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German Schleifheim von Sulsfort [i. e. Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von]: Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch. Monpelgart [i. e. Nürnberg], 1669.

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Deß Abentheurl. Simplicissimi
Fechtplatz seyn solte/ die Hund erwürgten zwar die
Katz/ ich hatte aber bey weitem keinen so herrlichen
Spaß darvon als ich gehofft/ sondern nur Spott/
und ein solch Angesicht/ wie du noch vor Augen sihest.
Dessentwegen wurde ich so ergrimmt/ daß ich nach-
gehends beyde Hund todt schosse/ und meine Matreß,
die mir zu dieser Thorheit Anlaß geben/ dergestalt
abprügelte/ daß sie hätte Oel geben mögen/ und darü-
ber von mir hinweg lieffe/ weil sie ohn Zweiffel keine
so abscheuliche Larve länger lieben konte.

Das XXIII. Capitel.

JCh hette über dieser deß Olieviers Erzehlung gern
gelacht/ und müste mich doch mitleid enlich erzei-
gen; und als ich eben auch anfienge meinen Lebens-
Lauff zuerzehlen/ sahen wir eine Kutsche sampt zwey-
en Reutern das Land herauff kommen/ derohalben
stiegen wir vom Kirch-Thurn/ und setzten uns in ein
Hauß das an der Straß lag/ und sehr bequem war
die vorüber Reisende anzugreiffen/ mein Rohr muste
ich zum Vorrath geladen behalten/ Olivier aber legte
mit seinem Schuß gleich den einen Reuter und das
Pferdt/ ehe sie unserer innen wurden/ weßwegen dann
der ander gleich durchgienge/ und in dem ich mit ü-
bergezognem Hanen den Kutscher halten/ und ab-
steigen gemacht/ sprang Olivier auff ihn dar/ und
spaltete ihm mit seinem breiten Schwerdt den Kopff
von einander biß auff die Zähn hinunter/ wolte auch
gleich darauff das Frauenzimmer und die Kinder
metzgen/ die in her Kutschen sassen/ und bereits
mehr den todten Leichen/ als den Lebenden gleich sa-
hen; ich aber wolte es rund nicht gestatten/ sondern

sagte

Deß Abentheurl. Simpliciſſimi
Fechtplatz ſeyn ſolte/ die Hund erwuͤrgten zwar die
Katz/ ich hatte aber bey weitem keinen ſo herꝛlichen
Spaß darvon als ich gehofft/ ſondern nur Spott/
und ein ſolch Angeſicht/ wie du noch vor Augen ſiheſt.
Deſſentwegen wurde ich ſo ergrimmt/ daß ich nach-
gehends beyde Hund todt ſchoſſe/ und meine Matreß,
die mir zu dieſer Thorheit Anlaß geben/ dergeſtalt
abpruͤgelte/ daß ſie haͤtte Oel geben moͤgen/ und daruͤ-
ber von mir hinweg lieffe/ weil ſie ohn Zweiffel keine
ſo abſcheuliche Larve laͤnger lieben konte.

Das XXIII. Capitel.

JCh hette uͤber dieſer deß Olieviers Erzehlung gern
gelacht/ und muͤſte mich doch mitleid enlich erzei-
gen; und als ich eben auch anfienge meinen Lebens-
Lauff zuerzehlen/ ſahen wir eine Kutſche ſampt zwey-
en Reutern das Land herauff kommen/ derohalben
ſtiegen wir vom Kirch-Thurn/ und ſetzten uns in ein
Hauß das an der Straß lag/ und ſehr bequem war
die voruͤber Reiſende anzugreiffen/ mein Rohr muſte
ich zum Vorꝛath geladen behalten/ Olivier aber legte
mit ſeinem Schuß gleich den einen Reuter und das
Pferdt/ ehe ſie unſerer innen wurden/ weßwegen dañ
der ander gleich durchgienge/ und in dem ich mit uͤ-
bergezognem Hanen den Kutſcher halten/ und ab-
ſteigen gemacht/ ſprang Olivier auff ihn dar/ und
ſpaltete ihm mit ſeinem breiten Schwerdt den Kopff
von einander biß auff die Zaͤhn hinunter/ wolte auch
gleich darauff das Frauenzimmer und die Kinder
metzgen/ die in her Kutſchen ſaſſen/ und bereits
mehr den todten Leichen/ als den Lebenden gleich ſa-
hen; ich aber wolte es rund nicht geſtatten/ ſondern

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[476/0482] Deß Abentheurl. Simpliciſſimi Fechtplatz ſeyn ſolte/ die Hund erwuͤrgten zwar die Katz/ ich hatte aber bey weitem keinen ſo herꝛlichen Spaß darvon als ich gehofft/ ſondern nur Spott/ und ein ſolch Angeſicht/ wie du noch vor Augen ſiheſt. Deſſentwegen wurde ich ſo ergrimmt/ daß ich nach- gehends beyde Hund todt ſchoſſe/ und meine Matreß, die mir zu dieſer Thorheit Anlaß geben/ dergeſtalt abpruͤgelte/ daß ſie haͤtte Oel geben moͤgen/ und daruͤ- ber von mir hinweg lieffe/ weil ſie ohn Zweiffel keine ſo abſcheuliche Larve laͤnger lieben konte. Das XXIII. Capitel. JCh hette uͤber dieſer deß Olieviers Erzehlung gern gelacht/ und muͤſte mich doch mitleid enlich erzei- gen; und als ich eben auch anfienge meinen Lebens- Lauff zuerzehlen/ ſahen wir eine Kutſche ſampt zwey- en Reutern das Land herauff kommen/ derohalben ſtiegen wir vom Kirch-Thurn/ und ſetzten uns in ein Hauß das an der Straß lag/ und ſehr bequem war die voruͤber Reiſende anzugreiffen/ mein Rohr muſte ich zum Vorꝛath geladen behalten/ Olivier aber legte mit ſeinem Schuß gleich den einen Reuter und das Pferdt/ ehe ſie unſerer innen wurden/ weßwegen dañ der ander gleich durchgienge/ und in dem ich mit uͤ- bergezognem Hanen den Kutſcher halten/ und ab- ſteigen gemacht/ ſprang Olivier auff ihn dar/ und ſpaltete ihm mit ſeinem breiten Schwerdt den Kopff von einander biß auff die Zaͤhn hinunter/ wolte auch gleich darauff das Frauenzimmer und die Kinder metzgen/ die in her Kutſchen ſaſſen/ und bereits mehr den todten Leichen/ als den Lebenden gleich ſa- hen; ich aber wolte es rund nicht geſtatten/ ſondern ſagte

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Zitationshilfe: German Schleifheim von Sulsfort [i. e. Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von]: Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch. Monpelgart [i. e. Nürnberg], 1669, S. 476. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_simplicissimus_1669/482>, abgerufen am 17.02.2019.