Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801.

Bild:
<< vorherige Seite
I. Buch. II. Theil. I. Titel. VI. Abschnitt.
§. 74.

Die Verjährungszeit läuft von dem Mo-
ment an, wo die Uebertretung geendigt ist.
Die Verjährung fortgesetzter Verbrechen läuft
daher von der Endigung des letzten Aktes, die
Verjährung des Versuchs von der letzten Hand-
lung, bey welcher der Versuch stehen geblie-
ben ist, das Verbrechen der Hülfsleistung bey
einer fremden Uebertretung von der Zeit an,
wo die Hülfe wirklich geleistet wurde. Die
Berechnungsart dieses Zeitraums ist übrigens
nicht blos in Ansehung seines Anfangs, son-
dern auch in Ansehung der zu zählenden Zeit-
theile, blos die natürliche (tempus naturale ra-
tione initii-ratione cursus
) *). Dabey kommt es
nicht darauf an, ob es dem Gericht, während
dem Zeitlauf möglich war, die Criminalge-
walt gegen den Verbrecher auszuüben, oder
nicht **).

§. 75.

2) Die Verjährungszeit darf nicht unter-
brochen
worden seyn. Sie wird unterbrochen
durch jede Handlung der richterlichen Crimi-
nalgewalt des Staats, welche in der Absicht
geschieht, das begangene Verbrechen zu un-
tersuchen und zu bestrafen. Sie wird also im
Untersuchungsprocess schon durch die Gene-

ralin-
*) Aeltere behaupten das Gegentheil. Vergl. Hal-
lacher
l. c. §. 5.
**) Das Gegentheil meynt mit andern Engau a. O.
§. 116.
I. Buch. II. Theil. I. Titel. VI. Abſchnitt.
§. 74.

Die Verjährungszeit läuft von dem Mo-
ment an, wo die Uebertretung geendigt iſt.
Die Verjährung fortgeſetzter Verbrechen läuft
daher von der Endigung des letzten Aktes, die
Verjährung des Verſuchs von der letzten Hand-
lung, bey welcher der Verſuch ſtehen geblie-
ben iſt, das Verbrechen der Hülfsleiſtung bey
einer fremden Uebertretung von der Zeit an,
wo die Hülfe wirklich geleiſtet wurde. Die
Berechnungsart dieſes Zeitraums iſt übrigens
nicht blos in Anſehung ſeines Anfangs, ſon-
dern auch in Anſehung der zu zählenden Zeit-
theile, blos die natürliche (tempus naturale ra-
tione initii-ratione curſus
) *). Dabey kommt es
nicht darauf an, ob es dem Gericht, während
dem Zeitlauf möglich war, die Criminalge-
walt gegen den Verbrecher auszuüben, oder
nicht **).

§. 75.

2) Die Verjährungszeit darf nicht unter-
brochen
worden ſeyn. Sie wird unterbrochen
durch jede Handlung der richterlichen Crimi-
nalgewalt des Staats, welche in der Abſicht
geſchieht, das begangene Verbrechen zu un-
terſuchen und zu beſtrafen. Sie wird alſo im
Unterſuchungsproceſs ſchon durch die Gene-

ralin-
*) Aeltere behaupten das Gegentheil. Vergl. Hal-
lacher
l. c. §. 5.
**) Das Gegentheil meynt mit andern Engau a. O.
§. 116.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <pb facs="#f0086" n="58"/>
                <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#i">I. Buch. II. Theil. I. Titel. VI. Ab&#x017F;chnitt.</hi> </fw><lb/>
                <div n="6">
                  <head>§. 74.</head><lb/>
                  <p>Die Verjährungszeit läuft von dem Mo-<lb/>
ment an, wo die Uebertretung geendigt i&#x017F;t.<lb/>
Die Verjährung fortge&#x017F;etzter Verbrechen läuft<lb/>
daher von der Endigung des letzten Aktes, die<lb/>
Verjährung des Ver&#x017F;uchs von der letzten Hand-<lb/>
lung, bey welcher der Ver&#x017F;uch &#x017F;tehen geblie-<lb/>
ben i&#x017F;t, das Verbrechen der Hülfslei&#x017F;tung bey<lb/>
einer fremden Uebertretung von der Zeit an,<lb/>
wo die Hülfe wirklich gelei&#x017F;tet wurde. Die<lb/>
Berechnungsart die&#x017F;es Zeitraums i&#x017F;t übrigens<lb/>
nicht blos in An&#x017F;ehung &#x017F;eines Anfangs, &#x017F;on-<lb/>
dern auch in An&#x017F;ehung der zu zählenden Zeit-<lb/>
theile, blos die natürliche (<hi rendition="#i">tempus naturale ra-<lb/>
tione initii-ratione cur&#x017F;us</hi>) <note place="foot" n="*)">Aeltere behaupten das Gegentheil. Vergl. <hi rendition="#g">Hal-<lb/>
lacher</hi> l. c. §. 5.</note>. Dabey kommt es<lb/>
nicht darauf an, ob es dem Gericht, während<lb/>
dem Zeitlauf möglich war, die Criminalge-<lb/>
walt gegen den Verbrecher auszuüben, oder<lb/>
nicht <note place="foot" n="**)">Das Gegentheil meynt mit andern <hi rendition="#g">Engau</hi> a. O.<lb/>
§. 116.</note>.</p>
                </div><lb/>
                <div n="6">
                  <head>§. 75.</head><lb/>
                  <p>2) Die Verjährungszeit darf nicht <hi rendition="#i">unter-<lb/>
brochen</hi> worden &#x017F;eyn. Sie wird unterbrochen<lb/>
durch jede Handlung der richterlichen Crimi-<lb/>
nalgewalt des Staats, welche in der Ab&#x017F;icht<lb/>
ge&#x017F;chieht, das begangene Verbrechen zu un-<lb/>
ter&#x017F;uchen und zu be&#x017F;trafen. Sie wird al&#x017F;o im<lb/>
Unter&#x017F;uchungsproce&#x017F;s &#x017F;chon durch die Gene-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">ralin-</fw><lb/></p>
                </div>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[58/0086] I. Buch. II. Theil. I. Titel. VI. Abſchnitt. §. 74. Die Verjährungszeit läuft von dem Mo- ment an, wo die Uebertretung geendigt iſt. Die Verjährung fortgeſetzter Verbrechen läuft daher von der Endigung des letzten Aktes, die Verjährung des Verſuchs von der letzten Hand- lung, bey welcher der Verſuch ſtehen geblie- ben iſt, das Verbrechen der Hülfsleiſtung bey einer fremden Uebertretung von der Zeit an, wo die Hülfe wirklich geleiſtet wurde. Die Berechnungsart dieſes Zeitraums iſt übrigens nicht blos in Anſehung ſeines Anfangs, ſon- dern auch in Anſehung der zu zählenden Zeit- theile, blos die natürliche (tempus naturale ra- tione initii-ratione curſus) *). Dabey kommt es nicht darauf an, ob es dem Gericht, während dem Zeitlauf möglich war, die Criminalge- walt gegen den Verbrecher auszuüben, oder nicht **). §. 75. 2) Die Verjährungszeit darf nicht unter- brochen worden ſeyn. Sie wird unterbrochen durch jede Handlung der richterlichen Crimi- nalgewalt des Staats, welche in der Abſicht geſchieht, das begangene Verbrechen zu un- terſuchen und zu beſtrafen. Sie wird alſo im Unterſuchungsproceſs ſchon durch die Gene- ralin- *) Aeltere behaupten das Gegentheil. Vergl. Hal- lacher l. c. §. 5. **) Das Gegentheil meynt mit andern Engau a. O. §. 116.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/86
Zitationshilfe: Feuerbach, Paul Johann Anselm von: Lehrbuch des gemeinen in Deutschland geltenden Peinlichen Rechts. Giessen, 1801, S. 58. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/feuerbach_recht_1801/86>, abgerufen am 15.10.2019.