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Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Bd. 3: Ost-Havelland. Berlin, 1873.

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Der Brieselang.
Balsamisch wogten die Düfte
Ueber das feuchte Revier,
Die alten Störche bezogen
Freudig das alte Quartier.
In all den Luchen und Lanken
Waren die Wasser erwacht,
Die Kiefern lauschten und tauschten
Ihre Grüße sacht.

G. Hesekiel.

Eine der ältesten Waldpartien in der Mark ist der Briese-
lang
, anderthalb Meilen westlich von Spandau. Die Ham-
burger Eisenbahn schneidet an seinem Südrande hart vorbei
und bildet so zu sagen den Fuß, auf dem er steht. Wer ihn
besuchen will und die Jahre des Turner-Enthusiasmus hinter
sich hat, pflegt deshalb auch die genannte Bahn zu benutzen,
die ihn Wochentags bis an die östlichen Vorlande des Waldes
(Station Segefeld) oder Sonntags in Extrazügen direct bis
an seine Eingänge führt.

Der Brieselang ist nicht mehr, was er war. In alten
Tagen ging er über Quadratmeilen hin und füllte das ganze
Territorium, das man damals als Alt-Bredow-Land bezeich-
nen konnte. Das Nauen'sche Luch, die Falkenhagen'schen
Wiesen, der Bredow'sche Forst, das Pausin'sche Bruch, alles
war Brieselang, -- ein Elsbruch im großen Stil; im Früh-
jahr ein Sumpf oder See, im Sommer eine Wiese, eine Prai-
rie, zu allen Jahreszeiten aber von mächtigen Eichen, den
"Brieselang-Eichen" überragt, die um einen Schuh höher

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Der Brieſelang.
Balſamiſch wogten die Düfte
Ueber das feuchte Revier,
Die alten Störche bezogen
Freudig das alte Quartier.
In all den Luchen und Lanken
Waren die Waſſer erwacht,
Die Kiefern lauſchten und tauſchten
Ihre Grüße ſacht.

G. Heſekiel.

Eine der älteſten Waldpartien in der Mark iſt der Brieſe-
lang
, anderthalb Meilen weſtlich von Spandau. Die Ham-
burger Eiſenbahn ſchneidet an ſeinem Südrande hart vorbei
und bildet ſo zu ſagen den Fuß, auf dem er ſteht. Wer ihn
beſuchen will und die Jahre des Turner-Enthuſiasmus hinter
ſich hat, pflegt deshalb auch die genannte Bahn zu benutzen,
die ihn Wochentags bis an die öſtlichen Vorlande des Waldes
(Station Segefeld) oder Sonntags in Extrazügen direct bis
an ſeine Eingänge führt.

Der Brieſelang iſt nicht mehr, was er war. In alten
Tagen ging er über Quadratmeilen hin und füllte das ganze
Territorium, das man damals als Alt-Bredow-Land bezeich-
nen konnte. Das Nauen’ſche Luch, die Falkenhagen’ſchen
Wieſen, der Bredow’ſche Forſt, das Pauſin’ſche Bruch, alles
war Brieſelang, — ein Elsbruch im großen Stil; im Früh-
jahr ein Sumpf oder See, im Sommer eine Wieſe, eine Prai-
rie, zu allen Jahreszeiten aber von mächtigen Eichen, den
„Brieſelang-Eichen“ überragt, die um einen Schuh höher

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[[35]/0053] Der Brieſelang. Balſamiſch wogten die Düfte Ueber das feuchte Revier, Die alten Störche bezogen Freudig das alte Quartier. In all den Luchen und Lanken Waren die Waſſer erwacht, Die Kiefern lauſchten und tauſchten Ihre Grüße ſacht. G. Heſekiel. Eine der älteſten Waldpartien in der Mark iſt der Brieſe- lang, anderthalb Meilen weſtlich von Spandau. Die Ham- burger Eiſenbahn ſchneidet an ſeinem Südrande hart vorbei und bildet ſo zu ſagen den Fuß, auf dem er ſteht. Wer ihn beſuchen will und die Jahre des Turner-Enthuſiasmus hinter ſich hat, pflegt deshalb auch die genannte Bahn zu benutzen, die ihn Wochentags bis an die öſtlichen Vorlande des Waldes (Station Segefeld) oder Sonntags in Extrazügen direct bis an ſeine Eingänge führt. Der Brieſelang iſt nicht mehr, was er war. In alten Tagen ging er über Quadratmeilen hin und füllte das ganze Territorium, das man damals als Alt-Bredow-Land bezeich- nen konnte. Das Nauen’ſche Luch, die Falkenhagen’ſchen Wieſen, der Bredow’ſche Forſt, das Pauſin’ſche Bruch, alles war Brieſelang, — ein Elsbruch im großen Stil; im Früh- jahr ein Sumpf oder See, im Sommer eine Wieſe, eine Prai- rie, zu allen Jahreszeiten aber von mächtigen Eichen, den „Brieſelang-Eichen“ überragt, die um einen Schuh höher 3*

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Zitationshilfe: Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Bd. 3: Ost-Havelland. Berlin, 1873, S. [35]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fontane_brandenburg03_1873/53>, abgerufen am 10.08.2020.