Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Glück, Christian Friedrich von: Versuch einer ausführlichen Erläuterung der Pandecten nach Hellfeld ein Commentar für meine Zuhörer. Erlangen, 1790.

Bild:
<< vorherige Seite

de Origine Iuris.
Asche des Testators quaestionem status. Da nun nach
denen Verordnungen verschiedener Kaiser über den Zu-
stand eines Verstorbenen nach fünf Jahren keine weite-
re zum Nachtheil gereichende Frage aufgeworffen wer-
den sollte 9), so wurde, ohne Zweifel durch die Aucto-
rität der römischen Rechtsgelehrten, eingeführt, daß
auch die Querela inofficiosi binnen fünf Jahren ange-
stellt werden, nach dieser Zeit aber nicht weiter statt
finden sollte 10). Ob nun gleich nach der Nov. 115.
c.
3. und 4. jener color insaniae testatoris nicht mehr
nöthig ist, sondern der Grund dieser Querel vielmehr in
eine unbilliger Weise geschehene Enterbung oder Präter-
ition gesezer wird; so dauert dennoch auch noch heuti-
ges Tages diese Klage länger nicht als fünf Jahr;
und kann daher, wegen etwa cessirenden Grundes dieser
Dauer, die heutige Gültigkeit der dieselbe verordnenden
römischen Gesetze im mindesten nicht bezweifelt werden 11).

§. 59.
Vierte Regel.

Auch dieienigen Verordnungen des rö-
mischen Rechts gelten heutiges Tages nicht,
welche solche Gegenstände haben, die zwar
denen Römern eben so gut, als den Teut-
schen, bekannt waren, aber doch bey der Ein-
führung des römischen Rechts von den Teut-

schen
9) Siehe tot. Tit. D. ne de statu defunctorum post quin-
quennium quaeratur.
svetonivs in vita Titi c.
8. und
capitolinvs in Marco cap. 10.
10) püttmann Exerc. ad L. 16. C. de inoff. testam.
Lipsiae
1774. S. 13. u. folg.
11) püttmann Diss. de querela inoff. testamenti
fratrib. uterin. haud concedenda
. C. II. §. 8. fin.
Z 3

de Origine Iuris.
Aſche des Teſtators quaeſtionem ſtatus. Da nun nach
denen Verordnungen verſchiedener Kaiſer uͤber den Zu-
ſtand eines Verſtorbenen nach fuͤnf Jahren keine weite-
re zum Nachtheil gereichende Frage aufgeworffen wer-
den ſollte 9), ſo wurde, ohne Zweifel durch die Aucto-
ritaͤt der roͤmiſchen Rechtsgelehrten, eingefuͤhrt, daß
auch die Querela inofficioſi binnen fuͤnf Jahren ange-
ſtellt werden, nach dieſer Zeit aber nicht weiter ſtatt
finden ſollte 10). Ob nun gleich nach der Nov. 115.
c.
3. und 4. jener color inſaniae teſtatoris nicht mehr
noͤthig iſt, ſondern der Grund dieſer Querel vielmehr in
eine unbilliger Weiſe geſchehene Enterbung oder Praͤter-
ition geſezer wird; ſo dauert dennoch auch noch heuti-
ges Tages dieſe Klage laͤnger nicht als fuͤnf Jahr;
und kann daher, wegen etwa ceſſirenden Grundes dieſer
Dauer, die heutige Guͤltigkeit der dieſelbe verordnenden
roͤmiſchen Geſetze im mindeſten nicht bezweifelt werden 11).

§. 59.
Vierte Regel.

Auch dieienigen Verordnungen des roͤ-
miſchen Rechts gelten heutiges Tages nicht,
welche ſolche Gegenſtaͤnde haben, die zwar
denen Roͤmern eben ſo gut, als den Teut-
ſchen, bekannt waren, aber doch bey der Ein-
fuͤhrung des roͤmiſchen Rechts von den Teut-

ſchen
9) Siehe tot. Tit. D. ne de ſtatu defunctorum poſt quin-
quennium quaeratur.
svetonivs in vita Titi c.
8. und
capitolinvs in Marco cap. 10.
10) püttmann Exerc. ad L. 16. C. de inoff. teſtam.
Lipſiae
1774. S. 13. u. folg.
11) püttmann Diſſ. de querela inoff. teſtamenti
fratrib. uterin. haud concedenda
. C. II. §. 8. fin.
Z 3
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <p><pb facs="#f0375" n="355"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#aq">de Origine Iuris.</hi></fw><lb/>
A&#x017F;che des Te&#x017F;tators <hi rendition="#aq">quae&#x017F;tionem &#x017F;tatus.</hi> Da nun nach<lb/>
denen Verordnungen ver&#x017F;chiedener Kai&#x017F;er u&#x0364;ber den Zu-<lb/>
&#x017F;tand eines Ver&#x017F;torbenen nach fu&#x0364;nf Jahren keine weite-<lb/>
re zum Nachtheil gereichende Frage aufgeworffen wer-<lb/>
den &#x017F;ollte <note place="foot" n="9)">Siehe <hi rendition="#aq">tot. Tit. D. <hi rendition="#i">ne de &#x017F;tatu defunctorum po&#x017F;t quin-<lb/>
quennium quaeratur.</hi> <hi rendition="#k">svetonivs</hi> <hi rendition="#i">in vita Titi</hi> c.</hi> 8. und<lb/><hi rendition="#aq"><hi rendition="#k">capitolinvs</hi><hi rendition="#i">in Marco</hi> cap.</hi> 10.</note>, &#x017F;o wurde, ohne Zweifel durch die Aucto-<lb/>
rita&#x0364;t der ro&#x0364;mi&#x017F;chen Rechtsgelehrten, eingefu&#x0364;hrt, daß<lb/>
auch die <hi rendition="#aq">Querela inofficio&#x017F;i</hi> binnen fu&#x0364;nf Jahren ange-<lb/>
&#x017F;tellt werden, nach die&#x017F;er Zeit aber nicht weiter &#x017F;tatt<lb/>
finden &#x017F;ollte <note place="foot" n="10)"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#k">püttmann</hi> Exerc. ad L. 16. C. <hi rendition="#g">de inoff. te&#x017F;tam</hi>.<lb/>
Lip&#x017F;iae</hi> 1774. S. 13. u. folg.</note>. Ob nun gleich nach der <hi rendition="#aq">Nov. 115.<lb/>
c.</hi> 3. und 4. jener <hi rendition="#aq">color in&#x017F;aniae te&#x017F;tatoris</hi> nicht mehr<lb/>
no&#x0364;thig i&#x017F;t, &#x017F;ondern der Grund die&#x017F;er Querel vielmehr in<lb/>
eine unbilliger Wei&#x017F;e ge&#x017F;chehene Enterbung oder Pra&#x0364;ter-<lb/>
ition ge&#x017F;ezer wird; &#x017F;o dauert dennoch auch noch heuti-<lb/>
ges Tages die&#x017F;e Klage la&#x0364;nger nicht als fu&#x0364;nf Jahr;<lb/>
und kann daher, wegen etwa ce&#x017F;&#x017F;irenden Grundes die&#x017F;er<lb/>
Dauer, die heutige Gu&#x0364;ltigkeit der die&#x017F;elbe verordnenden<lb/>
ro&#x0364;mi&#x017F;chen Ge&#x017F;etze im minde&#x017F;ten nicht bezweifelt werden <note place="foot" n="11)"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#k">püttmann</hi> Di&#x017F;&#x017F;. <hi rendition="#g">de querela inoff. te&#x017F;tamenti<lb/>
fratrib. uterin. haud concedenda</hi>. C. II. §. 8. fin.</hi></note>.</p>
              </div><lb/>
              <div n="5">
                <head>§. 59.<lb/><hi rendition="#g">Vierte Regel</hi>.</head><lb/>
                <p> <hi rendition="#g">Auch dieienigen Verordnungen des ro&#x0364;-<lb/>
mi&#x017F;chen Rechts gelten heutiges Tages nicht,<lb/>
welche &#x017F;olche Gegen&#x017F;ta&#x0364;nde haben, die zwar<lb/>
denen Ro&#x0364;mern eben &#x017F;o gut, als den Teut-<lb/>
&#x017F;chen, bekannt waren, aber doch bey der Ein-<lb/>
fu&#x0364;hrung des ro&#x0364;mi&#x017F;chen Rechts von den Teut-</hi><lb/>
                  <fw place="bottom" type="sig">Z 3</fw>
                  <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#g">&#x017F;chen</hi> </fw><lb/>
                </p>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[355/0375] de Origine Iuris. Aſche des Teſtators quaeſtionem ſtatus. Da nun nach denen Verordnungen verſchiedener Kaiſer uͤber den Zu- ſtand eines Verſtorbenen nach fuͤnf Jahren keine weite- re zum Nachtheil gereichende Frage aufgeworffen wer- den ſollte 9), ſo wurde, ohne Zweifel durch die Aucto- ritaͤt der roͤmiſchen Rechtsgelehrten, eingefuͤhrt, daß auch die Querela inofficioſi binnen fuͤnf Jahren ange- ſtellt werden, nach dieſer Zeit aber nicht weiter ſtatt finden ſollte 10). Ob nun gleich nach der Nov. 115. c. 3. und 4. jener color inſaniae teſtatoris nicht mehr noͤthig iſt, ſondern der Grund dieſer Querel vielmehr in eine unbilliger Weiſe geſchehene Enterbung oder Praͤter- ition geſezer wird; ſo dauert dennoch auch noch heuti- ges Tages dieſe Klage laͤnger nicht als fuͤnf Jahr; und kann daher, wegen etwa ceſſirenden Grundes dieſer Dauer, die heutige Guͤltigkeit der dieſelbe verordnenden roͤmiſchen Geſetze im mindeſten nicht bezweifelt werden 11). §. 59. Vierte Regel. Auch dieienigen Verordnungen des roͤ- miſchen Rechts gelten heutiges Tages nicht, welche ſolche Gegenſtaͤnde haben, die zwar denen Roͤmern eben ſo gut, als den Teut- ſchen, bekannt waren, aber doch bey der Ein- fuͤhrung des roͤmiſchen Rechts von den Teut- ſchen 9) Siehe tot. Tit. D. ne de ſtatu defunctorum poſt quin- quennium quaeratur. svetonivs in vita Titi c. 8. und capitolinvs in Marco cap. 10. 10) püttmann Exerc. ad L. 16. C. de inoff. teſtam. Lipſiae 1774. S. 13. u. folg. 11) püttmann Diſſ. de querela inoff. teſtamenti fratrib. uterin. haud concedenda. C. II. §. 8. fin. Z 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/glueck_pandecten01_1790
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/glueck_pandecten01_1790/375
Zitationshilfe: Glück, Christian Friedrich von: Versuch einer ausführlichen Erläuterung der Pandecten nach Hellfeld ein Commentar für meine Zuhörer. Erlangen, 1790, S. 355. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/glueck_pandecten01_1790/375>, abgerufen am 28.09.2020.