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Guts Muths, Johann Christoph Friedrich: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes. Schnepfenthal, 1796.

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88. Sprichwörter.

Der Zweck dieses Spiels ist sinnliche Darstel-
lung eines Sprichworts durch theatralische
Handlung, welche entweder in blossem Minen-
spiele
(Pantomine) besteht, oder mit wirklichen
Gesprächen verbunden ist. Beyderley Art der
Darstellung ist vortheilhaft, und die Schwierig-
keiten mögen bey beyden etwa gleich gross
seyn. Eine etwas zahlreiche Gesellschaft theilt
sich in zwey Partheyen und kommt überein,
welche von ihnen das Spiel beginnen soll. Die-
se verlässt das Zimmer, um sich dazu vorzube-
reiten. Sie wählt sich ein Sprichwort und verab-
redet umständlich die Art der Darstellung. Je-
dem wird zu diesem Ende seine bestimmte Rolle
gegeben, jedem sein Minenspiel oder die Mate-
rie worüber geredet werden soll, und die Haupt-
wendung der Gespräche zugetheilt. Man wählt
im nöthigen Falle zu den Rollen eine leichte
Veränderung der Kleidung, und versucht, wenn
man noch nicht sehr geübt ist, vorläufig das
Spiel. Hierauf geht man zu der übrigen Ge-
sellschaft zurück und führt das Verabredete aus.
Die Zuschauer dürfen nichts dazwischen reden,
und kein Spieler darf fremdartige Sachen da-
zwischen bringen. Ist man fertig, so müssen
die Zuschauer das Sprichwort aus der Action

Z 5
88. Sprichwörter.

Der Zweck dieſes Spiels iſt ſinnliche Darſtel-
lung eines Sprichworts durch theatraliſche
Handlung, welche entweder in bloſsem Minen-
ſpiele
(Pantomine) beſteht, oder mit wirklichen
Geſprächen verbunden iſt. Beyderley Art der
Darſtellung iſt vortheilhaft, und die Schwierig-
keiten mögen bey beyden etwa gleich groſs
ſeyn. Eine etwas zahlreiche Geſellſchaft theilt
ſich in zwey Partheyen und kommt überein,
welche von ihnen das Spiel beginnen ſoll. Die-
ſe verläſst das Zimmer, um ſich dazu vorzube-
reiten. Sie wählt ſich ein Sprichwort und verab-
redet umſtändlich die Art der Darſtellung. Je-
dem wird zu dieſem Ende ſeine beſtimmte Rolle
gegeben, jedem ſein Minenspiel oder die Mate-
rie worüber geredet werden ſoll, und die Haupt-
wendung der Geſpräche zugetheilt. Man wählt
im nöthigen Falle zu den Rollen eine leichte
Veränderung der Kleidung, und verſucht, wenn
man noch nicht ſehr geübt iſt, vorläufig das
Spiel. Hierauf geht man zu der übrigen Ge-
ſellſchaft zurück und führt das Verabredete aus.
Die Zuſchauer dürfen nichts dazwiſchen reden,
und kein Spieler darf fremdartige Sachen da-
zwiſchen bringen. Iſt man fertig, ſo müſſen
die Zuſchauer das Sprichwort aus der Action

Z 5
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[361/0393] 88. Sprichwörter. Der Zweck dieſes Spiels iſt ſinnliche Darſtel- lung eines Sprichworts durch theatraliſche Handlung, welche entweder in bloſsem Minen- ſpiele (Pantomine) beſteht, oder mit wirklichen Geſprächen verbunden iſt. Beyderley Art der Darſtellung iſt vortheilhaft, und die Schwierig- keiten mögen bey beyden etwa gleich groſs ſeyn. Eine etwas zahlreiche Geſellſchaft theilt ſich in zwey Partheyen und kommt überein, welche von ihnen das Spiel beginnen ſoll. Die- ſe verläſst das Zimmer, um ſich dazu vorzube- reiten. Sie wählt ſich ein Sprichwort und verab- redet umſtändlich die Art der Darſtellung. Je- dem wird zu dieſem Ende ſeine beſtimmte Rolle gegeben, jedem ſein Minenspiel oder die Mate- rie worüber geredet werden ſoll, und die Haupt- wendung der Geſpräche zugetheilt. Man wählt im nöthigen Falle zu den Rollen eine leichte Veränderung der Kleidung, und verſucht, wenn man noch nicht ſehr geübt iſt, vorläufig das Spiel. Hierauf geht man zu der übrigen Ge- ſellſchaft zurück und führt das Verabredete aus. Die Zuſchauer dürfen nichts dazwiſchen reden, und kein Spieler darf fremdartige Sachen da- zwiſchen bringen. Iſt man fertig, ſo müſſen die Zuſchauer das Sprichwort aus der Action Z 5

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Zitationshilfe: Guts Muths, Johann Christoph Friedrich: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes. Schnepfenthal, 1796, S. 361. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/gutsmuths_spiele_1796/393>, abgerufen am 14.10.2019.