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Cramer, Wilhelm: Der christliche Vater wie er sein und was er thun soll. Nebst einem Anhange von Gebeten für denselben. Dülmen, 1874.

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Nunmehr kommen wir an die Handhabung des
väterlichen Berufes, an die Frage, was der christliche
Vater denn zu thun habe, um das Werk der Erzie-
hung heilsam zu vollführen? Wir haben es uns
nicht zur Aufgabe stellen können, eine vollständige
Lehre von der christlichen Erziehung zu geben; dann
würde ja unsere Arbeit zu einem umfangreichen Buche
anwachsen, welches anzuschaffen und zu lesen am Ende
nur Wenige im Stande sein würden. Nur einige
Punkte, die im Werke der Erziehung - leicht vor-
wiegend für den Vater - als besonders wichtig er-
scheinen, möchten wir hervorheben. Das reicht bei
unserer Voraussetzung auch hin; ist nämlich nach un-
serer Voraussetzung die Hauptsache, ein echt christlicher
Geist, beim Vater da, so wird derselbe kraft eigener
Ueberlegung und im Lichte der ihm zur Seite stehen-
den göttlichen Gnade im Wesentlichen den rechten
Weg in der Erziehung ohne Zweifel schon von selbst
finden.*)

*) Dennoch können wir nicht umhin, den Vätern auch
die Lesung unsers Werkchens "die christliche Mutter"
(14. Auflage) bestens zu empfehlen. Im Wesentlichen hat
das dort Gesagte auch für den christlichen Vater Geltung.
Auch bei ihm muß, soll das Werk der Erziehung wohl
gelingen, jene natürliche Liebe zu den Kinden durch den
Glauben und durch die Gnade geweihet und verklärt
sein (Seite 35); auch bei ihm kann man von jener "Mit-
gift
"
(S. 45) sprechen, dahin, daß auch des Vaters Wesen
und Eigenschaften als ein Segen oder Unsegen auf die
Kinder übergehen; auch er hat sein Theil dazu beizutragen,
daß im Hause jene "Weihe" (S. 53) herrsche, welche
den guten Erfolg der Erziehung so wesentlich bedingt; und
handelt es sich bei der Mutter um "die Einführung
der Kinder in die christliche Wahrheit"
(S. 57), so
ist das ohne Zweifel eine gemeinschaftliche Aufgabe der
Mutter und des Vaters. Aehnliches gilt von dem "Vor-
gehen gegen die Fehler der Kinder
"
(S. 65), von
der "Huth der h. Scham und Unschuld" (S. 78), von der
"Anleitung" (S. 88), endlich vom "Gebete der Mut-
ter
"
(S. 116.) - Indem wir in diesem unserm Werkchen
von den noch übrigen Punkten in Betreff der guten christ-
lichen Erziehung die wesentlichsten hervorheben, so bilden
beide Werkchen "der christliche Vater" und "die christliche
Mutter"
in gewissem Betrachte ein Ganzes. Recht sehr
möchten wir daher um der guten Sache willen wünschen,
daß die Väter auch das letztere, und die Mütter auch das
erstere Werkchen lesen möchten.

Nunmehr kommen wir an die Handhabung des
väterlichen Berufes, an die Frage, was der christliche
Vater denn zu thun habe, um das Werk der Erzie-
hung heilsam zu vollführen? Wir haben es uns
nicht zur Aufgabe stellen können, eine vollständige
Lehre von der christlichen Erziehung zu geben; dann
würde ja unsere Arbeit zu einem umfangreichen Buche
anwachsen, welches anzuschaffen und zu lesen am Ende
nur Wenige im Stande sein würden. Nur einige
Punkte, die im Werke der Erziehung – leicht vor-
wiegend für den Vater – als besonders wichtig er-
scheinen, möchten wir hervorheben. Das reicht bei
unserer Voraussetzung auch hin; ist nämlich nach un-
serer Voraussetzung die Hauptsache, ein echt christlicher
Geist, beim Vater da, so wird derselbe kraft eigener
Ueberlegung und im Lichte der ihm zur Seite stehen-
den göttlichen Gnade im Wesentlichen den rechten
Weg in der Erziehung ohne Zweifel schon von selbst
finden.*)

*) Dennoch können wir nicht umhin, den Vätern auch
die Lesung unsers Werkchens „die christliche Mutter“
(14. Auflage) bestens zu empfehlen. Im Wesentlichen hat
das dort Gesagte auch für den christlichen Vater Geltung.
Auch bei ihm muß, soll das Werk der Erziehung wohl
gelingen, jene natürliche Liebe zu den Kinden durch den
Glauben und durch die Gnade geweihet und verklärt
sein (Seite 35); auch bei ihm kann man von jener Mit-
gift
(S. 45) sprechen, dahin, daß auch des Vaters Wesen
und Eigenschaften als ein Segen oder Unsegen auf die
Kinder übergehen; auch er hat sein Theil dazu beizutragen,
daß im Hause jene Weihe (S. 53) herrsche, welche
den guten Erfolg der Erziehung so wesentlich bedingt; und
handelt es sich bei der Mutter um die Einführung
der Kinder in die christliche Wahrheit
(S. 57), so
ist das ohne Zweifel eine gemeinschaftliche Aufgabe der
Mutter und des Vaters. Aehnliches gilt von dem Vor-
gehen gegen die Fehler der Kinder
(S. 65), von
der „Huth der h. Scham und Unschuld“ (S. 78), von der
Anleitung (S. 88), endlich vom Gebete der Mut-
ter
(S. 116.) – Indem wir in diesem unserm Werkchen
von den noch übrigen Punkten in Betreff der guten christ-
lichen Erziehung die wesentlichsten hervorheben, so bilden
beide Werkchen „der christliche Vater“ und „die christliche
Mutter“
in gewissem Betrachte ein Ganzes. Recht sehr
möchten wir daher um der guten Sache willen wünschen,
daß die Väter auch das letztere, und die Mütter auch das
erstere Werkchen lesen möchten.
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[85/0088] Nunmehr kommen wir an die Handhabung des väterlichen Berufes, an die Frage, was der christliche Vater denn zu thun habe, um das Werk der Erzie- hung heilsam zu vollführen? Wir haben es uns nicht zur Aufgabe stellen können, eine vollständige Lehre von der christlichen Erziehung zu geben; dann würde ja unsere Arbeit zu einem umfangreichen Buche anwachsen, welches anzuschaffen und zu lesen am Ende nur Wenige im Stande sein würden. Nur einige Punkte, die im Werke der Erziehung – leicht vor- wiegend für den Vater – als besonders wichtig er- scheinen, möchten wir hervorheben. Das reicht bei unserer Voraussetzung auch hin; ist nämlich nach un- serer Voraussetzung die Hauptsache, ein echt christlicher Geist, beim Vater da, so wird derselbe kraft eigener Ueberlegung und im Lichte der ihm zur Seite stehen- den göttlichen Gnade im Wesentlichen den rechten Weg in der Erziehung ohne Zweifel schon von selbst finden. *) *) Dennoch können wir nicht umhin, den Vätern auch die Lesung unsers Werkchens „die christliche Mutter“ (14. Auflage) bestens zu empfehlen. Im Wesentlichen hat das dort Gesagte auch für den christlichen Vater Geltung. Auch bei ihm muß, soll das Werk der Erziehung wohl gelingen, jene natürliche Liebe zu den Kinden durch den Glauben und durch die Gnade geweihet und verklärt sein (Seite 35); auch bei ihm kann man von jener „Mit- gift“ (S. 45) sprechen, dahin, daß auch des Vaters Wesen und Eigenschaften als ein Segen oder Unsegen auf die Kinder übergehen; auch er hat sein Theil dazu beizutragen, daß im Hause jene „Weihe“ (S. 53) herrsche, welche den guten Erfolg der Erziehung so wesentlich bedingt; und handelt es sich bei der Mutter um „die Einführung der Kinder in die christliche Wahrheit“ (S. 57), so ist das ohne Zweifel eine gemeinschaftliche Aufgabe der Mutter und des Vaters. Aehnliches gilt von dem „Vor- gehen gegen die Fehler der Kinder“ (S. 65), von der „Huth der h. Scham und Unschuld“ (S. 78), von der „Anleitung“ (S. 88), endlich vom „Gebete der Mut- ter“(S. 116.) – Indem wir in diesem unserm Werkchen von den noch übrigen Punkten in Betreff der guten christ- lichen Erziehung die wesentlichsten hervorheben, so bilden beide Werkchen „der christliche Vater“ und „die christliche Mutter“ in gewissem Betrachte ein Ganzes. Recht sehr möchten wir daher um der guten Sache willen wünschen, daß die Väter auch das letztere, und die Mütter auch das erstere Werkchen lesen möchten.

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Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

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Dieses Werk stammt vom Projekt Digitization Lifecycle am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Anmerkungen zur Transkription:

Bei der Zeichenerkennung wurde nach Vorgabe des DLC modernisiert.

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  • Bogensignaturen und Kustoden
  • Kolumnentitel
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterscheide zugunsten der Identifizierung von titleParts verzichtet.
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Zitationshilfe: Cramer, Wilhelm: Der christliche Vater wie er sein und was er thun soll. Nebst einem Anhange von Gebeten für denselben. Dülmen, 1874, S. 85. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/cramer_mutter_1874/88>, abgerufen am 23.07.2019.