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Calvi, François de: Beutelschneider/ Oder Neue/ warhaffte/ und eigentliche Beschreibung Der Diebs Historien. Bd. 2. Frankfurt (Main), 1627.

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Diebs Historien/ das II. Buch.
darvon. Vnd als er dahin kommet/ setzet er sich ni-
der vnnd schreibet diesen nachfolgenden Brieff an
Herrn Destampes im Namen desselbigen Bruders

Insonders hertzlieber Bruder/ seyt der
Zeit/ daß ich euch nicht geschrieben/ oder
etwas von vnserm Zustand habe wissen las-
sen/ hat mich das Glück erfahren lassen/
wie tieff es in Vnglück ein armes Welbs-
bild/ wie ich bin/ kan stürtzen: Dann der tod
welcher den Menschen jhren Wolstandt
vnd Frewde vergönnet/ hat mich meiner
höchsten vnd grössesten Frewde/ so ich an
meinem ließen Ehemann/ ewerem Bruder
hatte/ beraubet vnd wiewol ich viel mittel
vnd Artzneyjhme habe gebrauchen lassen/
hat dardurch doch im geringsten nicht kön-
nen gewehret werden den Schmertzen/ so
er von einem Seitenstechen empfunden/
vnnd welches jhn letzten Mitwoch ange-
griffen/ vnnd darauff den Donnerstag gar
deß Lebens hat beraubet. O wie ist mir
das ein Hertzenleid/ ja ein vnverschmertzli-
ches Ding: daß ich selber euch die Vrsach
meines grösten Vnglücks muß zuschrei-
ben Aber die Liebe vnd Ehre/ so ich zu euch
trage/ haben mir solche Wort in die Feder
zu schreiben vorgesprochen: bitte euch der-

halben
G iij

Diebs Hiſtorien/ das II. Buch.
darvon. Vnd als er dahin kommet/ ſetzet er ſich ni-
der vnnd ſchreibet dieſen nachfolgenden Brieff an
Herꝛn Deſtampes im Namen deſſelbigen Brudeꝛs

Inſonders hertzlieber Bruder/ ſeyt der
Zeit/ daß ich euch nicht geſchrieben/ oder
etwas von vnſeꝛm Zuſtand habe wiſſen laſ-
ſen/ hat mich das Gluͤck erfahren laſſen/
wie tieff es in Vngluͤck ein armes Welbs-
bild/ wie ich bin/ kan ſtuͤrtzen: Dann der tod
welcher den Menſchen jhren Wolſtandt
vnd Frewde vergoͤnnet/ hat mich meiner
hoͤchſten vnd groͤſſeſten Frewde/ ſo ich an
meinem ließen Ehemann/ ewerem Bruder
hatte/ beraubet vnd wiewol ich viel mittel
vnd Artzneyjhme habe gebrauchen laſſen/
hat daꝛduꝛch doch im geꝛingſten nicht koͤn-
nen gewehret werden den Schmertzen/ ſo
er von einem Seitenſtechen empfunden/
vnnd welches jhn letzten Mitwoch ange-
griffen/ vnnd darauff den Donnerſtag gar
deß Lebens hat beraubet. O wie iſt mir
das ein Hertzenleid/ ja ein vnverſchmertzli-
ches Ding: daß ich ſelber euch die Vrſach
meines groͤſten Vngluͤcks muß zuſchrei-
ben Aber die Liebe vnd Ehꝛe/ ſo ich zu euch
trage/ haben mir ſolche Wort in die Feder
zu ſchreiben vorgeſpꝛochen: bitte euch der-

halben
G iij
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[101/0111] Diebs Hiſtorien/ das II. Buch. darvon. Vnd als er dahin kommet/ ſetzet er ſich ni- der vnnd ſchreibet dieſen nachfolgenden Brieff an Herꝛn Deſtampes im Namen deſſelbigen Brudeꝛs Inſonders hertzlieber Bruder/ ſeyt der Zeit/ daß ich euch nicht geſchrieben/ oder etwas von vnſeꝛm Zuſtand habe wiſſen laſ- ſen/ hat mich das Gluͤck erfahren laſſen/ wie tieff es in Vngluͤck ein armes Welbs- bild/ wie ich bin/ kan ſtuͤrtzen: Dann der tod welcher den Menſchen jhren Wolſtandt vnd Frewde vergoͤnnet/ hat mich meiner hoͤchſten vnd groͤſſeſten Frewde/ ſo ich an meinem ließen Ehemann/ ewerem Bruder hatte/ beraubet vnd wiewol ich viel mittel vnd Artzneyjhme habe gebrauchen laſſen/ hat daꝛduꝛch doch im geꝛingſten nicht koͤn- nen gewehret werden den Schmertzen/ ſo er von einem Seitenſtechen empfunden/ vnnd welches jhn letzten Mitwoch ange- griffen/ vnnd darauff den Donnerſtag gar deß Lebens hat beraubet. O wie iſt mir das ein Hertzenleid/ ja ein vnverſchmertzli- ches Ding: daß ich ſelber euch die Vrſach meines groͤſten Vngluͤcks muß zuſchrei- ben Aber die Liebe vnd Ehꝛe/ ſo ich zu euch trage/ haben mir ſolche Wort in die Feder zu ſchreiben vorgeſpꝛochen: bitte euch der- halben G iij

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Zitationshilfe: Calvi, François de: Beutelschneider/ Oder Neue/ warhaffte/ und eigentliche Beschreibung Der Diebs Historien. Bd. 2. Frankfurt (Main), 1627, S. 101. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/calvi_beutelschneider02_1627/111>, abgerufen am 20.02.2019.