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Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Bd. 3: Ost-Havelland. Berlin, 1873.

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heraus gedichtet und deshalb für den Nicht-Eingeweihten beinah unver-
ständlich. Ihre Strophen fallen in die Zeit der sogenannten "neuen
Aera," die mit der Regentschaft König Wilhelms begann. Hensel, scharf
conservativ und aus politischen wie persönlichen Gründen ganz ein
Anhänger Friedrich Wilhelms IV., zählte 1860 und 61 zu den Mal-
kontenten, die alles schwarz sahen und die Epoche unvermeidlichen Unter-
gangs nicht mehr zu erleben wünschten. Dieser Stimmung giebt das
Gedicht Ausdruck. Er klagt über die Gegenwart; mit Fr. W. IV. ist
das alte Preußen begraben; wie er einst (in den Märztagen 48) bei
dem geliebten Könige Wacht gehalten, so hält er jetzt im Geiste an sei-
nem Grabe Wacht, und wünscht, daß es ihm vergönnt sein möge, bald
wieder dort oben seines Königs Wächter zu sein.

Das Gedicht hat viele Mängel; auch die Stimmung, aus der es
erwuchs, wird vielen ein Lächeln abnöthigen; dennoch ist eine gewisse
poetische Atmosphäre um dasselbe her, die es anziehend macht, und die
durch ein begleitendes mystisches Element nur noch gewinnt.


Friedrichsfelde.
Benutzt: Fidicin Nieder-Barnim. v. Winterfeldt Geschichte des
Johanniter-Ordens. Tiedge Dorothea, Herzogin von
Kurland. Cruse Kurland unter den Herzögen. Bülau
Geheime Geschichten und räthselhafte Menschen. Koch
Geschichte des Kirchenlieds. Dr. Besser über Woltersdorf.
v. Wolzogen "Aus Schinkels Nachlaß." Mündliche und
briefliche Mittheilungen, besonders des Herrn v. Treskow,
Hofrath Herrlich und Hofrath Hesekiel.

Woltersdorfs geistliche Lieder

erschienen unter folgendem Titel:

Ernst Gottlieb Woltersdorfs sämmtliche Neue Lieder oder Evangeli-
sche Psalmen. 3. Auflage. Berlin, im Verlag der Realschul-
Buchhandlung. 1777.

Den Liedern vorauf gehen drei Vorreden: 1. Vorrede des Ver-
fassers
zur ersten Sammlung, Bunzlau 27. August 1750. 2. Vorrede
des Verfassers zur zweiten Sammlung, Bunzlau 18. November 1751.
3. Vorrede des Herausgebers aus dem Jahre 1767.

Alle diese Lieder bilden 26 Abtheilungen; die drei letzten Abthei-
lungen umfassen Catechismuslieder, Kinderlieder, Hirtenlieder; die
Kinderlieder besonders zahlreich.

heraus gedichtet und deshalb für den Nicht-Eingeweihten beinah unver-
ſtändlich. Ihre Strophen fallen in die Zeit der ſogenannten „neuen
Aera,“ die mit der Regentſchaft König Wilhelms begann. Henſel, ſcharf
conſervativ und aus politiſchen wie perſönlichen Gründen ganz ein
Anhänger Friedrich Wilhelms IV., zählte 1860 und 61 zu den Mal-
kontenten, die alles ſchwarz ſahen und die Epoche unvermeidlichen Unter-
gangs nicht mehr zu erleben wünſchten. Dieſer Stimmung giebt das
Gedicht Ausdruck. Er klagt über die Gegenwart; mit Fr. W. IV. iſt
das alte Preußen begraben; wie er einſt (in den Märztagen 48) bei
dem geliebten Könige Wacht gehalten, ſo hält er jetzt im Geiſte an ſei-
nem Grabe Wacht, und wünſcht, daß es ihm vergönnt ſein möge, bald
wieder dort oben ſeines Königs Wächter zu ſein.

Das Gedicht hat viele Mängel; auch die Stimmung, aus der es
erwuchs, wird vielen ein Lächeln abnöthigen; dennoch iſt eine gewiſſe
poetiſche Atmoſphäre um daſſelbe her, die es anziehend macht, und die
durch ein begleitendes myſtiſches Element nur noch gewinnt.


Friedrichsfelde.
Benutzt: Fidicin Nieder-Barnim. v. Winterfeldt Geſchichte des
Johanniter-Ordens. Tiedge Dorothea, Herzogin von
Kurland. Cruſe Kurland unter den Herzögen. Bülau
Geheime Geſchichten und räthſelhafte Menſchen. Koch
Geſchichte des Kirchenlieds. Dr. Beſſer über Woltersdorf.
v. Wolzogen „Aus Schinkels Nachlaß.“ Mündliche und
briefliche Mittheilungen, beſonders des Herrn v. Treskow,
Hofrath Herrlich und Hofrath Heſekiel.

Woltersdorfs geiſtliche Lieder

erſchienen unter folgendem Titel:

Ernſt Gottlieb Woltersdorfs ſämmtliche Neue Lieder oder Evangeli-
ſche Pſalmen. 3. Auflage. Berlin, im Verlag der Realſchul-
Buchhandlung. 1777.

Den Liedern vorauf gehen drei Vorreden: 1. Vorrede des Ver-
faſſers
zur erſten Sammlung, Bunzlau 27. Auguſt 1750. 2. Vorrede
des Verfaſſers zur zweiten Sammlung, Bunzlau 18. November 1751.
3. Vorrede des Herausgebers aus dem Jahre 1767.

Alle dieſe Lieder bilden 26 Abtheilungen; die drei letzten Abthei-
lungen umfaſſen Catechismuslieder, Kinderlieder, Hirtenlieder; die
Kinderlieder beſonders zahlreich.

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[459/0477] heraus gedichtet und deshalb für den Nicht-Eingeweihten beinah unver- ſtändlich. Ihre Strophen fallen in die Zeit der ſogenannten „neuen Aera,“ die mit der Regentſchaft König Wilhelms begann. Henſel, ſcharf conſervativ und aus politiſchen wie perſönlichen Gründen ganz ein Anhänger Friedrich Wilhelms IV., zählte 1860 und 61 zu den Mal- kontenten, die alles ſchwarz ſahen und die Epoche unvermeidlichen Unter- gangs nicht mehr zu erleben wünſchten. Dieſer Stimmung giebt das Gedicht Ausdruck. Er klagt über die Gegenwart; mit Fr. W. IV. iſt das alte Preußen begraben; wie er einſt (in den Märztagen 48) bei dem geliebten Könige Wacht gehalten, ſo hält er jetzt im Geiſte an ſei- nem Grabe Wacht, und wünſcht, daß es ihm vergönnt ſein möge, bald wieder dort oben ſeines Königs Wächter zu ſein. Das Gedicht hat viele Mängel; auch die Stimmung, aus der es erwuchs, wird vielen ein Lächeln abnöthigen; dennoch iſt eine gewiſſe poetiſche Atmoſphäre um daſſelbe her, die es anziehend macht, und die durch ein begleitendes myſtiſches Element nur noch gewinnt. Friedrichsfelde. Benutzt: Fidicin Nieder-Barnim. v. Winterfeldt Geſchichte des Johanniter-Ordens. Tiedge Dorothea, Herzogin von Kurland. Cruſe Kurland unter den Herzögen. Bülau Geheime Geſchichten und räthſelhafte Menſchen. Koch Geſchichte des Kirchenlieds. Dr. Beſſer über Woltersdorf. v. Wolzogen „Aus Schinkels Nachlaß.“ Mündliche und briefliche Mittheilungen, beſonders des Herrn v. Treskow, Hofrath Herrlich und Hofrath Heſekiel. Woltersdorfs geiſtliche Lieder erſchienen unter folgendem Titel: Ernſt Gottlieb Woltersdorfs ſämmtliche Neue Lieder oder Evangeli- ſche Pſalmen. 3. Auflage. Berlin, im Verlag der Realſchul- Buchhandlung. 1777. Den Liedern vorauf gehen drei Vorreden: 1. Vorrede des Ver- faſſers zur erſten Sammlung, Bunzlau 27. Auguſt 1750. 2. Vorrede des Verfaſſers zur zweiten Sammlung, Bunzlau 18. November 1751. 3. Vorrede des Herausgebers aus dem Jahre 1767. Alle dieſe Lieder bilden 26 Abtheilungen; die drei letzten Abthei- lungen umfaſſen Catechismuslieder, Kinderlieder, Hirtenlieder; die Kinderlieder beſonders zahlreich.

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Zitationshilfe: Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Bd. 3: Ost-Havelland. Berlin, 1873, S. 459. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fontane_brandenburg03_1873/477>, abgerufen am 26.03.2019.