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Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757.

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XCIX haubtstück
Neun und neunzigstes haubtstück
von den eheleuten.
§ 698

So viel von dem zustande der bürger und bau-
ern, den künstlern, zünften und gilden, dem
gewerbe der menschen etc. Nun ist uns von der
fortpflanzung des menschlichen geschlechtes, wie
solches regiret und beherrschet werde, auch was
für personen darzu nötig sind, zu handeln.

§ 699
was das
wort ehe be-
deute.

Die menschen werden entweder in der ehe, oder
ausser selbiger erzilet. Ehe bedeutet ein bündnis,
oder das recht, ein gesäz etc. Wannenhero die
ehe ein gesäzmäsiger stand ist; anerwogen ein ie-
der nicht heiraten durfte, wen er wolte, sondern
man sahe auf die gleichheit des standes und die
eingebornen, solchemnach die weibesperson keine
ausländische seyn mogte, gestalt dann auch die
vasallen, bei den töchtern derer vasallen, welche
von ihrem lehnherrn lehngüter besaßen, verbleiben
musten. Wer also ungleich heiratete, lebte in
einer misheirat, oder wilden ehe, Wachter im
glossario s. 339, 340.

§ 700
was die ehe
ist?

Die ehe ist demnach vermöge der alten Teut-
schen gewonheiten eine verbindung einer mann-
baren manns- und weibes-person gleichen standes,
um kinder zu zeugen, und mit einander zeitlebens
zu hausen.

§ 701
wie der ehe-
verspruch

Diejenige, welche einander heiraten wollten,
wurden verlobet, das ist, sie versprachen einan-
der feierlich, auch vermittels eides einander zur

ehe
XCIX haubtſtuͤck
Neun und neunzigſtes haubtſtuͤck
von den eheleuten.
§ 698

So viel von dem zuſtande der buͤrger und bau-
ern, den kuͤnſtlern, zuͤnften und gilden, dem
gewerbe der menſchen ꝛc. Nun iſt uns von der
fortpflanzung des menſchlichen geſchlechtes, wie
ſolches regiret und beherrſchet werde, auch was
fuͤr perſonen darzu noͤtig ſind, zu handeln.

§ 699
was das
wort ehe be-
deute.

Die menſchen werden entweder in der ehe, oder
auſſer ſelbiger erzilet. Ehe bedeutet ein buͤndnis,
oder das recht, ein geſaͤz ꝛc. Wannenhero die
ehe ein geſaͤzmaͤſiger ſtand iſt; anerwogen ein ie-
der nicht heiraten durfte, wen er wolte, ſondern
man ſahe auf die gleichheit des ſtandes und die
eingebornen, ſolchemnach die weibesperſon keine
auslaͤndiſche ſeyn mogte, geſtalt dann auch die
vaſallen, bei den toͤchtern derer vaſallen, welche
von ihrem lehnherrn lehnguͤter beſaßen, verbleiben
muſten. Wer alſo ungleich heiratete, lebte in
einer misheirat, oder wilden ehe, Wachter im
gloſſario ſ. 339, 340.

§ 700
was die ehe
iſt?

Die ehe iſt demnach vermoͤge der alten Teut-
ſchen gewonheiten eine verbindung einer mann-
baren manns- und weibes-perſon gleichen ſtandes,
um kinder zu zeugen, und mit einander zeitlebens
zu hauſen.

§ 701
wie der ehe-
verſpruch

Diejenige, welche einander heiraten wollten,
wurden verlobet, das iſt, ſie verſprachen einan-
der feierlich, auch vermittels eides einander zur

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[288/0300] XCIX haubtſtuͤck Neun und neunzigſtes haubtſtuͤck von den eheleuten. § 698 So viel von dem zuſtande der buͤrger und bau- ern, den kuͤnſtlern, zuͤnften und gilden, dem gewerbe der menſchen ꝛc. Nun iſt uns von der fortpflanzung des menſchlichen geſchlechtes, wie ſolches regiret und beherrſchet werde, auch was fuͤr perſonen darzu noͤtig ſind, zu handeln. § 699 Die menſchen werden entweder in der ehe, oder auſſer ſelbiger erzilet. Ehe bedeutet ein buͤndnis, oder das recht, ein geſaͤz ꝛc. Wannenhero die ehe ein geſaͤzmaͤſiger ſtand iſt; anerwogen ein ie- der nicht heiraten durfte, wen er wolte, ſondern man ſahe auf die gleichheit des ſtandes und die eingebornen, ſolchemnach die weibesperſon keine auslaͤndiſche ſeyn mogte, geſtalt dann auch die vaſallen, bei den toͤchtern derer vaſallen, welche von ihrem lehnherrn lehnguͤter beſaßen, verbleiben muſten. Wer alſo ungleich heiratete, lebte in einer misheirat, oder wilden ehe, Wachter im gloſſario ſ. 339, 340. § 700 Die ehe iſt demnach vermoͤge der alten Teut- ſchen gewonheiten eine verbindung einer mann- baren manns- und weibes-perſon gleichen ſtandes, um kinder zu zeugen, und mit einander zeitlebens zu hauſen. § 701 Diejenige, welche einander heiraten wollten, wurden verlobet, das iſt, ſie verſprachen einan- der feierlich, auch vermittels eides einander zur ehe

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757, S. 288. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/300>, abgerufen am 22.03.2019.