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Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757.

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CX haubtst. von dem
einer mannsperson, woran die ausschweifung diß-
falls keinen so grosen eckel erweckete, Gundling
maiorem a foeminis quam a viris requiri casti-
tatem,
§ 25 s. 54. 34) Aus einer argen hure
wird selten ein gut eheweib.

Hundert und zehentes haubtstück
von dem wittume und leibgedinge.
§ 813
was der wit-
tum ist?

Der wittum heisset derjenige unterhalt, welcher
von seiten des ehemannes der ehegattin aus-
gesezet wird, um davon nach seinem absterben le-
ben zu können. Selbiger wird auch witem, leib-
geding, leibzucht, vitalitium, vidualitium, dotali-
tium, doarium, vrowenrecht, verweis etc. genennet.
Bei den alten Teutschen war selbiger eigentlich
die Teutsche brautgift, ehesteuer (dos germanica),
welcher in absicht auf den witbenstand von dem
ehemanne, oder namens desselben dem eheweibe
bestimmet wurde, davon sie leben sollte, Estor
de iuribus quibusdam viduarum mulierum
equestrium, obs. II
fgg., von Ludewig de
dote mariti,
Polac im systemate iurispruden-
tiae ciuil. German. I,
9, Burgh. Gotth.
Struve
in der iurisprudentia heroica, P. II
s. 473, Kopp am a. o. im Iten teile s. 194 s. 220.
Dreyer am a. o. s. 95 num. 9, von Senkenberg
in den selectis iuris et historiae P. V s. 372 s. 524.

§ 814
was darzu
anlaß gege-
ben hat?

Der wittum war bei den alten Teutschen
durchgängig eingefüret. Es gab darzu den anlas
das unvermögen der weibespersonen, welche von
ihren väterlichen unbeweglichen gütern nichts er-

hil-

CX haubtſt. von dem
einer mannsperſon, woran die ausſchweifung diß-
falls keinen ſo groſen eckel erweckete, Gundling
maiorem a foeminis quam a viris requiri caſti-
tatem,
§ 25 ſ. 54. 34) Aus einer argen hure
wird ſelten ein gut eheweib.

Hundert und zehentes haubtſtuͤck
von dem wittume und leibgedinge.
§ 813
was der wit-
tum iſt?

Der wittum heiſſet derjenige unterhalt, welcher
von ſeiten des ehemannes der ehegattin aus-
geſezet wird, um davon nach ſeinem abſterben le-
ben zu koͤnnen. Selbiger wird auch witem, leib-
geding, leibzucht, vitalitium, vidualitium, dotali-
tium, doarium, vrowenrecht, verweis ꝛc. genennet.
Bei den alten Teutſchen war ſelbiger eigentlich
die Teutſche brautgift, eheſteuer (dos germanica),
welcher in abſicht auf den witbenſtand von dem
ehemanne, oder namens deſſelben dem eheweibe
beſtimmet wurde, davon ſie leben ſollte, Eſtor
de iuribus quibusdam viduarum mulierum
equeſtrium, obſ. II
fgg., von Ludewig de
dote mariti,
Polac im ſyſtemate iurispruden-
tiae ciuil. German. I,
9, Burgh. Gotth.
Struve
in der iurisprudentia heroica, P. II
ſ. 473, Kopp am a. o. im Iten teile ſ. 194 ſ. 220.
Dreyer am a. o. ſ. 95 num. 9, von Senkenberg
in den ſelectis iuris et hiſtoriae P. V ſ. 372 ſ. 524.

§ 814
was darzu
anlaß gege-
ben hat?

Der wittum war bei den alten Teutſchen
durchgaͤngig eingefuͤret. Es gab darzu den anlas
das unvermoͤgen der weibesperſonen, welche von
ihren vaͤterlichen unbeweglichen guͤtern nichts er-

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[348/0360] CX haubtſt. von dem einer mannsperſon, woran die ausſchweifung diß- falls keinen ſo groſen eckel erweckete, Gundling maiorem a foeminis quam a viris requiri caſti- tatem, § 25 ſ. 54. 34) Aus einer argen hure wird ſelten ein gut eheweib. Hundert und zehentes haubtſtuͤck von dem wittume und leibgedinge. § 813 Der wittum heiſſet derjenige unterhalt, welcher von ſeiten des ehemannes der ehegattin aus- geſezet wird, um davon nach ſeinem abſterben le- ben zu koͤnnen. Selbiger wird auch witem, leib- geding, leibzucht, vitalitium, vidualitium, dotali- tium, doarium, vrowenrecht, verweis ꝛc. genennet. Bei den alten Teutſchen war ſelbiger eigentlich die Teutſche brautgift, eheſteuer (dos germanica), welcher in abſicht auf den witbenſtand von dem ehemanne, oder namens deſſelben dem eheweibe beſtimmet wurde, davon ſie leben ſollte, Eſtor de iuribus quibusdam viduarum mulierum equeſtrium, obſ. II fgg., von Ludewig de dote mariti, Polac im ſyſtemate iurispruden- tiae ciuil. German. I, 9, Burgh. Gotth. Struve in der iurisprudentia heroica, P. II ſ. 473, Kopp am a. o. im Iten teile ſ. 194 ſ. 220. Dreyer am a. o. ſ. 95 num. 9, von Senkenberg in den ſelectis iuris et hiſtoriae P. V ſ. 372 ſ. 524. § 814 Der wittum war bei den alten Teutſchen durchgaͤngig eingefuͤret. Es gab darzu den anlas das unvermoͤgen der weibesperſonen, welche von ihren vaͤterlichen unbeweglichen guͤtern nichts er- hil-

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757, S. 348. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/360>, abgerufen am 24.02.2019.