Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

Bild:
<< vorherige Seite

Von Todschlag und Mord.
ses Mittels zur Ausführung seiner gesetzwi-
drigen Absicht bedient, beweist Ueberlegung,
weil er durch Verstecktheit die Aufmerksam-
keit zu hintergehen sucht und der Gebrauch
des Mittels Vorbereitungen voraussetzt.

§. 258.

Unter Giften werden hier 1) sowohl solche
Substanzen verstanden, welche nach ihrer
Natur und nach der Organisation des mensch-
lichen Körpers überhaupt verborgen nach
chemischen Gesetzen verletzen *), als auch 2)
solche, welche zwar an sich unschädlich sind,
aber nur unter besondern zufälligen Bedingun-
gen Verletzung bewirken. Auf die Art der
Mittheilung des Stoffs kommt es nicht an; sie
kann sowohl mittelbar, durch Vergiftung an-
derer Gegenstände, z. B. Brunnen, Waiden.
u. s. w. als auch unmittelbar geschehen **).

§. 259.

Die Strafe ***) des Todschlags ist das
Schwerd; weil aber die Strafbarkeit des prämedi-

tirten
Idem. de veneficio culposo. Argent. 1782. deutsch:
in Waitz Sammlung kleiner akademischer Schriften
über gerichtliche Arzneywis
. 1. Bd. 1 St. Nr. 1. et 2.
*) Mündlich von den verschiedenen Arten dieser Gif-
te. S. Ploucquet über die gewaltsamen Todesar-
ten
. §. 75. ff. Metzger gerichtl. Arzneyw. II. Abschn.
-- Klein Grunds. d. p. R. §. 308--315.
**) S. Koch inst. jur. crim. §. 499.
***) Ueber die Grillen Carpzovs und anderer Praktiker,
s. Koch l. c. §. 456.

Von Todſchlag und Mord.
ſes Mittels zur Ausführung ſeiner geſetzwi-
drigen Abſicht bedient, beweiſt Ueberlegung,
weil er durch Verſtecktheit die Aufmerkſam-
keit zu hintergehen ſucht und der Gebrauch
des Mittels Vorbereitungen vorausſetzt.

§. 258.

Unter Giften werden hier 1) ſowohl ſolche
Subſtanzen verſtanden, welche nach ihrer
Natur und nach der Organiſation des menſch-
lichen Körpers überhaupt verborgen nach
chemiſchen Geſetzen verletzen *), als auch 2)
ſolche, welche zwar an ſich unſchädlich ſind,
aber nur unter beſondern zufälligen Bedingun-
gen Verletzung bewirken. Auf die Art der
Mittheilung des Stoffs kommt es nicht an; ſie
kann ſowohl mittelbar, durch Vergiftung an-
derer Gegenſtände, z. B. Brunnen, Waiden.
u. ſ. w. als auch unmittelbar geſchehen **).

§. 259.

Die Strafe ***) des Todſchlags iſt das
Schwerd; weil aber die Strafbarkeit des prämedi-

tirten
Idem. de veneficio culpoſo. Argent. 1782. deutſch:
in Waitz Sammlung kleiner akademiſcher Schriften
über gerichtliche Arzneywiſ
. 1. Bd. 1 St. Nr. 1. et 2.
*) Mündlich von den verſchiedenen Arten dieſer Gif-
te. S. Ploucquet über die gewaltſamen Todesar-
ten
. §. 75. ff. Metzger gerichtl. Arzneyw. II. Abſchn.
Klein Grundſ. d. p. R. §. 308—315.
**) S. Koch inſt. jur. crim. §. 499.
***) Ueber die Grillen Carpzovs und anderer Praktiker,
ſ. Koch l. c. §. 456.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <div n="6">
                  <div n="7">
                    <div n="8">
                      <div n="9">
                        <p><pb facs="#f0229" n="201"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#i">Von Tod&#x017F;chlag und Mord.</hi></fw><lb/>
&#x017F;es Mittels zur Ausführung &#x017F;einer ge&#x017F;etzwi-<lb/>
drigen Ab&#x017F;icht bedient, bewei&#x017F;t Ueberlegung,<lb/>
weil er durch Ver&#x017F;tecktheit die Aufmerk&#x017F;am-<lb/>
keit zu hintergehen &#x017F;ucht und der Gebrauch<lb/>
des Mittels Vorbereitungen voraus&#x017F;etzt.</p>
                      </div><lb/>
                      <div n="9">
                        <head>§. 258.</head><lb/>
                        <p>Unter Giften werden hier 1) &#x017F;owohl &#x017F;olche<lb/>
Sub&#x017F;tanzen ver&#x017F;tanden, welche nach ihrer<lb/>
Natur und nach der Organi&#x017F;ation des men&#x017F;ch-<lb/>
lichen Körpers überhaupt verborgen nach<lb/>
chemi&#x017F;chen Ge&#x017F;etzen verletzen <note place="foot" n="*)">Mündlich von den ver&#x017F;chiedenen Arten die&#x017F;er Gif-<lb/>
te. S. <hi rendition="#g">Ploucquet</hi> <hi rendition="#i">über die gewalt&#x017F;amen Todesar-<lb/>
ten</hi>. §. 75. ff. <hi rendition="#g">Metzger</hi> <hi rendition="#i">gerichtl. Arzneyw</hi>. II. Ab&#x017F;chn.<lb/>
&#x2014; <hi rendition="#g">Klein</hi> <hi rendition="#i">Grund&#x017F;. d. p. R</hi>. §. 308&#x2014;315.</note>, als auch 2)<lb/>
&#x017F;olche, welche zwar an &#x017F;ich un&#x017F;chädlich &#x017F;ind,<lb/>
aber nur unter be&#x017F;ondern zufälligen Bedingun-<lb/>
gen Verletzung bewirken. Auf die Art der<lb/>
Mittheilung des Stoffs kommt es nicht an; &#x017F;ie<lb/>
kann &#x017F;owohl <hi rendition="#i">mittelbar</hi>, durch Vergiftung an-<lb/>
derer Gegen&#x017F;tände, z. B. Brunnen, Waiden.<lb/>
u. &#x017F;. w. als auch <hi rendition="#i">unmittelbar</hi> ge&#x017F;chehen <note place="foot" n="**)">S. <hi rendition="#g">Koch</hi> <hi rendition="#i">in&#x017F;t. jur. crim</hi>. §. 499.</note>.</p>
                      </div><lb/>
                      <div n="9">
                        <head>§. 259.</head><lb/>
                        <p>Die <hi rendition="#g">Strafe</hi> <note place="foot" n="***)">Ueber die Grillen <hi rendition="#i">Carpzovs</hi> und anderer Praktiker,<lb/>
&#x017F;. <hi rendition="#g">Koch</hi> l. c. §. 456.</note> des Tod&#x017F;chlags i&#x017F;t das<lb/><hi rendition="#i">Schwerd</hi>; weil aber die Strafbarkeit des prämedi-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">tirten</fw><lb/><note xml:id="note-0229" prev="#note-0227a" place="foot" n="***)"><hi rendition="#g">Idem</hi>. <hi rendition="#i">de veneficio culpo&#x017F;o</hi>. Argent. 1782. deut&#x017F;ch:<lb/>
in <hi rendition="#g">Waitz</hi> <hi rendition="#i">Sammlung kleiner akademi&#x017F;cher Schriften<lb/>
über gerichtliche Arzneywi&#x017F;</hi>. 1. Bd. 1 St. Nr. 1. et 2.</note><lb/></p>
                      </div>
                    </div>
                  </div>
                </div>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[201/0229] Von Todſchlag und Mord. ſes Mittels zur Ausführung ſeiner geſetzwi- drigen Abſicht bedient, beweiſt Ueberlegung, weil er durch Verſtecktheit die Aufmerkſam- keit zu hintergehen ſucht und der Gebrauch des Mittels Vorbereitungen vorausſetzt. §. 258. Unter Giften werden hier 1) ſowohl ſolche Subſtanzen verſtanden, welche nach ihrer Natur und nach der Organiſation des menſch- lichen Körpers überhaupt verborgen nach chemiſchen Geſetzen verletzen *), als auch 2) ſolche, welche zwar an ſich unſchädlich ſind, aber nur unter beſondern zufälligen Bedingun- gen Verletzung bewirken. Auf die Art der Mittheilung des Stoffs kommt es nicht an; ſie kann ſowohl mittelbar, durch Vergiftung an- derer Gegenſtände, z. B. Brunnen, Waiden. u. ſ. w. als auch unmittelbar geſchehen **). §. 259. Die Strafe ***) des Todſchlags iſt das Schwerd; weil aber die Strafbarkeit des prämedi- tirten ***) *) Mündlich von den verſchiedenen Arten dieſer Gif- te. S. Ploucquet über die gewaltſamen Todesar- ten. §. 75. ff. Metzger gerichtl. Arzneyw. II. Abſchn. — Klein Grundſ. d. p. R. §. 308—315. **) S. Koch inſt. jur. crim. §. 499. ***) Ueber die Grillen Carpzovs und anderer Praktiker, ſ. Koch l. c. §. 456. ***) Idem. de veneficio culpoſo. Argent. 1782. deutſch: in Waitz Sammlung kleiner akademiſcher Schriften über gerichtliche Arzneywiſ. 1. Bd. 1 St. Nr. 1. et 2.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/229
Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 201. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/229>, abgerufen am 24.03.2019.