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Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757.

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vom anfalls- oder verfang. rechte.
haben sollen, zweifels one aus dem Römischen
rechte entlihen, iedoch ausser den benannten lan-
den und orten nicht zu erstreken.

Hundert und zwölftes haubtstück
vom
anfalls- oder verfangenschafts-rechte.
§ 836

Das verfangenschafts- oder abwälzungs-rechtdas anfalls-
recht wird
beschriben.

(jus devolutionis) ist eine gerechtsame, ver-
möge deren nach absterben eines ehegattens das
eigentum der güter, welche selbiger hinterlassen
hat, auch wohl des noch lebenden, nach masge-
bung der besondern Teutschen rechte den in der
ersten ehe erzileten kindern anfället.

§ 837

Dises recht äussert sich auf verschidene weise.selbiges äus-
sert sich auf
verschidene
weise.

Denn bald gehöret dahin das sämtliche vermö-
gen, welches in der ersten ehe vorhanden gewesen
ist, woran iedoch der überbleibende ehegatte den
niesbrauch, oder beisiz, merenteils auf lebenszeit
behält; bald werden nur des verstorbenen güter
allein den kindern erster ehe, dem eigentume nach,
beigeleget; bald fället von des annoch lebenden
vermögen ein gewisser anteil disen kindern eigen-
tümlich zu, Estor de iure deuolutionis cap. I
§ 5 s. 9.

§ 838

Es mögen nun die güter den kindern erster ehedas versan-
genschafts-
recht entzi-
het dem
überleben-

auf eine von den vorhergehenden arten zufallen,
wie sie wollen; so werden die auferstorbene güter
der freien gebarung des überlebenden ehegenossens

entzo-
Z 4

vom anfalls- oder verfang. rechte.
haben ſollen, zweifels one aus dem Roͤmiſchen
rechte entlihen, iedoch auſſer den benannten lan-
den und orten nicht zu erſtreken.

Hundert und zwoͤlftes haubtſtuͤck
vom
anfalls- oder verfangenſchafts-rechte.
§ 836

Das verfangenſchafts- oder abwaͤlzungs-rechtdas anfalls-
recht wird
beſchriben.

(jus devolutionis) iſt eine gerechtſame, ver-
moͤge deren nach abſterben eines ehegattens das
eigentum der guͤter, welche ſelbiger hinterlaſſen
hat, auch wohl des noch lebenden, nach masge-
bung der beſondern Teutſchen rechte den in der
erſten ehe erzileten kindern anfaͤllet.

§ 837

Diſes recht aͤuſſert ſich auf verſchidene weiſe.ſelbiges aͤuſ-
ſert ſich auf
verſchidene
weiſe.

Denn bald gehoͤret dahin das ſaͤmtliche vermoͤ-
gen, welches in der erſten ehe vorhanden geweſen
iſt, woran iedoch der uͤberbleibende ehegatte den
niesbrauch, oder beiſiz, merenteils auf lebenszeit
behaͤlt; bald werden nur des verſtorbenen guͤter
allein den kindern erſter ehe, dem eigentume nach,
beigeleget; bald faͤllet von des annoch lebenden
vermoͤgen ein gewiſſer anteil diſen kindern eigen-
tuͤmlich zu, Eſtor de iure deuolutionis cap. I
§ 5 ſ. 9.

§ 838

Es moͤgen nun die guͤter den kindern erſter ehedas verſan-
genſchafts-
recht entzi-
het dem
uͤberleben-

auf eine von den vorhergehenden arten zufallen,
wie ſie wollen; ſo werden die auferſtorbene guͤter
der freien gebarung des uͤberlebenden ehegenoſſens

entzo-
Z 4
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[359/0371] vom anfalls- oder verfang. rechte. haben ſollen, zweifels one aus dem Roͤmiſchen rechte entlihen, iedoch auſſer den benannten lan- den und orten nicht zu erſtreken. Hundert und zwoͤlftes haubtſtuͤck vom anfalls- oder verfangenſchafts-rechte. § 836 Das verfangenſchafts- oder abwaͤlzungs-recht (jus devolutionis) iſt eine gerechtſame, ver- moͤge deren nach abſterben eines ehegattens das eigentum der guͤter, welche ſelbiger hinterlaſſen hat, auch wohl des noch lebenden, nach masge- bung der beſondern Teutſchen rechte den in der erſten ehe erzileten kindern anfaͤllet. das anfalls- recht wird beſchriben. § 837 Diſes recht aͤuſſert ſich auf verſchidene weiſe. Denn bald gehoͤret dahin das ſaͤmtliche vermoͤ- gen, welches in der erſten ehe vorhanden geweſen iſt, woran iedoch der uͤberbleibende ehegatte den niesbrauch, oder beiſiz, merenteils auf lebenszeit behaͤlt; bald werden nur des verſtorbenen guͤter allein den kindern erſter ehe, dem eigentume nach, beigeleget; bald faͤllet von des annoch lebenden vermoͤgen ein gewiſſer anteil diſen kindern eigen- tuͤmlich zu, Eſtor de iure deuolutionis cap. I § 5 ſ. 9. ſelbiges aͤuſ- ſert ſich auf verſchidene weiſe. § 838 Es moͤgen nun die guͤter den kindern erſter ehe auf eine von den vorhergehenden arten zufallen, wie ſie wollen; ſo werden die auferſtorbene guͤter der freien gebarung des uͤberlebenden ehegenoſſens entzo- das verſan- genſchafts- recht entzi- het dem uͤberleben- Z 4

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757, S. 359. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/371>, abgerufen am 24.02.2019.