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Fischer, Hermann: Die Werkzeugmaschinen. Bd. 1: Die Metallbearbeitungs-Maschinen. [Textband]. Berlin, 1900.

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Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung.

Es sei hier noch eines Weges gedacht, welcher bei Drehbänken ein-
geschlagen wird, um die Schäden, die durch Abnutzung der am Bett be-
findlichen Führungsflächen entstehen, weniger fühlbar zu machen. Das
Drehbankbett soll sowohl dem Bettschlitten Führung gewähren als auch
dem Reitstock eine genaue Stellung gegenüber dem Spindelstock geben.
Verwendet man die Flächen, auf welchen der Schlitten gleitet und welche
durch ihn abgenutzt werden, als Stützflächen für den Reitstock, so ist eine
genaue Lage desselben nicht zu erwarten. Deshalb bildet man am Bett
meistens besondere Flächen für den Reitstock, und andere für die Führung
des Schlittens aus. Unter allen Umständen sind solche doppelte Führungen
nöthig, wenn die Schweinsrückenform nach Fig. 107 gewählt wird. Die von
der Bettplatte herrührenden Abnutzungen der Schweinsrücken machen sich
in senkrechter Richtung sehr fühlbar. Eine Abweichung der Höhenlage des
Stichels um den Bruchtheil eines Millimeter ist zwar unwesentlich, nicht
aber eine gleiche Abweichung der Höhe der Reitstockspitze. Man findet

[Abbildung] Fig. 122.
[Abbildung] Fig. 123.
daher bei Verwendung solcher Führungen immer 4 Stäbe (vergl. Fig. 111),
von denen die beiden äusseren für die Bettplatte, die beiden inneren für
den Reitstock und auch wohl für den Spindelstock bestimmt sind. 1) Bei
den oben ebenen Drehbankbetten ist dieser Umstand weniger wichtig, weil
sie der Bettplatte in weit grösserer Breite als jene sich darbieten, also ent-
sprechend geringere Abnutzung erfahren. Trotzdem findet man auch bei
dieser Führungsform, nach Fig. 123, zwei äussere, wagerechte Flächen für
die Bettplatte und zwei innere, etwas tiefer liegende für Reitstock und
Spindelstock.

c) Das Bestimmen der Abmessungen

der führenden Theile soll an einigen Beispielen erläutert werden.

Es sei a, Fig. 124, das Bett einer Tischhobelmaschine, b der Tisch
derselben und c ein Werkstück, welches auf letzterem befestigt ist. Ein
Stichel s, welcher die obere Fläche des Werkstücks bearbeitet, übt auf
dieses den Druck P aus, welcher in den wagerechten Theil p und den loth-
rechten Zweig q zerfällt. Der wagerechte Druck p wird auf die eine der
Leisten, z. B. d, übertragen, und demgemäss ist die Flächengrösse dieser
Leiste zu wählen. In lothrechter Richtung drücken q und das Gewicht des
Werkstücks und Schlittens Q auf die Gleitbahnen.

Der wagerechte Druck p hat nicht allein Einfluss auf die Flächengrösse
von d, sondern auch auf die Vertheilung des lothrechten Druckes auf die
Gleitbahnen; er kann unter Umständen sogar den Tisch aufkippen. Letz-

1) Vergl. Drehbank von Fox, Verhandl. des Vereins z. Bef. d. Gewerbfl. in Preussen,
1831, S. 144, mit Abb.
Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung.

Es sei hier noch eines Weges gedacht, welcher bei Drehbänken ein-
geschlagen wird, um die Schäden, die durch Abnutzung der am Bett be-
findlichen Führungsflächen entstehen, weniger fühlbar zu machen. Das
Drehbankbett soll sowohl dem Bettschlitten Führung gewähren als auch
dem Reitstock eine genaue Stellung gegenüber dem Spindelstock geben.
Verwendet man die Flächen, auf welchen der Schlitten gleitet und welche
durch ihn abgenutzt werden, als Stützflächen für den Reitstock, so ist eine
genaue Lage desselben nicht zu erwarten. Deshalb bildet man am Bett
meistens besondere Flächen für den Reitstock, und andere für die Führung
des Schlittens aus. Unter allen Umständen sind solche doppelte Führungen
nöthig, wenn die Schweinsrückenform nach Fig. 107 gewählt wird. Die von
der Bettplatte herrührenden Abnutzungen der Schweinsrücken machen sich
in senkrechter Richtung sehr fühlbar. Eine Abweichung der Höhenlage des
Stichels um den Bruchtheil eines Millimeter ist zwar unwesentlich, nicht
aber eine gleiche Abweichung der Höhe der Reitstockspitze. Man findet

[Abbildung] Fig. 122.
[Abbildung] Fig. 123.
daher bei Verwendung solcher Führungen immer 4 Stäbe (vergl. Fig. 111),
von denen die beiden äusseren für die Bettplatte, die beiden inneren für
den Reitstock und auch wohl für den Spindelstock bestimmt sind. 1) Bei
den oben ebenen Drehbankbetten ist dieser Umstand weniger wichtig, weil
sie der Bettplatte in weit grösserer Breite als jene sich darbieten, also ent-
sprechend geringere Abnutzung erfahren. Trotzdem findet man auch bei
dieser Führungsform, nach Fig. 123, zwei äussere, wagerechte Flächen für
die Bettplatte und zwei innere, etwas tiefer liegende für Reitstock und
Spindelstock.

c) Das Bestimmen der Abmessungen

der führenden Theile soll an einigen Beispielen erläutert werden.

Es sei a, Fig. 124, das Bett einer Tischhobelmaschine, b der Tisch
derselben und c ein Werkstück, welches auf letzterem befestigt ist. Ein
Stichel s, welcher die obere Fläche des Werkstücks bearbeitet, übt auf
dieses den Druck P aus, welcher in den wagerechten Theil p und den loth-
rechten Zweig q zerfällt. Der wagerechte Druck p wird auf die eine der
Leisten, z. B. d, übertragen, und demgemäss ist die Flächengrösse dieser
Leiste zu wählen. In lothrechter Richtung drücken q und das Gewicht des
Werkstücks und Schlittens Q auf die Gleitbahnen.

Der wagerechte Druck p hat nicht allein Einfluss auf die Flächengrösse
von d, sondern auch auf die Vertheilung des lothrechten Druckes auf die
Gleitbahnen; er kann unter Umständen sogar den Tisch aufkippen. Letz-

1) Vergl. Drehbank von Fox, Verhandl. des Vereins z. Bef. d. Gewerbfl. in Preussen,
1831, S. 144, mit Abb.
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[66/0080] Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung. Es sei hier noch eines Weges gedacht, welcher bei Drehbänken ein- geschlagen wird, um die Schäden, die durch Abnutzung der am Bett be- findlichen Führungsflächen entstehen, weniger fühlbar zu machen. Das Drehbankbett soll sowohl dem Bettschlitten Führung gewähren als auch dem Reitstock eine genaue Stellung gegenüber dem Spindelstock geben. Verwendet man die Flächen, auf welchen der Schlitten gleitet und welche durch ihn abgenutzt werden, als Stützflächen für den Reitstock, so ist eine genaue Lage desselben nicht zu erwarten. Deshalb bildet man am Bett meistens besondere Flächen für den Reitstock, und andere für die Führung des Schlittens aus. Unter allen Umständen sind solche doppelte Führungen nöthig, wenn die Schweinsrückenform nach Fig. 107 gewählt wird. Die von der Bettplatte herrührenden Abnutzungen der Schweinsrücken machen sich in senkrechter Richtung sehr fühlbar. Eine Abweichung der Höhenlage des Stichels um den Bruchtheil eines Millimeter ist zwar unwesentlich, nicht aber eine gleiche Abweichung der Höhe der Reitstockspitze. Man findet [Abbildung Fig. 122.] [Abbildung Fig. 123.] daher bei Verwendung solcher Führungen immer 4 Stäbe (vergl. Fig. 111), von denen die beiden äusseren für die Bettplatte, die beiden inneren für den Reitstock und auch wohl für den Spindelstock bestimmt sind. 1) Bei den oben ebenen Drehbankbetten ist dieser Umstand weniger wichtig, weil sie der Bettplatte in weit grösserer Breite als jene sich darbieten, also ent- sprechend geringere Abnutzung erfahren. Trotzdem findet man auch bei dieser Führungsform, nach Fig. 123, zwei äussere, wagerechte Flächen für die Bettplatte und zwei innere, etwas tiefer liegende für Reitstock und Spindelstock. c) Das Bestimmen der Abmessungen der führenden Theile soll an einigen Beispielen erläutert werden. Es sei a, Fig. 124, das Bett einer Tischhobelmaschine, b der Tisch derselben und c ein Werkstück, welches auf letzterem befestigt ist. Ein Stichel s, welcher die obere Fläche des Werkstücks bearbeitet, übt auf dieses den Druck P aus, welcher in den wagerechten Theil p und den loth- rechten Zweig q zerfällt. Der wagerechte Druck p wird auf die eine der Leisten, z. B. d, übertragen, und demgemäss ist die Flächengrösse dieser Leiste zu wählen. In lothrechter Richtung drücken q und das Gewicht des Werkstücks und Schlittens Q auf die Gleitbahnen. Der wagerechte Druck p hat nicht allein Einfluss auf die Flächengrösse von d, sondern auch auf die Vertheilung des lothrechten Druckes auf die Gleitbahnen; er kann unter Umständen sogar den Tisch aufkippen. Letz- 1) Vergl. Drehbank von Fox, Verhandl. des Vereins z. Bef. d. Gewerbfl. in Preussen, 1831, S. 144, mit Abb.

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Zitationshilfe: Fischer, Hermann: Die Werkzeugmaschinen. Bd. 1: Die Metallbearbeitungs-Maschinen. [Textband]. Berlin, 1900, S. 66. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fischer_werkzeugmaschinen01_1900/80>, abgerufen am 21.07.2019.