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Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757.

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XXX haubtst. Vom nidern adel,
merkungen über das staats- und kirchenrecht § 414,
426, 591.

§ 169
wie hoch sie
spielen und
wetten kön-
nen.

In einigen landen ist verordnet, wie hoch ein
adelicher wetten oder spielen darf, als im Magde-
burgischen, in Chursachsen soll ein adelicher nicht
höher, als einen reichsthaler spielen.

§ 170
sie müssen
ihres glei-
chen heira-
ten,

Ein adelicher muß seines gleichen heirathen;
alsdenn heisset es im sprüchworte: "rittersweib
"hat rittersrecht, Pistorius, cent. I par. 76, s. 100,
Hert de paroem. juris Germ. lib. II par. 6 und 7,
s. 398, vol. II T. III. Struve in juris prudentia
heroica,
vol. II, cap. II § 31, s. 45 fg. Wer aber
eine bürgerliche, oder bäuerliche person zur ehe
nimmt, bleibet zwar für sich edel; allein die kin-
der werden nicht für edel gehalten, nach dem
sprüchworte: "das kind folget der ärgern hand",
Hert in paroem. VI § 2 lib. II, Cramer am a. o.
cap. III § 1, s. 118, (p) Struve am a. o. § 31 s. 48.
Und ob gleich heutiges Tages darauf nicht mehr
aller orten so genau gesehen wird, so ist doch solches
durch eine allgemeine widrige Gewohnheit nicht
aufgehoben worden; immaßen dann auch derglei-
chen kinder in stiftern durchaus nicht aufgenom-
men werden.

§ 171
von ihren
mißheira-
ten,

Wer vom hohen adel sich also vergasse, und
durch eine ehe mit einer vom nidern adel sich aus
seinem herrenstande verirrete, der befleckete die
daraus erzielten kinder, anerwogen das kind bei
den Teutschen zur ärgern hand trate, das ist, selbi-
ges erlangte nur den stand, worinn der ungleiche
ehegatte sich befande, mithin solches nicht ebenbür-
tig, also nicht leibes-lehnsfähig war, Joachim

Pot-

XXX haubtſt. Vom nidern adel,
merkungen uͤber das ſtaats- und kirchenrecht § 414,
426, 591.

§ 169
wie hoch ſie
ſpielen und
wetten koͤn-
nen.

In einigen landen iſt verordnet, wie hoch ein
adelicher wetten oder ſpielen darf, als im Magde-
burgiſchen, in Churſachſen ſoll ein adelicher nicht
hoͤher, als einen reichsthaler ſpielen.

§ 170
ſie muͤſſen
ihres glei-
chen heira-
ten,

Ein adelicher muß ſeines gleichen heirathen;
alsdenn heiſſet es im ſpruͤchworte: „rittersweib
„hat rittersrecht, Piſtorius, cent. I par. 76, ſ. 100,
Hert de paroem. juris Germ. lib. II par. 6 und 7,
ſ. 398, vol. II T. III. Struve in juris prudentia
heroica,
vol. II, cap. II § 31, ſ. 45 fg. Wer aber
eine buͤrgerliche, oder baͤuerliche perſon zur ehe
nimmt, bleibet zwar fuͤr ſich edel; allein die kin-
der werden nicht fuͤr edel gehalten, nach dem
ſpruͤchworte: „das kind folget der aͤrgern hand„,
Hert in paroem. VI § 2 lib. II, Cramer am a. o.
cap. III § 1, ſ. 118, (p) Struve am a. o. § 31 ſ. 48.
Und ob gleich heutiges Tages darauf nicht mehr
aller orten ſo genau geſehen wird, ſo iſt doch ſolches
durch eine allgemeine widrige Gewohnheit nicht
aufgehoben worden; immaßen dann auch derglei-
chen kinder in ſtiftern durchaus nicht aufgenom-
men werden.

§ 171
von ihren
mißheira-
ten,

Wer vom hohen adel ſich alſo vergaſſe, und
durch eine ehe mit einer vom nidern adel ſich aus
ſeinem herrenſtande verirrete, der befleckete die
daraus erzielten kinder, anerwogen das kind bei
den Teutſchen zur aͤrgern hand trate, das iſt, ſelbi-
ges erlangte nur den ſtand, worinn der ungleiche
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tig, alſo nicht leibes-lehnsfaͤhig war, Joachim

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[70/0080] XXX haubtſt. Vom nidern adel, merkungen uͤber das ſtaats- und kirchenrecht § 414, 426, 591. § 169 In einigen landen iſt verordnet, wie hoch ein adelicher wetten oder ſpielen darf, als im Magde- burgiſchen, in Churſachſen ſoll ein adelicher nicht hoͤher, als einen reichsthaler ſpielen. § 170 Ein adelicher muß ſeines gleichen heirathen; alsdenn heiſſet es im ſpruͤchworte: „rittersweib „hat rittersrecht, Piſtorius, cent. I par. 76, ſ. 100, Hert de paroem. juris Germ. lib. II par. 6 und 7, ſ. 398, vol. II T. III. Struve in juris prudentia heroica, vol. II, cap. II § 31, ſ. 45 fg. Wer aber eine buͤrgerliche, oder baͤuerliche perſon zur ehe nimmt, bleibet zwar fuͤr ſich edel; allein die kin- der werden nicht fuͤr edel gehalten, nach dem ſpruͤchworte: „das kind folget der aͤrgern hand„, Hert in paroem. VI § 2 lib. II, Cramer am a. o. cap. III § 1, ſ. 118, (p) Struve am a. o. § 31 ſ. 48. Und ob gleich heutiges Tages darauf nicht mehr aller orten ſo genau geſehen wird, ſo iſt doch ſolches durch eine allgemeine widrige Gewohnheit nicht aufgehoben worden; immaßen dann auch derglei- chen kinder in ſtiftern durchaus nicht aufgenom- men werden. § 171 Wer vom hohen adel ſich alſo vergaſſe, und durch eine ehe mit einer vom nidern adel ſich aus ſeinem herrenſtande verirrete, der befleckete die daraus erzielten kinder, anerwogen das kind bei den Teutſchen zur aͤrgern hand trate, das iſt, ſelbi- ges erlangte nur den ſtand, worinn der ungleiche ehegatte ſich befande, mithin ſolches nicht ebenbuͤr- tig, alſo nicht leibes-lehnsfaͤhig war, Joachim Pot-

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Bürgerliche rechtsgelehrsamkeit der Teutschen. Bd. 1. Marburg, 1757, S. 70. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit01_1757/80>, abgerufen am 19.02.2019.