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Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

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V. d. qualificirten Mord od. d. Parricidium.
§. 273.

Ein culposer Kindermord wird am häufig-
sten durch fahrlässiges Unterlassen der Unter-
bindung der Nabelschnur, oder durch eine
aus Fahrlässigkeit, besonders durch Verheim-
lichung der Schwangerschaft, entstandene hülf-
lose Niederkunft begangen.

§. 274.

Die Strafe des Verbrechens ist das Er-
tränken. Wo aber der Kindermord an einem
Orte sehr überhand nimmt, da soll, grösserer
Abschreckung wegen, auch das Pfählen und
Lebendigbegraben, oder Schärfung des Er-
tränkens durch Zangenreissen angewendet
werden dürfen *). Die Praxis hat als ordent-
liche Strafe das Schwerd **).

§. 275.

Diese Strafe muss gemildert werden 1)
wenn die Lebensfähigkeit des Kindes mangelt
oder zweyfelhaft ist, 2) wenn die Mutter die

Schwan-
*) P G O. Art. 131. "Wo aber solche Uebel oft ge-
"schähe, wollen wir die gemeldete Gewohnheit
"des Vergrabens und Pfählens, um mehrerer Furcht
"willen
, solcher boshaftigen Weiber auch zulassen,
"oder aber dass vor dem Ertränken die Uebelthä-
"terin mit glühenden Zangen gerissen werde." Ei-
nige verstehen, ganz den Worten und dem ange-
gebenen Grund zuwider, diese Disposition von dem
Fall der Wiederholung, wie Boehmer ad h. a.
§. 20. Quistorp Thl. l. §. 283.
**) Boehmer ad art. 131. §. 19. Quistorp Thl. I.
§. 283.
V. d. qualificirten Mord od. d. Parricidium.
§. 273.

Ein culpoſer Kindermord wird am häufig-
ſten durch fahrläſſiges Unterlaſſen der Unter-
bindung der Nabelſchnur, oder durch eine
aus Fahrläſſigkeit, beſonders durch Verheim-
lichung der Schwangerſchaft, entſtandene hülf-
loſe Niederkunft begangen.

§. 274.

Die Strafe des Verbrechens iſt das Er-
tränken. Wo aber der Kindermord an einem
Orte ſehr überhand nimmt, da ſoll, gröſserer
Abſchreckung wegen, auch das Pfählen und
Lebendigbegraben, oder Schärfung des Er-
tränkens durch Zangenreiſſen angewendet
werden dürfen *). Die Praxis hat als ordent-
liche Strafe das Schwerd **).

§. 275.

Dieſe Strafe muſs gemildert werden 1)
wenn die Lebensfähigkeit des Kindes mangelt
oder zweyfelhaft iſt, 2) wenn die Mutter die

Schwan-
*) P G O. Art. 131. „Wo aber ſolche Uebel oft ge-
„ſchähe, wollen wir die gemeldete Gewohnheit
„des Vergrabens und Pfählens, um mehrerer Furcht
„willen
, ſolcher boshaftigen Weiber auch zulaſſen,
„oder aber daſs vor dem Ertränken die Uebelthä-
„terin mit glühenden Zangen geriſſen werde.“ Ei-
nige verſtehen, ganz den Worten und dem ange-
gebenen Grund zuwider, dieſe Dispoſition von dem
Fall der Wiederholung, wie Boehmer ad h. a.
§. 20. Quiſtorp Thl. l. §. 283.
**) Boehmer ad art. 131. §. 19. Quiſtorp Thl. I.
§. 283.
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[213/0241] V. d. qualificirten Mord od. d. Parricidium. §. 273. Ein culpoſer Kindermord wird am häufig- ſten durch fahrläſſiges Unterlaſſen der Unter- bindung der Nabelſchnur, oder durch eine aus Fahrläſſigkeit, beſonders durch Verheim- lichung der Schwangerſchaft, entſtandene hülf- loſe Niederkunft begangen. §. 274. Die Strafe des Verbrechens iſt das Er- tränken. Wo aber der Kindermord an einem Orte ſehr überhand nimmt, da ſoll, gröſserer Abſchreckung wegen, auch das Pfählen und Lebendigbegraben, oder Schärfung des Er- tränkens durch Zangenreiſſen angewendet werden dürfen *). Die Praxis hat als ordent- liche Strafe das Schwerd **). §. 275. Dieſe Strafe muſs gemildert werden 1) wenn die Lebensfähigkeit des Kindes mangelt oder zweyfelhaft iſt, 2) wenn die Mutter die Schwan- *) P G O. Art. 131. „Wo aber ſolche Uebel oft ge- „ſchähe, wollen wir die gemeldete Gewohnheit „des Vergrabens und Pfählens, um mehrerer Furcht „willen, ſolcher boshaftigen Weiber auch zulaſſen, „oder aber daſs vor dem Ertränken die Uebelthä- „terin mit glühenden Zangen geriſſen werde.“ Ei- nige verſtehen, ganz den Worten und dem ange- gebenen Grund zuwider, dieſe Dispoſition von dem Fall der Wiederholung, wie Boehmer ad h. a. §. 20. Quiſtorp Thl. l. §. 283. **) Boehmer ad art. 131. §. 19. Quiſtorp Thl. I. §. 283.

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Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 213. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/241>, abgerufen am 20.03.2019.