibet die Raquete gar auf dem Na-
gel ſitzen/ und iſt ſelbiger nicht zu helffen/ dahero muß der Satz anders gemacht
oder geſtaͤrcket werden.
2. Wann
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[10/0026] 8. Wenn die Raqueten lange gebohret gelegen/ welches an meiſten ge- ſchiehet/ ſo ſelbige von weiſſen Satze geſchlagen ſind/ und der Salpeter nicht all- zu gut geleutert geweſen/ ſchlaͤgt ſelbiger in die Ausbohrung des Satzes. So man nun die Raquete anzuͤnden will/ muß das Zuͤndbraͤndgen (ehe der Salpeter Feuer empfaͤhet) etwas lange angehalten werden/ welches verurſachet/ daß die Raquete/ und ſonderlich (weil in der ausgebohrten Hoͤhlung der ausgeſchlagene Salpeter hernach auf einmal ſo viel Feuer empfaͤhet) von der vielen Dunſt/ ſprin- gen muß. Hieraus iſt zu ſchlieſſen/ daß/ auf ſolche Art/ der ſonſt wol aus gearbei- tete Satz ſich wieder auseinander giebet/ welches ich offt wahrgenommen. 9. Koͤnnen die beſten und in der vorgehenden Proba gut befundene Ra- queten geſprenget werden/ wenn die Zuͤndbraͤndgen zu raſch/ und man etwan (wie theils Feuerwercker in Brauch haben) Feylſpaͤne darunter gebrauchet/ da dann offt geſchiehet/ ſonderlich wenn das Braͤndgen zu hart oder zu nahe ange-/ halten wird/ daß die Flamme von den Braͤndgen/ oder vielmehr/ ein oder zwey Feylſpaͤn-Funcken hinein ſchlaͤget oder faͤhret/ und alſo die Raquete nicht recht forn/ ſondern tieffer einwarts Feuer faͤnget/ wodurch eine groſſe exhalation o- der Dunſt (welche zu den kleinen Brandloche nicht ſtracks heraus kan) entſtehet und ſelbige zerſprenget. 10. Geſchiehet gleichfalls/ wenn man das Braͤndgen zu nahe und zu lange an die Raquete anhaͤlt/ damit die Strahle von der Raquete nicht im Moment heraus kan/ daß alſo die Raquete geſprenget/ und das Braͤndgen gantz ausge- loͤſchet/ und wol gar vom Zuͤnder abgeſchlagen wird. Darum wer es entuͤbrigt ſeyn kan/ der laſſe die Raqueten etwan 2. oder 3. Tage vor der Brennung des Feuerwercks bohren/ ſo iſt er vielen incommoditaͤten uͤberhaben/ welche alle- ſamt anhero zu ſetzten nicht allein muͤheſam/ ſondern auch langweilig/ noch mehr aber dem geneigten Leſer verdruͤßlich fallen moͤchten. NOTA. Mit den Raqueten/ welche verſetzet werden ſollen/ laͤſſet es ſich nicht ſo lange/ biß auf 2. Tage mit dem Bohren warten. Dahero dergleichen Raque- ten etwan 4. oder 5. Tage vor der Verbrennung gebohret/ und hernach verſetzet werden koͤnnen/ weil eine Perſon benennte Zeit wol uͤber 100. Raqueten verſe- tzen kan/ welches dem angehenden Feuerwercker zur Nachricht vermeldet iſt. Zum Andern: Warum die Raqueten langſam aufſteigen/ groſſe Bo- gen machen/ oder wol gar wieder auf die Erde fallen. Die Urſachen/ warum die Raqueten langſam aufſteigen/ ſeynd leichtlich zu eroͤrtern. Es iſt jedem Feuerwercker bekandt/ daß ein fauler Satz in einer Raquete nicht treibet/ ein ſchwacher Satz treibet die Raquete wol etwas in die Hoͤhe/ a- ber deswegen faͤhret ſolche nicht hoch/ hingegen ein raſcher Satz die Raquete leichtlich zerſprenget. Hieraus iſt unſchwer zu erachten/ daß der Satz alſo zube- reitet werden muß/ damit er nicht zu ſchwach/ noch zu raſch ſey/ nach der Haubt- Regel/ ſerva mediocritatem, behalte oder gehe die Mittelſtraſſe/ welchen Ra- queten-Saͤtzen (oder auch denen allbereit geſchlagenen Raqueten) entweder durch groͤſſere Boͤhrer/ oder Nachreumer/ leicht kan geholffen werden/ und ſind nachgeſetzte Rationes nicht zu verwerffen: 1. Wenn der Satz zu faul oder traͤge iſt/ bleibet die Raquete gar auf dem Na- gel ſitzen/ und iſt ſelbiger nicht zu helffen/ dahero muß der Satz anders gemacht oder geſtaͤrcket werden. 2. Wann

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Zitationshilfe: Buchner, Johann Siegmund: Theoria Et Praxis Artilleriæ. Bd. 2. Nürnberg, 1683, S. 10. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/buchner_theoria02_1683/26>, abgerufen am 23.04.2019.