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Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

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Eintheilung d. einfachen Inj. u. deren Strafe.
§. 329.

Die Ehrenverletzung durch wörtliche In-
jurie kann begründet werden, a) durch die Form
(die Art) der Aeusserung, formelle wörtliche
Injurie
, b) durch den Inhalt derselben, ma-
terielle wörtliche Injurie
. c) durch beydes zu-
gleich, relative formelle wörtliche Injurie.

§. 330.

In Rücksicht des beleidigten Subjects ist
die Injurie I) unmittelbare Injurie (inju-
ria immediata
) wenn das beleidigte Subject
selbst der unmittelbare Gegenstand der Inju-
rie ist, II. mittelbare (injuria mediata),
wenn die Ehre eines Subjekts durch die Inju-
rie an einem andern Subjecte verletzt wird *).



§. 331.
bey uns und von dieser Voraussetzung hängt über-
all die Anwendbarkeit der römischen Gesetze über
die Injurien ab; 2) an mehrern Stellen ist injuria
in dem weiten römischen Sinn genommen, wo es
überhaupt Beschädigung bedeutet. Daraus wider-
legt sich Webers Theorie von Realinjurien am a.
O. 1. Abthl. S. 100. ff.
*) L. 1. §. 3. D. de injur. "Item autem per semet ip-
sum
alicui fit injuria, aut per alias personas. Per se-
met
, cum directo ipsi cui patrifamilias, vel matrifa-
milias fit injuria: per alias, cum per consequentias
fit; cum fit liberis meis, vel servis meis, vel uxori,
nuruiue: spectat enim ad nos injuria, quae in his
fit, qui potestati nostrae, vel affectui subjecti sunt.
Eintheilung d. einfachen Inj. u. deren Strafe.
§. 329.

Die Ehrenverletzung durch wörtliche In-
jurie kann begründet werden, a) durch die Form
(die Art) der Aeuſſerung, formelle wörtliche
Injurie
, b) durch den Inhalt derſelben, ma-
terielle wörtliche Injurie
. c) durch beydes zu-
gleich, relative formelle wörtliche Injurie.

§. 330.

In Rückſicht des beleidigten Subjects iſt
die Injurie I) unmittelbare Injurie (inju-
ria immediata
) wenn das beleidigte Subject
ſelbſt der unmittelbare Gegenſtand der Inju-
rie iſt, II. mittelbare (injuria mediata),
wenn die Ehre eines Subjekts durch die Inju-
rie an einem andern Subjecte verletzt wird *).



§. 331.
bey uns und von dieſer Vorausſetzung hängt über-
all die Anwendbarkeit der römiſchen Geſetze über
die Injurien ab; 2) an mehrern Stellen iſt injuria
in dem weiten römiſchen Sinn genommen, wo es
überhaupt Beſchädigung bedeutet. Daraus wider-
legt ſich Webers Theorie von Realinjurien am a.
O. 1. Abthl. S. 100. ff.
*) L. 1. §. 3. D. de injur. „Item autem per ſemet ip-
ſum
alicui fit injuria, aut per alias perſonas. Per ſe-
met
, cum directo ipſi cui patrifamilias, vel matrifa-
milias fit injuria: per alias, cum per conſequentias
fit; cum fit liberis meis, vel ſervis meis, vel uxori,
nuruiue: ſpectat enim ad nos injuria, quae in his
fit, qui poteſtati noſtrae, vel affectui ſubjecti ſunt.
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[255/0283] Eintheilung d. einfachen Inj. u. deren Strafe. §. 329. Die Ehrenverletzung durch wörtliche In- jurie kann begründet werden, a) durch die Form (die Art) der Aeuſſerung, formelle wörtliche Injurie, b) durch den Inhalt derſelben, ma- terielle wörtliche Injurie. c) durch beydes zu- gleich, relative formelle wörtliche Injurie. §. 330. In Rückſicht des beleidigten Subjects iſt die Injurie I) unmittelbare Injurie (inju- ria immediata) wenn das beleidigte Subject ſelbſt der unmittelbare Gegenſtand der Inju- rie iſt, II. mittelbare (injuria mediata), wenn die Ehre eines Subjekts durch die Inju- rie an einem andern Subjecte verletzt wird *). §. 331. ****) *) L. 1. §. 3. D. de injur. „Item autem per ſemet ip- ſum alicui fit injuria, aut per alias perſonas. Per ſe- met, cum directo ipſi cui patrifamilias, vel matrifa- milias fit injuria: per alias, cum per conſequentias fit; cum fit liberis meis, vel ſervis meis, vel uxori, nuruiue: ſpectat enim ad nos injuria, quae in his fit, qui poteſtati noſtrae, vel affectui ſubjecti ſunt. ****) bey uns und von dieſer Vorausſetzung hängt über- all die Anwendbarkeit der römiſchen Geſetze über die Injurien ab; 2) an mehrern Stellen iſt injuria in dem weiten römiſchen Sinn genommen, wo es überhaupt Beſchädigung bedeutet. Daraus wider- legt ſich Webers Theorie von Realinjurien am a. O. 1. Abthl. S. 100. ff.

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Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 255. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/283>, abgerufen am 15.10.2019.