Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Goethe, Johann Wolfgang von: Faust. Ein Fragment. Leipzig, 1790.

Bild:
<< vorherige Seite
Faust
Wagner.
Verzeiht! es ist ein groß Ergetzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen;
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann ge-
dacht,
Und wie wir's dann zuletzt so herrlich weit ge-
bracht.
Faust.
O ja, bis an die Sterne weit!
Mein Freund, die Zeiten der Vergangen-
heit
Sind uns ein Buch mit sieben Siegeln.
Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
Das ist im Grund der Herren eigner Geist,
In dem die Zeiten sich bespiegeln.
Da ist's dann wahrlich oft ein Jammer!
Man läuft euch bey dem ersten Blick davon.
Ein Kehrichtfaß und eine Rumpelkammer,
Und höchstens eine Haupt- und Staatsaction,
Mit trefflichen, pragmatischen Maximen,
Wie sie den Puppen wohl im Munde ziemen!

Fauſt
Wagner.
Verzeiht! es iſt ein groß Ergetzen,
Sich in den Geiſt der Zeiten zu verſetzen;
Zu ſchauen, wie vor uns ein weiſer Mann ge-
dacht,
Und wie wir’s dann zuletzt ſo herrlich weit ge-
bracht.
Fauſt.
O ja, bis an die Sterne weit!
Mein Freund, die Zeiten der Vergangen-
heit
Sind uns ein Buch mit ſieben Siegeln.
Was ihr den Geiſt der Zeiten heißt,
Das iſt im Grund der Herren eigner Geiſt,
In dem die Zeiten ſich beſpiegeln.
Da iſt’s dann wahrlich oft ein Jammer!
Man läuft euch bey dem erſten Blick davon.
Ein Kehrichtfaß und eine Rumpelkammer,
Und höchſtens eine Haupt- und Staatsaction,
Mit trefflichen, pragmatiſchen Maximen,
Wie ſie den Puppen wohl im Munde ziemen!

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0026" n="16"/>
          <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#g">Fau&#x017F;t</hi> </fw><lb/>
          <sp who="#WAG">
            <speaker><hi rendition="#g">Wagner</hi>.</speaker><lb/>
            <p>Verzeiht! es i&#x017F;t ein groß Ergetzen,<lb/>
Sich in den Gei&#x017F;t der Zeiten zu ver&#x017F;etzen;<lb/>
Zu &#x017F;chauen, wie vor uns ein wei&#x017F;er Mann ge-<lb/>
dacht,<lb/>
Und wie wir&#x2019;s dann zuletzt &#x017F;o herrlich weit ge-<lb/>
bracht.</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#FAU">
            <speaker><hi rendition="#g">Fau&#x017F;t</hi>.</speaker><lb/>
            <p>O ja, bis an die Sterne weit!<lb/>
Mein Freund, die Zeiten der Vergangen-<lb/>
heit<lb/>
Sind uns ein Buch mit &#x017F;ieben Siegeln.<lb/>
Was ihr den Gei&#x017F;t der Zeiten heißt,<lb/>
Das i&#x017F;t im Grund der Herren eigner Gei&#x017F;t,<lb/>
In dem die Zeiten &#x017F;ich be&#x017F;piegeln.<lb/>
Da i&#x017F;t&#x2019;s dann wahrlich oft ein Jammer!<lb/>
Man läuft euch bey dem er&#x017F;ten Blick davon.<lb/>
Ein Kehrichtfaß und eine Rumpelkammer,<lb/>
Und höch&#x017F;tens eine Haupt- und Staatsaction,<lb/>
Mit trefflichen, pragmati&#x017F;chen Maximen,<lb/>
Wie &#x017F;ie den Puppen wohl im Munde ziemen!</p>
          </sp><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[16/0026] Fauſt Wagner. Verzeiht! es iſt ein groß Ergetzen, Sich in den Geiſt der Zeiten zu verſetzen; Zu ſchauen, wie vor uns ein weiſer Mann ge- dacht, Und wie wir’s dann zuletzt ſo herrlich weit ge- bracht. Fauſt. O ja, bis an die Sterne weit! Mein Freund, die Zeiten der Vergangen- heit Sind uns ein Buch mit ſieben Siegeln. Was ihr den Geiſt der Zeiten heißt, Das iſt im Grund der Herren eigner Geiſt, In dem die Zeiten ſich beſpiegeln. Da iſt’s dann wahrlich oft ein Jammer! Man läuft euch bey dem erſten Blick davon. Ein Kehrichtfaß und eine Rumpelkammer, Und höchſtens eine Haupt- und Staatsaction, Mit trefflichen, pragmatiſchen Maximen, Wie ſie den Puppen wohl im Munde ziemen!

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/goethe_faustfragment_1790
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/goethe_faustfragment_1790/26
Zitationshilfe: Goethe, Johann Wolfgang von: Faust. Ein Fragment. Leipzig, 1790, S. 16. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/goethe_faustfragment_1790/26>, abgerufen am 24.10.2020.