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Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

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I. Buch. II. Theil. II. Titel. II. Abschnitt.
gesetztes Verbrechen (del. continuatum); geschieht
sie an verschiedenen Objecten, so ist ein wie-
derholtes
Verbrechen (del. reiteratum s. repeti-
tum
) vorhanden.

§. 153.

Da die Strafe eines jeden Strafgesetzes
Anwendung findet, sobald die Voraussetzun-
gen zur gesetzlichen Strafe vorhanden sind,
so folgt: 1) wenn mehrere Strafgesetze über-
treten worden sind, so finden die Strafen aller
übertretenen Strafgesetze statt; 2) wenn Ein
Strafgesetz mehrmals übertreten worden ist,
so ist die Anwendung der Strafe desselben so
vielmahl
rechtlich begründet, als es übertreten
worden ist *).

§. 154.

Ist es daher 1) der Natur der Strafe nach
möglich, sie zusammen oder mehrmals anzu-
wenden, so müssen sie auch zusammen oder
mehrmals zugefügt werden. Wenn aber 2) die-
ses unmöglich ist, so kann nur die volle Strafe
Einer Uebertretung, jedoch mit einem Zusatz,
angewendet werden, welcher ein Theil der
durch andere Uebertretungen verwirkten Stra-
fen ist. Bey der concurrirenden Anwendung
mehrerer, dem Grade nach verschiedener Stra-
fen wird daher auf die schwerste, mit Schär-
fung
verbunden, erkannt.


§. 155.
*) L. 2. D. de priv. del. Nunquam plura delicta concur-
rentia faciunt, ut ullius impunitas detur; neque enim de-
lictum ob aliud delictum minuit poenam.

I. Buch. II. Theil. II. Titel. II. Abſchnitt.
geſetztes Verbrechen (del. continuatum); geſchieht
ſie an verſchiedenen Objecten, ſo iſt ein wie-
derholtes
Verbrechen (del. reiteratum ſ. repeti-
tum
) vorhanden.

§. 153.

Da die Strafe eines jeden Strafgeſetzes
Anwendung findet, ſobald die Vorausſetzun-
gen zur geſetzlichen Strafe vorhanden ſind,
ſo folgt: 1) wenn mehrere Strafgeſetze über-
treten worden ſind, ſo finden die Strafen aller
übertretenen Strafgeſetze ſtatt; 2) wenn Ein
Strafgeſetz mehrmals übertreten worden iſt,
ſo iſt die Anwendung der Strafe deſſelben ſo
vielmahl
rechtlich begründet, als es übertreten
worden iſt *).

§. 154.

Iſt es daher 1) der Natur der Strafe nach
möglich, ſie zuſammen oder mehrmals anzu-
wenden, ſo müſſen ſie auch zuſammen oder
mehrmals zugefügt werden. Wenn aber 2) die-
ſes unmöglich iſt, ſo kann nur die volle Strafe
Einer Uebertretung, jedoch mit einem Zuſatz,
angewendet werden, welcher ein Theil der
durch andere Uebertretungen verwirkten Stra-
fen iſt. Bey der concurrirenden Anwendung
mehrerer, dem Grade nach verſchiedener Stra-
fen wird daher auf die ſchwerſte, mit Schär-
fung
verbunden, erkannt.


§. 155.
*) L. 2. D. de priv. del. Nunquam plura delicta concur-
rentia faciunt, ut ullius impunitas detur; neque enim de-
lictum ob aliud delictum minuit poenam.
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[118/0146] I. Buch. II. Theil. II. Titel. II. Abſchnitt. geſetztes Verbrechen (del. continuatum); geſchieht ſie an verſchiedenen Objecten, ſo iſt ein wie- derholtes Verbrechen (del. reiteratum ſ. repeti- tum) vorhanden. §. 153. Da die Strafe eines jeden Strafgeſetzes Anwendung findet, ſobald die Vorausſetzun- gen zur geſetzlichen Strafe vorhanden ſind, ſo folgt: 1) wenn mehrere Strafgeſetze über- treten worden ſind, ſo finden die Strafen aller übertretenen Strafgeſetze ſtatt; 2) wenn Ein Strafgeſetz mehrmals übertreten worden iſt, ſo iſt die Anwendung der Strafe deſſelben ſo vielmahl rechtlich begründet, als es übertreten worden iſt *). §. 154. Iſt es daher 1) der Natur der Strafe nach möglich, ſie zuſammen oder mehrmals anzu- wenden, ſo müſſen ſie auch zuſammen oder mehrmals zugefügt werden. Wenn aber 2) die- ſes unmöglich iſt, ſo kann nur die volle Strafe Einer Uebertretung, jedoch mit einem Zuſatz, angewendet werden, welcher ein Theil der durch andere Uebertretungen verwirkten Stra- fen iſt. Bey der concurrirenden Anwendung mehrerer, dem Grade nach verſchiedener Stra- fen wird daher auf die ſchwerſte, mit Schär- fung verbunden, erkannt. §. 155. *) L. 2. D. de priv. del. Nunquam plura delicta concur- rentia faciunt, ut ullius impunitas detur; neque enim de- lictum ob aliud delictum minuit poenam.

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Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 118. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/146>, abgerufen am 16.10.2019.