Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653.

Bild:
<< vorherige Seite
Erfindung.
99. Erfindung.

Die aller Meisterschafft Grundquellen ange-
zäpft/ durch fleissiges Gesuch erfunden/ ausge-
dacht/ durchforscht/ erspührt/ erhaben/ zu Werke
gebracht/ auswürket/ in nutzlichen Gebrauch/
zu allgemeinem Behuf gesetzt/ gestellt/ gestifftet/
erstlich gewidmet/ angewendet/ an und eingerich-
tet/ gewäret/ geprobet/ beliebt gemachet/ glück-
lichst ausgedacht/ mit Kunstrichtiger Gewißheit
verfasset.

Die Erfindung wird gebildet in Gestalt ei-
ner verständigen Dirne/ auf ihrer Gürtel stehet
geschrieben: Aus eignem Wolvermögen:
ihr Haubt ist geflügelt/ in der Hand träget sie
das Bild der Natur.

Natur.

100. Ernde.

Der Ceres falbes Haar hat nun die reiffe Far-
be/ die Sichel schläget an/ man bindet manche
Garbe etc. Der Erden falbe Farb'erweist der Ern-
de Freude/ man hört das Reyenlied zu Dorff und
Feld erschallen/ man schauet wie der Wind die
Haimen machet wallen/ beschwert von vollen
Achren/ die schleusst ein Bälglein ein/ das mit viel
Nadelschutz muß wol verwahret seyn/ für aller
Vögel Raub. Der Frau Erden offner Schatz/
Schoß etc.

Die Erde wird gebildet durch eine Schnit-

terin/
Erfindung.
99. Erfindung.

Die aller Meiſterſchafft Grundquellen ange-
zaͤpft/ durch fleiſſiges Geſuch erfunden/ ausge-
dacht/ durchforſcht/ erſpuͤhrt/ erhaben/ zu Werke
gebracht/ auswuͤrket/ in nutzlichen Gebrauch/
zu allgemeinem Behuf geſetzt/ geſtellt/ geſtifftet/
erſtlich gewidmet/ angewendet/ an und eingerich-
tet/ gewaͤret/ geprobet/ beliebt gemachet/ gluͤck-
lichſt ausgedacht/ mit Kunſtrichtiger Gewißheit
verfaſſet.

Die Erfindung wird gebildet in Geſtalt ei-
ner verſtaͤndigen Dirne/ auf ihrer Guͤrtel ſtehet
geſchrieben: Aus eignem Wolvermoͤgen:
ihr Haubt iſt gefluͤgelt/ in der Hand traͤget ſie
das Bild der Natur.

☞Natur.

100. Ernde.

Der Ceres falbes Haar hat nun die reiffe Far-
be/ die Sichel ſchlaͤget an/ man bindet manche
Garbe ꝛc. Der Erden falbe Farb’erweiſt der Ern-
de Freude/ man hoͤrt das Reyenlied zu Dorff und
Feld erſchallen/ man ſchauet wie der Wind die
Haimen machet wallen/ beſchwert von vollen
Achren/ die ſchleuſſt ein Baͤlglein ein/ das mit viel
Nadelſchutz muß wol verwahret ſeyn/ fuͤr aller
Voͤgel Raub. Der Frau Erden offner Schatz/
Schoß ꝛc.

Die Erde wird gebildet durch eine Schnit-

terin/
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0214" n="184[182]"/>
          <fw place="top" type="header">Erfindung.</fw><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#fr"> <hi rendition="#b">99. Erfindung.</hi> </hi> </head><lb/>
            <p>Die aller Mei&#x017F;ter&#x017F;chafft Grundquellen ange-<lb/>
za&#x0364;pft/ durch flei&#x017F;&#x017F;iges Ge&#x017F;uch erfunden/ ausge-<lb/>
dacht/ durchfor&#x017F;cht/ er&#x017F;pu&#x0364;hrt/ erhaben/ zu Werke<lb/>
gebracht/ auswu&#x0364;rket/ in nutzlichen Gebrauch/<lb/>
zu allgemeinem Behuf ge&#x017F;etzt/ ge&#x017F;tellt/ ge&#x017F;tifftet/<lb/>
er&#x017F;tlich gewidmet/ angewendet/ an und eingerich-<lb/>
tet/ gewa&#x0364;ret/ geprobet/ beliebt gemachet/ glu&#x0364;ck-<lb/>
lich&#x017F;t ausgedacht/ mit Kun&#x017F;trichtiger Gewißheit<lb/>
verfa&#x017F;&#x017F;et.</p><lb/>
            <p>Die <hi rendition="#fr">Erfindung</hi> wird gebildet in Ge&#x017F;talt ei-<lb/>
ner ver&#x017F;ta&#x0364;ndigen Dirne/ auf ihrer Gu&#x0364;rtel &#x017F;tehet<lb/>
ge&#x017F;chrieben: <hi rendition="#fr">Aus eignem Wolvermo&#x0364;gen:</hi><lb/>
ihr Haubt i&#x017F;t geflu&#x0364;gelt/ in der Hand tra&#x0364;get &#x017F;ie<lb/>
das Bild der Natur.</p><lb/>
            <p>&#x261E;Natur.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#fr"> <hi rendition="#b">100. Ernde.</hi> </hi> </head><lb/>
            <p>Der Ceres falbes Haar hat nun die reiffe Far-<lb/>
be/ die Sichel &#x017F;chla&#x0364;get an/ man bindet manche<lb/>
Garbe &#xA75B;c. Der Erden falbe Farb&#x2019;erwei&#x017F;t der Ern-<lb/>
de Freude/ man ho&#x0364;rt das Reyenlied zu Dorff und<lb/>
Feld er&#x017F;challen/ man &#x017F;chauet wie der Wind die<lb/>
Haimen machet wallen/ be&#x017F;chwert von vollen<lb/>
Achren/ die &#x017F;chleu&#x017F;&#x017F;t ein Ba&#x0364;lglein ein/ das mit viel<lb/>
Nadel&#x017F;chutz muß wol verwahret &#x017F;eyn/ fu&#x0364;r aller<lb/>
Vo&#x0364;gel Raub. Der Frau Erden offner Schatz/<lb/>
Schoß &#xA75B;c.</p><lb/>
            <p>Die <hi rendition="#fr">Erde</hi> wird gebildet durch eine Schnit-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">terin/</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[184[182]/0214] Erfindung. 99. Erfindung. Die aller Meiſterſchafft Grundquellen ange- zaͤpft/ durch fleiſſiges Geſuch erfunden/ ausge- dacht/ durchforſcht/ erſpuͤhrt/ erhaben/ zu Werke gebracht/ auswuͤrket/ in nutzlichen Gebrauch/ zu allgemeinem Behuf geſetzt/ geſtellt/ geſtifftet/ erſtlich gewidmet/ angewendet/ an und eingerich- tet/ gewaͤret/ geprobet/ beliebt gemachet/ gluͤck- lichſt ausgedacht/ mit Kunſtrichtiger Gewißheit verfaſſet. Die Erfindung wird gebildet in Geſtalt ei- ner verſtaͤndigen Dirne/ auf ihrer Guͤrtel ſtehet geſchrieben: Aus eignem Wolvermoͤgen: ihr Haubt iſt gefluͤgelt/ in der Hand traͤget ſie das Bild der Natur. ☞Natur. 100. Ernde. Der Ceres falbes Haar hat nun die reiffe Far- be/ die Sichel ſchlaͤget an/ man bindet manche Garbe ꝛc. Der Erden falbe Farb’erweiſt der Ern- de Freude/ man hoͤrt das Reyenlied zu Dorff und Feld erſchallen/ man ſchauet wie der Wind die Haimen machet wallen/ beſchwert von vollen Achren/ die ſchleuſſt ein Baͤlglein ein/ das mit viel Nadelſchutz muß wol verwahret ſeyn/ fuͤr aller Voͤgel Raub. Der Frau Erden offner Schatz/ Schoß ꝛc. Die Erde wird gebildet durch eine Schnit- terin/

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/harsdoerffer_trichter03_1653
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/harsdoerffer_trichter03_1653/214
Zitationshilfe: Harsdörffer, Georg Philipp: Poetischer Trichter. Bd. 3. Nürnberg, 1653, S. 184[182]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/harsdoerffer_trichter03_1653/214>, abgerufen am 16.10.2019.