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Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. [Bd. 1: Die Grafschaft Ruppin. Der Barnim. Der Teltow]. Berlin, 1862.

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Küstrin.
Deine Mauern
Haben Trauerns viel gesehn,
Hohe Warte an der Warthe
Mach' vergessen was geschehn.

An der großen Heerstraße zwischen Ost und West, in der Mitte
der Monarchie, liegt die alte Oderfestung Küstrin. Seine Ge-
schichte, in Gutem und Bösem, zählt zu den interessantesten Städte-
geschichten der Mark. Es sah viele Dinge geschehen. Seine Bela-
gerungen, leider keine leuchtenden Edelsteine im Wappenschilde
preußischer Ehre, sind berühmt geworden; vor allem aber ist der
Name Küstrins mit der Jugendgeschichte Friedrichs II. für immer
verwoben und dadurch überall ein bekannter Klang geworden, wo
man den Namen des großen Königs nennt. *)

Die Glanzzeit Küstrins indeß gehört einer früheren Epoche
an. Als der sterbende Kurfürst Joachim Nestor seinen Sohn zu

*) Küstrin, die alte Hauptstadt der Neumark, liegt bereits 6 Meilen
östlich vom Barnim und gehört also eigentlich nicht hierher, eben so wenig
wie das im Lande Lebus gelegene Gusow. Wie ich aber Gusow in die-
sen Band mit herübergenommen habe, um die drei Paladine des großen
Kurfürsten: Sparr, Derfflinger und Goertzke bei einander zu haben, so
geb' ich auch, aus einem sehr ähnlichen Grunde, "Küstrin" und zwar um
die Epoche von 1730--40 in einer gewissen Vollständigkeit (versteht sich,
nur nach der Seite des Lokalen hin) bieten zu können. Vgl. Ruppin,
Rheinsberg, Schloß Coepenick und die Anmerkungen zu Schloß Coepenick.
Küſtrin.
Deine Mauern
Haben Trauerns viel geſehn,
Hohe Warte an der Warthe
Mach’ vergeſſen was geſchehn.

An der großen Heerſtraße zwiſchen Oſt und Weſt, in der Mitte
der Monarchie, liegt die alte Oderfeſtung Küſtrin. Seine Ge-
ſchichte, in Gutem und Böſem, zählt zu den intereſſanteſten Städte-
geſchichten der Mark. Es ſah viele Dinge geſchehen. Seine Bela-
gerungen, leider keine leuchtenden Edelſteine im Wappenſchilde
preußiſcher Ehre, ſind berühmt geworden; vor allem aber iſt der
Name Küſtrins mit der Jugendgeſchichte Friedrichs II. für immer
verwoben und dadurch überall ein bekannter Klang geworden, wo
man den Namen des großen Königs nennt. *)

Die Glanzzeit Küſtrins indeß gehört einer früheren Epoche
an. Als der ſterbende Kurfürſt Joachim Neſtor ſeinen Sohn zu

*) Küſtrin, die alte Hauptſtadt der Neumark, liegt bereits 6 Meilen
öſtlich vom Barnim und gehört alſo eigentlich nicht hierher, eben ſo wenig
wie das im Lande Lebus gelegene Guſow. Wie ich aber Guſow in die-
ſen Band mit herübergenommen habe, um die drei Paladine des großen
Kurfürſten: Sparr, Derfflinger und Goertzke bei einander zu haben, ſo
geb’ ich auch, aus einem ſehr ähnlichen Grunde, „Küſtrin“ und zwar um
die Epoche von 1730—40 in einer gewiſſen Vollſtändigkeit (verſteht ſich,
nur nach der Seite des Lokalen hin) bieten zu können. Vgl. Ruppin,
Rheinsberg, Schloß Coepenick und die Anmerkungen zu Schloß Coepenick.
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[[328]/0346] Küſtrin. Deine Mauern Haben Trauerns viel geſehn, Hohe Warte an der Warthe Mach’ vergeſſen was geſchehn. An der großen Heerſtraße zwiſchen Oſt und Weſt, in der Mitte der Monarchie, liegt die alte Oderfeſtung Küſtrin. Seine Ge- ſchichte, in Gutem und Böſem, zählt zu den intereſſanteſten Städte- geſchichten der Mark. Es ſah viele Dinge geſchehen. Seine Bela- gerungen, leider keine leuchtenden Edelſteine im Wappenſchilde preußiſcher Ehre, ſind berühmt geworden; vor allem aber iſt der Name Küſtrins mit der Jugendgeſchichte Friedrichs II. für immer verwoben und dadurch überall ein bekannter Klang geworden, wo man den Namen des großen Königs nennt. *) Die Glanzzeit Küſtrins indeß gehört einer früheren Epoche an. Als der ſterbende Kurfürſt Joachim Neſtor ſeinen Sohn zu *) Küſtrin, die alte Hauptſtadt der Neumark, liegt bereits 6 Meilen öſtlich vom Barnim und gehört alſo eigentlich nicht hierher, eben ſo wenig wie das im Lande Lebus gelegene Guſow. Wie ich aber Guſow in die- ſen Band mit herübergenommen habe, um die drei Paladine des großen Kurfürſten: Sparr, Derfflinger und Goertzke bei einander zu haben, ſo geb’ ich auch, aus einem ſehr ähnlichen Grunde, „Küſtrin“ und zwar um die Epoche von 1730—40 in einer gewiſſen Vollſtändigkeit (verſteht ſich, nur nach der Seite des Lokalen hin) bieten zu können. Vgl. Ruppin, Rheinsberg, Schloß Coepenick und die Anmerkungen zu Schloß Coepenick.

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Zitationshilfe: Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. [Bd. 1: Die Grafschaft Ruppin. Der Barnim. Der Teltow]. Berlin, 1862, S. [328]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fontane_brandenburg01_1862/346>, abgerufen am 23.03.2019.