Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767.

Bild:
<< vorherige Seite
II buch, I, haubtstück,
Funfzigstes haubtstück
von den
gerechtigkeiten, und befugnissen.

§ 1948
von den gerech-
tigkeiten und
befugnissen.

Die gerechtigkeit soll hir nicht nach den römi-
schen rechten, und wie man sie in den in-
stitutionen, auch pandecten findet, betrachtet wer-
den; sondern sie wird dahir in einem andern ge-
sichtspuncte genommen. Sie bedeutet überhaubt
ein recht, welches einem zustehet. Die Teutsche
nenneten die dinstbarkeiten im weitläuftigen sinne
ebenfalls gerechtigkeiten, Stryk im vsu mod. p.
lib. VIII tit.
1 § 1; im engen verstande aber heissen
sie befugnisse. Die gerechtigkeit teilet sich in die
gerechtigkeit insbesondere, und enthält dijenigen
rechte, welche mir auf dem meinigen auszuüben
zustehen, z. e. das patronat-jagt-braurecht, die
fischerei, u. s. w. (§ 1999 des 1ten th.) dise ge-
rechtsamen bestehen im tun (in faciendo). Da-
hingegen heissen dijenige rechte, welche ich auf des
andern person, oder sachen zu meinem nuze, und
vorteile habe, befugnisse, oder dinstbarkeiten (§
2000 des 1ten th.); wenn einer allso recht, und
freiheit hat, etwas zu tun, saget man: er wäre
befugt. Die befugniß kan auch vermittels eines
gedinges, und auf andere art erlanget, und zu-
gestanden werden (§ 2002 des 1ten th.), Stryk
am a. o. lib. VIII tit. 4 § 1, bevorab, bei den Teut-
schen, da sie an die römischen spizfindigkeiten sich
nicht banden, noch kereten (2004 des 1ten th.),
auch in praxi noch heute zu tage darauf nicht gese-
hen werden darf, da die stoische säze bei uns weg-

fallen;
II buch, I, haubtſtuͤck,
Funfzigſtes haubtſtuͤck
von den
gerechtigkeiten, und befugniſſen.

§ 1948
von den gerech-
tigkeiten und
befugniſſen.

Die gerechtigkeit ſoll hir nicht nach den roͤmi-
ſchen rechten, und wie man ſie in den in-
ſtitutionen, auch pandecten findet, betrachtet wer-
den; ſondern ſie wird dahir in einem andern ge-
ſichtspuncte genommen. Sie bedeutet uͤberhaubt
ein recht, welches einem zuſtehet. Die Teutſche
nenneten die dinſtbarkeiten im weitlaͤuftigen ſinne
ebenfalls gerechtigkeiten, Stryk im vsu mod. π.
lib. VIII tit.
1 § 1; im engen verſtande aber heiſſen
ſie befugniſſe. Die gerechtigkeit teilet ſich in die
gerechtigkeit insbeſondere, und enthaͤlt dijenigen
rechte, welche mir auf dem meinigen auszuuͤben
zuſtehen, z. e. das patronat-jagt-braurecht, die
fiſcherei, u. ſ. w. (§ 1999 des 1ten th.) diſe ge-
rechtſamen beſtehen im tun (in faciendo). Da-
hingegen heiſſen dijenige rechte, welche ich auf des
andern perſon, oder ſachen zu meinem nuze, und
vorteile habe, befugniſſe, oder dinſtbarkeiten (§
2000 des 1ten th.); wenn einer allſo recht, und
freiheit hat, etwas zu tun, ſaget man: er waͤre
befugt. Die befugniß kan auch vermittels eines
gedinges, und auf andere art erlanget, und zu-
geſtanden werden (§ 2002 des 1ten th.), Stryk
am a. o. lib. VIII tit. 4 § 1, bevorab, bei den Teut-
ſchen, da ſie an die roͤmiſchen ſpizfindigkeiten ſich
nicht banden, noch kereten (2004 des 1ten th.),
auch in praxi noch heute zu tage darauf nicht geſe-
hen werden darf, da die ſtoiſche ſaͤze bei uns weg-

fallen;
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0888" n="864"/>
      <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">II</hi> buch, <hi rendition="#aq">I,</hi> haubt&#x017F;tu&#x0364;ck,</hi> </fw><lb/>
      <div n="1">
        <head><hi rendition="#b">Funfzig&#x017F;tes haubt&#x017F;tu&#x0364;ck<lb/>
von den<lb/>
gerechtigkeiten, und befugni&#x017F;&#x017F;en.</hi><lb/>
§ 1948</head><lb/>
        <note place="left">von den gerech-<lb/>
tigkeiten und<lb/>
befugni&#x017F;&#x017F;en.</note>
        <p><hi rendition="#in">D</hi>ie gerechtigkeit &#x017F;oll hir nicht nach den ro&#x0364;mi-<lb/>
&#x017F;chen rechten, und wie man &#x017F;ie in den in-<lb/>
&#x017F;titutionen, auch pandecten findet, betrachtet wer-<lb/>
den; &#x017F;ondern &#x017F;ie wird dahir in einem andern ge-<lb/>
&#x017F;ichtspuncte genommen. Sie bedeutet u&#x0364;berhaubt<lb/>
ein recht, welches einem zu&#x017F;tehet. Die Teut&#x017F;che<lb/>
nenneten die din&#x017F;tbarkeiten im weitla&#x0364;uftigen &#x017F;inne<lb/>
ebenfalls gerechtigkeiten, <hi rendition="#fr">Stryk</hi> im <hi rendition="#aq">vsu mod. &#x03C0;.<lb/>
lib. VIII tit.</hi> 1 § 1; im engen ver&#x017F;tande aber hei&#x017F;&#x017F;en<lb/>
&#x017F;ie befugni&#x017F;&#x017F;e. Die gerechtigkeit teilet &#x017F;ich in die<lb/>
gerechtigkeit insbe&#x017F;ondere, und entha&#x0364;lt dijenigen<lb/>
rechte, welche mir auf dem meinigen auszuu&#x0364;ben<lb/>
zu&#x017F;tehen, z. e. das patronat-jagt-braurecht, die<lb/>
fi&#x017F;cherei, u. &#x017F;. w. (§ 1999 des 1ten th.) di&#x017F;e ge-<lb/>
recht&#x017F;amen be&#x017F;tehen im tun (in faciendo). Da-<lb/>
hingegen hei&#x017F;&#x017F;en dijenige rechte, welche ich auf des<lb/>
andern per&#x017F;on, oder &#x017F;achen zu meinem nuze, und<lb/>
vorteile habe, befugni&#x017F;&#x017F;e, oder din&#x017F;tbarkeiten (§<lb/>
2000 des 1ten th.); wenn einer all&#x017F;o recht, und<lb/>
freiheit hat, etwas zu tun, &#x017F;aget man: er wa&#x0364;re<lb/>
befugt. Die befugniß kan auch vermittels eines<lb/>
gedinges, und auf andere art erlanget, und zu-<lb/>
ge&#x017F;tanden werden (§ 2002 des 1ten th.), <hi rendition="#fr">Stryk</hi><lb/>
am a. o. <hi rendition="#aq">lib. VIII tit.</hi> 4 § 1, bevorab, bei den Teut-<lb/>
&#x017F;chen, da &#x017F;ie an die ro&#x0364;mi&#x017F;chen &#x017F;pizfindigkeiten &#x017F;ich<lb/>
nicht banden, noch kereten (2004 des 1ten th.),<lb/>
auch in praxi noch heute zu tage darauf nicht ge&#x017F;e-<lb/>
hen werden darf, da die &#x017F;toi&#x017F;che &#x017F;a&#x0364;ze bei uns weg-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">fallen;</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[864/0888] II buch, I, haubtſtuͤck, Funfzigſtes haubtſtuͤck von den gerechtigkeiten, und befugniſſen. § 1948 Die gerechtigkeit ſoll hir nicht nach den roͤmi- ſchen rechten, und wie man ſie in den in- ſtitutionen, auch pandecten findet, betrachtet wer- den; ſondern ſie wird dahir in einem andern ge- ſichtspuncte genommen. Sie bedeutet uͤberhaubt ein recht, welches einem zuſtehet. Die Teutſche nenneten die dinſtbarkeiten im weitlaͤuftigen ſinne ebenfalls gerechtigkeiten, Stryk im vsu mod. π. lib. VIII tit. 1 § 1; im engen verſtande aber heiſſen ſie befugniſſe. Die gerechtigkeit teilet ſich in die gerechtigkeit insbeſondere, und enthaͤlt dijenigen rechte, welche mir auf dem meinigen auszuuͤben zuſtehen, z. e. das patronat-jagt-braurecht, die fiſcherei, u. ſ. w. (§ 1999 des 1ten th.) diſe ge- rechtſamen beſtehen im tun (in faciendo). Da- hingegen heiſſen dijenige rechte, welche ich auf des andern perſon, oder ſachen zu meinem nuze, und vorteile habe, befugniſſe, oder dinſtbarkeiten (§ 2000 des 1ten th.); wenn einer allſo recht, und freiheit hat, etwas zu tun, ſaget man: er waͤre befugt. Die befugniß kan auch vermittels eines gedinges, und auf andere art erlanget, und zu- geſtanden werden (§ 2002 des 1ten th.), Stryk am a. o. lib. VIII tit. 4 § 1, bevorab, bei den Teut- ſchen, da ſie an die roͤmiſchen ſpizfindigkeiten ſich nicht banden, noch kereten (2004 des 1ten th.), auch in praxi noch heute zu tage darauf nicht geſe- hen werden darf, da die ſtoiſche ſaͤze bei uns weg- fallen;

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/888
Zitationshilfe: Estor, Johann Georg: Der Teutschen rechtsgelahrheit. Bd. 3. Frankfurt (Main), 1767, S. 864. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/estor_rechtsgelehrsamkeit03_1767/888>, abgerufen am 21.02.2019.