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Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719.

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[Spaltenumbruch] Die Federn sind unten am Kiehle hor-
nigt und hohl, am Leibe wolligt, die Wär-
me zu conserviren. Als nun eine Hen-
ne und einen Hahn reinlich abrupffen
lassen, und zu mehrerer Gewißheit mei-
nem Phasian-Wärther Christoph Schwa-
nebecken, weil dieser aus Erfahrung der
vielfältig unter sich habenden Eyern und
Hühnern das beste Zeugniß geben kön-
nen, darbey zugegen hatte, wurde die
Haut dieser Hennen aufgescherffet, wel-
che zu beyden Seiten der Brust sonderli-
che Adern hatte. Sie war unten dicke
am Lege-Bauch gewachsen, und hatte
unterschiedliches Fett an der Spitze des
Brust-Beins zu beyden Seiten. Der
Schlund oder Eyer-Darm, welcher un-
ter dem Stertz oder Schwantz befindlich,
und in die Quere gewachsen, war von
der Natur mit einem rothen Häutgen
am Ende versehen: Als der Lege-Bauch
geöffnet, welcher inwendig sehr fett war,
lagen die Därme herumb gewunden;
da man hierauff den Brust-Knochen
aufgebrochen, welcher sehr feste verwach-
sen war, sahe man zwar kein eigentliches
Zwergfell, aber ein starckverwachsenes
Fett. Als man unter dem Schnabel
die Haut eröffnet, lag die Zunge drey-
eckigt, welche hinten kleine Wiederha-
cken hatte, und stachlicht war. Man
schlitzte ferner den Schlund auf, welcher
am Halse hinunter biß in den Kropff
gienge, woselbst die Nahrung gesamm-
let; von diesem Kropff gieng ferner der
Ductus nach dem Magen, durch eine en-
ge Röhre über dem Hertzen. Das Hertz
war mit starcken Adern versehen, darin-
nen viel geronnen Geblüte, sonst aber
wie gewöhnlich, formiret, und sehr feiste
verwachsen war, hatte aber keine Lun-
ge: Die Leber hatte drey Lobos: Als
man den Schlund mit dem Magen her-
aus gerissen, war der Magen sehr fett
allenthalben umbwachsen, da der Ma-
gen geöffnet, waren inwendig kleine Kie-
sel-Steingen, wie eckigte Perlen, in gros-
ser Menge, weiß und scharff zu sehen,
welche, wie vormahls gemeldet, die Nah-
rung zermalmen. Die Haut des Ma-
gens war inwendig gelb, mit vielen Run-
tzeln und Falten, zur Concoction dienlich,
versehen, oben und unten aber mit meh-
rern Fachen, den Chylum desto mehr zu
conserviren; Oben gieng zur andern
Seiten der Mast-Darm in das Gedär-
me: Auswendig war der Magen zu bey-
den Seiten mit starckem Fleische verwach-
[Spaltenumbruch] sen, mit einer blaulichten Haut über-
zogen, und durch starcke breite fleischigte
Drüsen umbfasset. Der Darm vom
Magen gieng ferner umbwunden biß
zum Ausgange, woselbst er nicht weit
davon zwey blinde Därme hatte. Der
vormahls erwehnte Schlund oder das
weibliche Glied hatte zwey Exitus oder
Ausgänge. Unterwerts gieng der Darm
der Excrementen vom Magen: Ober-
werts nach dem Rücken zu gieng die Röh-
re in die Mutter, allwo die zur Geburt
zeitigen Eyer liegen, welche mit unzeh-
ligen Adern zusammen gefüget waren.
Uber demselben lagen unzehliche von
vielerley Grösse unreiffe Eyergen, deren
einige als Bohnen, einige als Erbsen,
auch grösser und kleiner zu sehen waren.
Auswendig waren diese Eyergen mit
vielen Adern nach dem Eyerstock ange-
wachsen, deren man eins eröffnete, wor-
innen eine Wachsgelbe Materie befind-
lich, als solche anfänglich seciret, war sie
flüßig, da sie aber erkaltet, wie geron-
nen Wachs, gantz zähe: Die andern klei-
nen waren unzeitig, nach deren Eröff-
nung sie blutige, die allerkleinesten aber
weisse schleimigte Materie hatten. Der
gantze Eyerstock war an dem Rückgrad
und die Nieren angewachsen, welches
von der Natur mit unzehligem kleinen
Saamen, als Hiersche-Körner versehen.
Zu jeder Seiten hatte die Henne sechs
doppelt gelenckete Ribben. Oberwerts
zu beyden Seiten des Halses, hatte die
Natur durch starcke Flechsen die Flügel
in die Gelencke annectiret, welche gleich-
sam als Arme ihre Ellbogen und Knö-
chel hatten, an deren Musculorum Aus-
gange die Stoppeln, oder Wurtzel-Fe-
dern stunden, und hatte ein jeder Flügel
zehen Schwinge-Federn, und zehen
Flug-Federn, deren die längsten an dem
ausersten Glied, die andern aber biß an
Ellbogen heraus stunden, den Flug de-
sto fertiger, sicherer und gewisser zu ver-
richten, welche Flügel oberwerts mit
unzehlichen mittlern und kleineren Fe-
dern bedecket, und verwahret waren.
Die Schenckel oder Beine waren nach
dem Creutz und Rückgrad ebenfalls durch
starcke Flechsen angefesselt, allwo, wie
bey denen vierfüßigen Thieren, die Käu-
le mit der Kugel in die Pfanne ordini-
ret, gar deutlich zu sehen war, welcher
Schenckel von starcken Musculis ver-
wahret war. Der Stertz war hinten
zu Ende des Rückgrads fett verwachsen,

über

Anderer Theil/
[Spaltenumbruch] Die Federn ſind unten am Kiehle hor-
nigt und hohl, am Leibe wolligt, die Waͤr-
me zu conſerviren. Als nun eine Hen-
ne und einen Hahn reinlich abrupffen
laſſen, und zu mehrerer Gewißheit mei-
nem Phaſian-Waͤrther Chriſtoph Schwa-
nebecken, weil dieſer aus Erfahrung der
vielfaͤltig unter ſich habenden Eyern und
Huͤhnern das beſte Zeugniß geben koͤn-
nen, darbey zugegen hatte, wurde die
Haut dieſer Hennen aufgeſcherffet, wel-
che zu beyden Seiten der Bruſt ſonderli-
che Adern hatte. Sie war unten dicke
am Lege-Bauch gewachſen, und hatte
unterſchiedliches Fett an der Spitze des
Bruſt-Beins zu beyden Seiten. Der
Schlund oder Eyer-Darm, welcher un-
ter dem Stertz oder Schwantz befindlich,
und in die Quere gewachſen, war von
der Natur mit einem rothen Haͤutgen
am Ende verſehen: Als der Lege-Bauch
geoͤffnet, welcher inwendig ſehr fett war,
lagen die Daͤrme herumb gewunden;
da man hierauff den Bruſt-Knochen
aufgebrochen, welcher ſehr feſte verwach-
ſen war, ſahe man zwar kein eigentliches
Zwergfell, aber ein ſtarckverwachſenes
Fett. Als man unter dem Schnabel
die Haut eroͤffnet, lag die Zunge drey-
eckigt, welche hinten kleine Wiederha-
cken hatte, und ſtachlicht war. Man
ſchlitzte ferner den Schlund auf, welcher
am Halſe hinunter biß in den Kropff
gienge, woſelbſt die Nahrung geſamm-
let; von dieſem Kropff gieng ferner der
Ductus nach dem Magen, durch eine en-
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war mit ſtarcken Adern verſehen, darin-
nen viel geronnen Gebluͤte, ſonſt aber
wie gewoͤhnlich, formiret, und ſehr feiſte
verwachſen war, hatte aber keine Lun-
ge: Die Leber hatte drey Lobos: Als
man den Schlund mit dem Magen her-
aus geriſſen, war der Magen ſehr fett
allenthalben umbwachſen, da der Ma-
gen geoͤffnet, waren inwendig kleine Kie-
ſel-Steingen, wie eckigte Perlen, in groſ-
ſer Menge, weiß und ſcharff zu ſehen,
welche, wie vormahls gemeldet, die Nah-
rung zermalmen. Die Haut des Ma-
gens war inwendig gelb, mit vielen Run-
tzeln und Falten, zur Concoction dienlich,
verſehen, oben und unten aber mit meh-
rern Fachen, den Chylum deſto mehr zu
conſerviren; Oben gieng zur andern
Seiten der Maſt-Darm in das Gedaͤr-
me: Auswendig war der Magen zu bey-
den Seiten mit ſtarckem Fleiſche verwach-
[Spaltenumbruch] ſen, mit einer blaulichten Haut uͤber-
zogen, und durch ſtarcke breite fleiſchigte
Druͤſen umbfaſſet. Der Darm vom
Magen gieng ferner umbwunden biß
zum Ausgange, woſelbſt er nicht weit
davon zwey blinde Daͤrme hatte. Der
vormahls erwehnte Schlund oder das
weibliche Glied hatte zwey Exitus oder
Ausgaͤnge. Unterwerts gieng der Darm
der Excrementen vom Magen: Ober-
werts nach dem Ruͤcken zu gieng die Roͤh-
re in die Mutter, allwo die zur Geburt
zeitigen Eyer liegen, welche mit unzeh-
ligen Adern zuſammen gefuͤget waren.
Uber demſelben lagen unzehliche von
vielerley Groͤſſe unreiffe Eyergen, deren
einige als Bohnen, einige als Erbſen,
auch groͤſſer und kleiner zu ſehen waren.
Auswendig waren dieſe Eyergen mit
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wachſen, deren man eins eroͤffnete, wor-
innen eine Wachsgelbe Materie befind-
lich, als ſolche anfaͤnglich ſeciret, war ſie
fluͤßig, da ſie aber erkaltet, wie geron-
nen Wachs, gantz zaͤhe: Die andern klei-
nen waren unzeitig, nach deren Eroͤff-
nung ſie blutige, die allerkleineſten aber
weiſſe ſchleimigte Materie hatten. Der
gantze Eyerſtock war an dem Ruͤckgrad
und die Nieren angewachſen, welches
von der Natur mit unzehligem kleinen
Saamen, als Hierſche-Koͤrner verſehen.
Zu jeder Seiten hatte die Henne ſechs
doppelt gelenckete Ribben. Oberwerts
zu beyden Seiten des Halſes, hatte die
Natur durch ſtarcke Flechſen die Fluͤgel
in die Gelencke annectiret, welche gleich-
ſam als Arme ihre Ellbogen und Knoͤ-
chel hatten, an deren Muſculorum Aus-
gange die Stoppeln, oder Wurtzel-Fe-
dern ſtunden, und hatte ein jeder Fluͤgel
zehen Schwinge-Federn, und zehen
Flug-Federn, deren die laͤngſten an dem
auſerſten Glied, die andern aber biß an
Ellbogen heraus ſtunden, den Flug de-
ſto fertiger, ſicherer und gewiſſer zu ver-
richten, welche Fluͤgel oberwerts mit
unzehlichen mittlern und kleineren Fe-
dern bedecket, und verwahret waren.
Die Schenckel oder Beine waren nach
dem Creutz und Ruͤckgrad ebenfalls durch
ſtarcke Flechſen angefeſſelt, allwo, wie
bey denen vierfuͤßigen Thieren, die Kaͤu-
le mit der Kugel in die Pfanne ordini-
ret, gar deutlich zu ſehen war, welcher
Schenckel von ſtarcken Muſculis ver-
wahret war. Der Stertz war hinten
zu Ende des Ruͤckgrads fett verwachſen,

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Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719, S. 162. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/280>, abgerufen am 17.06.2019.