Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Cancrin, Franz Ludwig von: Beschreibung der vorzüglichsten Bergwerke. Frankfurt (Main), 1767.

Bild:
<< vorherige Seite

Das zwölste Stük
dieselbe ganz und gar nicht. Es fält dieses Flöz in der Gegend Eisleben sehr stark, und
in einem Lachter beinahe eins: Jn der Gegend Mansfeld und Hekstädt hingegen liegt
dasselbe meist wieder gerad. Das Streichen desselben gehet von Morgen nach Abend,
das Fallen aber nach Mitternacht. Bei Eisleben gehet es auf dem Gebirg, in einem
Thal gegen Mittag, zu Tag aus, wo die Schiefern unedel sind, gegen die Stadt aber
schiest dasselbe ein. Es richtet sich dieses Flöz überhaupt in dem Streichen und Fallen
nach der Lage des Gebirgs an dem Tag. Dasselbe streicht und fält also, wie die Gebirge.

§. 8.

Die Schiefern sind durchgängig gut und edel: Denn man findet auf dem ganzen Flöz
wenige oder keine taube Mittel, doch sind sie an dem Ausgehenden unedel. Nur diesen Unter-
scheid bemerkt man an ihnen, daß sie nahe an dem Tag ganz taub, in der Mittelteufe in einem
fort edel, in dem Tiefsten aber ärmer, als wie in dem Mittel sind. An denen Orten,
wo das Flöz einschieset, da erfährt man, daß es öfters Rükken unter seinen Horizont
machet: Es legt sich aber auch nach diesem wieder gerad, hernach aber springt es wie-
der in die Höhe: Es machet also einen so genanten Graben. Die Höhe der Schie-
fern ist zwar verschieden, in dem Durchschnitt aber kan man dieselbe nicht höher, als
5 Zoll rechnen. Das Feld derselben ist so gros, daß man iezzo das Ende der Schie-
fern noch nicht weis, so lang auch diese Werke betrieben worden.

§. 9.

Jn denen Kalkgebirgen findet man erstaunliche Höhlungen, die man Kalkschlut-
ten
nennet. Es fallen in ihnen grose Mengen von Wasser dergestalt weg, daß man
nicht weis, in was vor einen Abgrund sie gekommen sind. Man bedienet sich daher die-
ser Höhlungen, worin man öfters ganze Häuser sezzen kan, mit sehr grosem Vorteil:
Denn man treibt aus ihnen nach dem einschiesenden Flöz Stollen, und führt dadurch
die Wasser ab.

Die zwote Abhandlung
von der Kentnis der Mineralien bei diesen Werken.
§. 10.

Diese können, dem äusern Ansehen nach, in folgende geteilt werden: Nämlich:

I. Jn metallhaltige Mineralien: Hierzu kan man zählen:
A. Schwarze Schiefern, die eine feine messinggelbe, und keine wasserkiesar-
tige grobe Speise haben;
B. Ganz

Das zwoͤlſte Stuͤk
dieſelbe ganz und gar nicht. Es faͤlt dieſes Floͤz in der Gegend Eisleben ſehr ſtark, und
in einem Lachter beinahe eins: Jn der Gegend Mansfeld und Hekſtaͤdt hingegen liegt
daſſelbe meiſt wieder gerad. Das Streichen deſſelben gehet von Morgen nach Abend,
das Fallen aber nach Mitternacht. Bei Eisleben gehet es auf dem Gebirg, in einem
Thal gegen Mittag, zu Tag aus, wo die Schiefern unedel ſind, gegen die Stadt aber
ſchieſt daſſelbe ein. Es richtet ſich dieſes Floͤz uͤberhaupt in dem Streichen und Fallen
nach der Lage des Gebirgs an dem Tag. Daſſelbe ſtreicht und faͤlt alſo, wie die Gebirge.

§. 8.

Die Schiefern ſind durchgaͤngig gut und edel: Denn man findet auf dem ganzen Floͤz
wenige oder keine taube Mittel, doch ſind ſie an dem Ausgehenden unedel. Nur dieſen Unter-
ſcheid bemerkt man an ihnen, daß ſie nahe an dem Tag ganz taub, in der Mittelteufe in einem
fort edel, in dem Tiefſten aber aͤrmer, als wie in dem Mittel ſind. An denen Orten,
wo das Floͤz einſchieſet, da erfaͤhrt man, daß es oͤfters Ruͤkken unter ſeinen Horizont
machet: Es legt ſich aber auch nach dieſem wieder gerad, hernach aber ſpringt es wie-
der in die Hoͤhe: Es machet alſo einen ſo genanten Graben. Die Hoͤhe der Schie-
fern iſt zwar verſchieden, in dem Durchſchnitt aber kan man dieſelbe nicht hoͤher, als
5 Zoll rechnen. Das Feld derſelben iſt ſo gros, daß man iezzo das Ende der Schie-
fern noch nicht weis, ſo lang auch dieſe Werke betrieben worden.

§. 9.

Jn denen Kalkgebirgen findet man erſtaunliche Hoͤhlungen, die man Kalkſchlut-
ten
nennet. Es fallen in ihnen groſe Mengen von Waſſer dergeſtalt weg, daß man
nicht weis, in was vor einen Abgrund ſie gekommen ſind. Man bedienet ſich daher die-
ſer Hoͤhlungen, worin man oͤfters ganze Haͤuſer ſezzen kan, mit ſehr groſem Vorteil:
Denn man treibt aus ihnen nach dem einſchieſenden Floͤz Stollen, und fuͤhrt dadurch
die Waſſer ab.

Die zwote Abhandlung
von der Kentnis der Mineralien bei dieſen Werken.
§. 10.

Dieſe koͤnnen, dem aͤuſern Anſehen nach, in folgende geteilt werden: Naͤmlich:

I. Jn metallhaltige Mineralien: Hierzu kan man zaͤhlen:
A. Schwarze Schiefern, die eine feine meſſinggelbe, und keine waſſerkiesar-
tige grobe Speiſe haben;
B. Ganz
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0268" n="248"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Das zwo&#x0364;l&#x017F;te Stu&#x0364;k</hi></fw><lb/>
die&#x017F;elbe ganz und gar nicht. Es fa&#x0364;lt die&#x017F;es Flo&#x0364;z in der Gegend Eisleben &#x017F;ehr &#x017F;tark, und<lb/>
in einem Lachter beinahe eins: Jn der Gegend Mansfeld und Hek&#x017F;ta&#x0364;dt hingegen liegt<lb/>
da&#x017F;&#x017F;elbe mei&#x017F;t wieder gerad. Das Streichen de&#x017F;&#x017F;elben gehet von Morgen nach Abend,<lb/>
das Fallen aber nach Mitternacht. Bei Eisleben gehet es auf dem Gebirg, in einem<lb/>
Thal gegen Mittag, zu Tag aus, wo die Schiefern unedel &#x017F;ind, gegen die Stadt aber<lb/>
&#x017F;chie&#x017F;t da&#x017F;&#x017F;elbe ein. Es richtet &#x017F;ich die&#x017F;es Flo&#x0364;z u&#x0364;berhaupt in dem Streichen und Fallen<lb/>
nach der Lage des Gebirgs an dem Tag. Da&#x017F;&#x017F;elbe &#x017F;treicht und fa&#x0364;lt al&#x017F;o, wie die Gebirge.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 8.</head><lb/>
              <p>Die Schiefern &#x017F;ind durchga&#x0364;ngig gut und edel: Denn man findet auf dem ganzen Flo&#x0364;z<lb/>
wenige oder keine taube Mittel, doch &#x017F;ind &#x017F;ie an dem Ausgehenden unedel. Nur die&#x017F;en Unter-<lb/>
&#x017F;cheid bemerkt man an ihnen, daß &#x017F;ie nahe an dem Tag ganz taub, in der Mittelteufe in einem<lb/>
fort edel, in dem Tief&#x017F;ten aber a&#x0364;rmer, als wie in dem Mittel &#x017F;ind. An denen Orten,<lb/>
wo das Flo&#x0364;z ein&#x017F;chie&#x017F;et, da erfa&#x0364;hrt man, daß es o&#x0364;fters Ru&#x0364;kken unter &#x017F;einen Horizont<lb/>
machet: Es legt &#x017F;ich aber auch nach die&#x017F;em wieder gerad, hernach aber &#x017F;pringt es wie-<lb/>
der in die Ho&#x0364;he: Es machet al&#x017F;o einen &#x017F;o genanten <hi rendition="#fr">Graben.</hi> Die Ho&#x0364;he der Schie-<lb/>
fern i&#x017F;t zwar ver&#x017F;chieden, in dem Durch&#x017F;chnitt aber kan man die&#x017F;elbe nicht ho&#x0364;her, als<lb/>
5 Zoll rechnen. Das Feld der&#x017F;elben i&#x017F;t &#x017F;o gros, daß man iezzo das Ende der Schie-<lb/>
fern noch nicht weis, &#x017F;o lang auch die&#x017F;e Werke betrieben worden.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 9.</head><lb/>
              <p>Jn denen Kalkgebirgen findet man er&#x017F;taunliche Ho&#x0364;hlungen, die man <hi rendition="#fr">Kalk&#x017F;chlut-<lb/>
ten</hi> nennet. Es fallen in ihnen gro&#x017F;e Mengen von Wa&#x017F;&#x017F;er derge&#x017F;talt weg, daß man<lb/>
nicht weis, in was vor einen Abgrund &#x017F;ie gekommen &#x017F;ind. Man bedienet &#x017F;ich daher die-<lb/>
&#x017F;er Ho&#x0364;hlungen, worin man o&#x0364;fters ganze Ha&#x0364;u&#x017F;er &#x017F;ezzen kan, mit &#x017F;ehr gro&#x017F;em Vorteil:<lb/>
Denn man treibt aus ihnen nach dem ein&#x017F;chie&#x017F;enden Flo&#x0364;z Stollen, und fu&#x0364;hrt dadurch<lb/>
die Wa&#x017F;&#x017F;er ab.</p>
            </div>
          </div>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Die zwote Abhandlung<lb/>
von der Kentnis der Mineralien bei die&#x017F;en Werken.</hi> </head><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 10.</head><lb/>
            <p><hi rendition="#in">D</hi>ie&#x017F;e ko&#x0364;nnen, dem a&#x0364;u&#x017F;ern An&#x017F;ehen nach, in folgende geteilt werden: Na&#x0364;mlich:</p><lb/>
            <list>
              <item><hi rendition="#aq">I.</hi> Jn metallhaltige Mineralien: Hierzu kan man za&#x0364;hlen:<lb/><list><item><hi rendition="#aq">A.</hi><hi rendition="#fr">Schwarze Schiefern,</hi> die eine feine me&#x017F;&#x017F;inggelbe, und keine wa&#x017F;&#x017F;erkiesar-<lb/>
tige grobe Spei&#x017F;e haben;</item><lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#aq">B.</hi><hi rendition="#fr">Ganz</hi></fw><lb/></list></item>
            </list>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[248/0268] Das zwoͤlſte Stuͤk dieſelbe ganz und gar nicht. Es faͤlt dieſes Floͤz in der Gegend Eisleben ſehr ſtark, und in einem Lachter beinahe eins: Jn der Gegend Mansfeld und Hekſtaͤdt hingegen liegt daſſelbe meiſt wieder gerad. Das Streichen deſſelben gehet von Morgen nach Abend, das Fallen aber nach Mitternacht. Bei Eisleben gehet es auf dem Gebirg, in einem Thal gegen Mittag, zu Tag aus, wo die Schiefern unedel ſind, gegen die Stadt aber ſchieſt daſſelbe ein. Es richtet ſich dieſes Floͤz uͤberhaupt in dem Streichen und Fallen nach der Lage des Gebirgs an dem Tag. Daſſelbe ſtreicht und faͤlt alſo, wie die Gebirge. §. 8. Die Schiefern ſind durchgaͤngig gut und edel: Denn man findet auf dem ganzen Floͤz wenige oder keine taube Mittel, doch ſind ſie an dem Ausgehenden unedel. Nur dieſen Unter- ſcheid bemerkt man an ihnen, daß ſie nahe an dem Tag ganz taub, in der Mittelteufe in einem fort edel, in dem Tiefſten aber aͤrmer, als wie in dem Mittel ſind. An denen Orten, wo das Floͤz einſchieſet, da erfaͤhrt man, daß es oͤfters Ruͤkken unter ſeinen Horizont machet: Es legt ſich aber auch nach dieſem wieder gerad, hernach aber ſpringt es wie- der in die Hoͤhe: Es machet alſo einen ſo genanten Graben. Die Hoͤhe der Schie- fern iſt zwar verſchieden, in dem Durchſchnitt aber kan man dieſelbe nicht hoͤher, als 5 Zoll rechnen. Das Feld derſelben iſt ſo gros, daß man iezzo das Ende der Schie- fern noch nicht weis, ſo lang auch dieſe Werke betrieben worden. §. 9. Jn denen Kalkgebirgen findet man erſtaunliche Hoͤhlungen, die man Kalkſchlut- ten nennet. Es fallen in ihnen groſe Mengen von Waſſer dergeſtalt weg, daß man nicht weis, in was vor einen Abgrund ſie gekommen ſind. Man bedienet ſich daher die- ſer Hoͤhlungen, worin man oͤfters ganze Haͤuſer ſezzen kan, mit ſehr groſem Vorteil: Denn man treibt aus ihnen nach dem einſchieſenden Floͤz Stollen, und fuͤhrt dadurch die Waſſer ab. Die zwote Abhandlung von der Kentnis der Mineralien bei dieſen Werken. §. 10. Dieſe koͤnnen, dem aͤuſern Anſehen nach, in folgende geteilt werden: Naͤmlich: I. Jn metallhaltige Mineralien: Hierzu kan man zaͤhlen: A. Schwarze Schiefern, die eine feine meſſinggelbe, und keine waſſerkiesar- tige grobe Speiſe haben; B. Ganz

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/cancrin_beschreibung_1767
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/cancrin_beschreibung_1767/268
Zitationshilfe: Cancrin, Franz Ludwig von: Beschreibung der vorzüglichsten Bergwerke. Frankfurt (Main), 1767, S. 248. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/cancrin_beschreibung_1767/268>, abgerufen am 27.01.2020.