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Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

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II. Buch. I. Theil. II. Titel. I. Abschnitt.
§. 340.

Das Pasquill hat als Unterarten *) I, das
Pasquill im engern Sinn, die in einer Er-
klärung durch bleibende Zeichen, enthaltene und
verbreitete Verletzung des Rechts auf bürgerliche
Ehre
**). II. Schmähschrift (libellus famo-
sus
) ein durch bleibende Zeichen erklärter, ano-
nymer und verbreiteter Vorwurf eines begangenen
Verbrechens.
***)

§. 341.

Das Pasquill verletzt nicht den guten
Namen
, sondern die bürgerliche Ehre und
kann durh Schriften, Gedichte, Gemählde u.
s. w. begangen werden. Auf unterlassene Na-
mensunterschrift kommt es schlechthin nicht
an. Es ist den gewöhnlichen aber geschärften
Strafen der Injurien unterworfen; ausserdem
aber soll der Pasquillant des Rechts, ein Testa-

ment
*) Während die älteren Criminalisten über der
Schmähschrift das eigen liche Pasquill vergessen und
insoferne beyde mit einander confundiren, ver-
drängen gewöhnlich die neuern, wie Weber
Abthl. I. S. 213. ff. den Begriff von Schmähschrift
durch das Pasquill und verwischen ganz die cha-
rakteristischen, durch Gesetze bestimmten, Merkmale
des ersten. Lasst uns doch bey den Gesetzen blei-
ben, so lange wir noch Gesetze haben.
**) L. 5. §. 9. 10. D. de injur.
***) L. un. C. de famosis libellis (L. 1. 4. 7. 9. C. Th.
de injuriis) P. G. O. Art. 110.
II. Buch. I. Theil. II. Titel. I. Abſchnitt.
§. 340.

Das Pasquill hat als Unterarten *) I, das
Pasquill im engern Sinn, die in einer Er-
klärung durch bleibende Zeichen, enthaltene und
verbreitete Verletzung des Rechts auf bürgerliche
Ehre
**). II. Schmähſchrift (libellus famo-
ſus
) ein durch bleibende Zeichen erklärter, ano-
nymer und verbreiteter Vorwurf eines begangenen
Verbrechens.
***)

§. 341.

Das Pasquill verletzt nicht den guten
Namen
, ſondern die bürgerliche Ehre und
kann durh Schriften, Gedichte, Gemählde u.
ſ. w. begangen werden. Auf unterlaſſene Na-
mensunterſchrift kommt es ſchlechthin nicht
an. Es iſt den gewöhnlichen aber geſchärften
Strafen der Injurien unterworfen; auſſerdem
aber ſoll der Pasquillant des Rechts, ein Teſta-

ment
*) Während die älteren Criminaliſten über der
Schmähſchrift das eigen liche Pasquill vergeſſen und
inſoferne beyde mit einander confundiren, ver-
drängen gewöhnlich die neuern, wie Weber
Abthl. I. S. 213. ff. den Begriff von Schmähſchrift
durch das Pasquill und verwiſchen ganz die cha-
rakteriſtiſchen, durch Geſetze beſtimmten, Merkmale
des erſten. Laſst uns doch bey den Geſetzen blei-
ben, ſo lange wir noch Geſetze haben.
**) L. 5. §. 9. 10. D. de injur.
***) L. un. C. de famoſis libellis (L. 1. 4. 7. 9. C. Th.
de injuriis) P. G. O. Art. 110.
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[262/0290] II. Buch. I. Theil. II. Titel. I. Abſchnitt. §. 340. Das Pasquill hat als Unterarten *) I, das Pasquill im engern Sinn, die in einer Er- klärung durch bleibende Zeichen, enthaltene und verbreitete Verletzung des Rechts auf bürgerliche Ehre **). II. Schmähſchrift (libellus famo- ſus) ein durch bleibende Zeichen erklärter, ano- nymer und verbreiteter Vorwurf eines begangenen Verbrechens. ***) §. 341. Das Pasquill verletzt nicht den guten Namen, ſondern die bürgerliche Ehre und kann durh Schriften, Gedichte, Gemählde u. ſ. w. begangen werden. Auf unterlaſſene Na- mensunterſchrift kommt es ſchlechthin nicht an. Es iſt den gewöhnlichen aber geſchärften Strafen der Injurien unterworfen; auſſerdem aber ſoll der Pasquillant des Rechts, ein Teſta- ment *) Während die älteren Criminaliſten über der Schmähſchrift das eigen liche Pasquill vergeſſen und inſoferne beyde mit einander confundiren, ver- drängen gewöhnlich die neuern, wie Weber Abthl. I. S. 213. ff. den Begriff von Schmähſchrift durch das Pasquill und verwiſchen ganz die cha- rakteriſtiſchen, durch Geſetze beſtimmten, Merkmale des erſten. Laſst uns doch bey den Geſetzen blei- ben, ſo lange wir noch Geſetze haben. **) L. 5. §. 9. 10. D. de injur. ***) L. un. C. de famoſis libellis (L. 1. 4. 7. 9. C. Th. de injuriis) P. G. O. Art. 110.

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Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 262. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/290>, abgerufen am 24.03.2019.