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Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

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Verbr. durch Täuschung eines andern.
gern Verstande (pejeratio), die Verletzung
der durch einen Eidschwur bestärkten Verbindlich-
keit, die Wahrheit von einem vergangenen Factum
auszusagen.
Diese Verletzung des assertori-
schen Eides
setzt voraus 1) eine objectiv falsche
Aussage, verbunden 2) mit dem Bewusstseyn
der Unwahrheit derselben subjective Falsch-
heit der Aussage). II. In den Eides-
bruch
(perjurium in specie) die Verletzung einer
durch Eidschwur bestärkten Verbindlichkeit zu einer
künftigen Leistung.
Diese Verletzung des pro-
missorischen Eides
geschieht 1) durch Nichtlei-
stung der versprochenen Handlung, voraus-
gesetzt, 2) dass sie wissentlich und absichtlich
nicht erfüllt wurde.

P. G. O. Art. 107.

§. 454.

Jeder Meyneid im weitern Sinne setzt
voraus I. einen feyerlichen, unter Autorität der
Staatsgewalt abgelegten Eid.
Das Verbrechen
ist daher nicht begründet, 1) durch blosse
feyerliche Privatversicherungen (Verwün-
schungen, Schwüre etc.) *); 2) durch feyerliche
unter Autorität der Staatsgewalt abgelegte Ver-
sicherungen an Eides Statt **), 3) durch Eide,

die
Magazin für die Philosophie des Rechts. Nr. 3. und
Grolman noch ein paar Worte über den Eid. Eben-
daselbst Nr. 4.
*) Boehmer ad Art. 107. §. 5.
**) 1) Handschlag an Eidesstatt. 2) Versicherung bey
Adlichen Ehren und Treuen. Boehmer l. c. §. 1.
Aus-

Verbr. durch Täuſchung eines andern.
gern Verſtande (pejeratio), die Verletzung
der durch einen Eidſchwur beſtärkten Verbindlich-
keit, die Wahrheit von einem vergangenen Factum
auszuſagen.
Dieſe Verletzung des aſſertori-
ſchen Eides
ſetzt voraus 1) eine objectiv falſche
Auſſage, verbunden 2) mit dem Bewuſstſeyn
der Unwahrheit derſelben ſubjective Falſch-
heit der Auſſage). II. In den Eides-
bruch
(perjurium in ſpecie) die Verletzung einer
durch Eidſchwur beſtärkten Verbindlichkeit zu einer
künftigen Leiſtung.
Dieſe Verletzung des pro-
miſſoriſchen Eides
geſchieht 1) durch Nichtlei-
ſtung der verſprochenen Handlung, voraus-
geſetzt, 2) daſs ſie wiſſentlich und abſichtlich
nicht erfüllt wurde.

P. G. O. Art. 107.

§. 454.

Jeder Meyneid im weitern Sinne ſetzt
voraus I. einen feyerlichen, unter Autorität der
Staatsgewalt abgelegten Eid.
Das Verbrechen
iſt daher nicht begründet, 1) durch bloſse
feyerliche Privatverſicherungen (Verwün-
ſchungen, Schwüre etc.) *); 2) durch feyerliche
unter Autorität der Staatsgewalt abgelegte Ver-
ſicherungen an Eides Statt **), 3) durch Eide,

die
Magazin für die Philoſophie des Rechts. Nr. 3. und
Grolman noch ein paar Worte über den Eid. Eben-
daſelbſt Nr. 4.
*) Boehmer ad Art. 107. §. 5.
**) 1) Handſchlag an Eidesſtatt. 2) Verſicherung bey
Adlichen Ehren und Treuen. Boehmer l. c. §. 1.
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[365/0393] Verbr. durch Täuſchung eines andern. gern Verſtande (pejeratio), die Verletzung der durch einen Eidſchwur beſtärkten Verbindlich- keit, die Wahrheit von einem vergangenen Factum auszuſagen. Dieſe Verletzung des aſſertori- ſchen Eides ſetzt voraus 1) eine objectiv falſche Auſſage, verbunden 2) mit dem Bewuſstſeyn der Unwahrheit derſelben ſubjective Falſch- heit der Auſſage). II. In den Eides- bruch (perjurium in ſpecie) die Verletzung einer durch Eidſchwur beſtärkten Verbindlichkeit zu einer künftigen Leiſtung. Dieſe Verletzung des pro- miſſoriſchen Eides geſchieht 1) durch Nichtlei- ſtung der verſprochenen Handlung, voraus- geſetzt, 2) daſs ſie wiſſentlich und abſichtlich nicht erfüllt wurde. P. G. O. Art. 107. §. 454. Jeder Meyneid im weitern Sinne ſetzt voraus I. einen feyerlichen, unter Autorität der Staatsgewalt abgelegten Eid. Das Verbrechen iſt daher nicht begründet, 1) durch bloſse feyerliche Privatverſicherungen (Verwün- ſchungen, Schwüre etc.) *); 2) durch feyerliche unter Autorität der Staatsgewalt abgelegte Ver- ſicherungen an Eides Statt **), 3) durch Eide, die *) *) Boehmer ad Art. 107. §. 5. **) 1) Handſchlag an Eidesſtatt. 2) Verſicherung bey Adlichen Ehren und Treuen. Boehmer l. c. §. 1. Aus- *) Magazin für die Philoſophie des Rechts. Nr. 3. und Grolman noch ein paar Worte über den Eid. Eben- daſelbſt Nr. 4.

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Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 365. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/393>, abgerufen am 22.03.2019.