Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Gerstner, Franz Joseph von: Handbuch der Mechanik. Bd. 2: Mechanik flüssiger Körper. Prag, 1832.

Bild:
<< vorherige Seite

Theorie der Pumpen.
eine gemeinschaftliche Hauptstange, woran die Kolbenstangen aller Pumpen hängen, in
Bewegung gesetzt; sie saugen daher zu gleicher Zeit an, und die Kolben gehen wie-
der gemeinschaftlich zurück. Die Verbindung dieser Pumpen werden wir im III. Bande
bei den Kunsträdern und Wassersäulmaschinen umständlicher kennen lernen; wir be-
merken daher nur vorläufig, dass die Anlage mehrerer Pumpensätze den Vortheil gewährt,
dass die Wässer aus den hohen Strecken in die höher liegenden Wasserkästen geleitet,
und von dort sogleich herausgepumpt werden, ohne desshalb bis zu dem tiefsten Orte
zu gelangen, und von dort erst gemeinschaftlich mit dem übrigen Wasser gehoben zu
werden.

Fig.
24.
Tab.
43.

Eine Druckpumpe besteht aus dem Kolbenrohre, oder dem Stiefel A B C D,
welches gewöhnlich eine 2 bis 3 Fuss lange metallene Röhre ist, in welcher, so wie bei dem
Saugwerke, der Kolben auf- und abgeht. Dieser Kolben ist jedoch nicht durchbrochen
und mit einem Ventile versehen, wie bei den Saugwerken, sondern er ist ganz massiv.
Das Kolbenrohr steht im Wasser, und hat an seinem untern Ende bei B C ein Ventil. Das
Steigrohr E F G H ist an der Seite des Kolbenrohres angebracht, und leitet das Was-
ser aus dem Kolbenrohre an den Ort seiner Bestimmung. Am untern Ende dieses Steig-
rohres ist eine Ausbauchung vorhanden, in welcher ein zweites Ventil liegt. Die Er-
klärung der Bewegung des Wassers findet nun keinen Anstand. Zieht man nämlich den
Kolben in die Höhe, so hebt das einströmende Wasser das Ventil im Kolbenrohre und füllt
den Raum unter dem Kolben aus. Drückt man sodann den Kolben hinab, so fällt das
untere Ventil zu, es muss daher das Wasser, welches dem Kolben nirgends ausweichen
kann, das Ventil im Steigrohre heben, und darin in die Höhe steigen. Zieht man den
Kolben zum zweiten Male in die Höhe, so schliesst das Wasser durch seine Schwere
das Ventil im Steigrohre, und wird auf diese Art gefangen; das äussere Wasser steigt
abermals dem Kolben nach, und drückt man denselben hinab, so fällt das untere Ven-
til wieder zu, und das Wasser steigt durch das geöffnete Ventil des Steigrohres darin
wieder höher. Dieses Spiel geht so fort, bis das Wasser am obern Ende des Steig-
rohres ausfliesst. Wir sehen hieraus, dass die Druckpumpe durch keine solche Höhe,
wie es bei der Saugpumpe hinsichtlich des Wasseransaugens der Fall war, beschränkt
ist, und dass man durch Anwendung einer hinreichenden Kraft das Wasser auf jede
beliebige Höhe heben könne.

Fig.
25.

Die vereinigte Saug- und Druckpumpe ist ein gewöhnliches Saugwerk, wel-
ches einen massiven Kolben, und auf der Seite ein Steigrohr mit einem Ventile hat, wie
dasselbe bei der Druckpumpe angebracht ist. Seine Bewegung erklärt sich leicht aus
dem Vorhergehenden.

§. 91.

Die erste Frage, welche bei einer Saugpumpe vorkommt, betrifft die Bestimmung,
wie hoch das Wasser nach einem jeden Hube steigt, und welches die
grösste Höhe ist, auf welche dasselbe durch das blosse Ansaugen
gehoben werden kann
. Wir haben hier zwei Fälle zu unterscheiden, indem das
Saugventil entweder oben auf dem Saugrohre liegt, oder am untern Ende desselben im
Wasser angebracht ist. Der zweite Fall gewährt den Vortheil, dass das Ventil, da es

Theorie der Pumpen.
eine gemeinschaftliche Hauptstange, woran die Kolbenstangen aller Pumpen hängen, in
Bewegung gesetzt; sie saugen daher zu gleicher Zeit an, und die Kolben gehen wie-
der gemeinschaftlich zurück. Die Verbindung dieser Pumpen werden wir im III. Bande
bei den Kunsträdern und Wassersäulmaschinen umständlicher kennen lernen; wir be-
merken daher nur vorläufig, dass die Anlage mehrerer Pumpensätze den Vortheil gewährt,
dass die Wässer aus den hohen Strecken in die höher liegenden Wasserkästen geleitet,
und von dort sogleich herausgepumpt werden, ohne desshalb bis zu dem tiefsten Orte
zu gelangen, und von dort erst gemeinschaftlich mit dem übrigen Wasser gehoben zu
werden.

Fig.
24.
Tab.
43.

Eine Druckpumpe besteht aus dem Kolbenrohre, oder dem Stiefel A B C D,
welches gewöhnlich eine 2 bis 3 Fuss lange metallene Röhre ist, in welcher, so wie bei dem
Saugwerke, der Kolben auf- und abgeht. Dieser Kolben ist jedoch nicht durchbrochen
und mit einem Ventile versehen, wie bei den Saugwerken, sondern er ist ganz massiv.
Das Kolbenrohr steht im Wasser, und hat an seinem untern Ende bei B C ein Ventil. Das
Steigrohr E F G H ist an der Seite des Kolbenrohres angebracht, und leitet das Was-
ser aus dem Kolbenrohre an den Ort seiner Bestimmung. Am untern Ende dieses Steig-
rohres ist eine Ausbauchung vorhanden, in welcher ein zweites Ventil liegt. Die Er-
klärung der Bewegung des Wassers findet nun keinen Anstand. Zieht man nämlich den
Kolben in die Höhe, so hebt das einströmende Wasser das Ventil im Kolbenrohre und füllt
den Raum unter dem Kolben aus. Drückt man sodann den Kolben hinab, so fällt das
untere Ventil zu, es muss daher das Wasser, welches dem Kolben nirgends ausweichen
kann, das Ventil im Steigrohre heben, und darin in die Höhe steigen. Zieht man den
Kolben zum zweiten Male in die Höhe, so schliesst das Wasser durch seine Schwere
das Ventil im Steigrohre, und wird auf diese Art gefangen; das äussere Wasser steigt
abermals dem Kolben nach, und drückt man denselben hinab, so fällt das untere Ven-
til wieder zu, und das Wasser steigt durch das geöffnete Ventil des Steigrohres darin
wieder höher. Dieses Spiel geht so fort, bis das Wasser am obern Ende des Steig-
rohres ausfliesst. Wir sehen hieraus, dass die Druckpumpe durch keine solche Höhe,
wie es bei der Saugpumpe hinsichtlich des Wasseransaugens der Fall war, beschränkt
ist, und dass man durch Anwendung einer hinreichenden Kraft das Wasser auf jede
beliebige Höhe heben könne.

Fig.
25.

Die vereinigte Saug- und Druckpumpe ist ein gewöhnliches Saugwerk, wel-
ches einen massiven Kolben, und auf der Seite ein Steigrohr mit einem Ventile hat, wie
dasselbe bei der Druckpumpe angebracht ist. Seine Bewegung erklärt sich leicht aus
dem Vorhergehenden.

§. 91.

Die erste Frage, welche bei einer Saugpumpe vorkommt, betrifft die Bestimmung,
wie hoch das Wasser nach einem jeden Hube steigt, und welches die
grösste Höhe ist, auf welche dasselbe durch das blosse Ansaugen
gehoben werden kann
. Wir haben hier zwei Fälle zu unterscheiden, indem das
Saugventil entweder oben auf dem Saugrohre liegt, oder am untern Ende desselben im
Wasser angebracht ist. Der zweite Fall gewährt den Vortheil, dass das Ventil, da es

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0140" n="122"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#i">Theorie der Pumpen.</hi></fw><lb/>
eine gemeinschaftliche Hauptstange, woran die Kolbenstangen aller Pumpen hängen, in<lb/>
Bewegung gesetzt; sie saugen daher zu gleicher Zeit an, und die Kolben gehen wie-<lb/>
der gemeinschaftlich zurück. Die Verbindung dieser Pumpen werden wir im III. Bande<lb/>
bei den Kunsträdern und Wassersäulmaschinen umständlicher kennen lernen; wir be-<lb/>
merken daher nur vorläufig, dass die Anlage mehrerer Pumpensätze den Vortheil gewährt,<lb/>
dass die Wässer aus den hohen Strecken in die höher liegenden Wasserkästen geleitet,<lb/>
und von dort sogleich herausgepumpt werden, ohne desshalb bis zu dem tiefsten Orte<lb/>
zu gelangen, und von dort erst gemeinschaftlich mit dem übrigen Wasser gehoben zu<lb/>
werden.</p><lb/>
            <note place="left">Fig.<lb/>
24.<lb/>
Tab.<lb/>
43.</note>
            <p>Eine <hi rendition="#g">Druckpumpe</hi> besteht aus dem <hi rendition="#g">Kolbenrohre</hi>, oder dem <hi rendition="#g">Stiefel</hi> A B C D,<lb/>
welches gewöhnlich eine 2 bis 3 Fuss lange metallene Röhre ist, in welcher, so wie bei dem<lb/>
Saugwerke, der <hi rendition="#g">Kolben</hi> auf- und abgeht. Dieser Kolben ist jedoch nicht durchbrochen<lb/>
und mit einem Ventile versehen, wie bei den Saugwerken, sondern er ist ganz massiv.<lb/>
Das Kolbenrohr steht im Wasser, und hat an seinem untern Ende bei B C ein Ventil. Das<lb/><hi rendition="#g">Steigrohr</hi> E F G H ist an der Seite des Kolbenrohres angebracht, und leitet das Was-<lb/>
ser aus dem Kolbenrohre an den Ort seiner Bestimmung. Am untern Ende dieses Steig-<lb/>
rohres ist eine Ausbauchung vorhanden, in welcher ein zweites Ventil liegt. Die Er-<lb/>
klärung der Bewegung des Wassers findet nun keinen Anstand. Zieht man nämlich den<lb/>
Kolben in die Höhe, so hebt das einströmende Wasser das Ventil im Kolbenrohre und füllt<lb/>
den Raum unter dem Kolben aus. Drückt man sodann den Kolben hinab, so fällt das<lb/>
untere Ventil zu, es muss daher das Wasser, welches dem Kolben nirgends ausweichen<lb/>
kann, das Ventil im Steigrohre heben, und darin in die Höhe steigen. Zieht man den<lb/>
Kolben zum zweiten Male in die Höhe, so schliesst das Wasser durch seine Schwere<lb/>
das Ventil im Steigrohre, und wird auf diese Art gefangen; das äussere Wasser steigt<lb/>
abermals dem Kolben nach, und drückt man denselben hinab, so fällt das untere Ven-<lb/>
til wieder zu, und das Wasser steigt durch das geöffnete Ventil des Steigrohres darin<lb/>
wieder höher. Dieses Spiel geht so fort, bis das Wasser am obern Ende des Steig-<lb/>
rohres ausfliesst. Wir sehen hieraus, dass die Druckpumpe durch keine solche Höhe,<lb/>
wie es bei der Saugpumpe hinsichtlich des Wasseransaugens der Fall war, beschränkt<lb/>
ist, und dass man durch Anwendung einer hinreichenden Kraft das Wasser auf jede<lb/>
beliebige Höhe heben könne.</p><lb/>
            <note place="left">Fig.<lb/>
25.</note>
            <p>Die <hi rendition="#g">vereinigte Saug- und Druckpumpe</hi> ist ein gewöhnliches Saugwerk, wel-<lb/>
ches einen massiven Kolben, und auf der Seite ein Steigrohr mit einem Ventile hat, wie<lb/>
dasselbe bei der Druckpumpe angebracht ist. Seine Bewegung erklärt sich leicht aus<lb/>
dem Vorhergehenden.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 91.</head><lb/>
            <p>Die erste Frage, welche bei einer Saugpumpe vorkommt, betrifft die Bestimmung,<lb/><hi rendition="#g">wie hoch das Wasser nach einem jeden Hube steigt, und welches die<lb/>
grösste Höhe ist, auf welche dasselbe durch das blosse Ansaugen<lb/>
gehoben werden kann</hi>. Wir haben hier zwei Fälle zu unterscheiden, indem das<lb/>
Saugventil entweder oben auf dem Saugrohre liegt, oder am untern Ende desselben im<lb/>
Wasser angebracht ist. Der zweite Fall gewährt den Vortheil, dass das Ventil, da es<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[122/0140] Theorie der Pumpen. eine gemeinschaftliche Hauptstange, woran die Kolbenstangen aller Pumpen hängen, in Bewegung gesetzt; sie saugen daher zu gleicher Zeit an, und die Kolben gehen wie- der gemeinschaftlich zurück. Die Verbindung dieser Pumpen werden wir im III. Bande bei den Kunsträdern und Wassersäulmaschinen umständlicher kennen lernen; wir be- merken daher nur vorläufig, dass die Anlage mehrerer Pumpensätze den Vortheil gewährt, dass die Wässer aus den hohen Strecken in die höher liegenden Wasserkästen geleitet, und von dort sogleich herausgepumpt werden, ohne desshalb bis zu dem tiefsten Orte zu gelangen, und von dort erst gemeinschaftlich mit dem übrigen Wasser gehoben zu werden. Eine Druckpumpe besteht aus dem Kolbenrohre, oder dem Stiefel A B C D, welches gewöhnlich eine 2 bis 3 Fuss lange metallene Röhre ist, in welcher, so wie bei dem Saugwerke, der Kolben auf- und abgeht. Dieser Kolben ist jedoch nicht durchbrochen und mit einem Ventile versehen, wie bei den Saugwerken, sondern er ist ganz massiv. Das Kolbenrohr steht im Wasser, und hat an seinem untern Ende bei B C ein Ventil. Das Steigrohr E F G H ist an der Seite des Kolbenrohres angebracht, und leitet das Was- ser aus dem Kolbenrohre an den Ort seiner Bestimmung. Am untern Ende dieses Steig- rohres ist eine Ausbauchung vorhanden, in welcher ein zweites Ventil liegt. Die Er- klärung der Bewegung des Wassers findet nun keinen Anstand. Zieht man nämlich den Kolben in die Höhe, so hebt das einströmende Wasser das Ventil im Kolbenrohre und füllt den Raum unter dem Kolben aus. Drückt man sodann den Kolben hinab, so fällt das untere Ventil zu, es muss daher das Wasser, welches dem Kolben nirgends ausweichen kann, das Ventil im Steigrohre heben, und darin in die Höhe steigen. Zieht man den Kolben zum zweiten Male in die Höhe, so schliesst das Wasser durch seine Schwere das Ventil im Steigrohre, und wird auf diese Art gefangen; das äussere Wasser steigt abermals dem Kolben nach, und drückt man denselben hinab, so fällt das untere Ven- til wieder zu, und das Wasser steigt durch das geöffnete Ventil des Steigrohres darin wieder höher. Dieses Spiel geht so fort, bis das Wasser am obern Ende des Steig- rohres ausfliesst. Wir sehen hieraus, dass die Druckpumpe durch keine solche Höhe, wie es bei der Saugpumpe hinsichtlich des Wasseransaugens der Fall war, beschränkt ist, und dass man durch Anwendung einer hinreichenden Kraft das Wasser auf jede beliebige Höhe heben könne. Die vereinigte Saug- und Druckpumpe ist ein gewöhnliches Saugwerk, wel- ches einen massiven Kolben, und auf der Seite ein Steigrohr mit einem Ventile hat, wie dasselbe bei der Druckpumpe angebracht ist. Seine Bewegung erklärt sich leicht aus dem Vorhergehenden. §. 91. Die erste Frage, welche bei einer Saugpumpe vorkommt, betrifft die Bestimmung, wie hoch das Wasser nach einem jeden Hube steigt, und welches die grösste Höhe ist, auf welche dasselbe durch das blosse Ansaugen gehoben werden kann. Wir haben hier zwei Fälle zu unterscheiden, indem das Saugventil entweder oben auf dem Saugrohre liegt, oder am untern Ende desselben im Wasser angebracht ist. Der zweite Fall gewährt den Vortheil, dass das Ventil, da es

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/gerstner_mechanik02_1832
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/gerstner_mechanik02_1832/140
Zitationshilfe: Gerstner, Franz Joseph von: Handbuch der Mechanik. Bd. 2: Mechanik flüssiger Körper. Prag, 1832, S. 122. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gerstner_mechanik02_1832/140>, abgerufen am 18.07.2019.