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Grimm, Jacob: Deutsche Grammatik. Bd. 1. Göttingen, 1822.

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II. declination der städte- und völkernamen.
Nib. 5521.]) bald auf neutrales (vgl. Kolocz 56. 57.
wienen, daß.). Der im goth. und alth. bemerkte
neutrale gen. -s, -es scheint im mittelh. selten.
5) im neuhochd. gänzlich neutraler gebrauch aller orts-
namen, ohne rücksicht auf das männl. oder weibl.
geschlecht des beisatzes. Man bildet heutzutag den
gen. nicht allein roms, jerusalems, ninives, berns,
prags, wiens etc. sondern auch freiburgs, neustadts
und sogar meiningens, gelnhausens.
Declination der völker- und sectennamen.
1) Ulph. hat nach dritter st. decl. saur (syrus) f. saurs
wie vair, baur oben s. 599; pl. saureis, gen. saure,
dat. saurim, acc. saurins; auch von dem beibehaltenen
samareites (samareites) bildet er den gen. pl. samareite.
Für kretes (kretes) Tit. 1, 12. ist vermuthlich kreteis
zu setzen: haibraius, fareisains, iudaius, saddukaius,
nazoraius gehen im sg. nach dritter, im pl. nach
vierter: fareiseieis, -e, -im, -ins; selbst der pl. von
christus lautet Marc. 13. 22. christjeis. Doch auch ein
dat. iudaium, acc. iudaiuns ist vorhanden (vgl. s. 601.
nr. 5.)
2) (alth.) nach der ersten st. gehen: svap, peigar (bojus
f. peigwar, ungefähr wie vior f. vitwor) lancpart,
purkunt, walah, westval, alaman, nortman etc. und
alle ableitungen -inc, charilinc, durinc etc. pl. svapa,
peigira, alamanna oder alaman, durinca; nach zweiter
bildungen -ari, -eri: romari, perseri, tenimarcheri,
chostinzeri etc. pl. romara, romera etc. -- nach vier-
ter: haun (hunnus) chrieh (graecus) syr (syrus) tan (?da-
nus) sarz, serz (arabs. d. h. saracenus, mit verwand-
lung des c in z, oben s. 68. 163; im altn. serkr blieb
der kehllaut) wilz (veletabus); pl. haunei, chriehhei,
syrei, teni, serzi, wilzei; gen. hauneo etc. -- nach
schwacher: sahso, vranho, judo oder judeo etc. Ver-
schiedene schwanken aus starker form hierher, z. b.
serzo (arabs). -- Die decl. adjectivischer bildungen er-
gibt sich von selbst.
3) (angels.) nach erster starker: svaef, finn, thyring pl.
svaefas, finnas, thyringas; nach vierter (ich gebe den
sicheren pl., da der sg. kaum vorkommt): afdrede
(obtriti) dene (dani) engle (angli) vylte (veletabi)
surpe (sorabi) crece (graeci) und alle auf -vare (oben
s. 641. note): baegdhvare, romvare etc. -- nach schwa-
II. declination der ſtädte- und völkernamen.
Nib. 5521.]) bald auf neutrales (vgl. Kolocz 56. 57.
wienen, daƷ.). Der im goth. und alth. bemerkte
neutrale gen. -s, -es ſcheint im mittelh. ſelten.
5) im neuhochd. gänzlich neutraler gebrauch aller orts-
namen, ohne rückſicht auf das männl. oder weibl.
geſchlecht des beiſatzes. Man bildet heutzutag den
gen. nicht allein rôms, jeruſalêms, ninivês, berns,
prâgs, wiens etc. ſondern auch freiburgs, neuſtadts
und ſogar meiningens, gelnhauſens.
Declination der völker- und ſectennamen.
1) Ulph. hat nach dritter ſt. decl. ſaúr (ſyrus) f. ſaúrs
wie vaír, baúr oben ſ. 599; pl. ſaúreis, gen. ſaúrê,
dat. ſaúrim, acc. ſaúrins; auch von dem beibehaltenen
ſamareitês (σαμαρείτης) bildet er den gen. pl. ſamareitê.
Für krêtês (κρῆτες) Tit. 1, 12. iſt vermuthlich krêteis
zu ſetzen: haibraíus, fareiſains, ïudaíus, ſaddukaíus,
nazôraíus gehen im ſg. nach dritter, im pl. nach
vierter: fareiſeíeis, -ê, -im, -ins; ſelbſt der pl. von
chriſtus lautet Marc. 13. 22. chriſtjeis. Doch auch ein
dat. ïudaíum, acc. ïudaíuns iſt vorhanden (vgl. ſ. 601.
nr. 5.)
2) (alth.) nach der erſten ſt. gehen: ſvâp, peigar (bojus
f. peigwar, ungefähr wie vior f. vitwor) lancpart,
purkunt, walah, weſtvâl, alaman, nortman etc. und
alle ableitungen -inc, charilinc, durinc etc. pl. ſvâpâ,
peigirâ, alamannâ oder alaman, durincâ; nach zweiter
bildungen -ari, -eri: rômari, përſeri, tenimarcheri,
choſtinzeri etc. pl. rômarâ, rômerâ etc. — nach vier-
ter: hûn (hunnus) chrieh (graecus) ſyr (ſyrus) tan (?da-
nus) ſarz, ſerz (arabs. d. h. ſaracenus, mit verwand-
lung des c in z, oben ſ. 68. 163; im altn. ſerkr blieb
der kehllaut) wilz (veletabus); pl. hûnî, chriehhî,
ſyrî, tenì, ſerzì, wilzî; gen. hûneo etc. — nach
ſchwacher: ſahſo, vranho, judo oder judeo etc. Ver-
ſchiedene ſchwanken aus ſtarker form hierher, z. b.
ſerzo (arabs). — Die decl. adjectiviſcher bildungen er-
gibt ſich von ſelbſt.
3) (angelſ.) nach erſter ſtarker: ſvæf, finn, þyring pl.
ſvæfas, finnas, þyringas; nach vierter (ich gebe den
ſicheren pl., da der ſg. kaum vorkommt): afdrëde
(obtriti) dene (dani) engle (angli) vylte (veletabi)
ſurpe (ſorabi) crëce (graeci) und alle auf -vare (oben
ſ. 641. note): bægdhvare, romvare etc. — nach ſchwa-
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[777/0803] II. declination der ſtädte- und völkernamen. Nib. 5521.]) bald auf neutrales (vgl. Kolocz 56. 57. wienen, daƷ.). Der im goth. und alth. bemerkte neutrale gen. -s, -es ſcheint im mittelh. ſelten. 5) im neuhochd. gänzlich neutraler gebrauch aller orts- namen, ohne rückſicht auf das männl. oder weibl. geſchlecht des beiſatzes. Man bildet heutzutag den gen. nicht allein rôms, jeruſalêms, ninivês, berns, prâgs, wiens etc. ſondern auch freiburgs, neuſtadts und ſogar meiningens, gelnhauſens. Declination der völker- und ſectennamen. 1) Ulph. hat nach dritter ſt. decl. ſaúr (ſyrus) f. ſaúrs wie vaír, baúr oben ſ. 599; pl. ſaúreis, gen. ſaúrê, dat. ſaúrim, acc. ſaúrins; auch von dem beibehaltenen ſamareitês (σαμαρείτης) bildet er den gen. pl. ſamareitê. Für krêtês (κρῆτες) Tit. 1, 12. iſt vermuthlich krêteis zu ſetzen: haibraíus, fareiſains, ïudaíus, ſaddukaíus, nazôraíus gehen im ſg. nach dritter, im pl. nach vierter: fareiſeíeis, -ê, -im, -ins; ſelbſt der pl. von chriſtus lautet Marc. 13. 22. chriſtjeis. Doch auch ein dat. ïudaíum, acc. ïudaíuns iſt vorhanden (vgl. ſ. 601. nr. 5.) 2) (alth.) nach der erſten ſt. gehen: ſvâp, peigar (bojus f. peigwar, ungefähr wie vior f. vitwor) lancpart, purkunt, walah, weſtvâl, alaman, nortman etc. und alle ableitungen -inc, charilinc, durinc etc. pl. ſvâpâ, peigirâ, alamannâ oder alaman, durincâ; nach zweiter bildungen -ari, -eri: rômari, përſeri, tenimarcheri, choſtinzeri etc. pl. rômarâ, rômerâ etc. — nach vier- ter: hûn (hunnus) chrieh (graecus) ſyr (ſyrus) tan (?da- nus) ſarz, ſerz (arabs. d. h. ſaracenus, mit verwand- lung des c in z, oben ſ. 68. 163; im altn. ſerkr blieb der kehllaut) wilz (veletabus); pl. hûnî, chriehhî, ſyrî, tenì, ſerzì, wilzî; gen. hûneo etc. — nach ſchwacher: ſahſo, vranho, judo oder judeo etc. Ver- ſchiedene ſchwanken aus ſtarker form hierher, z. b. ſerzo (arabs). — Die decl. adjectiviſcher bildungen er- gibt ſich von ſelbſt. 3) (angelſ.) nach erſter ſtarker: ſvæf, finn, þyring pl. ſvæfas, finnas, þyringas; nach vierter (ich gebe den ſicheren pl., da der ſg. kaum vorkommt): afdrëde (obtriti) dene (dani) engle (angli) vylte (veletabi) ſurpe (ſorabi) crëce (graeci) und alle auf -vare (oben ſ. 641. note): bægdhvare, romvare etc. — nach ſchwa-

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Zitationshilfe: Grimm, Jacob: Deutsche Grammatik. Bd. 1. Göttingen, 1822, S. 777. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimm_grammatik01_1822/803>, abgerufen am 07.12.2019.