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Ganswindt, Albert: Handbuch der Färberei und der damit verwandten vorbereitenden und vollendenden Gewerbe. Weimar, 1889.

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Menge abgelagert; es ist mit gelber Farbe in Wasser, Alkohol, Aether, in
wässerigen ätzenden und kohlensauren Alkalien löslich; die wässerige Lösung
fällt Eisensalze schwarzgrün, Brechweinstein gelbbraun, Zinnchlorür gelb.

Anwendung. Das Gelbholz dient zum Gelbfärben von Baumwolle
und Wolle, seltener von Seide, sowie zum Hervorrufen von Modefarben,
aber auch zum Grün- und Schwarzfärben von Wolle und zum Nüancieren
von schwarzen Farben. Außerdem dient es zur Herstellung des Gelbholz-
extrakts
, worüber Näheres unter Farbstoffpräparate

Ueber Prüfung und Wertbestimmung gilt dasselbe, wie beim Blauholz.

§ 36. Fisetholz.

Abstammung. Das Fisetholz, auch junger Fustik, ungarisches
Gelbholz, Fustelholz, Zantegelbholz
genannt, ist das Kernholz des
zur Familie der Anacardiaceae gehörenden, im Mittelmeergebiet heimischen
Perrückenbaumes, Rhus Cotinus L., und kommt von Ungarn, Dalmatien,
Italien, Frankreich, Südtirol, Spanien aus in den Handel.

Eigenschaften. Es kommt in zoll- bis armdicken von der Rinde be-
freiten Knütteln auf den Markt und ist mehr grünlichgelb und braungestreift.
Die Abkochung des Holzes hat eine schöne Orangefarbe.

Fisetholzfarbstoff. Der gelbe Farbstoff des Fisetholzes ist das
Fisetin, C23 H16 O9, nach Koch dagegen von der Formel C15 H10 O6, wel-
ches darin, an Gerbsäure gebunden, als wasserlösliche Verbindung vorkommt.
Als Fustin wird ein Glycosid des Fisetins verstanden. Das reine Fisetin
krystallisiert aus Alkohol in feinen citronengelben Nadeln, welche in Wasser
fast unlöslich, in Alkohol und Aether leicht löslich sind. Nach Chevreul
ist das Fisetin ursprünglich weiß, färbt sich aber an der Luft schnell gelb.
Die wässerige Abkochung des Fisetholzes enthält den Farbstoff in Lösung;
die Fällungen mit den bekannten Beizen geben im Verhältnis zum Gelb-
holz mehr orangerote Niederschläge; die Fällung mit Kupfer ist rotbraun,
mit Eisenbeize graubraun.

Anwendung. Der Farbstoff des Fisetholzes ist sehr wenig echt; es
findet daher nur beschränkte Anwendung in der Wollen- und Lederfärberei.
Mit andern Farben gemischt, erscheint der Farbstoff etwas echter und findet
so Verwendung für Modefarben auf Kattun.

§ 37. Gelbbeeren.

Abstammung. Die Gelbbeeren, auch Avignonkörner, Persische
Beeren, Kreuzbeeren
sind die getrockneten Früchte (Beeren) verschiede-
ner Kreuzdorn- (Rhamnus-)Arten. Nach der verschiedenen Herkunft richten
sich auch die verschiedenen

Handelssorten, und zwar werden hauptsächlich unterschieden:

1. Avignongelbbeeren von Rhamnus infectoria L. und Rhamnus
saxatilis L.,
französischer Provenienz, von Erbsengröße, dunkelgrün, glatt
und unten spitz.

Menge abgelagert; es iſt mit gelber Farbe in Waſſer, Alkohol, Aether, in
wäſſerigen ätzenden und kohlenſauren Alkalien löslich; die wäſſerige Löſung
fällt Eiſenſalze ſchwarzgrün, Brechweinſtein gelbbraun, Zinnchlorür gelb.

Anwendung. Das Gelbholz dient zum Gelbfärben von Baumwolle
und Wolle, ſeltener von Seide, ſowie zum Hervorrufen von Modefarben,
aber auch zum Grün- und Schwarzfärben von Wolle und zum Nüancieren
von ſchwarzen Farben. Außerdem dient es zur Herſtellung des Gelbholz-
extrakts
, worüber Näheres unter Farbſtoffpräparate

Ueber Prüfung und Wertbeſtimmung gilt dasſelbe, wie beim Blauholz.

§ 36. Fiſetholz.

Abſtammung. Das Fiſetholz, auch junger Fuſtik, ungariſches
Gelbholz, Fuſtelholz, Zantegelbholz
genannt, iſt das Kernholz des
zur Familie der Anacardiaceae gehörenden, im Mittelmeergebiet heimiſchen
Perrückenbaumes, Rhus Cotinus L., und kommt von Ungarn, Dalmatien,
Italien, Frankreich, Südtirol, Spanien aus in den Handel.

Eigenſchaften. Es kommt in zoll- bis armdicken von der Rinde be-
freiten Knütteln auf den Markt und iſt mehr grünlichgelb und braungeſtreift.
Die Abkochung des Holzes hat eine ſchöne Orangefarbe.

Fiſetholzfarbſtoff. Der gelbe Farbſtoff des Fiſetholzes iſt das
Fiſetin, C23 H16 O9, nach Koch dagegen von der Formel C15 H10 O6, wel-
ches darin, an Gerbſäure gebunden, als waſſerlösliche Verbindung vorkommt.
Als Fuſtin wird ein Glycoſid des Fiſetins verſtanden. Das reine Fiſetin
kryſtalliſiert aus Alkohol in feinen citronengelben Nadeln, welche in Waſſer
faſt unlöslich, in Alkohol und Aether leicht löslich ſind. Nach Chevreul
iſt das Fiſetin urſprünglich weiß, färbt ſich aber an der Luft ſchnell gelb.
Die wäſſerige Abkochung des Fiſetholzes enthält den Farbſtoff in Löſung;
die Fällungen mit den bekannten Beizen geben im Verhältnis zum Gelb-
holz mehr orangerote Niederſchläge; die Fällung mit Kupfer iſt rotbraun,
mit Eiſenbeize graubraun.

Anwendung. Der Farbſtoff des Fiſetholzes iſt ſehr wenig echt; es
findet daher nur beſchränkte Anwendung in der Wollen- und Lederfärberei.
Mit andern Farben gemiſcht, erſcheint der Farbſtoff etwas echter und findet
ſo Verwendung für Modefarben auf Kattun.

§ 37. Gelbbeeren.

Abſtammung. Die Gelbbeeren, auch Avignonkörner, Perſiſche
Beeren, Kreuzbeeren
ſind die getrockneten Früchte (Beeren) verſchiede-
ner Kreuzdorn- (Rhamnus-)Arten. Nach der verſchiedenen Herkunft richten
ſich auch die verſchiedenen

Handelsſorten, und zwar werden hauptſächlich unterſchieden:

1. Avignongelbbeeren von Rhamnus infectoria L. und Rhamnus
saxatilis L.,
franzöſiſcher Provenienz, von Erbſengröße, dunkelgrün, glatt
und unten ſpitz.

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[127/0153] Menge abgelagert; es iſt mit gelber Farbe in Waſſer, Alkohol, Aether, in wäſſerigen ätzenden und kohlenſauren Alkalien löslich; die wäſſerige Löſung fällt Eiſenſalze ſchwarzgrün, Brechweinſtein gelbbraun, Zinnchlorür gelb. Anwendung. Das Gelbholz dient zum Gelbfärben von Baumwolle und Wolle, ſeltener von Seide, ſowie zum Hervorrufen von Modefarben, aber auch zum Grün- und Schwarzfärben von Wolle und zum Nüancieren von ſchwarzen Farben. Außerdem dient es zur Herſtellung des Gelbholz- extrakts, worüber Näheres unter Farbſtoffpräparate Ueber Prüfung und Wertbeſtimmung gilt dasſelbe, wie beim Blauholz. § 36. Fiſetholz. Abſtammung. Das Fiſetholz, auch junger Fuſtik, ungariſches Gelbholz, Fuſtelholz, Zantegelbholz genannt, iſt das Kernholz des zur Familie der Anacardiaceae gehörenden, im Mittelmeergebiet heimiſchen Perrückenbaumes, Rhus Cotinus L., und kommt von Ungarn, Dalmatien, Italien, Frankreich, Südtirol, Spanien aus in den Handel. Eigenſchaften. Es kommt in zoll- bis armdicken von der Rinde be- freiten Knütteln auf den Markt und iſt mehr grünlichgelb und braungeſtreift. Die Abkochung des Holzes hat eine ſchöne Orangefarbe. Fiſetholzfarbſtoff. Der gelbe Farbſtoff des Fiſetholzes iſt das Fiſetin, C23 H16 O9, nach Koch dagegen von der Formel C15 H10 O6, wel- ches darin, an Gerbſäure gebunden, als waſſerlösliche Verbindung vorkommt. Als Fuſtin wird ein Glycoſid des Fiſetins verſtanden. Das reine Fiſetin kryſtalliſiert aus Alkohol in feinen citronengelben Nadeln, welche in Waſſer faſt unlöslich, in Alkohol und Aether leicht löslich ſind. Nach Chevreul iſt das Fiſetin urſprünglich weiß, färbt ſich aber an der Luft ſchnell gelb. Die wäſſerige Abkochung des Fiſetholzes enthält den Farbſtoff in Löſung; die Fällungen mit den bekannten Beizen geben im Verhältnis zum Gelb- holz mehr orangerote Niederſchläge; die Fällung mit Kupfer iſt rotbraun, mit Eiſenbeize graubraun. Anwendung. Der Farbſtoff des Fiſetholzes iſt ſehr wenig echt; es findet daher nur beſchränkte Anwendung in der Wollen- und Lederfärberei. Mit andern Farben gemiſcht, erſcheint der Farbſtoff etwas echter und findet ſo Verwendung für Modefarben auf Kattun. § 37. Gelbbeeren. Abſtammung. Die Gelbbeeren, auch Avignonkörner, Perſiſche Beeren, Kreuzbeeren ſind die getrockneten Früchte (Beeren) verſchiede- ner Kreuzdorn- (Rhamnus-)Arten. Nach der verſchiedenen Herkunft richten ſich auch die verſchiedenen Handelsſorten, und zwar werden hauptſächlich unterſchieden: 1. Avignongelbbeeren von Rhamnus infectoria L. und Rhamnus saxatilis L., franzöſiſcher Provenienz, von Erbſengröße, dunkelgrün, glatt und unten ſpitz.

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Zitationshilfe: Ganswindt, Albert: Handbuch der Färberei und der damit verwandten vorbereitenden und vollendenden Gewerbe. Weimar, 1889, S. 127. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ganswindt_faerberei_1889/153>, abgerufen am 25.04.2019.