Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719.

Bild:
<< vorherige Seite

Fünffter Theil/
[Spaltenumbruch] viers, als auch dessen unterhabenden För-
stern ausführliche Abrede nehmen, am
allersichersten aber mit ihnen zugleich hin-
aus reiten, den Ort und Stelle mit ih-
nen selbst in Augenschein nehmen, sich
darbey erkundigen, ob auf ihrem Revier
Gelegenheit verhanden, ein Jagen zu
machen, auch was, und wieviel Wild-
präth wohl eigentlich verhanden, sich von
ihnen schrifftlich geben lassen, nicht weni-
ger Erkundigung einziehen, wo und an
welcher Gegend zum ersten das Jagen zu
fassen, oder anzufangen, welcher Weg
zum Haupt-Flügel zu nehmen; Wohin
der Lauff-Platz komme; Ob genung
Dickigte und Wasser im Abjagen verhan-
den. Wie viel Fuder Zeug ins gantze
des Jagens kommen; An welchen Ort
der Zeug zu rücken: Wo das Jagd-La-
ger und ob alles nöthige darbey sey; Wo
der Hunde Qvartier zum Abjagen; Ob
viel verlohrne Treiben zu machen, und
welche Büsche zu nehmen seyen; Jn wie
viel Posten der Zeug gerichtet; Ob Eckern
zur Kirrung, und ob sie lange gekirret
seyen; Wie viel sie Kirr-Plätze, was sie
vor Kirrung haben, auch ob viel Vor-
rath verhanden; Ob unter das Wild-
präth offte sehr geschossen, oder gehetzet
worden sey: Beym neu gefallenen Schnee
ist wohl zu spühren, doch bleibet alles
Wild, die ersten drey Tage im Lager,
und hungert lieber, als daß es sich mit
[Spaltenumbruch] der Spuhr verrathen solte; Wo der
Zeug von einander zu binden, und wie
der Ort heisse; So muß man von da al-
so ferner die gantze Circumferenz umb-
her richtig abschreiten, oder nach des
Pferdes Schritt bereiten, wie viel Fu-
der Zeug man eigentlich benöthiget, dar-
bey alle vorfallende Dinge observiren,
befragen und notiren, auch den Abja-
gungs-Flügel, wie viel solcher Zeug be-
nöthiget, abschreiten, und bemercken,
und dergleichen vorfallende nöthige Er-
rinnerungen mehr, welches er in etlichen
wenigen Tagen, alles genau erkundigen
kan. Hierbey wird nun wohl der Hoff-
Jäger durch vielfältige Merckmahle ver-
stehen können, ob sie das Jagen auff ih-
rem Revier gerne sehen, was sie hiervon
vor Meynung, und wie sie es anstellen
wolten, oder was sie für practicabele
Vorschläge vorbringen werden; Fin-
det nun der Hoff-Jäger solche billig, so
kan er, wo es möglich, ihre Raison acce-
pti
ren, wann er zumahl höfflig ange-
nommen wird: Sehen sie aber das Ja-
gen nicht gerne, oder führen sich brutal
gegen ihn auf, und geben ihm keine rech-
te Nachricht, ist ihm gar nicht zu verden-
cken, wann er bey andern Leuten von al-
lem heimliche und genauere Erkundi-
gung einziehet, das beste heraus nimmet,
und seine Meynung darnach zu richten
vor sich behält

Von Aenderung des Wetters.
[Spaltenumbruch]

Vorhero, und ehe wir das würckli-
che Jagen zu beschreiben anfangen, finde
gar nöthig zu seyn, von Aenderung des
Wetters, so viel man Zeithero in acht ge-
nommen, hierbey etwas zu schreiben. Es
ist nicht wenig daran gelegen bey vorha-
bendem Jagen, daß ein vernünfftiger
Jäger nach den Jahres-Zeiten die gros-
sen Land-Regen und Sturmwinde, oder
andere Vorbothen des Gewitters aus de-
nen Himmlischen Merckmahlen, wegen
Verwahrung des Jagd-Gezeuges, und
anderer Geräthschafft, vorhero bey Zei-
ten wahr nehmen, und mit Gelegenheit
vorkommen könne; Jndem bekant, was
bey grossen Jagden die Aenderung des
Wetters durch Regen und Wind für
grossen Schaden, und viele Verhinder-
nisse zu verursachen pflegen. Ja es ist
wohl unlaugbahr, daß die liebe Sonne
mit ihren lebendigmachenden Strahlen
[Spaltenumbruch] und sonderbahrer Krafft die Pflantzen,
Gewächse, Bäume und Thiere, erqvi-
cke, nehre und vermehre; Nicht weni-
ger der Mond alles dasjenige durch sei-
ne Ab- und zunehmende Krafft wunder-
sam verändere, welches die lieben Alten
auf folgende Weiß in acht genommen.

Wann es Regnen soll.

So pfleget das Gemäuer an Wän-
den anzufangen zu schwitzen; Der Ruß
aus dem Cammin zu fallen, auch krie-
chen die Regenwürmer häuffig aus der
Erde; Die Sonne und der Mond ge-
hen trübe und neblich auf; Auch wann
die Sonne heiß stechend scheinet, und die
Fliegen und Mücken sehr stechen. Wann
die Fische im Wasser hoch gehen, und
springen; Die Katzen sich lecken und pu-
tzen; Die Wilde Gänse ohne Ordnung
hoch und stille fort fliegen; Die Bienen

aus

Fuͤnffter Theil/
[Spaltenumbruch] viers, als auch deſſen unterhabenden Foͤr-
ſtern ausfuͤhrliche Abrede nehmen, am
allerſicherſten aber mit ihnen zugleich hin-
aus reiten, den Ort und Stelle mit ih-
nen ſelbſt in Augenſchein nehmen, ſich
darbey erkundigen, ob auf ihrem Revier
Gelegenheit verhanden, ein Jagen zu
machen, auch was, und wieviel Wild-
praͤth wohl eigentlich verhanden, ſich von
ihnen ſchrifftlich geben laſſen, nicht weni-
ger Erkundigung einziehen, wo und an
welcher Gegend zum erſten das Jagen zu
faſſen, oder anzufangen, welcher Weg
zum Haupt-Fluͤgel zu nehmen; Wohin
der Lauff-Platz komme; Ob genung
Dickigte und Waſſer im Abjagen verhan-
den. Wie viel Fuder Zeug ins gantze
des Jagens kommen; An welchen Ort
der Zeug zu ruͤcken: Wo das Jagd-La-
ger und ob alles noͤthige darbey ſey; Wo
der Hunde Qvartier zum Abjagen; Ob
viel verlohrne Treiben zu machen, und
welche Buͤſche zu nehmen ſeyen; Jn wie
viel Poſten der Zeug gerichtet; Ob Eckern
zur Kirrung, und ob ſie lange gekirret
ſeyen; Wie viel ſie Kirr-Plaͤtze, was ſie
vor Kirrung haben, auch ob viel Vor-
rath verhanden; Ob unter das Wild-
praͤth offte ſehr geſchoſſen, oder gehetzet
worden ſey: Beym neu gefallenen Schnee
iſt wohl zu ſpuͤhren, doch bleibet alles
Wild, die erſten drey Tage im Lager,
und hungert lieber, als daß es ſich mit
[Spaltenumbruch] der Spuhr verrathen ſolte; Wo der
Zeug von einander zu binden, und wie
der Ort heiſſe; So muß man von da al-
ſo ferner die gantze Circumferenz umb-
her richtig abſchreiten, oder nach des
Pferdes Schritt bereiten, wie viel Fu-
der Zeug man eigentlich benoͤthiget, dar-
bey alle vorfallende Dinge obſerviren,
befragen und notiren, auch den Abja-
gungs-Fluͤgel, wie viel ſolcher Zeug be-
noͤthiget, abſchreiten, und bemercken,
und dergleichen vorfallende noͤthige Er-
rinnerungen mehr, welches er in etlichen
wenigen Tagen, alles genau erkundigen
kan. Hierbey wird nun wohl der Hoff-
Jaͤger durch vielfaͤltige Merckmahle ver-
ſtehen koͤnnen, ob ſie das Jagen auff ih-
rem Revier gerne ſehen, was ſie hiervon
vor Meynung, und wie ſie es anſtellen
wolten, oder was ſie fuͤr practicabele
Vorſchlaͤge vorbringen werden; Fin-
det nun der Hoff-Jaͤger ſolche billig, ſo
kan er, wo es moͤglich, ihre Raiſon acce-
pti
ren, wann er zumahl hoͤfflig ange-
nommen wird: Sehen ſie aber das Ja-
gen nicht gerne, oder fuͤhren ſich brutal
gegen ihn auf, und geben ihm keine rech-
te Nachricht, iſt ihm gar nicht zu verden-
cken, wann er bey andern Leuten von al-
lem heimliche und genauere Erkundi-
gung einziehet, das beſte heraus nimmet,
und ſeine Meynung darnach zu richten
vor ſich behaͤlt

Von Aenderung des Wetters.
[Spaltenumbruch]

Vorhero, und ehe wir das wuͤrckli-
che Jagen zu beſchreiben anfangen, finde
gar noͤthig zu ſeyn, von Aenderung des
Wetters, ſo viel man Zeithero in acht ge-
nommen, hierbey etwas zu ſchreiben. Es
iſt nicht wenig daran gelegen bey vorha-
bendem Jagen, daß ein vernuͤnfftiger
Jaͤger nach den Jahres-Zeiten die groſ-
ſen Land-Regen und Sturmwinde, oder
andere Vorbothen des Gewitters aus de-
nen Himmliſchen Merckmahlen, wegen
Verwahrung des Jagd-Gezeuges, und
anderer Geraͤthſchafft, vorhero bey Zei-
ten wahr nehmen, und mit Gelegenheit
vorkommen koͤnne; Jndem bekant, was
bey groſſen Jagden die Aenderung des
Wetters durch Regen und Wind fuͤr
groſſen Schaden, und viele Verhinder-
niſſe zu verurſachen pflegen. Ja es iſt
wohl unlaugbahr, daß die liebe Sonne
mit ihren lebendigmachenden Strahlen
[Spaltenumbruch] und ſonderbahrer Krafft die Pflantzen,
Gewaͤchſe, Baͤume und Thiere, erqvi-
cke, nehre und vermehre; Nicht weni-
ger der Mond alles dasjenige durch ſei-
ne Ab- und zunehmende Krafft wunder-
ſam veraͤndere, welches die lieben Alten
auf folgende Weiß in acht genommen.

Wann es Regnen ſoll.

So pfleget das Gemaͤuer an Waͤn-
den anzufangen zu ſchwitzen; Der Ruß
aus dem Cammin zu fallen, auch krie-
chen die Regenwuͤrmer haͤuffig aus der
Erde; Die Sonne und der Mond ge-
hen truͤbe und neblich auf; Auch wann
die Sonne heiß ſtechend ſcheinet, und die
Fliegen und Muͤcken ſehr ſtechen. Wann
die Fiſche im Waſſer hoch gehen, und
ſpringen; Die Katzen ſich lecken und pu-
tzen; Die Wilde Gaͤnſe ohne Ordnung
hoch und ſtille fort fliegen; Die Bienen

aus
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0408" n="268"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Fu&#x0364;nffter Theil/</hi></fw><lb/><cb/><hi rendition="#aq">viers,</hi> als auch de&#x017F;&#x017F;en unterhabenden Fo&#x0364;r-<lb/>
&#x017F;tern ausfu&#x0364;hrliche Abrede nehmen, am<lb/>
aller&#x017F;icher&#x017F;ten aber mit ihnen zugleich hin-<lb/>
aus reiten, den Ort und Stelle mit ih-<lb/>
nen &#x017F;elb&#x017F;t in Augen&#x017F;chein nehmen, &#x017F;ich<lb/>
darbey erkundigen, ob auf ihrem <hi rendition="#aq">Revier</hi><lb/>
Gelegenheit verhanden, ein Jagen zu<lb/>
machen, auch was, und wieviel Wild-<lb/>
pra&#x0364;th wohl eigentlich verhanden, &#x017F;ich von<lb/>
ihnen &#x017F;chrifftlich geben la&#x017F;&#x017F;en, nicht weni-<lb/>
ger Erkundigung einziehen, wo und an<lb/>
welcher Gegend zum er&#x017F;ten das Jagen zu<lb/>
fa&#x017F;&#x017F;en, oder anzufangen, welcher Weg<lb/>
zum Haupt-Flu&#x0364;gel zu nehmen; Wohin<lb/>
der Lauff-Platz komme; Ob genung<lb/>
Dickigte und Wa&#x017F;&#x017F;er im Abjagen verhan-<lb/>
den. Wie viel Fuder Zeug ins gantze<lb/>
des Jagens kommen; An welchen Ort<lb/>
der Zeug zu ru&#x0364;cken: Wo das Jagd-La-<lb/>
ger und ob alles no&#x0364;thige darbey &#x017F;ey; Wo<lb/>
der Hunde <hi rendition="#aq">Qvartier</hi> zum Abjagen; Ob<lb/>
viel verlohrne Treiben zu machen, und<lb/>
welche Bu&#x0364;&#x017F;che zu nehmen &#x017F;eyen; Jn wie<lb/>
viel Po&#x017F;ten der Zeug gerichtet; Ob Eckern<lb/>
zur Kirrung, und ob &#x017F;ie lange gekirret<lb/>
&#x017F;eyen; Wie viel &#x017F;ie Kirr-Pla&#x0364;tze, was &#x017F;ie<lb/>
vor Kirrung haben, auch ob viel Vor-<lb/>
rath verhanden; Ob unter das Wild-<lb/>
pra&#x0364;th offte &#x017F;ehr ge&#x017F;cho&#x017F;&#x017F;en, oder gehetzet<lb/>
worden &#x017F;ey: Beym neu gefallenen Schnee<lb/>
i&#x017F;t wohl zu &#x017F;pu&#x0364;hren, doch bleibet alles<lb/>
Wild, die er&#x017F;ten drey Tage im Lager,<lb/>
und hungert lieber, als daß es &#x017F;ich mit<lb/><cb/>
der Spuhr verrathen &#x017F;olte; Wo der<lb/>
Zeug von einander zu binden, und wie<lb/>
der Ort hei&#x017F;&#x017F;e; So muß man von da al-<lb/>
&#x017F;o ferner die gantze <hi rendition="#aq">Circumferenz</hi> umb-<lb/>
her richtig ab&#x017F;chreiten, oder nach des<lb/>
Pferdes Schritt bereiten, wie viel Fu-<lb/>
der Zeug man eigentlich beno&#x0364;thiget, dar-<lb/>
bey alle vorfallende Dinge <hi rendition="#aq">ob&#x017F;ervi</hi>ren,<lb/>
befragen und <hi rendition="#aq">noti</hi>ren, auch den Abja-<lb/>
gungs-Flu&#x0364;gel, wie viel &#x017F;olcher Zeug be-<lb/>
no&#x0364;thiget, ab&#x017F;chreiten, und bemercken,<lb/>
und dergleichen vorfallende no&#x0364;thige Er-<lb/>
rinnerungen mehr, welches er in etlichen<lb/>
wenigen Tagen, alles genau erkundigen<lb/>
kan. Hierbey wird nun wohl der Hoff-<lb/>
Ja&#x0364;ger durch vielfa&#x0364;ltige Merckmahle ver-<lb/>
&#x017F;tehen ko&#x0364;nnen, ob &#x017F;ie das Jagen auff ih-<lb/>
rem <hi rendition="#aq">Revier</hi> gerne &#x017F;ehen, was &#x017F;ie hiervon<lb/>
vor Meynung, und wie &#x017F;ie es an&#x017F;tellen<lb/>
wolten, oder was &#x017F;ie fu&#x0364;r <hi rendition="#aq">practicab</hi>ele<lb/>
Vor&#x017F;chla&#x0364;ge vorbringen werden; Fin-<lb/>
det nun der Hoff-Ja&#x0364;ger &#x017F;olche billig, &#x017F;o<lb/>
kan er, wo es mo&#x0364;glich, ihre <hi rendition="#aq">Rai&#x017F;on acce-<lb/>
pti</hi>ren, wann er zumahl ho&#x0364;fflig ange-<lb/>
nommen wird: Sehen &#x017F;ie aber das Ja-<lb/>
gen nicht gerne, oder fu&#x0364;hren &#x017F;ich <hi rendition="#aq">brutal</hi><lb/>
gegen ihn auf, und geben ihm keine rech-<lb/>
te Nachricht, i&#x017F;t ihm gar nicht zu verden-<lb/>
cken, wann er bey andern Leuten von al-<lb/>
lem heimliche und genauere Erkundi-<lb/>
gung einziehet, das be&#x017F;te heraus nimmet,<lb/>
und &#x017F;eine Meynung darnach zu richten<lb/>
vor &#x017F;ich beha&#x0364;lt</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Von Aenderung des Wetters.</hi> </head><lb/>
          <cb/>
          <p>Vorhero, und ehe wir das wu&#x0364;rckli-<lb/>
che Jagen zu be&#x017F;chreiben anfangen, finde<lb/>
gar no&#x0364;thig zu &#x017F;eyn, von Aenderung des<lb/>
Wetters, &#x017F;o viel man Zeithero in acht ge-<lb/>
nommen, hierbey etwas zu &#x017F;chreiben. Es<lb/>
i&#x017F;t nicht wenig daran gelegen bey vorha-<lb/>
bendem Jagen, daß ein vernu&#x0364;nfftiger<lb/>
Ja&#x0364;ger nach den Jahres-Zeiten die gro&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en Land-Regen und Sturmwinde, oder<lb/>
andere Vorbothen des Gewitters aus de-<lb/>
nen Himmli&#x017F;chen Merckmahlen, wegen<lb/>
Verwahrung des Jagd-Gezeuges, und<lb/>
anderer Gera&#x0364;th&#x017F;chafft, vorhero bey Zei-<lb/>
ten wahr nehmen, und mit Gelegenheit<lb/>
vorkommen ko&#x0364;nne; Jndem bekant, was<lb/>
bey gro&#x017F;&#x017F;en Jagden die Aenderung des<lb/>
Wetters durch Regen und Wind fu&#x0364;r<lb/>
gro&#x017F;&#x017F;en Schaden, und viele Verhinder-<lb/>
ni&#x017F;&#x017F;e zu verur&#x017F;achen pflegen. Ja es i&#x017F;t<lb/>
wohl unlaugbahr, daß die liebe Sonne<lb/>
mit ihren lebendigmachenden Strahlen<lb/><cb/>
und &#x017F;onderbahrer Krafft die Pflantzen,<lb/>
Gewa&#x0364;ch&#x017F;e, Ba&#x0364;ume und Thiere, erqvi-<lb/>
cke, nehre und vermehre; Nicht weni-<lb/>
ger der Mond alles dasjenige durch &#x017F;ei-<lb/>
ne Ab- und zunehmende Krafft wunder-<lb/>
&#x017F;am vera&#x0364;ndere, welches die lieben Alten<lb/>
auf folgende Weiß in acht genommen.</p><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b">Wann es Regnen &#x017F;oll.</hi> </head><lb/>
            <p>So pfleget das Gema&#x0364;uer an Wa&#x0364;n-<lb/>
den anzufangen zu &#x017F;chwitzen; Der Ruß<lb/>
aus dem Cammin zu fallen, auch krie-<lb/>
chen die Regenwu&#x0364;rmer ha&#x0364;uffig aus der<lb/>
Erde; Die Sonne und der Mond ge-<lb/>
hen tru&#x0364;be und neblich auf; Auch wann<lb/>
die Sonne heiß &#x017F;techend &#x017F;cheinet, und die<lb/>
Fliegen und Mu&#x0364;cken &#x017F;ehr &#x017F;techen. Wann<lb/>
die Fi&#x017F;che im Wa&#x017F;&#x017F;er hoch gehen, und<lb/>
&#x017F;pringen; Die Katzen &#x017F;ich lecken und pu-<lb/>
tzen; Die Wilde Ga&#x0364;n&#x017F;e ohne Ordnung<lb/>
hoch und &#x017F;tille fort fliegen; Die Bienen<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">aus</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[268/0408] Fuͤnffter Theil/ viers, als auch deſſen unterhabenden Foͤr- ſtern ausfuͤhrliche Abrede nehmen, am allerſicherſten aber mit ihnen zugleich hin- aus reiten, den Ort und Stelle mit ih- nen ſelbſt in Augenſchein nehmen, ſich darbey erkundigen, ob auf ihrem Revier Gelegenheit verhanden, ein Jagen zu machen, auch was, und wieviel Wild- praͤth wohl eigentlich verhanden, ſich von ihnen ſchrifftlich geben laſſen, nicht weni- ger Erkundigung einziehen, wo und an welcher Gegend zum erſten das Jagen zu faſſen, oder anzufangen, welcher Weg zum Haupt-Fluͤgel zu nehmen; Wohin der Lauff-Platz komme; Ob genung Dickigte und Waſſer im Abjagen verhan- den. Wie viel Fuder Zeug ins gantze des Jagens kommen; An welchen Ort der Zeug zu ruͤcken: Wo das Jagd-La- ger und ob alles noͤthige darbey ſey; Wo der Hunde Qvartier zum Abjagen; Ob viel verlohrne Treiben zu machen, und welche Buͤſche zu nehmen ſeyen; Jn wie viel Poſten der Zeug gerichtet; Ob Eckern zur Kirrung, und ob ſie lange gekirret ſeyen; Wie viel ſie Kirr-Plaͤtze, was ſie vor Kirrung haben, auch ob viel Vor- rath verhanden; Ob unter das Wild- praͤth offte ſehr geſchoſſen, oder gehetzet worden ſey: Beym neu gefallenen Schnee iſt wohl zu ſpuͤhren, doch bleibet alles Wild, die erſten drey Tage im Lager, und hungert lieber, als daß es ſich mit der Spuhr verrathen ſolte; Wo der Zeug von einander zu binden, und wie der Ort heiſſe; So muß man von da al- ſo ferner die gantze Circumferenz umb- her richtig abſchreiten, oder nach des Pferdes Schritt bereiten, wie viel Fu- der Zeug man eigentlich benoͤthiget, dar- bey alle vorfallende Dinge obſerviren, befragen und notiren, auch den Abja- gungs-Fluͤgel, wie viel ſolcher Zeug be- noͤthiget, abſchreiten, und bemercken, und dergleichen vorfallende noͤthige Er- rinnerungen mehr, welches er in etlichen wenigen Tagen, alles genau erkundigen kan. Hierbey wird nun wohl der Hoff- Jaͤger durch vielfaͤltige Merckmahle ver- ſtehen koͤnnen, ob ſie das Jagen auff ih- rem Revier gerne ſehen, was ſie hiervon vor Meynung, und wie ſie es anſtellen wolten, oder was ſie fuͤr practicabele Vorſchlaͤge vorbringen werden; Fin- det nun der Hoff-Jaͤger ſolche billig, ſo kan er, wo es moͤglich, ihre Raiſon acce- ptiren, wann er zumahl hoͤfflig ange- nommen wird: Sehen ſie aber das Ja- gen nicht gerne, oder fuͤhren ſich brutal gegen ihn auf, und geben ihm keine rech- te Nachricht, iſt ihm gar nicht zu verden- cken, wann er bey andern Leuten von al- lem heimliche und genauere Erkundi- gung einziehet, das beſte heraus nimmet, und ſeine Meynung darnach zu richten vor ſich behaͤlt Von Aenderung des Wetters. Vorhero, und ehe wir das wuͤrckli- che Jagen zu beſchreiben anfangen, finde gar noͤthig zu ſeyn, von Aenderung des Wetters, ſo viel man Zeithero in acht ge- nommen, hierbey etwas zu ſchreiben. Es iſt nicht wenig daran gelegen bey vorha- bendem Jagen, daß ein vernuͤnfftiger Jaͤger nach den Jahres-Zeiten die groſ- ſen Land-Regen und Sturmwinde, oder andere Vorbothen des Gewitters aus de- nen Himmliſchen Merckmahlen, wegen Verwahrung des Jagd-Gezeuges, und anderer Geraͤthſchafft, vorhero bey Zei- ten wahr nehmen, und mit Gelegenheit vorkommen koͤnne; Jndem bekant, was bey groſſen Jagden die Aenderung des Wetters durch Regen und Wind fuͤr groſſen Schaden, und viele Verhinder- niſſe zu verurſachen pflegen. Ja es iſt wohl unlaugbahr, daß die liebe Sonne mit ihren lebendigmachenden Strahlen und ſonderbahrer Krafft die Pflantzen, Gewaͤchſe, Baͤume und Thiere, erqvi- cke, nehre und vermehre; Nicht weni- ger der Mond alles dasjenige durch ſei- ne Ab- und zunehmende Krafft wunder- ſam veraͤndere, welches die lieben Alten auf folgende Weiß in acht genommen. Wann es Regnen ſoll. So pfleget das Gemaͤuer an Waͤn- den anzufangen zu ſchwitzen; Der Ruß aus dem Cammin zu fallen, auch krie- chen die Regenwuͤrmer haͤuffig aus der Erde; Die Sonne und der Mond ge- hen truͤbe und neblich auf; Auch wann die Sonne heiß ſtechend ſcheinet, und die Fliegen und Muͤcken ſehr ſtechen. Wann die Fiſche im Waſſer hoch gehen, und ſpringen; Die Katzen ſich lecken und pu- tzen; Die Wilde Gaͤnſe ohne Ordnung hoch und ſtille fort fliegen; Die Bienen aus

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/408
Zitationshilfe: Fleming, Hans Friedrich von: Der Vollkommene Teutsche Jäger. Bd. 1. Leipzig, 1719, S. 268. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fleming_jaeger01_1719/408>, abgerufen am 25.05.2019.