Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757.

Bild:
<< vorherige Seite
von den haubtsachen und etc.
§ 1813

Die zubehörungen sind sehr unterschiden, undist mancher-
lei.

begreifen vilerlei gattungen, nicht allein in anse-
hung der haubtsachen, sondern auch, weiln sie
grösten teils von dem willküre der menschen ab-
hangen unter sich. Ein stat, ein land, eine fe-
stung, hat disemnach andre zubehörungen, als ein
adeliches gut. Bei disem finden sich wiederum
andere, als bei einem bauern hofe. Die gast-
höfe unterscheiden sich deßfalls von einem brau-
hause, backhause, und einem andern wonhause.
Ein bauergut kan one äcker und wisen nicht beste-
hen. Es werden dabei ställe, scheunen, schuppen,
und andre aufbehältnisse für menschen und vih,
auch das getreide, früchte, geströde erfodert.
Der dabei befindliche mist, und die düngung und
das geströh gehöret ebenfalls dazu, die brunnen-
ketten, eimer, brunnen-seile, läger im keller, mit
den eingemauerten eingezimmerten sachen, und
was erd- nid- und nagel-fest ist, werden für zube-
hörungen eines hauses ordentlicher weise gehalten;
allein es leidet dise regel öfters einen abfall,
Krebs quaest. XI num. 20 s. 82 fg. Disem-
nach gehören statuen, tapeten, spigel, bilder etc.
welche befestiget sind, gleichwol zum zirate eines
hauses, oder der zimmer dinen, nicht dazu. Die
entwickelung der worte: was erd- nid- und nagel-
fest ist, träget vil hirzu bei, Orths anmerkungen
über die Frankfurter reformation im IIten teile
s. 387 fgg. Wenn einer allodial-stücke zu einem
lehngute bringet, werden selbige dadurch nicht so
gleich lehnbar.

§ 1814

Die zubehörungen werden nicht vermutet, da-die zubehö-
rungen
werden
nicht ver-
mutet.

her selbige erweißlich gemacht werden müssen.
Immittels hat dise regel ieweilen ire ausnamen,

Stryk
von den haubtſachen und ꝛc.
§ 1813

Die zubehoͤrungen ſind ſehr unterſchiden, undiſt mancher-
lei.

begreifen vilerlei gattungen, nicht allein in anſe-
hung der haubtſachen, ſondern auch, weiln ſie
groͤſten teils von dem willkuͤre der menſchen ab-
hangen unter ſich. Ein ſtat, ein land, eine fe-
ſtung, hat diſemnach andre zubehoͤrungen, als ein
adeliches gut. Bei diſem finden ſich wiederum
andere, als bei einem bauern hofe. Die gaſt-
hoͤfe unterſcheiden ſich deßfalls von einem brau-
hauſe, backhauſe, und einem andern wonhauſe.
Ein bauergut kan one aͤcker und wiſen nicht beſte-
hen. Es werden dabei ſtaͤlle, ſcheunen, ſchuppen,
und andre aufbehaͤltniſſe fuͤr menſchen und vih,
auch das getreide, fruͤchte, geſtroͤde erfodert.
Der dabei befindliche miſt, und die duͤngung und
das geſtroͤh gehoͤret ebenfalls dazu, die brunnen-
ketten, eimer, brunnen-ſeile, laͤger im keller, mit
den eingemauerten eingezimmerten ſachen, und
was erd- nid- und nagel-feſt iſt, werden fuͤr zube-
hoͤrungen eines hauſes ordentlicher weiſe gehalten;
allein es leidet diſe regel oͤfters einen abfall,
Krebs quaeſt. XI num. 20 ſ. 82 fg. Diſem-
nach gehoͤren ſtatuen, tapeten, ſpigel, bilder ꝛc.
welche befeſtiget ſind, gleichwol zum zirate eines
hauſes, oder der zimmer dinen, nicht dazu. Die
entwickelung der worte: was erd- nid- und nagel-
feſt iſt, traͤget vil hirzu bei, Orths anmerkungen
uͤber die Frankfurter reformation im IIten teile
ſ. 387 fgg. Wenn einer allodial-ſtuͤcke zu einem
lehngute bringet, werden ſelbige dadurch nicht ſo
gleich lehnbar.

§ 1814

Die zubehoͤrungen werden nicht vermutet, da-die zubehoͤ-
rungen
werden
nicht ver-
mutet.

her ſelbige erweißlich gemacht werden muͤſſen.
Immittels hat diſe regel ieweilen ire ausnamen,

Stryk
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0745" n="733"/>
          <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">von den haubt&#x017F;achen und &#xA75B;c.</hi> </fw><lb/>
          <div n="3">
            <head>§ 1813</head><lb/>
            <p>Die zubeho&#x0364;rungen &#x017F;ind &#x017F;ehr unter&#x017F;chiden, und<note place="right">i&#x017F;t mancher-<lb/>
lei.</note><lb/>
begreifen vilerlei gattungen, nicht allein in an&#x017F;e-<lb/>
hung der haubt&#x017F;achen, &#x017F;ondern auch, weiln &#x017F;ie<lb/>
gro&#x0364;&#x017F;ten teils von dem willku&#x0364;re der men&#x017F;chen ab-<lb/>
hangen unter &#x017F;ich. Ein &#x017F;tat, ein land, eine fe-<lb/>
&#x017F;tung, hat di&#x017F;emnach andre zubeho&#x0364;rungen, als ein<lb/>
adeliches gut. Bei di&#x017F;em finden &#x017F;ich wiederum<lb/>
andere, als bei einem bauern hofe. Die ga&#x017F;t-<lb/>
ho&#x0364;fe unter&#x017F;cheiden &#x017F;ich deßfalls von einem brau-<lb/>
hau&#x017F;e, backhau&#x017F;e, und einem andern wonhau&#x017F;e.<lb/>
Ein bauergut kan one a&#x0364;cker und wi&#x017F;en nicht be&#x017F;te-<lb/>
hen. Es werden dabei &#x017F;ta&#x0364;lle, &#x017F;cheunen, &#x017F;chuppen,<lb/>
und andre aufbeha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;e fu&#x0364;r men&#x017F;chen und vih,<lb/>
auch das getreide, fru&#x0364;chte, ge&#x017F;tro&#x0364;de erfodert.<lb/>
Der dabei befindliche mi&#x017F;t, und die du&#x0364;ngung und<lb/>
das ge&#x017F;tro&#x0364;h geho&#x0364;ret ebenfalls dazu, die brunnen-<lb/>
ketten, eimer, brunnen-&#x017F;eile, la&#x0364;ger im keller, mit<lb/>
den eingemauerten eingezimmerten &#x017F;achen, und<lb/>
was erd- nid- und nagel-fe&#x017F;t i&#x017F;t, werden fu&#x0364;r zube-<lb/>
ho&#x0364;rungen eines hau&#x017F;es ordentlicher wei&#x017F;e gehalten;<lb/>
allein es leidet di&#x017F;e regel o&#x0364;fters einen abfall,<lb/><hi rendition="#fr">Krebs</hi> <hi rendition="#aq">quae&#x017F;t. XI</hi> num. 20 &#x017F;. 82 fg. Di&#x017F;em-<lb/>
nach geho&#x0364;ren &#x017F;tatuen, tapeten, &#x017F;pigel, bilder &#xA75B;c.<lb/>
welche befe&#x017F;tiget &#x017F;ind, gleichwol zum zirate eines<lb/>
hau&#x017F;es, oder der zimmer dinen, nicht dazu. Die<lb/>
entwickelung der worte: was erd- nid- und nagel-<lb/>
fe&#x017F;t i&#x017F;t, tra&#x0364;get vil hirzu bei, <hi rendition="#fr">Orths</hi> anmerkungen<lb/>
u&#x0364;ber die Frankfurter reformation im <hi rendition="#aq">II</hi>ten teile<lb/>
&#x017F;. 387 fgg. Wenn einer allodial-&#x017F;tu&#x0364;cke zu einem<lb/>
lehngute bringet, werden &#x017F;elbige dadurch nicht &#x017F;o<lb/>
gleich lehnbar.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§ 1814</head><lb/>
            <p>Die zubeho&#x0364;rungen werden nicht vermutet, da-<note place="right">die zubeho&#x0364;-<lb/>
rungen<lb/>
werden<lb/>
nicht ver-<lb/>
mutet.</note><lb/>
her &#x017F;elbige erweißlich gemacht werden mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en.<lb/>
Immittels hat di&#x017F;e regel ieweilen ire ausnamen,<lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#fr">Stryk</hi></fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[733/0745] von den haubtſachen und ꝛc. § 1813 Die zubehoͤrungen ſind ſehr unterſchiden, und begreifen vilerlei gattungen, nicht allein in anſe- hung der haubtſachen, ſondern auch, weiln ſie groͤſten teils von dem willkuͤre der menſchen ab- hangen unter ſich. Ein ſtat, ein land, eine fe- ſtung, hat diſemnach andre zubehoͤrungen, als ein adeliches gut. Bei diſem finden ſich wiederum andere, als bei einem bauern hofe. Die gaſt- hoͤfe unterſcheiden ſich deßfalls von einem brau- hauſe, backhauſe, und einem andern wonhauſe. Ein bauergut kan one aͤcker und wiſen nicht beſte- hen. Es werden dabei ſtaͤlle, ſcheunen, ſchuppen, und andre aufbehaͤltniſſe fuͤr menſchen und vih, auch das getreide, fruͤchte, geſtroͤde erfodert. Der dabei befindliche miſt, und die duͤngung und das geſtroͤh gehoͤret ebenfalls dazu, die brunnen- ketten, eimer, brunnen-ſeile, laͤger im keller, mit den eingemauerten eingezimmerten ſachen, und was erd- nid- und nagel-feſt iſt, werden fuͤr zube- hoͤrungen eines hauſes ordentlicher weiſe gehalten; allein es leidet diſe regel oͤfters einen abfall, Krebs quaeſt. XI num. 20 ſ. 82 fg. Diſem- nach gehoͤren ſtatuen, tapeten, ſpigel, bilder ꝛc. welche befeſtiget ſind, gleichwol zum zirate eines hauſes, oder der zimmer dinen, nicht dazu. Die entwickelung der worte: was erd- nid- und nagel- feſt iſt, traͤget vil hirzu bei, Orths anmerkungen uͤber die Frankfurter reformation im IIten teile ſ. 387 fgg. Wenn einer allodial-ſtuͤcke zu einem lehngute bringet, werden ſelbige dadurch nicht ſo gleich lehnbar. iſt mancher- lei. § 1814 Die zubehoͤrungen werden nicht vermutet, da- her ſelbige erweißlich gemacht werden muͤſſen. Immittels hat diſe regel ieweilen ire ausnamen, Stryk die zubehoͤ- rungen werden nicht ver- mutet.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/745
Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757, S. 733. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/745>, abgerufen am 20.02.2019.