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Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767.

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nach dem geschlechte.
schidene herrschaften leibeigene gemein haben, und sie
über die aus der ehe derselben erzileten kinder, auch
deren verteilung sich vergleichen, heisset dises ein
kind-geding,
bei dem von Gudenus im Cod. di-
plom. vol. II,
s. 1164. Jm übrigen sind die kin-
der iren ältern libe, gehorsam, und ehrerbitung
zu erweissen pflichtig. Dise libe der kinder ist aber
bald eine anständige, bald eine unbedachtsame ju-
gendhize, oder sonst eine brennende übel ange-
brachte libe für die ältern. Wenn allso die libe
der kinder gegen ire ältern so stark ist, daß, falls
jene wider dise eine beleidigung vermerken, sie aus-
ser sich, und in den äussersten affect, auch eiffer ge-
raten; so fället der gebrauch der vernunft weg,
und die lehre von denen, welche aus schwachsin-
nigkeit felen, schläget alsdann dergestalt an, daß
bei so fürwaltenden umständen, bei dem hirbei et-
wa wirklich erfolgetem todschlage die ordentliche
strafe wegfällt.

§ 63

Erwachsene ungeheiratete mannspersonen heis-von jungen ge-
sellen, jung-
fern, dirnen,
und veteln.

sen junggesellen, ledige kerle, ledige mannsperso-
nen. Sie werden auch knechte bei gemeinen leu-
ten genennet. Daher saget man brautknechte,
schuh- mezger-knechte; es kömmt auch wohl das
knecht-bir auf den dörfern, in hisigen gegenden rc
für, welches die unter die jungen bursche aufzu-
nemende zu vertrinken geben müssen, Joh. Joa-
chim Schöpfer
de iuuenum virginum priuilegiis,
vom junggesellen-rechte, Frankf. an der Oder 1689,
4t; wiwohl man auch edel-knechte, edel-knaben
welche wohl lebenslang knaben verbliben, und
verheiratet waren, darnebst öfters erenstellen ver-
sahen; Christian Ludewig Scheidts hist. und
diplomatische nachrichten vom hohen und nideren

adel
F 2

nach dem geſchlechte.
ſchidene herrſchaften leibeigene gemein haben, und ſie
uͤber die aus der ehe derſelben erzileten kinder, auch
deren verteilung ſich vergleichen, heiſſet diſes ein
kind-geding,
bei dem von Gudenus im Cod. di-
plom. vol. II,
ſ. 1164. Jm uͤbrigen ſind die kin-
der iren aͤltern libe, gehorſam, und ehrerbitung
zu erweiſſen pflichtig. Diſe libe der kinder iſt aber
bald eine anſtaͤndige, bald eine unbedachtſame ju-
gendhize, oder ſonſt eine brennende uͤbel ange-
brachte libe fuͤr die aͤltern. Wenn allſo die libe
der kinder gegen ire aͤltern ſo ſtark iſt, daß, falls
jene wider diſe eine beleidigung vermerken, ſie auſ-
ſer ſich, und in den aͤuſſerſten affect, auch eiffer ge-
raten; ſo faͤllet der gebrauch der vernunft weg,
und die lehre von denen, welche aus ſchwachſin-
nigkeit felen, ſchlaͤget alsdann dergeſtalt an, daß
bei ſo fuͤrwaltenden umſtaͤnden, bei dem hirbei et-
wa wirklich erfolgetem todſchlage die ordentliche
ſtrafe wegfaͤllt.

§ 63

Erwachſene ungeheiratete mannsperſonen heiſ-von jungen ge-
ſellen, jung-
fern, dirnen,
und veteln.

ſen junggeſellen, ledige kerle, ledige mannsperſo-
nen. Sie werden auch knechte bei gemeinen leu-
ten genennet. Daher ſaget man brautknechte,
ſchuh- mezger-knechte; es koͤmmt auch wohl das
knecht-bir auf den doͤrfern, in hiſigen gegenden ꝛc
fuͤr, welches die unter die jungen burſche aufzu-
nemende zu vertrinken geben muͤſſen, Joh. Joa-
chim Schoͤpfer
de iuuenum virginum priuilegiis,
vom junggeſellen-rechte, Frankf. an der Oder 1689,
4t; wiwohl man auch edel-knechte, edel-knaben
welche wohl lebenslang knaben verbliben, und
verheiratet waren, darnebſt oͤfters erenſtellen ver-
ſahen; Chriſtian Ludewig Scheidts hiſt. und
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F 2
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[83/0107] nach dem geſchlechte. ſchidene herrſchaften leibeigene gemein haben, und ſie uͤber die aus der ehe derſelben erzileten kinder, auch deren verteilung ſich vergleichen, heiſſet diſes ein kind-geding, bei dem von Gudenus im Cod. di- plom. vol. II, ſ. 1164. Jm uͤbrigen ſind die kin- der iren aͤltern libe, gehorſam, und ehrerbitung zu erweiſſen pflichtig. Diſe libe der kinder iſt aber bald eine anſtaͤndige, bald eine unbedachtſame ju- gendhize, oder ſonſt eine brennende uͤbel ange- brachte libe fuͤr die aͤltern. Wenn allſo die libe der kinder gegen ire aͤltern ſo ſtark iſt, daß, falls jene wider diſe eine beleidigung vermerken, ſie auſ- ſer ſich, und in den aͤuſſerſten affect, auch eiffer ge- raten; ſo faͤllet der gebrauch der vernunft weg, und die lehre von denen, welche aus ſchwachſin- nigkeit felen, ſchlaͤget alsdann dergeſtalt an, daß bei ſo fuͤrwaltenden umſtaͤnden, bei dem hirbei et- wa wirklich erfolgetem todſchlage die ordentliche ſtrafe wegfaͤllt. § 63 Erwachſene ungeheiratete mannsperſonen heiſ- ſen junggeſellen, ledige kerle, ledige mannsperſo- nen. Sie werden auch knechte bei gemeinen leu- ten genennet. Daher ſaget man brautknechte, ſchuh- mezger-knechte; es koͤmmt auch wohl das knecht-bir auf den doͤrfern, in hiſigen gegenden ꝛc fuͤr, welches die unter die jungen burſche aufzu- nemende zu vertrinken geben muͤſſen, Joh. Joa- chim Schoͤpfer de iuuenum virginum priuilegiis, vom junggeſellen-rechte, Frankf. an der Oder 1689, 4t; wiwohl man auch edel-knechte, edel-knaben welche wohl lebenslang knaben verbliben, und verheiratet waren, darnebſt oͤfters erenſtellen ver- ſahen; Chriſtian Ludewig Scheidts hiſt. und diplomatiſche nachrichten vom hohen und nideren adel von jungen ge- ſellen, jung- fern, dirnen, und veteln. F 2

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Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 83. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/107>, abgerufen am 23.02.2019.