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Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756.

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Der Land-Wirthschaft 3 Abschnitt
Uberschuß an dem Dünger, den wir hiedurch gewin-
nen, den Uberschuß an der Milch, der Nutzen, den
das hiedurch ersparte Feld trägt, und die erhaltene Ge-
sundheit des Viehes mehr, als 11/2. fl. betragen? Jch
habe nur von den Kühen geredet. Man kann es
auch, wenn man 10. Schaafe vor eine Kuh rechnet,
auf die Schaafe anwenden. Will man dieses einwen-
den, daß sich das Vieh, wenn es im Stalle gehalten
wird, zu wenig beweget; so wird dieser Einwurf so-
gleich verschwinden, wenn man nahe an dem Stalle
einen gewissen Platz dazu bestimmet, wo das Vieh bey
gutem Wetter einige Stunden herum gehen kann.

§. 267.

Die andere Frage:

Ob man die
jungen soll
saugen las-
sen?

Ob es nützlicher sey, wenn man die jungen sau-
gen läst, als wenn sie sogleich von der Mut-
ter genommen, und mit der Milch geträn-
ket werden?

Jn einigen Ländern ist jenes, in andern dieses eine
Gewohnheit. Mir scheinet diese vernünftiger zu seyn,
als jene. Läst man die jungen saugen, wie leicht
kann es geschehen, daß sie alsdenn nicht saugen, wenn
es nöthig ist, die Milch-Gefäße der Euter auszumel-
ken, und wie leicht kann es geschehen, daß noch einige
Milch in diesen Gefäßen zurück bleibet. Beydes ist
so wohl dem Viehe, als auch uns, in Ansehung der
Milch-Nutzung, nachtheilig. (§. 262.) Läst man die
jungen saugen, wie leicht kann ein Acidum aus dem
Munde des Säuglings in die Milch-Gefäße der Eu-
ter dringen, dieß kann eine Ursache von vielen übeln
Folgen werden (§. 260. 261.), und wie leicht kann es
den jungen an hinreichender Nahrung fehlen. Auch
dieß widerspricht der Wirthschaft (§. 233).

Anmerk.

Der Land-Wirthſchaft 3 Abſchnitt
Uberſchuß an dem Duͤnger, den wir hiedurch gewin-
nen, den Uberſchuß an der Milch, der Nutzen, den
das hiedurch erſparte Feld traͤgt, und die erhaltene Ge-
ſundheit des Viehes mehr, als 1½. fl. betragen? Jch
habe nur von den Kuͤhen geredet. Man kann es
auch, wenn man 10. Schaafe vor eine Kuh rechnet,
auf die Schaafe anwenden. Will man dieſes einwen-
den, daß ſich das Vieh, wenn es im Stalle gehalten
wird, zu wenig beweget; ſo wird dieſer Einwurf ſo-
gleich verſchwinden, wenn man nahe an dem Stalle
einen gewiſſen Platz dazu beſtimmet, wo das Vieh bey
gutem Wetter einige Stunden herum gehen kann.

§. 267.

Die andere Frage:

Ob man die
jungen ſoll
ſaugen laſ-
ſen?

Ob es nuͤtzlicher ſey, wenn man die jungen ſau-
gen laͤſt, als wenn ſie ſogleich von der Mut-
ter genommen, und mit der Milch getraͤn-
ket werden?

Jn einigen Laͤndern iſt jenes, in andern dieſes eine
Gewohnheit. Mir ſcheinet dieſe vernuͤnftiger zu ſeyn,
als jene. Laͤſt man die jungen ſaugen, wie leicht
kann es geſchehen, daß ſie alsdenn nicht ſaugen, wenn
es noͤthig iſt, die Milch-Gefaͤße der Euter auszumel-
ken, und wie leicht kann es geſchehen, daß noch einige
Milch in dieſen Gefaͤßen zuruͤck bleibet. Beydes iſt
ſo wohl dem Viehe, als auch uns, in Anſehung der
Milch-Nutzung, nachtheilig. (§. 262.) Laͤſt man die
jungen ſaugen, wie leicht kann ein Acidum aus dem
Munde des Saͤuglings in die Milch-Gefaͤße der Eu-
ter dringen, dieß kann eine Urſache von vielen uͤbeln
Folgen werden (§. 260. 261.), und wie leicht kann es
den jungen an hinreichender Nahrung fehlen. Auch
dieß widerſpricht der Wirthſchaft (§. 233).

Anmerk.
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[188/0208] Der Land-Wirthſchaft 3 Abſchnitt Uberſchuß an dem Duͤnger, den wir hiedurch gewin- nen, den Uberſchuß an der Milch, der Nutzen, den das hiedurch erſparte Feld traͤgt, und die erhaltene Ge- ſundheit des Viehes mehr, als 1½. fl. betragen? Jch habe nur von den Kuͤhen geredet. Man kann es auch, wenn man 10. Schaafe vor eine Kuh rechnet, auf die Schaafe anwenden. Will man dieſes einwen- den, daß ſich das Vieh, wenn es im Stalle gehalten wird, zu wenig beweget; ſo wird dieſer Einwurf ſo- gleich verſchwinden, wenn man nahe an dem Stalle einen gewiſſen Platz dazu beſtimmet, wo das Vieh bey gutem Wetter einige Stunden herum gehen kann. §. 267. Die andere Frage: Ob es nuͤtzlicher ſey, wenn man die jungen ſau- gen laͤſt, als wenn ſie ſogleich von der Mut- ter genommen, und mit der Milch getraͤn- ket werden? Jn einigen Laͤndern iſt jenes, in andern dieſes eine Gewohnheit. Mir ſcheinet dieſe vernuͤnftiger zu ſeyn, als jene. Laͤſt man die jungen ſaugen, wie leicht kann es geſchehen, daß ſie alsdenn nicht ſaugen, wenn es noͤthig iſt, die Milch-Gefaͤße der Euter auszumel- ken, und wie leicht kann es geſchehen, daß noch einige Milch in dieſen Gefaͤßen zuruͤck bleibet. Beydes iſt ſo wohl dem Viehe, als auch uns, in Anſehung der Milch-Nutzung, nachtheilig. (§. 262.) Laͤſt man die jungen ſaugen, wie leicht kann ein Acidum aus dem Munde des Saͤuglings in die Milch-Gefaͤße der Eu- ter dringen, dieß kann eine Urſache von vielen uͤbeln Folgen werden (§. 260. 261.), und wie leicht kann es den jungen an hinreichender Nahrung fehlen. Auch dieß widerſpricht der Wirthſchaft (§. 233). Anmerk.

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Zitationshilfe: Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 188. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/208>, abgerufen am 23.10.2019.