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Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756.

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Der Policey-Wissenschaft 2 Abschnitt,
eine unmittelbare Folge. Die Mittel zu jenen sind
bereits beschrieben worden, und was noch fehlet, das
wird in der Folge erfüllet werden. Das andere ist
ein Erfolg einer regelmäßigen Erziehung, wovon bey
der Einrichtung der Schulen ist geredet worden. Da-
her von diesem genug.

§. 171.
2) in An-
sehung der
Geschicklich-
keiten,

Die Geschicklichkeiten sind wiederum in zwey Classen
zu vertheilen. Man unterscheidet die Geschicklichkeit
in dem äußerlichen Bezeugen, von der Geschicklichkeit
in dem, was man nach seinem Stande wissen muß.
a) in der Art
zu leben.
Die Schönheit bey jener bestehet in der Kunst zu le-
ben. Diese ist §. 465. und folg. der Sitten-Lehre
beschrieben worden. Aus diesem folget, daß ein Land
in Ansehung dieses Stükkes schön sey, wenn die Jnn-
wohner eine Fertigkeit haben, sich nach Erforderung
der Umstände demüthig, bescheiden und dienstfertig zu
bezeugen. Auch dieß sind Würkungen der Erziehung,
worauf bey der Einrichtung der Schulen zu sehen
ist. Diese Art zu leben würket bey Fremden einen
vorzüglichen Begriff von der Vollkommenheit des
Staats. Darum ist sie eine Schönheit, die dem
Staate nüzlich.

§. 172.
b) in dem,
was nach
eines jeden
Stand er-
fodert wird.

Sehen wir auf die andere Art der Geschicklichkeit,
so bestehet diese in einer Fertigkeit, wodurch ein jeder
das vorzüglich würken kann, was nach seinem Stande
von ihm gefodert wird. Daher ist ein Staat in die-
ser Beziehung schön, wenn er in allen Ständen vor-
zügliche Meister hat. Dieß ist genug zu begreifen,
daß der Flor der Wissenschaften und Künste eine
vorzügliche Schönheit im Staate sey. Sind in ei-
nem Staate die Real-Schulen, die gelehrten Schulen

und

Der Policey-Wiſſenſchaft 2 Abſchnitt,
eine unmittelbare Folge. Die Mittel zu jenen ſind
bereits beſchrieben worden, und was noch fehlet, das
wird in der Folge erfuͤllet werden. Das andere iſt
ein Erfolg einer regelmaͤßigen Erziehung, wovon bey
der Einrichtung der Schulen iſt geredet worden. Da-
her von dieſem genug.

§. 171.
2) in An-
ſehung der
Geſchicklich-
keiten,

Die Geſchicklichkeiten ſind wiederum in zwey Claſſen
zu vertheilen. Man unterſcheidet die Geſchicklichkeit
in dem aͤußerlichen Bezeugen, von der Geſchicklichkeit
in dem, was man nach ſeinem Stande wiſſen muß.
a) in der Art
zu leben.
Die Schoͤnheit bey jener beſtehet in der Kunſt zu le-
ben. Dieſe iſt §. 465. und folg. der Sitten-Lehre
beſchrieben worden. Aus dieſem folget, daß ein Land
in Anſehung dieſes Stuͤkkes ſchoͤn ſey, wenn die Jnn-
wohner eine Fertigkeit haben, ſich nach Erforderung
der Umſtaͤnde demuͤthig, beſcheiden und dienſtfertig zu
bezeugen. Auch dieß ſind Wuͤrkungen der Erziehung,
worauf bey der Einrichtung der Schulen zu ſehen
iſt. Dieſe Art zu leben wuͤrket bey Fremden einen
vorzuͤglichen Begriff von der Vollkommenheit des
Staats. Darum iſt ſie eine Schoͤnheit, die dem
Staate nuͤzlich.

§. 172.
b) in dem,
was nach
eines jeden
Stand er-
fodert wird.

Sehen wir auf die andere Art der Geſchicklichkeit,
ſo beſtehet dieſe in einer Fertigkeit, wodurch ein jeder
das vorzuͤglich wuͤrken kann, was nach ſeinem Stande
von ihm gefodert wird. Daher iſt ein Staat in die-
ſer Beziehung ſchoͤn, wenn er in allen Staͤnden vor-
zuͤgliche Meiſter hat. Dieß iſt genug zu begreifen,
daß der Flor der Wiſſenſchaften und Kuͤnſte eine
vorzuͤgliche Schoͤnheit im Staate ſey. Sind in ei-
nem Staate die Real-Schulen, die gelehrten Schulen

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[486/0506] Der Policey-Wiſſenſchaft 2 Abſchnitt, eine unmittelbare Folge. Die Mittel zu jenen ſind bereits beſchrieben worden, und was noch fehlet, das wird in der Folge erfuͤllet werden. Das andere iſt ein Erfolg einer regelmaͤßigen Erziehung, wovon bey der Einrichtung der Schulen iſt geredet worden. Da- her von dieſem genug. §. 171. Die Geſchicklichkeiten ſind wiederum in zwey Claſſen zu vertheilen. Man unterſcheidet die Geſchicklichkeit in dem aͤußerlichen Bezeugen, von der Geſchicklichkeit in dem, was man nach ſeinem Stande wiſſen muß. Die Schoͤnheit bey jener beſtehet in der Kunſt zu le- ben. Dieſe iſt §. 465. und folg. der Sitten-Lehre beſchrieben worden. Aus dieſem folget, daß ein Land in Anſehung dieſes Stuͤkkes ſchoͤn ſey, wenn die Jnn- wohner eine Fertigkeit haben, ſich nach Erforderung der Umſtaͤnde demuͤthig, beſcheiden und dienſtfertig zu bezeugen. Auch dieß ſind Wuͤrkungen der Erziehung, worauf bey der Einrichtung der Schulen zu ſehen iſt. Dieſe Art zu leben wuͤrket bey Fremden einen vorzuͤglichen Begriff von der Vollkommenheit des Staats. Darum iſt ſie eine Schoͤnheit, die dem Staate nuͤzlich. a) in der Art zu leben. §. 172. Sehen wir auf die andere Art der Geſchicklichkeit, ſo beſtehet dieſe in einer Fertigkeit, wodurch ein jeder das vorzuͤglich wuͤrken kann, was nach ſeinem Stande von ihm gefodert wird. Daher iſt ein Staat in die- ſer Beziehung ſchoͤn, wenn er in allen Staͤnden vor- zuͤgliche Meiſter hat. Dieß iſt genug zu begreifen, daß der Flor der Wiſſenſchaften und Kuͤnſte eine vorzuͤgliche Schoͤnheit im Staate ſey. Sind in ei- nem Staate die Real-Schulen, die gelehrten Schulen und

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Zitationshilfe: Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 486. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/506>, abgerufen am 20.10.2019.