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Gleditsch, Johann Gottlieb: Vermischte botanische und ökonomische Abhandlungen. Bd. 3. Berlin, 1789.

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wäre der Organismus zu einem weiblichen Geschlecht
überhaupt, ein anderes der Organismus zu einer
Mutterbiene! so muß man erst erweisen, daß solcher
Organismus zum weiblichen Geschlecht in einem je-
den dreytägigen Arbeitsbienenwurm wirklich anzutref-
fen, ferner, daß die gemeinen Arbeitsbienen lauter
Bienen vom weiblichen Geschlecht, und also die
weiblichen Geburtsglieder in sich enthalten; imglei-
chen muß man aus dem Gesetze der Natur darthun
können, wie es möglich sey, daß blos die Geburts-
glieder durch einen engern Raum sollten unterdrückt
und in ihrer Ausbildung zurückgesetzt werden, da doch
alle übrige Theile des Leibes den nehmlichen Druck aus-
zuhalten haben, als die Geburtsglieder; erweisen müste
man, daß ein feiner Organismus zu einem Geschlecht
blos durch einen äußerlichen Futterbrey könne mitge-
theilet werden; -- daß zur Belebung einer jungen
Zucht keine innerliche noch äußerliche männliche Be-
fruchtung erforderlich; -- daß der dreytägige Wurm,
sobald er nur 4, 5 bis 6 Tage alt worden, schon in
Ansehung der weiblichen Geburtsglieder zusammen-
gedruckt und verstümmelt worden wäre, so daß als-
denn keine Bienenmutter daraus entstehen könnte:
ohngeachtet noch immer der Organismus zum weibli-
chen Geschlecht in feinster Kleinheit darinnen liegt,
und noch Platz genug in der Zelle ist; -- daß der
nehmliche dreytägige Wurm, der von der Sorte der
gemeinen Bienen ausgezogen, und in eine besondere
Zelle getragen worden, nur eine gemeine Biene ge-
blieben wäre, wenn er in seiner ersten Zelle geblie-
ben wäre! Wie kommts? daß in dem Thränen-
ey nicht der Organismus zu einer kleinen gemeinen
Bienen lieget? soll das Thräneney ursprünglich den
Grund zu einer Thräne in sich enthalten, und nur ein
gemeines Ey diesen Urstof erst am zweyten oder
dritten Tag durch einen Futterbrey überkommen?

Es

waͤre der Organismus zu einem weiblichen Geſchlecht
uͤberhaupt, ein anderes der Organismus zu einer
Mutterbiene! ſo muß man erſt erweiſen, daß ſolcher
Organismus zum weiblichen Geſchlecht in einem je-
den dreytaͤgigen Arbeitsbienenwurm wirklich anzutref-
fen, ferner, daß die gemeinen Arbeitsbienen lauter
Bienen vom weiblichen Geſchlecht, und alſo die
weiblichen Geburtsglieder in ſich enthalten; imglei-
chen muß man aus dem Geſetze der Natur darthun
koͤnnen, wie es moͤglich ſey, daß blos die Geburts-
glieder durch einen engern Raum ſollten unterdruͤckt
und in ihrer Ausbildung zuruͤckgeſetzt werden, da doch
alle uͤbrige Theile des Leibes den nehmlichen Druck aus-
zuhalten haben, als die Geburtsglieder; erweiſen muͤſte
man, daß ein feiner Organismus zu einem Geſchlecht
blos durch einen aͤußerlichen Futterbrey koͤnne mitge-
theilet werden; — daß zur Belebung einer jungen
Zucht keine innerliche noch aͤußerliche maͤnnliche Be-
fruchtung erforderlich; — daß der dreytaͤgige Wurm,
ſobald er nur 4, 5 bis 6 Tage alt worden, ſchon in
Anſehung der weiblichen Geburtsglieder zuſammen-
gedruckt und verſtuͤmmelt worden waͤre, ſo daß als-
denn keine Bienenmutter daraus entſtehen koͤnnte:
ohngeachtet noch immer der Organismus zum weibli-
chen Geſchlecht in feinſter Kleinheit darinnen liegt,
und noch Platz genug in der Zelle iſt; — daß der
nehmliche dreytaͤgige Wurm, der von der Sorte der
gemeinen Bienen ausgezogen, und in eine beſondere
Zelle getragen worden, nur eine gemeine Biene ge-
blieben waͤre, wenn er in ſeiner erſten Zelle geblie-
ben waͤre! Wie kommts? daß in dem Thraͤnen-
ey nicht der Organismus zu einer kleinen gemeinen
Bienen lieget? ſoll das Thraͤneney urſpruͤnglich den
Grund zu einer Thraͤne in ſich enthalten, und nur ein
gemeines Ey dieſen Urſtof erſt am zweyten oder
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Es
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[77/0087] waͤre der Organismus zu einem weiblichen Geſchlecht uͤberhaupt, ein anderes der Organismus zu einer Mutterbiene! ſo muß man erſt erweiſen, daß ſolcher Organismus zum weiblichen Geſchlecht in einem je- den dreytaͤgigen Arbeitsbienenwurm wirklich anzutref- fen, ferner, daß die gemeinen Arbeitsbienen lauter Bienen vom weiblichen Geſchlecht, und alſo die weiblichen Geburtsglieder in ſich enthalten; imglei- chen muß man aus dem Geſetze der Natur darthun koͤnnen, wie es moͤglich ſey, daß blos die Geburts- glieder durch einen engern Raum ſollten unterdruͤckt und in ihrer Ausbildung zuruͤckgeſetzt werden, da doch alle uͤbrige Theile des Leibes den nehmlichen Druck aus- zuhalten haben, als die Geburtsglieder; erweiſen muͤſte man, daß ein feiner Organismus zu einem Geſchlecht blos durch einen aͤußerlichen Futterbrey koͤnne mitge- theilet werden; — daß zur Belebung einer jungen Zucht keine innerliche noch aͤußerliche maͤnnliche Be- fruchtung erforderlich; — daß der dreytaͤgige Wurm, ſobald er nur 4, 5 bis 6 Tage alt worden, ſchon in Anſehung der weiblichen Geburtsglieder zuſammen- gedruckt und verſtuͤmmelt worden waͤre, ſo daß als- denn keine Bienenmutter daraus entſtehen koͤnnte: ohngeachtet noch immer der Organismus zum weibli- chen Geſchlecht in feinſter Kleinheit darinnen liegt, und noch Platz genug in der Zelle iſt; — daß der nehmliche dreytaͤgige Wurm, der von der Sorte der gemeinen Bienen ausgezogen, und in eine beſondere Zelle getragen worden, nur eine gemeine Biene ge- blieben waͤre, wenn er in ſeiner erſten Zelle geblie- ben waͤre! Wie kommts? daß in dem Thraͤnen- ey nicht der Organismus zu einer kleinen gemeinen Bienen lieget? ſoll das Thraͤneney urſpruͤnglich den Grund zu einer Thraͤne in ſich enthalten, und nur ein gemeines Ey dieſen Urſtof erſt am zweyten oder dritten Tag durch einen Futterbrey uͤberkommen? Es

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Zitationshilfe: Gleditsch, Johann Gottlieb: Vermischte botanische und ökonomische Abhandlungen. Bd. 3. Berlin, 1789, S. 77. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gleditsch_abhandlungen03_1789/87>, abgerufen am 23.09.2020.