Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 1. Hildesheim, 1747.

Bild:
<< vorherige Seite
Engels Zungen ohne einen englischen Sinn.
Drum soll mein Losungs Wort, so lang ich lebe
werden,
Bedenke was du thust; Bedenke wer bist du.


Engels Zungen ohne einen eng-
lischen Sinn.
Wenn ich nur mit Engels-Zungen, ohne
einen Engels Sinn,
Als ein Lehrer reich von Gaben ohne
alle Liebe bin;
So bin ich denselben gleich, die wie die bewegten
Glokken
Andre in das Heiligthum zu des Höchsten Dienste
lokken,
Aber selbsten nicht hingehen: O! das hülfe mir ja
nicht
HErr! wenn ich dereinsten komme vor dein helles
Angesicht
Rufst du mich nach Zion hin, ach! so gieb daß ich
nicht stehe,
Als ein Weiser der nur zeigt, sondern auch den Weg
selbst gehe.
Fülle mich mit wahrer Liebe gegen meinen Nächsten
an,
Und wenn ich denn dieses thue, was ich schuldig
bin und kann.
So gieb mir den reinen Sinn, daß ich nimmer mit
dir rechte,
Sondern denk: Erbarme dich über den un-
nützen Knechte.
Die
Engels Zungen ohne einen engliſchen Sinn.
Drum ſoll mein Loſungs Wort, ſo lang ich lebe
werden,
Bedenke was du thuſt; Bedenke wer biſt du.


Engels Zungen ohne einen eng-
liſchen Sinn.
Wenn ich nur mit Engels-Zungen, ohne
einen Engels Sinn,
Als ein Lehrer reich von Gaben ohne
alle Liebe bin;
So bin ich denſelben gleich, die wie die bewegten
Glokken
Andre in das Heiligthum zu des Hoͤchſten Dienſte
lokken,
Aber ſelbſten nicht hingehen: O! das huͤlfe mir ja
nicht
HErr! wenn ich dereinſten komme vor dein helles
Angeſicht
Rufſt du mich nach Zion hin, ach! ſo gieb daß ich
nicht ſtehe,
Als ein Weiſer der nur zeigt, ſondern auch den Weg
ſelbſt gehe.
Fuͤlle mich mit wahrer Liebe gegen meinen Naͤchſten
an,
Und wenn ich denn dieſes thue, was ich ſchuldig
bin und kann.
So gieb mir den reinen Sinn, daß ich nimmer mit
dir rechte,
Sondern denk: Erbarme dich uͤber den un-
nuͤtzen Knechte.
Die
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <lg type="poem">
          <pb facs="#f0114" n="98"/>
          <fw place="top" type="header">Engels Zungen ohne einen engli&#x017F;chen Sinn.</fw><lb/>
          <l>Drum &#x017F;oll mein Lo&#x017F;ungs Wort, &#x017F;o lang ich lebe</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">werden,</hi> </l><lb/>
          <l> <hi rendition="#fr">Bedenke was du thu&#x017F;t; Bedenke wer bi&#x017F;t du.</hi> </l>
        </lg>
      </div><lb/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Engels Zungen ohne einen eng-<lb/>
li&#x017F;chen Sinn.</hi> </head><lb/>
        <lg type="poem">
          <l><hi rendition="#in">W</hi>enn ich nur mit Engels-Zungen, ohne</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">einen Engels Sinn,</hi> </l><lb/>
          <l>Als ein Lehrer reich von Gaben ohne</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">alle Liebe bin;</hi> </l><lb/>
          <l>So bin ich den&#x017F;elben gleich, die wie die bewegten</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">Glokken</hi> </l><lb/>
          <l>Andre in das Heiligthum zu des Ho&#x0364;ch&#x017F;ten Dien&#x017F;te</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">lokken,</hi> </l><lb/>
          <l>Aber &#x017F;elb&#x017F;ten nicht hingehen: O! das hu&#x0364;lfe mir ja</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">nicht</hi> </l><lb/>
          <l><hi rendition="#fr">HErr</hi>! wenn ich derein&#x017F;ten komme vor dein helles</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">Ange&#x017F;icht</hi> </l><lb/>
          <l>Ruf&#x017F;t du mich nach Zion hin, ach! &#x017F;o gieb daß ich</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">nicht &#x017F;tehe,</hi> </l><lb/>
          <l>Als ein Wei&#x017F;er der nur zeigt, &#x017F;ondern auch den Weg</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">&#x017F;elb&#x017F;t gehe.</hi> </l><lb/>
          <l>Fu&#x0364;lle mich mit wahrer Liebe gegen meinen Na&#x0364;ch&#x017F;ten</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">an,</hi> </l><lb/>
          <l>Und wenn ich denn die&#x017F;es thue, was ich &#x017F;chuldig</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">bin und kann.</hi> </l><lb/>
          <l>So gieb mir den reinen Sinn, daß ich nimmer mit</l><lb/>
          <l> <hi rendition="#et">dir rechte,</hi> </l><lb/>
          <l>Sondern denk: <hi rendition="#fr">Erbarme dich u&#x0364;ber den un-</hi></l><lb/>
          <l> <hi rendition="#fr"> <hi rendition="#et">nu&#x0364;tzen Knechte.</hi> </hi> </l>
        </lg>
      </div><lb/>
      <fw place="bottom" type="catch">Die</fw><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[98/0114] Engels Zungen ohne einen engliſchen Sinn. Drum ſoll mein Loſungs Wort, ſo lang ich lebe werden, Bedenke was du thuſt; Bedenke wer biſt du. Engels Zungen ohne einen eng- liſchen Sinn. Wenn ich nur mit Engels-Zungen, ohne einen Engels Sinn, Als ein Lehrer reich von Gaben ohne alle Liebe bin; So bin ich denſelben gleich, die wie die bewegten Glokken Andre in das Heiligthum zu des Hoͤchſten Dienſte lokken, Aber ſelbſten nicht hingehen: O! das huͤlfe mir ja nicht HErr! wenn ich dereinſten komme vor dein helles Angeſicht Rufſt du mich nach Zion hin, ach! ſo gieb daß ich nicht ſtehe, Als ein Weiſer der nur zeigt, ſondern auch den Weg ſelbſt gehe. Fuͤlle mich mit wahrer Liebe gegen meinen Naͤchſten an, Und wenn ich denn dieſes thue, was ich ſchuldig bin und kann. So gieb mir den reinen Sinn, daß ich nimmer mit dir rechte, Sondern denk: Erbarme dich uͤber den un- nuͤtzen Knechte. Die

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen01_1747
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen01_1747/114
Zitationshilfe: Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 1. Hildesheim, 1747, S. 98. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen01_1747/114>, abgerufen am 07.08.2020.