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Gerstner, Franz Joseph von: Handbuch der Mechanik. Bd. 1: Mechanik fester Körper. Prag, 1831.

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Rad an der Welle.
§. 84.

Die Haspeln erhalten nach der Art, wie die Kraft dabei als wirkend angebracht
ist, verschiedene Benennungen, und zwar:

1tens. Hornhaspel, wenn der Zapfen der Welle verlängert und zweimal gebo-Fig.
1.
Tab.
2.

gen ist, so dass der zweite Arm B, an welchem die Kraft wirkt, mit der Achse
paralell läuft. Dem zweimal gebogenen Zapfen wird der Name Krummzapfen,
Kurbel
beigelegt.
2tens. Kreuzhaspel, wenn durch die Welle zwei Stäbe kreuzweis durchge-Fig.
2.

steckt werden, so dass sie vier unter rechten Winkeln zusammengesetzte Hebels-
arme bilden. Der erste wird bei Bergwerken, Ziehbrunnen u. dgl. angewendet; der
zweite dient zum Aufziehen grösserer Lasten, wo die Kurbelarme, deren Grösse durch
den menschlichen Arm nur auf 12 bis 15 Zoll beschränkt ist, zu klein seyn würden.
3tens. Spillenrad, Spindelrad, Radhaspel wird jene Art von HaspelnFig.
3.

genannt, die ein vertikales Rad hat, in dessen Kranz kurze Stäbe oder Spil-
len befestigt sind, die so weit auseinander stehen, dass ein Mensch bei der Um-
drehung des Rades bequem von einer Spille zur andern greifen kann. Das Spil-
lenrad wird dann angewendet, wenn bei dem Kreuzhaspel die Arme für die Kraft
zu gross seyn müssten, so dass die Arbeiter nicht mehr im Stande seyn würden,
von einem Arme zum andern zu reichen.

Die Spillen stehen auf der Peripherie des Rades in der Richtung der Halbmesser,
wie Fig. 3., wenn aber die Räder grösser sind und mehr als zwei Arbeiter erfordert
werden, so pflegt man sie durch den Radkranz wagrecht durchzustecken und so weit
zu verlängern als nöthig ist, um eine bestimmte Anzahl Arbeiter dabei verwenden zu
können.

§. 85.

Die Winde, welche man zuweilen auch stehenden Haspel nennt, wird haupt-Fig.
4.

sächlich zum Aufziehen grösserer Lasten, als Bauhölzer, grosser Werkstücke u. dgl.
verwendet, und zu diesem Zwecke auch oft mit einem sogenannten Flaschenzuge ver-
bunden.

Der Schiffswinde bedient man sich zu allen Arbeiten, die auf Schiffen vor-
kommen, z. B. zum Lichten der Anker, Anziehen der Schiffe ans Land u. dgl.; hiezu
werden gegenwärtig auch Kraniche oder eine Zusammensetzung mehrerer Räder an
der Welle gebraucht, von welchen später gehandelt werden wird.

Die Erdwinde wird zum Fortschaffen grosser Lasten auf der Erde angewen-Fig.
5.

det. Sie wird nämlich an dem Orte, wohin die Last zu bringen ist, an eingeschla-
gene Pfähle befestigt, und die Last mittelst eines Seiles herangezogen. Ist die Last auf
grössere Entfernungen fortzuschaffen, so wird die Entfernung in mehrere Stationen
eingetheilt, und auf jeder Station das obige Verfahren wiederholt. Man pflegt zu
dieser Absicht die Erdwinde auf Räder oder Rollen zu stellen, um sie leichter von ei-
nem Orte zum andern fortbringen zu können. Diese Maschine wird überhaupt nur in
dem Falle gebraucht, wenn sehr grosse Lasten, welche man nicht auf Wägen aufladen
kann, fortzuschaffen sind. Man unterlegt sodann der Last Balken, welche statt eines Wa-

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Rad an der Welle.
§. 84.

Die Haspeln erhalten nach der Art, wie die Kraft dabei als wirkend angebracht
ist, verschiedene Benennungen, und zwar:

1tens. Hornhaspel, wenn der Zapfen der Welle verlängert und zweimal gebo-Fig.
1.
Tab.
2.

gen ist, so dass der zweite Arm B, an welchem die Kraft wirkt, mit der Achse
paralell läuft. Dem zweimal gebogenen Zapfen wird der Name Krummzapfen,
Kurbel
beigelegt.
2tens. Kreuzhaspel, wenn durch die Welle zwei Stäbe kreuzweis durchge-Fig.
2.

steckt werden, so dass sie vier unter rechten Winkeln zusammengesetzte Hebels-
arme bilden. Der erste wird bei Bergwerken, Ziehbrunnen u. dgl. angewendet; der
zweite dient zum Aufziehen grösserer Lasten, wo die Kurbelarme, deren Grösse durch
den menschlichen Arm nur auf 12 bis 15 Zoll beschränkt ist, zu klein seyn würden.
3tens. Spillenrad, Spindelrad, Radhaspel wird jene Art von HaspelnFig.
3.

genannt, die ein vertikales Rad hat, in dessen Kranz kurze Stäbe oder Spil-
len befestigt sind, die so weit auseinander stehen, dass ein Mensch bei der Um-
drehung des Rades bequem von einer Spille zur andern greifen kann. Das Spil-
lenrad wird dann angewendet, wenn bei dem Kreuzhaspel die Arme für die Kraft
zu gross seyn müssten, so dass die Arbeiter nicht mehr im Stande seyn würden,
von einem Arme zum andern zu reichen.

Die Spillen stehen auf der Peripherie des Rades in der Richtung der Halbmesser,
wie Fig. 3., wenn aber die Räder grösser sind und mehr als zwei Arbeiter erfordert
werden, so pflegt man sie durch den Radkranz wagrecht durchzustecken und so weit
zu verlängern als nöthig ist, um eine bestimmte Anzahl Arbeiter dabei verwenden zu
können.

§. 85.

Die Winde, welche man zuweilen auch stehenden Haspel nennt, wird haupt-Fig.
4.

sächlich zum Aufziehen grösserer Lasten, als Bauhölzer, grosser Werkstücke u. dgl.
verwendet, und zu diesem Zwecke auch oft mit einem sogenannten Flaschenzuge ver-
bunden.

Der Schiffswinde bedient man sich zu allen Arbeiten, die auf Schiffen vor-
kommen, z. B. zum Lichten der Anker, Anziehen der Schiffe ans Land u. dgl.; hiezu
werden gegenwärtig auch Kraniche oder eine Zusammensetzung mehrerer Räder an
der Welle gebraucht, von welchen später gehandelt werden wird.

Die Erdwinde wird zum Fortschaffen grosser Lasten auf der Erde angewen-Fig.
5.

det. Sie wird nämlich an dem Orte, wohin die Last zu bringen ist, an eingeschla-
gene Pfähle befestigt, und die Last mittelst eines Seiles herangezogen. Ist die Last auf
grössere Entfernungen fortzuschaffen, so wird die Entfernung in mehrere Stationen
eingetheilt, und auf jeder Station das obige Verfahren wiederholt. Man pflegt zu
dieser Absicht die Erdwinde auf Räder oder Rollen zu stellen, um sie leichter von ei-
nem Orte zum andern fortbringen zu können. Diese Maschine wird überhaupt nur in
dem Falle gebraucht, wenn sehr grosse Lasten, welche man nicht auf Wägen aufladen
kann, fortzuschaffen sind. Man unterlegt sodann der Last Balken, welche statt eines Wa-

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[99/0129] Rad an der Welle. §. 84. Die Haspeln erhalten nach der Art, wie die Kraft dabei als wirkend angebracht ist, verschiedene Benennungen, und zwar: 1tens. Hornhaspel, wenn der Zapfen der Welle verlängert und zweimal gebo- gen ist, so dass der zweite Arm B, an welchem die Kraft wirkt, mit der Achse paralell läuft. Dem zweimal gebogenen Zapfen wird der Name Krummzapfen, Kurbel beigelegt. 2tens. Kreuzhaspel, wenn durch die Welle zwei Stäbe kreuzweis durchge- steckt werden, so dass sie vier unter rechten Winkeln zusammengesetzte Hebels- arme bilden. Der erste wird bei Bergwerken, Ziehbrunnen u. dgl. angewendet; der zweite dient zum Aufziehen grösserer Lasten, wo die Kurbelarme, deren Grösse durch den menschlichen Arm nur auf 12 bis 15 Zoll beschränkt ist, zu klein seyn würden. 3tens. Spillenrad, Spindelrad, Radhaspel wird jene Art von Haspeln genannt, die ein vertikales Rad hat, in dessen Kranz kurze Stäbe oder Spil- len befestigt sind, die so weit auseinander stehen, dass ein Mensch bei der Um- drehung des Rades bequem von einer Spille zur andern greifen kann. Das Spil- lenrad wird dann angewendet, wenn bei dem Kreuzhaspel die Arme für die Kraft zu gross seyn müssten, so dass die Arbeiter nicht mehr im Stande seyn würden, von einem Arme zum andern zu reichen. Die Spillen stehen auf der Peripherie des Rades in der Richtung der Halbmesser, wie Fig. 3., wenn aber die Räder grösser sind und mehr als zwei Arbeiter erfordert werden, so pflegt man sie durch den Radkranz wagrecht durchzustecken und so weit zu verlängern als nöthig ist, um eine bestimmte Anzahl Arbeiter dabei verwenden zu können. §. 85. Die Winde, welche man zuweilen auch stehenden Haspel nennt, wird haupt- sächlich zum Aufziehen grösserer Lasten, als Bauhölzer, grosser Werkstücke u. dgl. verwendet, und zu diesem Zwecke auch oft mit einem sogenannten Flaschenzuge ver- bunden. Fig. 4. Der Schiffswinde bedient man sich zu allen Arbeiten, die auf Schiffen vor- kommen, z. B. zum Lichten der Anker, Anziehen der Schiffe ans Land u. dgl.; hiezu werden gegenwärtig auch Kraniche oder eine Zusammensetzung mehrerer Räder an der Welle gebraucht, von welchen später gehandelt werden wird. Die Erdwinde wird zum Fortschaffen grosser Lasten auf der Erde angewen- det. Sie wird nämlich an dem Orte, wohin die Last zu bringen ist, an eingeschla- gene Pfähle befestigt, und die Last mittelst eines Seiles herangezogen. Ist die Last auf grössere Entfernungen fortzuschaffen, so wird die Entfernung in mehrere Stationen eingetheilt, und auf jeder Station das obige Verfahren wiederholt. Man pflegt zu dieser Absicht die Erdwinde auf Räder oder Rollen zu stellen, um sie leichter von ei- nem Orte zum andern fortbringen zu können. Diese Maschine wird überhaupt nur in dem Falle gebraucht, wenn sehr grosse Lasten, welche man nicht auf Wägen aufladen kann, fortzuschaffen sind. Man unterlegt sodann der Last Balken, welche statt eines Wa- Fig. 5. 13 *

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Zitationshilfe: Gerstner, Franz Joseph von: Handbuch der Mechanik. Bd. 1: Mechanik fester Körper. Prag, 1831, S. 99. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gerstner_mechanik01_1831/129>, abgerufen am 15.07.2019.