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Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756.

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zu den Cameralwissenschaften.
§. 19.

Man kann es uns, wenn man diese Gründe genaueinmal in
Ansehung
der fürstli-
chen Ein-
künste.

überleget, unmöglich verargen, daß wir diese allgemei-
ne Regel bilden: Wer die Vermehrung der
fürstlichen Einkünfte besorgen soll, dessen erste
Sorge muß sich mit diesem beschäftigen, wie
die järlichen Einkünfte der Unterthanen kön-
nen vermehret werden.

Anm. Cajus hat ein Capital von 3000 Thlr.
Dieß trägt ihm järlich 150 Thlr. Dieser Nu-
zen ist zu schwach, seine Wirthschaft zu besorgen.
Er muß sein Einkommen auf 100 Thlr. vermeh-
ren. Er greift sein Capital an. Dieses wird
järlich schwächer. Man ziehe die Rechnung. Es
wird der Schluß: Er ist in wenigen Jahren völ-
lig fertig. Man setze in die Stelle des Cajus den
Fürsten, und in die Stelle des Capitals das Ca-
pital der Unterthanen, so ist dieses Beyspiel ge-
schickt, unsere Lehre auch sinnlich zu bevestigen.

§. 20.

Die Vermehrung der järlichen Einkünfte der Un-Dieß giebt
einen Be-
grif von ei-
nem reichen
Fürsten.

terthanen ist theils dadurch möglich, wenn ihr Ca-
pital vermehret und fruchtbarer gemacht wird, theils
dadurch, wenn ihre Kräfte geschickter gemacht wer-
den, zeitliches Vermögen zu erwerben (§. 10.); Dieß
ist genug zu beweisen, daß ein Fürst alsdenn ein
reicher Fürst sey, wenn er reiche und geschickte
Unterthanen hat.
(§. 19. 14.) Auch dieß ist ver-
mögend, den uns richtig scheinenden Satz zu bestä-
tigen, den wir bereits §. 14. angemerket haben, daß
man den Begrif von einem reichen Manne und den
Begrif von einem reichen Fürsten nicht verwirren
müsse.

Anm.
B
zu den Cameralwiſſenſchaften.
§. 19.

Man kann es uns, wenn man dieſe Gruͤnde genaueinmal in
Anſehung
der fuͤrſtli-
chen Ein-
kuͤnſte.

uͤberleget, unmoͤglich verargen, daß wir dieſe allgemei-
ne Regel bilden: Wer die Vermehrung der
fuͤrſtlichen Einkuͤnfte beſorgen ſoll, deſſen erſte
Sorge muß ſich mit dieſem beſchaͤftigen, wie
die jaͤrlichen Einkuͤnfte der Unterthanen koͤn-
nen vermehret werden.

Anm. Cajus hat ein Capital von 3000 Thlr.
Dieß traͤgt ihm jaͤrlich 150 Thlr. Dieſer Nu-
zen iſt zu ſchwach, ſeine Wirthſchaft zu beſorgen.
Er muß ſein Einkommen auf 100 Thlr. vermeh-
ren. Er greift ſein Capital an. Dieſes wird
jaͤrlich ſchwaͤcher. Man ziehe die Rechnung. Es
wird der Schluß: Er iſt in wenigen Jahren voͤl-
lig fertig. Man ſetze in die Stelle des Cajus den
Fuͤrſten, und in die Stelle des Capitals das Ca-
pital der Unterthanen, ſo iſt dieſes Beyſpiel ge-
ſchickt, unſere Lehre auch ſinnlich zu beveſtigen.

§. 20.

Die Vermehrung der jaͤrlichen Einkuͤnfte der Un-Dieß giebt
einen Be-
grif von ei-
nem reichen
Fuͤrſten.

terthanen iſt theils dadurch moͤglich, wenn ihr Ca-
pital vermehret und fruchtbarer gemacht wird, theils
dadurch, wenn ihre Kraͤfte geſchickter gemacht wer-
den, zeitliches Vermoͤgen zu erwerben (§. 10.); Dieß
iſt genug zu beweiſen, daß ein Fuͤrſt alsdenn ein
reicher Fuͤrſt ſey, wenn er reiche und geſchickte
Unterthanen hat.
(§. 19. 14.) Auch dieß iſt ver-
moͤgend, den uns richtig ſcheinenden Satz zu beſtaͤ-
tigen, den wir bereits §. 14. angemerket haben, daß
man den Begrif von einem reichen Manne und den
Begrif von einem reichen Fuͤrſten nicht verwirren
muͤſſe.

Anm.
B
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[17/0037] zu den Cameralwiſſenſchaften. §. 19. Man kann es uns, wenn man dieſe Gruͤnde genau uͤberleget, unmoͤglich verargen, daß wir dieſe allgemei- ne Regel bilden: Wer die Vermehrung der fuͤrſtlichen Einkuͤnfte beſorgen ſoll, deſſen erſte Sorge muß ſich mit dieſem beſchaͤftigen, wie die jaͤrlichen Einkuͤnfte der Unterthanen koͤn- nen vermehret werden. einmal in Anſehung der fuͤrſtli- chen Ein- kuͤnſte. Anm. Cajus hat ein Capital von 3000 Thlr. Dieß traͤgt ihm jaͤrlich 150 Thlr. Dieſer Nu- zen iſt zu ſchwach, ſeine Wirthſchaft zu beſorgen. Er muß ſein Einkommen auf 100 Thlr. vermeh- ren. Er greift ſein Capital an. Dieſes wird jaͤrlich ſchwaͤcher. Man ziehe die Rechnung. Es wird der Schluß: Er iſt in wenigen Jahren voͤl- lig fertig. Man ſetze in die Stelle des Cajus den Fuͤrſten, und in die Stelle des Capitals das Ca- pital der Unterthanen, ſo iſt dieſes Beyſpiel ge- ſchickt, unſere Lehre auch ſinnlich zu beveſtigen. §. 20. Die Vermehrung der jaͤrlichen Einkuͤnfte der Un- terthanen iſt theils dadurch moͤglich, wenn ihr Ca- pital vermehret und fruchtbarer gemacht wird, theils dadurch, wenn ihre Kraͤfte geſchickter gemacht wer- den, zeitliches Vermoͤgen zu erwerben (§. 10.); Dieß iſt genug zu beweiſen, daß ein Fuͤrſt alsdenn ein reicher Fuͤrſt ſey, wenn er reiche und geſchickte Unterthanen hat. (§. 19. 14.) Auch dieß iſt ver- moͤgend, den uns richtig ſcheinenden Satz zu beſtaͤ- tigen, den wir bereits §. 14. angemerket haben, daß man den Begrif von einem reichen Manne und den Begrif von einem reichen Fuͤrſten nicht verwirren muͤſſe. Dieß giebt einen Be- grif von ei- nem reichen Fuͤrſten. Anm. B

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Zitationshilfe: Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 17. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/37>, abgerufen am 16.11.2019.